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Toy Story 2 [1999]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Juni 2010
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Toy Story 2
Laufzeit: 92 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1999
FSK-Freigabe: ohne Altersbegrenzung

Regie: John Lasseter, Ash Brannon, Lee Unkrich
Musik: Randy Newman
Stimmen: Tom Hanks (Peer Augustinski), Tim Allen (Walter von Hauff), Joan Cusack (Carin C. Tietze), Kelsey Grammer (Erik Schumann), Wayne Knight (Rainer Basedow), Don Rickles (Hartmut Neugebauer), Jim Varney (Gerd Potyka), Wallace Shawn (Ernst Wilhelm Lenik), John Ratzenberger (Michael Rüth), Estelle Harris (Inge Solbrig), Annie Potts (Alexandra Mink), John Morris (Karim el Kammouchi), Laurie Metcalf (Maria Böhme), R. Lee Ermey (Reinhard Brock), Jodi Benson (Alexandra Schneider), Jonathan Harris (Fred Maire), Joe Ranft (Hans-Georg Panczak), Andrew Stanton (Thomas Piper)


Kurzinhalt:
Nach ihren Anfangsschwierigkeiten ist aus Woody (Tom Hanks / Peer Augustinski) und Buzz (Tim Allen / Walter von Hauff) ein unschlagbares Team geworden. Sogar mit Andys (John Morris / Karim el Kammouchi) Hund konnten sich die Spielsachen arrangieren. Doch dann wird Woody beim Herumtollen beschädigt und darf nicht mit ins Feriencamp. Als Andys Mutter (Laurie Metcalf / Maria Böhme) außerdem den beschädigten Pinguin Wheezy (Joe Ranft / Hans-Georg Panczak) auf den Flohmarkt gibt, lässt sich Woody nicht mehr zurückhalten. In einer waghalsigen Rettungsmission versucht er, den Pinguin vor dem Verkauf zu bewahren. Doch dabei wird er selbst vom Spielzeughändler Al (Wayne Knight / Rainer Basedow) entdeckt und gestohlen.
Al hat Großes mit Woody vor, zusammen mit den Spielzeugen Jessie (Joan Cusack / Carin C. Tietze) und Stinke-Pete (Kelsey Grammer / Erik Schumann) soll Woody an ein Museum in Tokio verkauft werden, immerhin ist Woody ein bekanntes Spielzeug und inzwischen ein seltenes Sammlerstück. Unterdessen ist Buzz zusammen mit einem kleinen Trupp auf einer Rettungsmission, um Woody zu befreien. Doch der fragt sich inzwischen, wie viel Zeit ihm mit Andy noch bleibt – und ob es nicht besser wäre, nach Japan zu gehen. Nicht nur um seiner selbst, sondern auch wegen Jessie und Stinke-Pete. Ohne Woody ist die Sammlung nicht vollständig ...


Kritik:
Man wollte sich bei Pixar an sich gegen den Fluch der ewigen Hollywood-Fortsetzungen wehren. Im besten Fall sollte der von Vertragspartner Disney gewollte Toy Story 2 eine Videoproduktion werden. Doch die ersten Szenentests waren so erfolgreich, dass entschieden wurde, das Konzept aufzupolieren und nach dem ursprünglichen Toy Story [1995] und Das große Krabbeln [1998] den dritten Kinofilm zu produzieren. Bedenkt man, was dem Publikum entgangen wäre, ist es auch für das Geschichtenerzählen in animierten Filmen eine wegweisende Entscheidung gewesen. Dass seit dem ersten Film vier Jahre vergangen sind, merkt man bereits in den ersten Momenten. Zwar war ebenfalls das Tonstudio Skywalker Sound beim ersten Film verantwortlich, doch macht hier allein die Klangkulisse mit den vielseitigen Hintergrundgeräuschen und einer sehr räumlichen Abmischung einen lebendigeren Eindruck als bei Toy Story. Die Oberflächen der Figuren erscheinen strukturierter, ihre Bewegungen flüssiger und nach einer rasanten Kamerafahrt gleich zu Beginn ist offensichtlich, dass die Filmemacher auch die Präsentation ihrer Geschichte auf eine bislang nie dagewesene Stufe heben wollen. Dies wurde umso wichtiger, da Pixar inzwischen Konkurrenz bekommen hatte (Antz [1998]). Überstrahlender Sonnenschein, weiche Farbschattierungen und eine eindeutige Kolorierung, die alle Objekte in Toy Story 2 farblich aufeinander abstimmt sind stumme Zeugen einer technischen Weiterentwicklung, die so heimlich von statten geht, dass man sie beinahe übersieht. Die sanften Unschärfen bei Großaufnahmen oder die eindrucksvolle Staubschicht, die den Pinguin Wheezy zum Keuchen bringt, sorgen immer noch für Staunen. Die übrige Evolution in den Bildern ist nicht minder beeindruckend, aber nur aufmerksamen Augen vorbehalten.
Was Regisseur John Lasseter in Toy Story 2 gelingt lässt sich seither bei vielen Pixar-Filmen beobachten. Wetterten viele damals, dass die Geschichtenerzähler ihre offensichtlichen und versteckten Anleihen und Seitenhiebe auf bestimmte Filme nur in die Story mitverwoben, um den Film in die Länge zu ziehen, scheinen die Referenzen auf das Star Wars-Universum, Lucky Luke oder die Westernepisodengeschichten der 1950er und 60er Jahre zu bedacht. Auch wenn mancher Schlüsselmoment eines anderen Films hier persifliert wird, geschieht dies nie respektlos. Vielmehr hat man das Gefühl, die Macher hätten die Situationen genutzt, eine Hommage an diejenigen Werke einzubauen, die sie am meisten beeinflusst haben. Dass ebenso viele Verweise auf Toy Story zu finden sind, spricht für sich selbst.

Das Tempo, mit dem Toy Story 2 erzählt wird, lässt einem dabei kaum Zeit zum Luftholen. Schon nach wenigen Minuten erweckt Lasseter wieder ein Universum zum Leben, in dem Spielzeuge mit ganz menschlichen Problemen zu kämpfen haben, wenn man nicht hinsieht. Dies gelingt ihm so überzeugend, dass es einen rührt, wenn Jessie Woody davon erzählt, wie sie vernachlässigt wurde. Waren die Parallelen zu den weltlichen Themen, auf welche die Erzähler Bezug nehmen im ersten Film noch abstrakt, werden sie hier greifbar. Von einer Angst vor dem Verlassen werden erzählt Toy Story 2, von einer enttäuschten Liebe. Aber auch davon, wie man trotz allem wieder Mut fassen muss, und dass Freunde und Familie dafür da sind, einem aus dieser Situation heraus zu helfen. Selbst wenn man das gar nicht möchte. Kleinen Zuschauern bleiben diese Elemente meist verborgen oder werden nur unterbewusst wahrgenommen. Auch die Filmverweise werden sie nicht verstehen. Wohl aber werden sie die Spannung spüren, wenn Woddy entführt wird und Buzz zusammen mit einem Trupp der unfreiwillig tapfersten Spielzeuge zur Rettung eilt. Auch werden sie verstehen, dass es nicht immer darauf ankommt, dass Etwas ganz neu aussieht, oder es wertlos ist, wenn es beschädigt ist. Es zählt, welche Erinnerungen man damit verbindet und welche Erlebnisse wohl damit in Verbindung stehen, die diese Macken verursacht haben. Als Erwachsener muss man hieran mitunter erinnert werden. Und auch das gelingt Toy Story 2, abgesehen von der Lachtränen-witzigen Unterhaltung ausgezeichnet.
Dass die ursprünglichen Sprecher im Deutschen wie im Englischen wieder vertreten sind, kommt dem Animationsfilm sehr zugute. Die musikalische Untermalung durch Randy Newman wirkt sogar noch etwas packender und abwechslungsreicher als im ersten Film. Nicht nur deshalb ist Toy Story 2 eine Fortsetzung wie es sie selten gibt: eine, die den Vorgänger sogar noch übertrifft.


Fazit:
Es ist eine unerwartete, andere Geschichte, die Regisseur John Lasseter hier erzählt. Sie überrascht durch die temporeichen Momente ebenso wie durch die emotionalen, die Zuschauer unterschiedlichen Alters auf unterschiedliche Arten anspricht. Diese Mehrdeutigkeit für alle Altersgruppen in einem Film zu kombinieren ist etwas, was Pixars Filme auszeichnet. Auch in ihrem dritten Werk finden sich damit alle Zutaten ihres Erfolgs: witzige Momente, die einem die Tränen in die Augen treiben, eine rasante Geschichte, die Spannung und Abenteuer zusammen mit liebenswerten Figuren bietet. Aber auch nachdenkliche und traurige Passagen, die berühren – und Erinnerungen wecken, ohne zu verletzen.
Toy Story 2 ist ebenso fantasievoll wie der Vorgänger, bietet jedoch tiefer gehende Figuren. Er ist ebenso detailreich, erscheint allerdings lebendiger und schöner. Er ist ebenso zeitlos, nur noch ein bisschen besser.
Ein Meisterwerk.


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