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Ernest Cline: "Ready Player One" [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. August 2017
ReadyPlayerOne-Cover
Urheberrecht des Covers liegt bei der S. FISCHER Verlag GmbH
ISBN: 978-3-10-490194-7 (E-Book); Preis € (D) 9,99
.
Verwendet mit freundlicher Genehmigung.
Autor: Ernest Cline

Genre: Science Fiction / Thriller / Action

Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: E-Book
Länge: 386 Seiten
Erstveröffentlichungsland: Großbritannien
Erstveröffentlichungsjahr: 2011
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2012
ISBN (gelesene Ausgaben): 978-1-846-05937-7


Kurzinhalt:
Es ist das Jahr 2044. Ein Großteil der verarmten Menschheit lebt und arbeitet in der virtuellen Realität der OASIS. Deren exzentrischer Gründer hat irgendwo auf den tausenden Welten mit ihren individuellen Eigenheiten einen Schatz versteckt, ein Easter Egg. Nach seinem Tod erscheint ein letztes Video von ihm, in dem er alle Nutzer der OASIS aufruft, das "Ei" zu finden – wem es gelingt, den erwartet nicht nur sein gesamtes Vermögen, der Finderlohn umfasst auch die Betreiberfirma selbst. Abgesehen von einigen kryptischen Rätseln gibt es jedoch keinen Hinweis, wo der Schatz zu finden ist. Jahre vergehen, bis der Schüler Wade Watts, der in der OASIS als Parzival bekannt ist, den ersten von drei Schlüsseln findet. Aber nicht nur, dass andere Schatzjäger wie sein Freund Aech, oder die in den Kreisen bekannte Art3mis ebenfalls auf der Suche sind, der Großkonzern IOI ist darauf aus, die OASIS, deren Zugang bislang kostenlos ist, zu Geld zu machen. Und um Wade aufzuhalten oder sich sein Wissen anzueignen, schrecken sie vor nichts zurück – sowohl in der virtuellen Welt, als auch in der realen …


Kritik:
Der Debütroman von Ernest Cline, Ready Player One, richtet sich an eine Leserschaft, die wie die Hauptfiguren des Werkes dem schier unermesslichen Schatz der modernen Popkultur verfallen sind, die in den 1970er- und 80er-Jahren ihren Höhepunkt feierte. Viele Geschichten, Musik, Filme und Bücher jener Zeit werden Jahrzehnte später wieder aufgegriffen – sie wirken immer noch. Es ist ein Vermächtnis, in dem sich der Autor bestens auskennt und dessen Stärken er für sich zu nutzen weiß, selbst wenn er denselben Schwächen erliegt.

Die Dystopie ist im Jahr 2044 angesiedelt, in einer Welt, in der auf Grund der verschwindenden Ressourcen, globaler Erwärmung und einer Energiekrise ein unermesslicher Teil der Bevölkerung verarmt ist. Aus dieser hoffnungslosen Welt fliehen die Menschen zu Millionen in die OASIS, eine virtuelle Realität, geschaffen von James Donovan Halliday und Ogden Morrow, die gleichermaßen als Rollenspielplattform dient und in der die Menschen sein können, wer oder was sie wollen. Dort wird gelebt, gearbeitet und geliebt. Als Halliday stirbt, lässt er verlautbaren, dass in der OASIS ein Easter Egg versteckt sei, eine kleine Besonderheit, von der niemand etwas weiß. Wer dieses "Osterei" findet, erbt nicht nur sein gesamtes und beträchtliches Vermögen, sondern auch seine Firma, welcher die OASIS gehört. Angesichts der Tatsache, dass der multinationale Großkonzern Innovative Online Industries (kurz: IOI) plant, die OASIS an sich zu reißen, um sie für den höchsten Profit auszuschlachten, entbrennt nicht nur ein Wettstreit unter allen OASIS-Nutzern, sondern insbesondere in Hinblick auf IOI.

Die Hauptperson, aus deren Sicht Ready Player One erzählt ist, ist Wade Owen Watts, in der OASIS unter dem Avatar Parzival bekannt. Er findet fünf Jahre nach Start des Wettstreits, in denen niemand der Lösung auch nur ein Stückchen näher gekommen war, den ersten von drei Schlüsseln, mit denen sich der Weg zum Easter Egg freischalten lässt.
Dass Autor Ernest Cline seinen Roman mit allerlei Referenzen bezüglich Musik, Filmen und Videospielen insbesondere der 80er-Jahre versieht, in denen der OASIS-Programmierer Halliday aufgewachsen war, verleiht dem Buch eine ganz eigene Atmosphäre. Angefangen von Zitaten, über Erwähnung oder Nacherzählungen von ganzen Filmen, die die Wettstreiter hier durchleben, gibt es für eine aufmerksame Leserschaft eine schier unendliche Anzahl an Verweisen zu entdecken. So unterhaltsam das für diejenigen ist, die sich in der Materie – zumindest ein wenig – auskennen, so unzugänglich wird es für diejenigen sein, denen beispielsweise das weitläufige Metier bzw. das Schiere Konzept der Video- oder Rollenspiele vollkommen unbekannt ist.

Wade ist wie Halliday vor ihm (und vermutlich Cline ebenso) ein "Geek". Beziehungsweise, Wade wurde ein Geek auf Grund der Suche nach dem "Ei", das Halliday hinterlassen hat. Dabei wirft Ready Player One angesichts der Thematik auch soziale Fragen auf. So hält der Autor fest, dass sich die Menschen in eine virtuelle Welt fliehen, doch damit die Probleme der wirklichen nicht besser werden. Soziale Kontakte nehmen angesichts des völligen Fehlens jeglichen körperlichen Beisammenseins seltsame Form an. Gleichzeitig bietet die OASIS ungeahnte Möglichkeiten – der Fantasie derer, welche die unzähligen Welten oder Artefakte programmieren, sind keine Grenzen gesetzt. Und auch wenn sich Sexismus oder Diskriminierung nun insoweit umgehen lassen, dass jeder sein kann, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht er/sie darstellen möchte, es hat an der Voreingenommenheit der Menschen nichts geändert.

Insofern ist der "Ausweg", den die OASIS anbietet, eine Sackgasse aus Bits und Bytes. Diesen Subtext arbeitet Ernest Cline allerdings weniger heraus, als man vermuten würde. Dafür präsentiert er, sobald die Jagd beginnt, einen Roman, dessen Welt nicht nur auf eine greifbare Weise plastisch erscheint, sondern dank der unzähligen Details verblüffend glaubwürdig. Wie die Popkultur selbst, haben die Figuren darin ihre eigene Sprache entwickelt mit neuen Wortschöpfungen und einem eingängigen Rhythmus. Doch so gelungen diese Aspekte von Ready Player One sind, sie täuschen nur bedingt über einige der Schwächen hinweg.

So ist der klassische Bösewicht kaum ausgearbeitet. Nolan Sorrento von IOI steht für all das Schlechte dieses geld- und machtgierigen Großkonzerns, doch man erfährt so gut wie nichts über ihn. Dass es schlussendlich zu einem Showdown zwischen ihm und der Truppe der Helden um Parzival kommen muss, steht außer Frage. Doch nach dem langen Aufbau ist die Schlacht am Ende nach wenigen Seiten und ohne eine große Dramaturgie vorbei. Auch erscheinen, nach den vorigen Rätseln, die Halliday gestellt hat, die letzten schlicht zu einfach.
Vor allem sucht Cline gleich mehrmals einen einfachen Ausweg aus einer Situation, die die Helden vor eine schier unüberwindbare Aufgabe stellt. Jedes Mal offenbart der Erzähler dann, dass er zuvor bereits etwas in die Wege geleitet hatte, um genau dieses Problem zu umgehen. Die von Parzival bei einer Aufgabe gewonnene Vierteldollarmünze, deren Bedeutung er zu diesem Zeitpunkt noch nicht versteht, stellt dagegen eine wirklich gelungene Art und Weise dar, solche Momente aufzulösen, ohne dem Leser dabei die sprichwörtliche Zunge herauszustrecken.

Doch diese Kritikpunkte stören das Lesevergnügen kaum, dafür ist die Geschichte zu flott erzählt und die unzähligen Anspielungen zu eingängig. In gewisser Weise ist es sogar passend, dass sich Ready Player One mancher Klischees derjenigen Vertreter der Popkultur bedient, zu denen der Roman eine so passende Hommage darstellt.


Fazit:
Sehen sich Parzival und seine Mitstreiter der schier unüberwindbaren Armee von IOI gegenüber, weckt der Roman Erinnerungen an zahlreiche David-gegen-Goliath-Geschichten. Dass die Guten hier junge Erwachsene sind, die gegen eine Übermacht antreten, die mit modernster Technik ausgestattet ist, macht das Flair der Underdogs komplett. Die Jagd nach Halliday's Easter Egg wird von Ernest Cline nicht nur temporeich erzählt, er behält sich durchweg das Staunen bei, das diejenigen empfunden haben, die wie er vor Jahren zum ersten Mal diese Videospiel-Klassiker für sich entdeckt hatten. Für das Publikum der Geeks ist Ready Player One ein fantastisches Lesevergnügen, bei dem die virtuellen Welten ebenso gelungen und mit einem durchgängigen Detailgrad zum Leben erweckt werden, wie die hoffnungslos erscheinende Zukunft unserer Welt. Der Autor zollt hier all denjenigen auf eine charmante Art und Weise Respekt, die sonst oft für ihre beinahe religiös erscheinenden Überzeugungen und ihr (vermeintlich unnützes) Fanwissen abschätzig belächelt werden. Dass er die Regeln der OASIS bzw. seines Romans mehrmals im Verlauf ändert, beziehungsweise was zuvor als gegeben erklärt wird, später umgeschrieben wird, ist zwar ein Kritikpunkt, schmälert aber nicht den immensen Spaßfaktor. Dank dem werden diejenigen, die sich zumindest zum Teil mit Parzival, Aech oder Art3mis identifizieren können, an vielen Stellen im Buch unweigerlich grinsen müssen.
 


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