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Transformers [2007]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. August 2007
Genre: Science Fiction / Action / Komödie

Originaltitel: Transformers
Laufzeit: 144 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Michael Bay
Musik: Steve Jablonsky
Darsteller: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, Tyrese Gibson, Rachael Taylor, Anthony Anderson, Jon Voight, John Turturro, Michael O'Neill, Kevin Dunn, Peter Cullen, Julie White


Kurzinhalt:
So lange hatte sich Sam Witwicky (Shia LaBeouf) auf sein erstes Auto gefreut – und dann muss er sich wegen seinem Vater für einen herunter gekommenen 1977er Chevrolet Camaro entscheiden. Und doch scheint der Wagen viel mehr zu sein, ihn ebenso zu wollen, wie er ihn. Glück bei der angebeteten Mikaela Banes (Megan Fox) hat er deshalb trotzdem noch nicht.
Bis sich sein Camaro eines Abends in einen haushohen Roboter transformiert und Sam wenig später von anderen Robotern, den so genannten Autobots, erfährt, dass sein Vorfahre im Eis ein sagenumwobenes Artefakt gefunden hatte. Die Decepticons, böse Roboter, sind ebenfalls auf der Erde eingetroffen, um danach zu suchen, und wer immer er diesen "All Spark" als erster findet, hält die Zukunft der Erde in seinen Händen.
Doch das Militär um Verteidigungsminister Keller (Jon Voight) scheint von den Absichten der Autobots nicht überzeugt, und der Geheimdienstagent Simmons (John Turturro) macht Sam unnötig das Leben schwer. Bis die Roboter der beiden Lager aufeinander treffen und eine Spur der Verwüstung nach sich ziehen ...


Kritik:
Wenn das Studio einen Starttermin bekannt gibt, ohne dass auch nur ein Meter Film gedreht ist, beziehungsweise überhaupt ein Drehbuch existiert, ist das meist kein gutes Zeichen. Wenn sich ein Film zu 90% auf die Spezialeffekte verlässt, um die Zuschauer zu überzeugen, hat er zudem schon einen schwierigen Stand. Und wenn man einen Film auf die Spielzeuge, auf denen er basiert, zuschneidet (wohlgemerkt die umgekehrte Reihenfolge, wie sonst üblich), sollte man als Zuschauer schon mit einigen (unliebsamen) Überraschungen rechnen.

Und doch kann einen kaum etwas darauf vorbereiten, was die beiden Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman ihrem Publikum zumuten. Es ist an sich nur schwer vorstellbar, dass diese beiden Autoren auch für einige wirklich sehr gute Episoden und Storys der Agenten-Serie Alias [2001-2006] verantwortlich waren, und es ist noch schwerer begreiflich, dass sich so viele Zuschauer nicht daran zu stören scheinen, dass ein mit einem Budget von 150 Millionen Dollar doch großzügig bemessener Film ohne jegliche Grundlage daherkommt. Die Story der vom Planeten Cybertron kommenden Riesenroboter, die um den "All Spark" zu suchen auf der Erde landen, selbstverständlich den Ur-Ur-Ur-Enkel jenes Entdeckers, der diesen sagenumwobenen Würfel reinster Energie damals ausfindig gemacht hat, aufspüren, und ihn dann dazu bringen, ihnen zu helfen, ist an sich schon so absurd, dass es mit Sicherheit hilfreich ist, vor dem Kinobesuch fünf Tage lang nicht geschlafen zu haben, um davon wirklich mitgerissen zu werden.
Viel schlimmer ist allerdings, dass die wenigen menschlichen Charaktere, die überhaupt einen vollständigen Namen zugeschrieben bekommen, so fernab jeglicher Realität beschrieben werden, dass die eingangs humorvollen Passagen schon nach kurzer Zeit richtiggehend stören. Von den absurden Szenen im Pentagon, der geradezu grotesken Entwicklung um "Sektor 7" bis hin zu den pathetisch-patriotischen Slogans der Decepticons und den Autobots zieht sich das Skript an einem kaum vorhandenen Faden einer Geschichte entlang, bringt immer wieder Ideen ein, die schon in anderen Produktionen vorhanden waren und bleibt sich selbst damit nicht einmal treu. So wird beim ersten Angriff von einer Art Schutzschild der Roboter gesprochen, der aber fortan keine Rolle mehr spielt. Wer im Endeffekt auf der Seite der Guten und der Bösen ist, interessiert ebenfalls nicht, denn wenn sich zwei haushohe Roboter ineinander verkeilen, interessiert es ohnehin nicht, wer wer ist, sondern lediglich, dass der dabei angerichtete Schaden möglichst groß wird.
Dabei wirkt der Angriff der Riesenblechmänner nie wirklich bedrohlich oder gar gefährlich, es kommen auch niemals Zivilisten bei den Auseinandersetzungen um – zumindest keine, die vorher vorgestellt worden wären. Wer kleine Kinder schon einmal dabei beobachtet hat, wie sie sowohl in die eine, wie auch die andere Hand jeweils ein Spielzeugauto nehmen und diese dann mit möglichst viel Wucht gegen einander hauen, wird eben jenes Schema bei Transformers zu sehen bekommen. Das Skript hat somit neben einem etwas mauen, dafür aber stellenweise witzigen Anfang im späteren Verlauf viel Action mit wenig Hintergrund und keinen Konsequenzen zu bieten. Wirklich spannend ist das zwar nicht, und bietet auch nicht so viel Spaß wie wenn man die Spielzeugroboter selbst in ihre Pendants umbauen würde, aber es bietet immerhin die Grundlage für ein Effekteinferno, wie man es selten gesehen hat. Ein Drehbuch war dafür aber nicht nötig.

Darsteller offensichtlich auch nicht, immerhin spielen sie ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Schade ist das, da sich Shia LaBeouf merklich Mühe gibt, die absurden Dialoge und die aufgezwungene Situationskomik wenigstens passabel vor der Kamera darzustellen. Er ist der einzige menschliche Aspekt des Films, mit dem man ein wenig mitfiebern kann – doch auch er kommt gegen die nicht vorhandene Drehbuchvorlage und den somit fehlenden Inhalt kaum an.
An seiner Seite stöckelt Megan Fox optisch ansehnlich, inhaltlich überflüssig durch die Kulissen und darf gegen Ende des Films immerhin auch mal selbst das Steuer ergreifen. Dabei besitzt sie nicht nur weniger Dialog, sondern auch weniger Aussagekraft, als manche Blechboliden, entstellt ihre Leistung aber immerhin nicht selbst wie John Turturro, der eine der erbärmlichsten Leistungen seiner Karriere zum Besten gibt. Dagegen scheint Jon Voight geradezu in Bestform zu sein, und auch er kann kaum über seine Darbietung in Pearl Harbor [2001] hinauswachsen.
Josh Duhamel und Tyrese Gibson sind ohnehin nur unter ferner liefen zu finden, wohingegen Rachael Taylor die mit Abstand dämlichste Storyline des Films durchleben muss.
Dass die Darsteller in einem Action-Sommerfilm nicht unbedingt an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden, versteht sich von selbst, weswegen sie aber wider ihrer Natur so wenig Talent wie möglich zeigen dürfen – und wozu Turturro in der Lage ist, beweisen seine unzähligen Nominierungen und auch Auszeichnungen – ist unverständlich und angesichts der Autoren auch unbegreiflich.

Handwerklich verlässt sich Regisseur Michael Bay auf gewohnte Bilder, lange Kamerafahrten und seine üblichen schnellen Schnitte bei den Actionszenen und viel Handkamera. Dabei hat er all das zwar besser im Griff, als beispielsweise bei den schnellen Momenten von Die Insel [2005], doch gerade bei den Perspektiven, den langen Sonnenuntergängen oder aber den Überblendungen zwischen den einzelnen Handlungsebenen, macht sein ein Déjà vu-Gefühl breit, als hätte man all das in seinen bisherigen Filmen schon einmal gesehen.
Ein frisches, neues Element bei der Inszenierung fehlt leider, und auch die Actionszenen, insbesondere beim Finale, lassen einen richtigen Aufbau vermissen. Man hat nie das Gefühl, als würde sich ein solcher Kampf bei den Robotern steigern, vielmehr verkeilen sich die Ungetüme ineinander und wenig später ist alles schon vorbei. Dabei wählt Bay die Perspektive mitunter mehr als ungünstig, denn wenn zwanzig Meter hohe Metallroboter miteinander ringen sieht man aus der Sicht eines Passanten von dem Ganzen nicht sehr viel. Statt auf übersichtliche Perspektiven, weitwinklige Aufnahmen zu setzen, ist die Kamera viel zu nah am Geschehen, als dass man die Materialschlacht wirklich genießen könnte.

Auch Komponist Steve Jablonsky scheint sich gegen Bay verschworen zu haben, denn während in Die Insel der Score zu den besseren Aspekten des Films zählte, muss man sich am Ende von Transformers fragen, ob überhaupt Musik im Film enthalten war. Die Melodien bleiben nicht im Gedächtnis, der Score selbst ist viel zu leise und zu "klein", statt mit einem bombastischen Orchester einzusetzen bekommt man als Zuhörer immer dieselben Motive vorgespult, ohne dass eine Dramaturgie darin enthalten wäre.
Wie es anders geht, hat David Arnold mit seinem exzellenten Soundtrack zu James Bond 007 – Casino Royale [2006] bewiesen. Doch von jenem Einfallsreichtum ist hier nichts zu spüren, und wenn sich die übrigen Soundeffekte in voller Surround-Qualität abspielen, scheint der Score aus einem Lautsprecher zu kommen – ohne überhaupt überzeugen zu wollen.

Dieses Problem haben die Spezialeffekte allerdings nicht, die ganz ohne Zweifel das Highlight von Transformers darstellen. Selten zuvor haben sich die digitalen Effekte so nahtlos in einen Film eingefügt, selten war die Interaktion zwischen Trick und Mensch so verblüffend realistisch, und nie zuvor hat man derart große, eindrucksvolle Figuren auf der Leinwand gesehen, die trotz ihrer außerirdischen Herkunft dennoch die vertrauten Züge der "realen" Vorbilder innehatten, in die sie sich verwandeln können.
Es ist schon beeindruckend, was die Trickschmiede ILM hier gezaubert hat, und es verwundert nicht, dass selbst in unserer heutigen Zeit pro Bild viele Stunden Berechnung notwendig waren, um die Authentizität zu gewährleisten, mit denen die Autobots und die Decepticons hier auftreten. Den Machern kann man hierzu nur gratulieren und es wird in der Tat schwer werden, dies zu übertreffen.

Selbstverständlich benötigt ein solcher Sommerfilm keine oscarreifen Darstellerleistungen, und auch kein Skript auf Shakespeare-Niveau. Und dass man von Regisseur Bay keine intelligenten Filme zu erwarten hat, ist spätestens mit Armageddon - Das jüngste Gericht [1998] bewiesen worden. Doch immerhin besaß jener Film noch durchweg sympathische Figuren, einen nicht zu leugnenden Charme und beleidigte die Zurechnungsfähigkeit des Publikums nicht, wenngleich man das geistige Oberstübchen getrost in Pause schicken konnte. Hier allerdings darf man nicht mitdenken, um keine Kopfschmerzen zu bekommen, man darf keine Story erwarten, denn sonst wird man enttäuscht, und wer mit Charme rechnet, bekommt stattdessen auf Hochglanz polierte Autos zu sehen, die ebenso viel Charisma besitzen, wie ein Borkenkäfer.
Michael Bay lehnte beim ersten Angebot, Transformers zu inszenieren ab, mit der Begründung, es sei "nur ein dummer Spielzeugfilm". Recht hatte er – man fragt sich nur, weswegen er es dennoch getan hat?


Fazit:
Die Frau eines bekannten Science Fiction-Produzenten hat einmal über einen anderen Film gesagt, "Was bleibt übrig, wenn man die Effekte herausnimmt?" Im Falle von Transformers ein bemühter, sympathischer, letztlich aber mit, vor und gegen nichts spielender Shia LaBeouf, der von grausig agierender Kollegen umringt wird, keine Story, keine Dialoge, kein gar nichts.
Dass die Trickeffekte alles Vergleichbare in den Schatten stellen, steht außer Frage, insbesondere die Interaktion ist schlichtweg atemberaubend. Und trotzdem scheint Michael Bays Film viel zu lang, unnötig humorgeladen (und dabei doch stets klischeehaft), vorhersehbar, und in den Actionszenen ohne irgendeinen Aufbau. Eine Bedrohlichkeit geht von den blechernen Riesen niemals aus, und auch die menschlichen Figuren interessieren nicht wirklich.
Mit "Stil über Substanz" kann man sich ja arrangieren, und im Falle von Bay erwartet man auch nicht allzu viel von Letzterem. Aber überhaupt eine Substanz sollte schon vorhanden sein.


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