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The Tourist [2010]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Dezember 2010
Genre: Krimi / Komödie

Originaltitel: The Tourist
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Johnny Depp, Angelina Jolie, Paul Bettany, Timothy Dalton, Steven Berkoff, Rufus Sewell, Christian De Sica, Alessio Boni, Daniele Pecci, Giovanni Guidelli, Raoul Bova


Kurzinhalt:
Scotland Yard Inspector Acheson (Paul Bettany) sieht sich seinem Ziel endlich näher: seit Jahren lässt er Elise Ward (Angelina Jolie) beschatten, die mit dem Steuerflüchtigen Alexander Pierce eine Beziehung hatte. Pierce ist, nachdem er vom Gangster Shaw (Steven Berkoff) mehr als zwei Milliarden Dollar gestohlen hat, untergetaucht. Großbritannien verlangt von Pierce eine Steuernachzahlung von über 700 Millionen Pfund und sucht ihn darum ebenfalls. Endlich scheint Pierce mit Elise Kontakt aufgenommen zu haben. Sie soll sich in einen Zug nach Venedig setzen, so steht es in einem Brief von ihm. Dort soll sie sich jemanden suchen, der ihm in Größe und Statur ähnlich ist, und ihre Verfolger Glauben machen, der Fremde wäre Pierce.
Im Zug trifft sie auf den Mathematiklehrer Frank Tupelo (Johnny Depp), welcher der fremden Schönen auch sofort verfällt. Sie nimmt ihn in Venedig sogar mit in eines der angesehensten Hotels und checkt dort unter Elise Ward und Ehemann ein. So gerät Frank ins Visier von Shaws Schergen und Achesons Untersuchung. Es folgt eine chaotische Zeit in Venedig, in der Frank und Elise oft auf Flucht sind, und beide nicht nur einander etwas verheimlichen ...


Kritik:
In The Tourist spielen Angelina Jolie und Johnny Depp Angelina Jolie und Johnny Depp, die in Venedig Urlaub machen und nebenher einen Film drehen. Dass beide öffentlichkeitswirksam jeweils in einer festen Beziehung sind, merkt man The Tourist insofern an, als dass sie zwar auf der Leinwand als Freunde harmonieren, aber überhaupt gar keine Chemie zueinander entwickeln. Abgesehen davon gelingt es ihnen auch auf Grund der Drehbuchvorlage nicht, Charaktere zu erschaffen, denen man ein solch hanebüchenes Abenteuer abkaufen würde.
The Tourist möchte viel sein, ein smarter Agentenkrimi beispielsweise, der mit Anleihen einer Screwball-Komödie kombiniert nicht ernst zu nehmen ist, aber ernste Situationen und skrupellose Gangster zeigt. Auch eine Liebesgeschichte versteckt sich darin, und ein Starvehikel, das zwei der erfolgreichsten Akteure der heutigen Zeit vereint, deren Attraktivität alljährlich in Umfragen unterstrichen wird. Was der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck jedoch daraus macht, ist eher ernüchternd und lässt sich in zu viele Kategorien einteilen, als dass der Film in irgendeiner Disziplin überzeugen könnte.

Der Film handelt vom Mathematiklehrer Frank Tupelo (nicht nur trottelig, sondern sogar etwas melancholisch verkörpert von Johnny Depp), der auf einer Zugfahrt nach Venedig von einer fremden Frau angesprochen wird. Elise (Angelina Jolie, die mit ihren Reizen zu spielen versteht) verdreht ihm nicht nur auf der Zugfahrt den Kopf, sondern lädt ihn sogar in ein nobles Hotel ein. Es scheint, als hätte sich der Lehrer in die mysteriöse Schöne verliebt und möglicherweise könnte sie so auch für ihn empfinden. Bis bewaffnete Männer vor Franks Hotelbadezimmer stehen, ihn über die Dächer jagen und er von Scotland Yard verhaftet wird. Auf diese Weise könnte man von Franks Geschichte mitgerissen werden, könnte sich wie er in die Unbekannte verlieben und perplex mit Machenschaften konfrontiert werden, die seine Vorstellung übersteigen. Dass er das auf sich nimmt, weil er ihr verfallen ist, könnte man sogar akzeptieren, würde The Tourist auch so erzählt. Stattdessen beginnt der Film mit Elise, zeigt, welchem Plan sie folgt, wie sie Frank als Opfer aussucht und sogar bereit ist, ihn ins offene Messer laufen zu lassen. Ohne Frank zu kennen möchte man ihn angesichts seines blinden Vertrauens am liebsten ohrfeigen, wenn er Elise immer noch nachläuft, auch wenn sie ihm nur Demütigung und Lebensgefahr gebracht hat. Die Autoren suchen einen Ansatz, der es ihnen ermöglicht, in den Storywendungen, die später eingebracht sind, einen "smarten" Eindruck zu machen, so als hätten sie die Geschichte komplexer erdacht, als sie erzählt wird. Beispielsweise, wenn Hintergründe der beiden Hauptfiguren enthüllt werden, die überraschen sollen, dabei aber eher absurd sind. Zugeschnitten ist der Film dabei auf die beiden Hauptcharaktere und selbst Männer werden es übertrieben finden, wie viele Nebencharaktere sich im Film nach Elise umdrehen. Jemand, der unentdeckt bleiben sollte, würde sich auch nie so auffällig wie sie verhalten. Elise deckt im Film einen Alexander, der nicht nur einem Gangster über zwei Milliarden Dollar gestohlen hat, sondern auch 744 Millionen Pfund an Steuern nachzahlen soll. Das ruft zum einen den bestohlenen Gangster Shaw auf den Plan (eine undankbare Rolle für Steven Berkoff) und die Scotland Yard-Abteilung für Wirtschaftskriminalität. Was Inspector Acheson (ebenso verschenkt: Paul Bettany) dabei außer einer unmotivierten, persönlichen Vendetta antreibt, wird nicht geklärt, seine unlogischen und abstrusen Handlungen rufen jedoch sogar seinen Vorgesetzten Chief Inspector Jones (Timothy Dalton) zur Tat.
Es gibt hier vor dem Finale eine Szene zwischen einem in Handschellen gelegten Frank und Acheson, in welcher letzterer Frank zum Spaß nicht nur Glauben machen möchte, er wäre jetzt verhaftet, sondern ihn sogar persönlich beleidigt. Wie viele Momente in The Tourist führt der wenig geistreiche Dialog nirgendwo hin und verfolgt kein Ziel. Er ist nur eingebaut, um Acheson etwas mieser darzustellen, und um Zeit zu schinden, ehe wieder etwas Interessantes geschieht.

Man könnte einem solchen Film viel verzeihen, würde denn die Atmosphäre stimmen. Ein Interesse an Venedig weckt Henckel von Donnersmarck durchaus, auch wenn die Optik nie sehr einfallsreich, sondern stets konventionell gehalten ist. Die Darstellerführung zählt hier ebenso wenig zu seinen Qualitäten wie eine spannende Inszenierung. Was er mit seiner ersten Hollywood-Produktion bewiesen hat ist, dass er es mit der bestechenden Optik, oder der packenden Stimmung von Tom Tykwers Thriller The International [2009] nicht aufnehmen kann. Einen Einstieg im Komödienfach würde man ihm hiernach ebenfalls nicht anraten.
The Tourist möchte viel sein und ist dabei nur eines: eine herbe Enttäuschung.


Fazit:
Eine Verwechslungskomödie lebt nicht nur von den Darstellern, sondern auch davon, wie sie zusammenpassen. So talentiert und erfolgreich Angelina Jolie und Johnny Depp in ihrer Profession sind, zusammen ergeben sie kein stimmiges Paar. Daran scheitert The Tourist zum einen, zum anderen auch daran, dass der Film nie Spannung aufkommen lässt, dass die Wendungen einerseits vorhersehbar sind, aber auch völlig überzogen. Die Figuren agieren, wie man es nie nachvollziehen kann und es hilft eine traumhafte Kulisse und eine grundsätzlich leichtfüßige, aber dem Gezeigten selten angemessene Musik nicht, wenn die Geschichte nicht überzeugt.
Das Werk von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck enttäuscht auf vielen Ebenen. Am meisten jedoch dadurch, dass tief in dem belanglosen Film mit den sympathischen Darstellern und der routinierten, unspannenden Inszenierung eine nicht uninteressante Geschichte steckt. Doch diese haben die Macher nicht gefunden oder nicht für erzählenswert gehalten.


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