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Zero Dark Thirty [2012]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Januar 2014
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Zero Dark Thirty
Laufzeit: 157 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Kathryn Bigelow
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Jessica Chastain, Jason Clarke, Kyle Chandler, Joel Edgerton, Jennifer Ehle, Mark Strong, Reda Kateb, Harold Perrineau, James Gandolfini, Stephen Dillane, Mark Duplass, Jessica Collins, Fares Fares, Tushaar Mehra, Lauren Shaw, Fredric Lehne, Homayoun Ershadi, Yoav Levi


Kurzinhalt:
Die junge CIA-Mitarbeiterin Maya (Jessica Chastain) gehört einer speziellen Abteilung an, deren Aufgabe es ist, Informationen über die Drahtzieher der Anschläge des 11. September 2001 zu beschaffen und zukünftige Attentate zu verhindern. Sie selbst arbeitet wie besessen am Aufenthaltsort von Osama bin Laden. Nach ihrer Versetzung zur US-Botschaft in Pakistan nimmt sie ihre Arbeit mit dem Verhörexperten Dan (Jason Clarke) auf und verfolgt unter Leitung ihres Vorgesetzten Joseph Bradley (Kyle Chandler) die ersten Spuren.
Dabei stößt sie immer wieder auf den Namen Abu Ahmed (Tushaar Mehra), der ein persönlicher Kurier bin Ladens sein soll. Über einen weiteren Kontaktmann, Abu Faraj (Yoav Levi), erhält sie zwar weitere Informationen, aber sowohl ihre Ermittlungen, als auch die ihrer Kollegin Jessica (Jennifer Ehle), ziehen sich über Jahre hin und finden immer wieder ein abruptes Ende. Als sich schließlich die Hinweise für den Aufenthaltsort bin Ladens verdichten, obliegt es ihr, ihres Vorgesetzten George (Mark Strong) und auch des CIA-Direktors (James Gandolfini), die US-Regierung zum Handeln zu bewegen – denn eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben ...


Kritik:
Es heißt, die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Man sagt aber auch, dass es im Krieg nur Verlierer gibt. Wieso sollte der "Krieg gegen den Terror" da eine Ausnahme sein? Mit Tödliches Kommando - The Hurt Locker [2008] gelang Regisseurin Kathryn Bigelow ein ebenso zermürbendes wie glaubhaftes Porträt dessen, was dieser Krieg bei den Soldaten im Einsatz anrichten kann. Zusammen mit Autor Mark Boal chronologisiert sie in Zero Dark Thirty die Jagd auf den Mann, der zumindest in den Augen der USA, diesen Krieg überhaupt erst begonnen hat: Osama bin Laden. Schon vor Veröffentlichung als US-Propaganda verschrien, ist der Film bei genauerem Hinsehen mehr das Gegenteil.

Dabei darf man sich gar nicht ausmalen, wie Hollywood mit dieser Thematik hätte umgehen können. Doch die Tatsache, dass sich dort auch während des zweiten Irak-Krieges mehr Kritiker als Befürworter gefunden haben, schlägt sich in der Nüchternheit des Thrillerdramas wieder.
Auch nach mehr als zehn Jahren wird all diejenigen, die das Geschehen damals live verfolgt haben, ein kalter Schauer übermannen, wenn man Archivaufnahmen des brennenden oder einstürzenden World Trade Centers gezeigt bekommt. Bigelow verzichtet bei ihrer Einleitung darauf, auch wenn sie es als Ausgangspunkt für ihre Geschichte nimmt. Ihre ersten Bilder sind dabei nicht weniger schockierend. Auch wenn es insbesondere in amerikanischen Produktionen, darunter auch die Erfolgsserie 24 [2001-2010], inzwischen zur Gewohnheit geworden ist, Folterungen zu zeigen – darunter auch von den Helden durchgeführt, um an Informationen zu gelangen –, besitzen die Szenen in Zero Dark Thirty auf Grund ihres spürbaren Realismus eine gänzlich andere Wirkung. Zwar hält sich die Filmemacherin in der Länge der Verhöre weitestgehend zurück, doch auch für das, was zu sehen ist, benötigt man starke Nerven.

Die CIA-Mitarbeiterin Maya wird von ihrem Kollegen Dan in die Praxis eingewiesen. Das gemeinsame Ziel einer ganzen Reihe von Mitarbeitern ist es, zukünftige terroristische Anschläge zu verhindern, beziehungsweise die Drahtzieher unschädlich zu machen. Das letztendliche Ziel ist dabei der Mann, der die Anschläge des 11. September 2001 zu verantworten hat. Über die Jahre wird Maya immer wieder auf einen Mann namens Abu Ahmed aufmerksam, der ein Kurier bin Ladens sein soll. Doch ihn aufzuspüren scheint unmöglich.

Auch wenn das Drehbuch von Mark Boal auf Tatsachen basiert, viele Gegebenheiten wurden entweder zusammengefasst, oder eine Beziehung zwischen ihnen aus dramaturgischen Gründen hineininterpretiert. Eine einzelne Agentin wie Maya, welche den Einsatz gegen bin Laden beinahe im Alleingang durchgesetzt hat, gibt es nicht. Und auch wenn die verschiedenen, gezeigten Terroranschläge im Film in einem Zusammenhang zu stehen scheinen, gibt es dafür zumindest keine frei verfügbaren Beweise. Worauf Zero Dark Thirty hinarbeitet ist der Sturm der Spezialeinheit auf das Haus, in dem sich bin Laden aufhalten soll. Dieser nimmt insgesamt beinahe ein halbe Stunde in Anspruch und dauert damit fast so lange, wie in Wirklichkeit.

Dass Kathryn Bigelow auf diese Sequenz sehr viel Wert legt, steht außer Frage und man wird als Zuschauer wohl kaum näher an einen solchen Einsatz herankommen wie hier. Weshalb sie sich allerdings entschloss, das Geschehen so extrem dunkel zu halten, wird ihr Geheimnis bleiben. Die Szenen, die über die Nachtsichtkameras der Soldaten grün erleuchtet sind, bieten zumindest einen gewissen Einblick, doch dazwischen hat man das Gefühl, eine einzig schwarz-graue Masse sich bewegen zu sehen. Das mag realistisch ein, ist aber dramaturgisch kontraproduktiv.
Auch bleibt der Film trotz zahlreicher Figuren eine greifbare Charakterisierung – und sei es nur von Maya selbst – schuldig. Die Feststellung, dass sie auf Grund ihrer Tätigkeit keine Zeit für ein Familienleben oder einen Freundeskreis hat, ist unbestritten, aber auch nicht wirklich erhellend.
So gut Zero Dark Thirty von allen Beteiligten gespielt ist, hierzu zählt insbesondere der von Reda Kateb verkörperte Ammar, die Charaktere selbst werden kaum entwickelt. Die Filmemacher zeichnen mehr ein Porträt der Situation als der Personen. Und auch wenn der Atmosphäre eine ständige Bedrohung anhaftet, ausgenommen packend ist der Film nicht.


Fazit:
Ob Kathryn Bigelow tatsächlich ein heldenhaftes Bild der Beteiligten zeichnet, muss jeder für sich entscheiden. Es hat vielmehr den Anschein, als wollte sie die verschiedenen Aspekte aufzeigen, ohne eine Wertung zu treffen. Wie können es Staatsmänner verantworten, durch Missachtung der Menschenrechte Informationen zu erlangen, um damit Frieden zu sichern? Ist es denn moralisch vertretbar, als Politiker Folter zu verurteilen, aber die Geheimdienste anzuweisen, auf jedwede Art und Weise Ergebnisse zu erbringen?
Zero Dark Thirty wirft diese und weitere Fragen auf, ohne jedoch Position zu beziehen. Es dürfte einem jeden Zuschauer schon schwer fallen. Die Situationen, die geschildert werden, wirken so glaubhaft wie beängstigend und die Darstellungen sind mitunter schockierend, aber immer noch weitaus zurückhaltender, als sie hätten sein können. Viele interpretieren in den Erfolg der gesamten Mission die Rechtfertigung der eingesetzten Mittel hinein. Doch auch eine solche Aussage trifft der Film nicht. Die letzten Bilder der Frauen und Kinder in jenem Haus sprechen vielmehr eine andere Sprache. Während viele in der westlichen Welt glaubten, sie wäre danach ein sichererer Ort, werden die Kinder, die ihre Eltern sterben sehen müssen, das auch so empfinden? Oder werden sie vielmehr in der Überzeugung aufwachsen, dass die Welt nie wieder sicher sein wird? Von ihrem Wunsch auf Vergeltung ganz zu schweigen.


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