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Eine Frage der Ehre [1992]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. März 2016
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: A Few Good Men
Laufzeit: 138 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1992
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rob Reiner
Musik: Marc Shaiman
Darsteller: Tom Cruise, Jack Nicholson, Demi Moore, Kevin Bacon, Kiefer Sutherland, Kevin Pollak, Wolfgang Bodison, James Marshall, J.T. Walsh, J.A. Preston, Matt Craven, Xander Berkeley, Noah Wyle


Kurzinhalt:

Lieutenant Kaffee (Tom Cruise) ist ein junger Militäranwalt, dessen Erfolg darin liegt, Vergleiche zwischen den Parteien außerhalb eines Gerichtssaals zu erzielen. Er bekommt einen Fall zugewiesen, in dem zwei U.S. Marines auf Guantanamo Bay einen Kameraden einer inoffiziellen 'Disziplinarmaßnahme' – ein sogenannter Code Red – unterzogen, an der das Opfer starb. Kaffee wird ein Vergleichsangebot von der Gegenseite gemacht, in dem seine Mandanten mit wenigen Jahren Gefängnis davonkommen würden. Doch die Offizierin JoAnne Galloway (Demi Moore), die als Nebenanwältin auftritt, will auf den Deal nicht eingehen. Sie geht davon aus, dass der Code Red von irgendjemand in der von Colonel Jessup (Jack Nicholson) eisern geführten Division befohlen wurde und die Angeklagten unschuldig sind. Doch als sie dieser Spur folgen wollen, treffen sie auf eine Mauer des Schweigens ...


Kritik:
Wenn es um packende, atmosphärisch dichte Gerichtssaal-Dramen geht, gibt es kaum ein besseres Beispiel als Eine Frage der Ehre. Das Krimidrama von Regisseur Rob Reiner wartet nicht nur mit einer Star-Besetzung auf, die sich inzwischen kaum ein Produzent mehr leisten könnte, die Story spielt an einem heute immer noch brisanten Nebenschauplatz mit einer immer noch gültigen Grundsatzfrage und liefert einen der besten Monologe, der Filmgeschichte geschrieben hat.

Dass Drehbuchautor Aaron Sorkin (oscarprämiert für seine Vorlage zum Facebook-Film The Social Network [2010]) seine Arbeit auf seinem gleichnamigen Theaterspiel basiert, merkt man dem Film an – in guter Hinsicht. Es gibt wenige groß angelegte Szenen, die Geschichte besteht nicht aus actionreichen Recherchen oder Verfolgungsjagden, sondern wird in Dialogen vorangetrieben, die für die Zuseher wichtige Hinweise darüber bieten, was sich tatsächlich zugetragen hat und worauf all das hinausläuft.

Der junge Navy-Jurist Kaffee wird beauftragt, einen Mord zu verhandeln, den zwei U.S. Marines auf dem Stützpunkt Guantanamo Bay, Kuba an einem jungen Marine verübt haben sollen. Die Offizierin JoAnne Galloway, die das Ressort Interne Angelegenheiten betreut, wollte den Fall an sich selbst übernehmen, wurde jedoch überstimmt. Bereits in den ersten Minuten der jeweiligen Figuren steckt Eine Frage der Ehre klar die unterschiedlichen Charaktere ab: Kaffee als lockerer Jurist, der nur wenn es unbedingt notwendig ist, das Büro aufsucht, verhandelt die meisten Fälle nebenbei und schließt normalerweise mit einem Vergleich ab. So kommt er um wirkliche Gerichtsverhandlungen herum und die Strafen sind meist für beide Seiten "annehmbar". Galloway ist eine fähige Militäranwältin, der jedoch die Leitung des Falls nicht übertragen wird. Wohl, weil sie die richtigen Vermutungen anstellt.

Eine Frage der Ehre präsentiert einiges an Militär-Jargon, ohne den Zuseher jedoch zu überfordern. Damit gelingt Regisseur Reiner allerdings ein authentisches Flair, das nicht nur von den vielen gezeigten Uniformen, sondern auch den Umgangsformen der Menschen lebt. Die Marines Dawson und Downey sollen den Private First Class Santiago nachts überfallen, ihn gefesselt und geknebelt haben. An den Folgen starb der Marine, der sich aktiv um eine Versetzung vom Stützpunkt bemüht hatte. Diese "Erziehungsmaßnahme" wird bei den Marines in Guantanamo ein 'Code Red' genannt. Die Frage ist nur, haben die Marines von sich aus gehandelt, oder auf Befehl?

Die messerscharfen Dialoge, in denen die wahren Hintergründe aufgedeckt werden, entwickeln nicht erst in den Verhören im Gerichtssaal in der zweiten Filmhälfte eine ungeheure Dynamik. Auch die schlagfertigen Argumente und die durchdachten Nachfragen von Kaffee und Galloway zu Beginn sind fantastisch geschrieben. In der Rolle des jungen Anwalts zeigt Tom Cruise, was für ein Schauspieltalent in ihm steckt und es gelingt ihm sogar, neben Jack Nicholson, der für seine Darbietung für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war, nicht zu verblassen. Als Leiter der auf Guantanamo Bay stationierten Division, Colonel Nathan Jessup, brilliert Nicholson wie in kaum einer anderen Rolle. Er vermag es hier, von einem Moment auf den anderen das Amüsement im Funkeln seiner Augen angesichts einer Situation, die seiner Meinung nach unter seiner Würde ist, in blanke Abscheu zu wandeln. Wenn Blicke töten könnte, ihm würde es gelingen. Mitzuerleben, wie er ins Kreuzverhör genommen wird, gehört zu den packendsten Momenten aller Filme dieser Art. Sowohl die Dialoge beim Finale, als auch die hervorragende Kamera- und Schnittarbeit, welche den Gerichtssaal immer kleiner erscheinen lässt, den Fokus zuerst auf die beiden Figuren lenkt und den übrigen Raum unscharf lässt, um sich schließlich einzig und allein auf die beiden Gesichter der maßgebenden Figuren zu konzentrieren, sind schlichtweg fantastisch.

Eine Frage der Ehre ist ein immer noch mitreißend erzählter Dialogfilm, der am Ende eine Frage behandelt, deren Antwort diejenigen überraschen wird, die mit einer Befehlskette auch blinden Gehorsam entschuldigen.


Fazit:
Gerade angesichts der blitzenden Abzeichen und der makellosen Uniformen bildet der unkameradschaftliche Umgang der Soldaten untereinander einen so großen Kontrast. Filmemacher Rob Reiner blickt in seinem Drama hinter die Fassade eines Militärs, das sich dem Schutz der Schwächeren verpflichtet hat, diese in den eigenen Reihen jedoch auf der Strecke bleiben. Die Aussage am Ende wird manch einen verwundern, ist aber ebenso mutig wie richtig.
Der dialogstarke und mit starken Dialogen gespickte Film wird von seiner Starbesetzung zum Leben erweckt, die alle eine Szenen besitzen, in der sie glänzen dürfen. Dass Tom Cruise neben Jack Nicholson besteht, zeugt von dessen Charisma, auch wenn Nicholsons Auftritt am meisten in Erinnerung bleibt. Eine Frage der Ehre ist ein packend erzählter und sehr sehenswerter Gerichtskrimi, dessen Aussagen in den beinahe 25 Jahren seit seiner Premiere nicht an Bedeutung verloren haben.    


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