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James BeauSeigneur: "Birth of an Age (Messias-Trilogie)" [1997]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. März 2009
Autor: James BeauSeigneur

Genre: Fantasy / Drama / Science Fiction / Horror

Originaltitel: Birth of an Age: Book Two of The Christ Clone Trilogy
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 274 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1997
Erstveröffentlichung in Deutschland: noch nicht erschienen
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-9656948-3-6


Kurzinhalt:
Die Welt ist verwüstet nach einem kurzen aber erbitterten Krieg zwischen Indien und Pakistan, der nicht nur Millionen Menschen das Leben kostete, sondern einen Teil der Welt für lange Zeit unbewohnbar macht. Doch auch wenn Christopher Goodman, geklont aus Zellen, die auf dem Leichentuch von Turin gefunden wurden, zu spät kam, um jene Katastrophe zu verhindern, es scheint als müsse er hilflos mit ansehen, wie die Welt weiter zerstört wird.
Er selbst stellt auch schnell die Verbindung her zwischen den beiden scheinbar unantastbaren Männern John und Cohen, die in Israel an die Öffentlichkeit treten und behaupten, sie wären Propheten, und drei Asteroiden, die auf die Erde zurasen. Aber auch wenn Vorbereitungen getroffen werden, jene tödliche Bedrohung zu stoppen, Christopher weiß um die Zukunft der Menschheit und versucht zusammen mit seinem Ziehvater Decker Hawthorne, sowie seinem Mentor Robert Milner, die Bevölkerung auch auf jene Plagen vorzubereiten, die John und Cohen noch heraufbeschwören werden.
Während Christopher darauf hinarbeitet, die Menschen in ein neues Zeitalter zu führen, regen sich vermehrt Mächte, deren Ziel es ist, ihn, die einzige Hoffnung der Menschheit, zu vernichten ...


Kritik:
Am Ende von Das Jesus-Gen (Original: In His Image), dem ersten Teil der Messias-Trilogie (oder Christ Clone Trilogy) fragte man sich schon, weshalb es in einschlägigen Gruppen einen solchen Wirbel um die Romanreihe gab. Sicherlich war die Idee, aus den Zellen des Leichentuchs von Turin Jesus Christus zu klonen insbesondere für gläubige Menschen ein großer Schritt, doch blasphemisch war es in dem Sinne (noch) nicht. Im zweiten Teil, Birth of an Age, was übersetzt "Die Geburt eines neuen Zeitalters" heißen würde, erzählt Autor James BeauSeigneur seine Geschichte weiter und schlägt einen noch deutlich vernichtenderen Kurs ein, als noch im ersten Buch.
Vor allem allerdings löst er hier einige Hintergründe zur Geschichte auf, die er bereits im ersten Roman angedeutet hatte, und entfernt sich damit sehr deutlich von etablierten Glaubensrichtungen. Wie bereits im ersten Teil sind es die spirituellen und Science Fiction-lastigen Elemente, die nicht so recht in die Erzählung passen wollen.

Dies fällt vielleicht gerade deshalb so stark auf, weil die ersten 190 Seiten des Romans, in denen BeauSeigneur die Apokalypse über die Welt hereinbrechen lässt, sehr realistisch beschrieben sind. Nach all den Katastrophen, von denen die Menschheit in In His Image verfolgt wurde, scheint es auf den ersten Blick nicht bedeutend schlimmer, was die drei Asteroiden der Erde antun könnten. Doch versieht der Autor seine Beschreibung der Himmelskörper und ihrer Zerstörungskraft mit einem Realismus und einer Detailgenauigkeit, dass einem beim Lesen abwechselnd heiß und kalt wird. Minutiös wird aufgeschlüsselt, welchen Weg die einzelnen Gesteinsbrocken nehmen, mit welcher Geschwindigkeit sie in die Atmosphäre eintreten und welchen Kurs über die Kontinente sie verfolgen. Die Wucht der Zerstörung trifft einen in gewissem Sinne dennoch unerwartet und übersteigt auf Grund der detaillierten Schilderung alles, was in diesem Zusammenhang bislang in den Unterhaltungsmedien zu sehen oder zu lesen war.
Die insgesamt dreißig Seiten, in denen die Wirkung beider Himmelskörper beschrieben wird, gehören damit zu den packendsten und demprimierendsten, die man sich selbst in einer Endzeitschilderung vorstellen könnte. Aber selbst danach gehen die Prüfungen für die Menschheit ungebrochen weiter. Von einer weltweiten Plage aus steigert sich die Geschichte zu einem die Menschen befallenden Massenwahnsinn, der eine Spur des Todes und der Zerstörung hinter sich lässt. Auch hier bleibt Autor BeauSeigneur realistisch in seinen Beschreibungen und mutet dem Leser viele Bilder zu, die nachhaltig haften bleiben.

Doch so gelungen der Roman bis zu diesem Punkt, so schwierig gestaltet sich das letzte Drittel.
Unbestritten wurden die Hintergründe des Romans sorgfältig recherchiert, und auch wie der Autor Elemente der Bibel und verschiedener Religionen hier zu einem Gesamtbild vereinen will, sei ihm hoch angerechnet. Doch wenn sämtlichen spirituellen Fragen ein Science Fiction-Hintergrund zugeschrieben wird, anstatt manch essentielle Fragen schlicht unbeantwortet zu lassen, wirkt dies nicht nur befremdlich, sondern nimmt dem Roman auch an Glaubwürdigkeit. Sicherlich mag das von BeauSeigneur beabsichtigt gewesen sein, schon um den alleinigen Korrektheitsanspruch der christlichen Glaubensgemeinschaft zu brechen und auch andere Religionen mit einzubeziehen. Doch versucht Birth of an Age in gewissem Sinne schon verzweifelt auf alle Fragen eine Antwort zu finden und übernimmt sich dabei in einer Erklärungswut, deren Ansprüchen jedoch kein Inhalt gerecht werden kann.
Beschrieben sind auch jene Passagen treffend, schon allein deshalb, da sich James BeauSeigneur die Zeit nimmt, religiöse Rituale und Hintergründe zu erläutern, die vielen Lesern sicherlich nicht geläufig sein dürften. Doch verlangt der Autor vom Leser einen Glaubenssprung, für den die wenigsten bereit sein werden. Dass die Erklärungen einer gewissen Logik folgen, sei allerdings unbestritten, und auch die Kernaussage, dass in den Menschen selbst die Veranlagung zu Göttlichem liege, birgt einige wichtige Konsequenzen. Nur wie jener Richtungswechsel vorbereitet wird, dürfte einem Großteil der Leserschaft zu schaffen machen.

Was sich bei Birth of an Age sehr positiv auswirkt ist die Tatsache, dass der Roman einen bedeutend kleineren Zeitraum abdeckt, als noch In His Image. Dadurch erreicht BeauSeigneur nicht nur ein höheres Erzähltempo, sondern auch einen durchgehenderen Spannungsbogen, der sich zum Finale hin nochmals merklich zuspitzt. In Bezug auf den Abschluss der Trilogie bleibt zu hoffen, dass es dem Autor gelingt, seine Versprechungen einzulösen und eine Auflösung zu präsentieren, die insbesondere auch dem zweiten Roman gerecht wird. Denn wer sich mit dem sehr Science Fiction-lastigen Hintergrund der Thematik im letzten Drittel anfreunden kann, den erwartet eine überraschend intelligente und trotz der übersinnlichen Thematik, realistisch verwurzelte Endzeitvision, die durchaus fesselt.


Fazit:
Es wird gesagt, dass der mittlere Teil einer Trilogie der schwierigste wäre. Angesichts der nahtlosen Fortführung der Geschichte wird allerdings klar, dass Birth of an Age kein eigenständiges Buch ist, sondern The Christ Clone Trilogy an sich ein Werk darstellt, das auf drei Bücher aufgeteilt wurde. Nach den verheerenden Vorkommnissen im ersten Roman lässt Autor James BeauSeigneur nun buchstäblich das Ende der Welt hereinbrechen und präsentiert die weltweiten Auswirkungen der Katastrophen auf eine so glaubhafte und realistische Art und Weise, dass man sich als Leser dabei ertappt, der Bevölkerung unseres Planeten nur noch eine Erlösung aus ihren Qualen zu wünschen.
Gerade deshalb packt der Roman im ersten Drittel und baut im Mittelteil eine Eigendynamik auf, die den Leser quasi zum Vorblättern zwingt. Einzig, wenn der Autor die Hintergründe seiner fantastischen Erzählung präsentiert, die zuvor angedeuteten Zusammenhänge schließlich herstellt und in einem langen Kapitel nicht nur die Herkunft der Menschheit klärt, sondern auch den Ursprung aller Religionen, ihre Bedeutung und ihren Wahrheitsgehalt – und zusätzlich die zukünftige Entwicklung der menschlichen Rasse vorstellt, fühlt man sich als Leser fehl am Platz. Keine Ausführung, die ein so breites Spektrum abdecken möchte, könnte gleichzeitig noch glaubhaft sein, unabhängig davon, wie einfallsreich sie ist.
So muss jeder entscheiden, ob er den metaphysischen Erklärungen folgt, die BeauSeigneur in Birth of an Age anstrebt. Gespannt bin auf den dritten Roman dennoch, sei es nur um zu sehen, wie sich andere Menschen den nächsten Schritt in der menschlichen Evolution vorstellen – und ihn zu beschreiben versuchen.


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