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A Cure for Wellness [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. November 2017
Genre: Thriller / Fantasy / Horror

Originaltitel: A Cure for Wellness
Laufzeit: 146 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Gore Verbinski
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Ivo Nandi, Adrian Schiller, Celia Imrie, Harry Groener, Tomas Norström, Ashok Mandanna, Magnus Krepper


Kurzinhalt:

Für eine geplante Fusion des Wall Street-Unternehmens, ohne die dessen Tage gezählt sind, soll der aufstrebende Lockhart (Dane DeHaan) den in ein Schweizer Sanatorium zurückgezogenen CEO Roland Pembroke (Harry Groener) zurückholen. Doch in der Schweiz angekommen, muss Lockhart feststellen, dass die Einrichtung anders ist, als er sich vorgestellt hatte. Nach einem Unfall soll Lockhart laut Klinikleiter Volmer (Jason Isaacs) ein paar Tage bleiben, in denen der neue Patient jedoch zunehmend von Wahnvorstellungen geplagt wird. Einzig die junge Hannah (Mia Goth) ist wie ein Leuchtfeuer an diesem unheimlichen Ort. Ihre Warnung an Lockhart, dass niemand die Klinik je verlässt, wird für ihn mit jedem Tag wahrscheinlicher …


Kritik:
Es ist heutzutage überaus selten, einen von einem großen Studio produzierten Film zu sehen, der nicht einer bekannten Formel folgt, nicht auf einem Comic oder einem Buch basiert und eine eigenständige Geschichte erzählt. Gore Verbinskis A Cure for Wellness ist dabei so speziell, dass er in keinem Fall ein breites Publikum anspricht. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht sehenswert wäre. Interessierte sollten nur damit rechnen, etwas gezeigt zu bekommen, das einem in surrealen Bildern eingefangenen Alptraum entspricht.

Im Zentrum steht der junge Karrierist eines Wall Street-Unternehmens, das kurz vor einer Fusion steht und große Probleme auf sich zurollen sieht. Der für Entscheidungen wichtige CEO hat sich in ein Sanatorium in der Schweiz zurückgezogen. Dorthin soll Lockhart reisen und den CEO überzeugen, zurückzukehren. Doch kaum ist Lockhart in der Einrichtung angekommen, scheinen ihm alle Beteiligten Steine in den Weg zu legen, wieder abzureisen und wenig später findet er sich mit einem gebrochenen Bein als Patient dort wieder. Es wäre einfacher zu erkennen, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht, würde Filmemacher Verbinski nicht seinen gesamten Film in eine unwirkliche Optik tauchen. Doch die ins Grüne verschobenen, entsättigten Farben, die seltsamen, hypnotischen Perspektiven und die triste Umgebung, die er bereits in der Großstadt einfängt, lassen einen die gesamte Welt von A Cure for Wellness als sonderbar empfinden.

Im Sanatorium angekommen, stellt Lockhart fest, dass alle Patientinnen und Patienten älteren Semesters sind – mit einer Ausnahme. Die junge Hannah, die selbst sagt, sie sei ein "Spezialfall", sticht aus der Menge hervor wie ein Fremdkörper. Das gesamte Areal, das anmutet wie ein Schloss, wirkt, als sei es vor Jahrzehnten in der Entwicklung stehengeblieben. Die Räumlichkeiten selbst sind verwinkelt und erinnern mitunter an ein Labyrinth. A Cure for Wellness beweist ein Gespür für Optik und Atmosphäre, dass selbst die zweieinhalb Stunden Laufzeit deutlich kürzer empfunden werden. Vom ersten Moment an kreieren die Filmemacher eine bedrohliche Stimmung, die sich gar nicht wirklich greifen lässt, die aber über dem sonderbaren Verhalten der Patienten und des Klinikpersonals schwebt. Gore Verbinskis Bilder sind eine absolute Wucht, er erschafft mit einer Sicherheit und scheinbaren Leichtigkeit eine bedrückende Stimmung, in der das kalte Design der Klinik ebenso zum Charakter wird, wie die sphärische Musik, die ungemein zum Ambiente beiträgt.

Immer wieder erhält Lockhart ein sprichwörtliches Puzzleteil, das ihn zu einem Gesamtverständnis dessen führt, was in der Klinik vor sich geht. Genrekenner werden manche Auflösung dabei zwar erahnen können, doch verfehlt nicht zuletzt das bildgewaltige Finale seine Wirkung nicht. Etwas, das dem Drehbuch allerdings misslingt ist, Lockharts Figur in irgendeiner Form weiterzuentwickeln. Zwar werden sein Werdegang und das Kindheitstrauma beleuchtet, doch dass er im Laufe von A Cure for Wellness zu einer anderen Person wird, geschieht bedauerlicherweise nicht. Er bleibt, wie die übrigen Charaktere, wenig entwickelt. Dane DeHaan bringt die steigende Panik gekonnt zum Ausdruck, Jason Isaacs ist als mysteriöser Klinikleiter toll getroffen und auch Mia Goth besitzt als Hannah eine Verletzlichkeit, die ihre unheilvolle Aura gelungen überdeckt. Doch je länger der Film dauert, umso ernüchternder ist die Erkenntnis, dass die Personen nicht mehr sind, als man zunächst von ihnen zu sehen bekommt.

Es ist ein Kritikpunkt, der im Nachhinein stärker an Gewicht gewinnt, als während man sich A Cure for Wellness ansieht. Dann ist man von den Bildern derart gefangen, dass einen die Stimmung vollständig für sich einnimmt. Auf Grund des gezeigten Gewaltgrads, der in machen Momenten und insbesondere dem Finale unerwartet in die Höhe schnellt, eignet sich Verbinskis düstere Vision nicht für ein junges Publikum, das ohnehin mit der ruhigen Erzählweise wenig würde anzufangen wissen. Doch wer sich auf die unwirkliche Erzählung einlässt, bekommt einen der visuell beeindruckendsten Filme des Jahres zu sehen, der viele Elemente versteckt andeutet und eine durchgehend unheimliche Stimmung erzeugt.


Fazit:
Sei es Thomas Manns Roman Der Zauberberg [1924] oder der tragische Tod eines trächtigen Tieres, Filmemacher Gore Verbinski streut so viele Andeutungen ein, die die Geschichte und die Hintergründe von A Cure for Wellness erklären, dass man sich zunehmend in dieser surrealen Umgebung verliert. Die Auswahl der Bilder und Perspektiven ist atemberaubend, die Farbpalette fantastisch abgestimmt, dass die Produktionswerte bestmöglich in Szene gesetzt sind. Zur beunruhigenden Stimmung trägt auch die tolle Musik bei, die das traumartige Flair noch unterstützt. Trotz der langen Laufzeit wird die ruhige Erzählung nie lang. Die Spannung zieht der Regisseur aus der Umgebung, was jedoch nicht den Mangel an Sympathiefiguren oder Charakterentwicklungen entschuldigt. Hinzu kommt, dass Genrekenner die Auflösung lange bereits erahnen werden. Doch dafür entschädigt die Präsentation bei weitem und für den Mut, eine solche Geschichte mit diesem Aufwand zu erzählen, können Mystery-Fans noch einen halben Punkt zur Wertung hinzurechnen.
 


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