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Carl Sagan: "Contact" [1985]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. August 2007
Autor: Carl Sagan

Genre: Sience Fiction

Originaltitel: Contact
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 431 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1985
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1986
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-0-671-00410-1


Kurzinhalt:
Schon von Kindesbeinen an begeistert sich Eleanor "Ellie" Arroway für die Zusammenhänge. Erst im Kleinen, als sie die Funktionsweise eines Funkgerätes verstehen möchte – später im Großen, wenn sie sich ihrer Leidenschaft für die Sterne annimmt.
Ihre Gedankenspiele, was sie als Leiterin der Radioteleskopwarte Argus erwarten würde, würden tatsächlich Signale einer fremden Spezies empfangen werden, sieht Ellie schon bald Wirklichkeit geworden. Ein außerordentlich starkes Signal wird weltweit von der Vega aus empfangen. Versteckt findet sich eine fantastische Botschaft.
Jahrelang tüftelt Ellie zusammen mit anderen Wissenschaftlern, ehe sie entdecken, dass die Außerirdischen die Anleitung zum Bau einer Maschine senden. Was sie tun wird, steht in den Sternen. Doch die Befürchtungen der Menschen sind ebenso groß wie ihre Erwartungen. Und was Ellie am Ende ihrer Reise erwartet, wird ihr ganzes Weltbild, mehr noch, das Bild ihres Universums verändern ...


Kritik:
Es ist erstaunlich, welche verschiedenen Gesichter und Motive die außerirdischen Wesen in allen möglichen Unterhaltungsmedien angekommen haben, seit es denn solche Geschichten gibt. Dabei unterscheiden sie sich weniger in ihren Anliegen – derer scheint es nur zwei verschiedene zu geben – viel interessanter ist, wie sich diese Stereotypen zeitlich einordnen lassen. So schienen die Extra-Terrestrischen vor über 100 Jahren, bis hin in die 1960er Jahre hinein meistens bösartiger Natur und wollten die Menschen unterwerfen, beziehungsweise den Planeten erobern. In den 70er und 80er Jahren folgten Projekte, in denen ein Erstkontakt sehr viel freundlicher, wenn auch nicht ohne Hindernisse von statten ging. Erst in den 90er Jahren und heutzutage scheint es wieder so, als würden Aliens den Menschen nichts Gutes wollen.
Mit seiner Bahn brechenden und außerdem sehr populären wissenschaftlichen Dokumentationsreihe Unser Kosmos [1980] machte Carl Sagan das Universum und das Verständnis der Allgemeinheit für die Zusammenhänge des Kosmos salonfähig und erhielt bereits zuvor den "Pulitzer Preis". Mit Contact, dessen Story zusammen mit seiner dritten Ehefrau Ann Druyan entstand, zeigt Sagan ein wahrscheinliches und ebenso beeindruckendes Szenario eines (friedvollen) Erstkontaktes.

Dabei stützt er sich wie bei Unser Kosmos auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, und nimmt sich ebenfalls wieder Zeit, dem Leser viele Zusammenhänge zu erklären. Inhaltlich verfolgt er dabei das Leben er Astrophysikerin Eleanor "Ellie" Arroway, die nach ihrer nicht gerade einfachen Jugend ihre Leidenschaft für die Sterne zum Beruf machen kann und bei der Suche nach Extra-Terrestrischer Intelligenz (SETI) mittels riesiger Radioteleskope mithilft.
Was Sagans Hang zum Realismus allerdings zum Opfer fällt ist unter anderem ein richtiger Spannungsbogen, was auf den Roman bezogen schon dadurch deutlich wird, dass sich die Geschichte über viele Jahre hinzieht. Dies nutzt der Autor zwar, um auch viele andere Entwicklungen auf der Welt zu prognostizieren und nimmt so 20 Jahre früher schon den privatisierten Raumflug vorweg, globalen Klimaschutz und gar politische Neuerungen wie zum Beispiel einen weiblichen US-Präsidenten. Wenn allerdings vom Empfangen der Nachricht bis zum fertigen Bau der Maschine mehrere Hundert Seiten und auch mehrere Jahre vergehen, hätte man sich als Leser dazwischen ein wenig mehr Dynamik versprochen. Doch eben diese Dringlichkeit, die eine solch fantastische Entdeckung an sich nach sich ziehen sollte, lässt der Roman vermissen. Dafür bleibt Sagan durchweg sehr nüchtern in seinen Schilderungen, erklärt viele Zusammenhänge und auch global politische Entwicklungen auf Grund der Entdeckung der Außerirdischen.
Die Vorgehensweise scheint dabei allerdings oft dieselbe, so beginnen viele Kapitel mit der Vorstellung und Erörterung eines wissenschaftlichen Sachthemas oder aber –problems, ehe die eigentliche Geschichte anschließend weiter erzählt wird, in der dann auf jene Thematik eingegangen wird. So lehrt Sagan in Contact unter anderem die mögliche Entwicklung des Kosmos weiter und nimmt sich sogar mathematischer Theoreme und physikalischer Hypothesen an. Die Story um die Errichtung der Maschine, beziehungsweise den Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies kommt bei den Zukunftstheorien mitunter allerdings ins Stocken, wer sich also einen geradlinig erzählten Abenteuerroman vorstellt, wird vermutlich ein wenig enttäuscht werden. Stattdessen schildert Carl Sagan die mögliche Chronik eines ersten Funkspruchs aus dem All und ihre weltweiten, wirtschaftlichen, politischen, religiösen und persönlichen Folgen.

Ob Ellies Selbsterkenntnis am Schluss ebenso die Überraschung Sagans widerspiegeln soll, ist nicht klar, doch ist es auffällig, dass sich der Roman zwar sehr viel Zeit für seine Figuren nimmt und sie auch in aller Deutlichkeit schildert, sie dabei aber mehr oder weniger blass bleiben. Auch Ellie selbst vermag zwar durch ihre eigene Begeisterung mitzureißen, ins Herz schließt man sie als Leser aber nicht. Dafür bleibt sie der Wissenschaft selbst gegenüber zu aufgeschlossen und ihren Mitmenschen gegenüber zu reserviert.
Und doch werden die Figuren gut ausgeleuchtet, bekommen unterschiedliche Charaktereigenschaften zugeschrieben und dürfen sich auch unterschiedlich entwickeln.

Contact fesselt auf Grund des Inhalts, nicht jedoch, wie selbiger dargebracht wird. Auf einen stetigen Spannungsbogen und einzelne Höhepunkte kommt es dem Autor nicht an – eine Tragödie inmitten des Maschinenprojekts wird in einem Nebensatz abgehandelt, anstatt daraus auch erzählerisch einen bemerkenswerten Eckpfeiler des Romans zu machen. Auch das Finale selbst fasziniert durch das Thema, weniger durch die literarischen Fertigkeiten des Autors. Dabei finden sich gerade in jenen Kapiteln viele wichtige Standpunkte Sagans wieder, die das Buch letztlich auch zu dem Meilenstein machen, der es im Science Fiction-Bereich geworden ist.

Sprachlich richtet sich das Werk auf Grund der vielen sehr spezifischen Fachbegriffe und der Terminologie einerseits an fachinteressierte Leser, die aber auch im englischen Sprachgebrauch dahingehend ein wenig bewandert sind. Ansonsten lassen sich manche Begriffe auch aus dem Zusammenhang heraus nicht erschließen.
Davon abgesehen bleibt Contact aber sehr angenehm flott zu lesen und vergeht im ersten wie im letzten Drittel wie im Flug.

Wodurch der Roman in Erinnerung bleibt, und was ihn außerdem zu einem Referenzwerk seines Genres macht, ist die Offenheit, mit der Carl Sagan einem solchen Kontakt gegenüber steht, und wie wissenschaftlich plausibel er die Geschichte untermauert.
Dabei sind bis heute einige Erkenntnisse bereits überholt, und manch andere Storyaspekte stammen auch nicht von ihm, sondern sind älteren Science Fiction-Werken entliehen, dennoch vereint Sagan in Contact eine glaubhafte und gerade dadurch fesselnde Geschichte mit vielen lehrreichen Details über die Struktur des Universums, der Aufgabe und der Vorgehensweise von SETI und zahlreicher anderer wissenschaftlicher Aspekte. Wäre der Roman selbst auch sprachlich packender gestaltet, wäre er auch ein weniger zeitloser, als er sich nach immerhin 20 Jahren präsentiert.


Fazit:
Ein Aspekt, der Autor Carl Sagan seit jeher wichtig schien, war nicht die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft, sondern zumindest ihre Koexistenz. Kein Wunder also, dass er Religion, ihre fanatischen Auswüchse, aber auch ihre für Wunder offenen Teile zentral in Contact mit einbringt. Und dies sogar erstaunlich gut. Anstatt sich wie viele Wissenschaftler auf den Standpunkt zu stellen, dass der Glaube an eine höhere Macht keinen Einfluss auf die Wissenschaft haben dürfte, strebt Sagan eine andere Richtung an, und zeigt auf beiden Seiten Lücken auf, die nicht zu ignorieren sind. Der Kompromiss ist eine gegenseitige Anerkennung, die beiden zu noch größeren Erkenntnissen auf ihren Gebieten helfen könnte.
So schwebt dieses Kernthema über vielen Teilen des Romans, ohne ihn jedoch zu erdrücken, und es ist für die Leser in der Tat erstaunlich, wie spielend hier ein Mittelweg gefunden wird, in dem keine der beiden Seiten an Gesicht verliert. Ganz im Gegenteil. Allein dafür wäre der Autor vor 500 Jahren auf dem Scheiterhaufen gelandet. Beinahe schon Nebenbei erörtert Sagan auch die hart umkämpfte Karriere einer Frau in einer Männerdomäne, und auch die Kleingeistlichkeit der Menschen an sich, wird quasi im Vorbeigehen bloßgestellt.
Glücklicherweise war auch Carl Sagan, der vor etwas mehr als zehn Jahren leider verstarb, ein Kind seiner Zeit und kleidet seine nüchterne, wenn auch nicht ganz versteckte Begeisterung vor dem Kosmos und seinen Möglichkeiten in ebenso begeisterungsfähige Worte. Wer Contact unter diesem Aspekt betrachtet, es als eine mögliche Zukunftsvision sieht, sollte die Menschheit je Kontakt mit einer außerirdischen Spezies aufnehmen, der wird viele interessante Aspekte und Informationen vorfinden. Wer allerdings einen abenteuerlichen Roman erwartet, wird enttäuscht werden. Hierfür war der Roman in meinen Augen zu sachlich und zu wenig auf die emotionalen Auswirkungen auf die Figuren bezogen. Dennoch bleibt es ein Meilenstein des Genres, und hoffentlich ein Wegweiser, sollte es je so weit kommen.


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