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Tödliche Umarmung [1979]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Februar 2015
Genre: Thriller

Originaltitel: Last Embrace
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1979
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jonathan Demme
Musik: Miklós Rózsa
Darsteller: Roy Scheider, Janet Margolin, John Glover, Sam Levene, Charles Napier, Christopher Walken, Jacqueline Brookes, David Margulies, Andrew Duncan, Marcia Rodd


Kurzinhalt:

Nachdem seine Frau bei einem seiner Einsätze ums Leben kommt, verbringt Harry Hannan (Roy Scheider) mehr Zeit in einer Nervenheilanstalt, als er sich daran erinnern kann. Auf dem Weg zu seiner Organisation, entkommt er nur knapp einem Attentat. Doch nicht nur, dass sein Vorgesetzter Eckart (Christopher Walken) abstreitet, man wolle Harry aus dem Weg räumen, er erhält auch keine neuen Aufträge.
Dafür wurde sein Apartment von seiner Organisation an die Studentin Ellie Fabian (Janet Margolin) untervermietet. Die junge Frau bietet ihre Hilfe an, als Harry eine ominöse Drohung erhält, in welcher der Begriff "Bluträcher" geschrieben steht. Auch wenn Harry von der zurückhaltenden Ellie fasziniert ist, die Hinweise, die er zu dem mysteriösen Rätsel zusammensetzt, ergeben keinen Sinn – und zu viel scheint zufällig zu geschehen. Ist Ellie womöglich in die Verschwörung verwickelt?


Kritik:
Es ist leicht zu erkennen, was Regisseur Jonathan Demme (Das Schweigen der Lämmer [1991]) im Sinn hatte, als er Tödliche Umarmung inszenierte. Leider ist ebenso gut zu sehen, woran er scheiterte. Die im Grunde interessante Agentenstory versumpft in langen Einstellungen und enttäuscht durch Figuren, die man nie wirklich verstehen lernt. Dass die Geschichte unnötig kompliziert erzählt wird, fällt dabei kaum mehr auf. Das ist umso bedauerlicher, da die Bestandteile eines packenden Thrillers alle vorhanden sind.

Von der ersten Szene an wirkt Tödliche Umarmung, als wäre der Film 20 Jahre zu spät in die Kinos gekommen. Vom Gebrauch der Musik, bis hin zu den gewählten Blickwinkeln, den Kamerafahrten und dem Szenenaufbau, beispielsweise bei der Verfolgungsjagd Harrys durch den Park oder den Perspektiven im Glockenturm, ist Demmes Inszenierung eindeutig eine Hommage an Altmeister Alfred Hitchcock. Dass das Finale im Stile von Hitchcocks Faible für große Höhen bei den Niagarafällen spielt, ist hier nur das Tüpfelchen auf dem i. Doch neben diesem Bemühen vergisst er offensichtlich, dass die Filme des Altmeisters neben der überlegten Erzählweise auch eine packende Story vorweisen konnten.
Demme beginnt damit, wie Harry Hannan Monate nach einer Schießerei, bei der er seine Frau verliert, aus dem Sanatorium entlassen wird. Er hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten und fürchtet, noch bevor er zurück in der Stadt ist, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet. Dort angekommen muss er feststellen, dass eine fremde Frau in seinem Apartment wohnt – untervermietet von seiner Firma.

Bis dahin – selbst wenn er seinen Vorgesetzten Eckart (gespielt von einem beunruhigend wirren Christopher Walken) konfrontiert – weiß man als Zuschauer nicht, was Harry beruflich macht. Man kann davon ausgehen, dass er irgendeine Art von Agent ist, doch für wen er arbeitet, was er normalerweise tut, erfährt man nicht. Wird tatsächlich entschieden, dass Harry ein Sicherheitsrisiko darstellt und ausgeschaltet werden soll, weiß man darum auch nicht, weshalb.
Gleichzeitig erzählt Tödliche Umarmung davon, dass Harry eine mysteriöse Botschaft in aramäisch erhält. Wie sich herausstellt, haben bereits einige Männer dieselbe Nachricht vor ihm bekommen und kurz danach das Zeitliche gesegnet. Bei den Nachforschungen, die Harry hierzu anstrebt, hilft ihm seine neue Mitbewohnerin Ellie, der er vom ersten Moment an nicht vollständig traut. Ebenso wenig wie das Publikum, dem zwar mehr zu Ellies Umgang mit einem Professor der Princeton-Universität gezeigt wird, aber daraus trotzdem nicht schlau wird.

Erwartungsgemäß sollten die langen Monologe der Figuren mehr darüber offenbaren, was in ihnen vorgeht, doch auch hier enttäuscht Tödliche Umarmung. Harrys anfängliche Paranoia ergibt darum keinen großen Sinn. Ellies sprunghaftes Verhalten passt zumindest vom Ende rückblickend zur Figur, doch die Hintergrundgeschichte um die Ausbeutung jüdischer Einwanderer bleibt bis zum Schluss nur halbgar dargebracht.
Roy Scheider ist dabei merklich bemüht, die fahrigen Handlungen seiner Figur greifbar zu machen, ebenso Janet Margolin, die gut zum Ausdruck bringt, wie hin und her gerissen Ellie tatsächlich ist. Aufmerksame Zuschauer können zu Beginn einen Kurzauftritt von Max Wright auf dem Bahnsteig erhaschen – er sollte später durch die Fernsehserie ALF [1986-1990] bekannt werden.

Für die Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray erhielt Tödliche Umarmung glücklicherweise eine niedrigere FSK-Freigabe als die ursprüngliche "nicht freigegeben unter 18 Jahren". Bedenkt man, dass die ausschlaggebenden Szenen im merklich hiervon inspirierten Basic Instinct [1992] weitaus expliziter gezeigt werden, ist dies nur gerechtfertigt. Die Disc von "OFDb-Filmworks" wartet neben Film und Trailer ohne Bonusmaterial auf. Die Bildqualität schwankt zwischen weich und verwaschen bis zu scharf und kontrastreich. Ärgerlich sind eher die Ruckler im Bild, die jedoch dem Ausgangsmaterial zuzuschreiben sind. Der Ton liegt im verlustfreien DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Für Interessenten ist dies zweifelsfrei die beste Möglichkeit, den Thriller zu genießen. Das Wendecover ohne aufdringliches FSK-Logo gehört bei dem Label erfreulicherweise bereits zur Standardausrüstung.


Fazit:
Man sieht es an den Perspektiven selbst, der Ausleuchtung der Gesichter bei den Monologen, bei denen die Kamera sie in Großaufnahme zeigt, während der Hintergrund dunkler wird, und hört es nicht zuletzt an der Musik, die eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt: Tödliche Umarmung weckt allein in der Machart Erinnerungen an Werke Alfred Hitchcocks. Hierzu trägt eigentlich auch die Geschichte bei, die teils Agentenstory und teils Rachefeldzug darstellt.
Doch statt eines richtig zu erzählen, verrennt sich Regisseur Jonathan Demme in ein konfuses Durcheinander, bei dem die Zusammenhänge so spät klar werden, dass zuvor das Interesse schon verloren gegangen ist. Weshalb die Figuren so handeln wie sie handeln, ist insbesondere in Bezug auf Hauptcharakter Harry auch nach dem Schluss noch ein Rätsel. Nur ohne von irgendeiner Partei eingeweiht zu sein, kann man weder miträtseln, noch mitfiebern. Dass die Einstellungen allesamt einen Tick zu lang geraten sind, die Monologe (und die Antworten der Gesprächspartner darauf) keinen Sinn ergeben und die Hintergrundgeschichte ewig nicht und dann in einer Minute erklärt wird, lassen den Film weit hinter die Vorbilder zurückfallen, die hier ganz offensichtlich Pate standen.    

Blu-ray-Wertung:
4 von 6 Punkten


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