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The Time Machine [2002]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Januar 2008
Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: The Time Machine
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Simon Wells
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Guy Pearce, Mark Addy, Phyllida Law, Sienna Guillory, Alan Young, Orlando Jones, Samantha Mumba, Omero Mumba, Yancey Arias, Jeremy Irons


Kurzinhalt:
Nachdem der zerstreute Professor Alexander Hartdegen (Guy Pearce) um die Hand seiner Geliebten Emma (Sienna Guillory) anhält, wird das Pärchen überfallen – und Emma stirbt. Fortan besessen, dieses Unrecht ungeschehen zu machen, baut Hartdegen verbissen an einer Zeitmaschine. Als er sie fertig gestellt hat, reist er zurück, um den Mord zu verhindern. Doch wenig später stirbt Emma erneut. Es scheint, als könne er ihr Schicksal nicht ändern. So reist Hartdegen in die Zukunft, weg vom 19. Jahrhundert und muss mit ansehen, wie die Menschheit sich im 21. Jahrhundert selbst vernichtet.
Er reist Jahrtausende weiter, ehe sich erneut Pflanzen, Tiere und auch eine Zivilisation entwickeln. Die Menschheit hat überlebt. So hält Hartdegen mehr als 800.000 Jahre in der Zukunft, wo er auf das friedliche Volk der Eloi trifft. Er macht die Bekanntschaft von Mara (Samantha Mumba), die ihn jener Welt näher bringt. Doch die Eloi sind nicht allein – die Morlocks haben sich ebenfalls aus den Menschen entwickelt, sind jedoch animalisch, brutal und physisch ungeheuer stark. Als Mara von ihnen entführt wird, nimmt Hartdegen den Kampf auf und trifft auf einen der Anführer der Morlocks (Jeremy Irons), der vielleicht die Antwort auf Hartdegens wichtigste Frage halten könnte ...


Kritik:
Seit jeher träumen Wissenschaftler wie Entdecker von zwei Möglichkeiten. Diejenige, zu den Sternen reisen zu können – was seit Generationen bereits die Phantasie der Autoren beflügelt und in jeglichen Formen der Kunst bereits thematisiert wurde. Und die Möglichkeit, durch die Zeit reisen zu können. Die Anfänge der Welt zu beobachten, an Schlüsselmomente in der Geschichte zurückzureisen, um Zeuge einer Begebenheit zu werden, von der man bisher nur gelesen hat. Oder Unrecht, das begangen wurde, richtig zu stellen, den Lauf der Geschichte zu verändern. Oder aber zu sehen, wie sich die Welt, die Menschen und die Gesellschaft weiter entwickeln werden. Welche Errungenschaften vor uns liegen, welche Abenteuer.
Nach zahlreichen Essays, Sachbüchern und Kurzgeschichten veröffentlichte der britische Autor Herbert George Wells 1895 seinen ersten vollständigen Science Fiction-Roman: Die Zeitmaschine. Nachdem das Buch im Frühjahr 1949 nur ein einziges Mal als Live-Fernsehsendung aufgeführt wurde (hiervon existieren leider keinerlei Aufzeichnungen, lediglich Standbilder und das Skript), modernisierte der Filmemacher George Pal das Werk 1960 zum Meilenstein Die Zeitmaschine mit Rod Taylor als namenlosem Zeitreisenden. Nachdem der Stoff immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen abgewandelt wurde, machte sich Steven Spielbergs Firma DreamWorks SKG Ende der 1990er Jahre daran, den Roman als Remake neu zu verfilmen. Als Regisseur verpflichtete man niemand anders als Simon Wells, Urenkel von H.G. Wells. Und doch wurde die Produktion immer wieder von Rückschlägen und einer entsprechend negativen Meinung von Fans des Originals im Voraus schon zurückgeworfen. Dies ging sogar so weit, dass Wells drei Wochen vor Ende der Dreharbeiten das Handtuch warf und DreamWorks Regisseur Gore Verbinski (Ring [2002] und die Fluch der Karibik-Trilogie) hinzu holte. Erst für die Nachbearbeitung des Films trat Wells wieder zum Regiestuhl. Sieht man sich allerdings die ersten Trailer zum Film und dann den Film selbst an, fällt schnell auf, wie viele Szenen fehlen. Manche Abschnitte wurden verkürzt, andere ganz heraus genommen. Selbst eine Sequenz, bei der die Zerstörung New Yorks durch einen Meteoritenschauer gezeigt wurde, schnitt man aus dem Film, da man befürchtete, so kurz nach dem 11. September 2001 die Zuschauer zu verprellen.

So bruchstückhaft die Produktion rückblickend wohl war, so uneins scheint auch der Film. Eingerahmt durch einige sehr schöne, der Geschichte angemessene Momente, gibt sich der Mittelteil als herz- und hirnlose Eloi-Hatz durch unfreiwillig komische Morlocks. Wenn dann auch noch ein blau leuchtender Über-Morlok auftritt, begibt sich das Skript auf eine Talfahrt, von der es kein Entkommen mehr gibt.
Dabei ist es erstaunlich, wie viele Anleihen und Details Autor John Logan (Gladiator [2000]) gerade in den ersten Minuten unterbringt. Gleichwohl die Story um den Tod von Hartdegens Frau etwas konstruiert und die Aussage, dass man den Verlauf der Geschichte nicht ändern könne gerade für einen Zeitreisefilm etwas endgültig erscheint, bietet sie doch eine Grundlage, um davon ausgehend seine Zeitreise in die Zukunft anzutreten. Nur wird die Frage im Endeffekt nicht wirklich beantwortet. Welche Dialogzeilen der Autor (beziehungsweise die Autoren) dem Über-Morlok auch immer in den Mund legen, verständlich wird seine Erklärung Hartdegens Fragen gegenüber nicht. Stattdessen verlagert sich das Skript im Mittelteil weg von einer philosophischen Frage und der Schilderung der Lebensverhältnisse der Eloi und der Morloks hin zu einer ewig dauernden, nicht wirklich einfallsreichen und vor allem viel zu kurzen Jagd auf das unterlegene Volk. Gebietet es der normale Menschenverstand einer dramaturgisch ausgefeilten Erzählung, zumindest zwei Kampfszenen aufzubauen, bei denen die Eloi sich beim ersten Mal geschlagen geben müssen, sich dann aber organisieren und zurückschlagen, scheint hier im Film ein ganzer Teil zu fehlen. Auch das Finale, bei dem eine wissenschaftlich irrsinnige Idee die nächste jagt, gerät viel zu kurz – vor allem aber ohne richtigen Aufbau.
Anders hingegen wieder die letzten Momente, die einmal mehr als Hommage an den ersten Film verstanden werden können und sogar eine sehr schöne Collage aus der Zeit von Hartdegen und den Eloi bietet. Welche Dialoge die Macher den Zuschauern allerdings in der Zwischenzeit zumuten, ist kaum vorstellbar. Insofern kann man sich angesichts der Drehbuchvorlage nur fragen, was sich die Autoren bei dem kruden Mix aus Monsterhorror und Zeitreisegeschichte gedacht hatten. Statt näher am Werk von H.G. Wells zu bleiben, entfernt sich die Vorlage erneut sehr stark vom Roman und wartet mit einer Vielzahl eigener Ideen auf, die bestenfalls in einem zweitklassigen Science Fiction-Reißer Platz finden sollten.

An den Darstellern kann es nicht gelegen haben, auch wenn Guy Pearce in Filmen wie Memento [2000] oder L.A. Confidential [1997] merklich stärker gefordert war. Er macht seine Sache gut, wirkt lediglich im letzten Drittel etwas gelangweilt, bringt allerdings die Begeisterung, die Trauer und die Faszination seiner Figur in den ersten 30 Minuten sehr gut zum Ausdruck.
Von Mark Addy als Filby ist zwar nicht viel zu sehen, doch er wirkt ebenso wie Sienna Guillory (Tatsächlich... Liebe [2003]) motiviert genug, um die Geschichte voran zu bringen. Selbst der Filby-Darsteller des Originalsfilms von 1960, Alan Young, hat einen kleinen Gastauftritt im Film als Blumenhändler. Und auch die schottische Darstellerin Phyllida Law hinterlässt als Mrs. Watchett einen guten Eindruck.
Dahingegen scheint der Auftritt von Orlando Jones als lustiges Hologramm schon ein wenig unpassender, wobei hier die Schuld eher am Skript zu suchen ist. Für Samantha Mumba, die in ihrer Heimat Irland eine recht erfolgreiche Sängerin ist, war The Time Machine der Einstand ins Filmgeschäft. Auch wenn sie seither mehrere Ausflüge dorthin wagte, ihre Rolle meistert sie nur ein wenig besser als Estella Warren in Planet der Affen [2001]. Und diese gewann nicht umsonst die Goldene Himbeere für ihre Leistungen.
Ein wahres Trauerspiel ist es für Jeremy Irons, dessen Auftritte sich nicht nur auf die letzten 15 Minuten des Films beschränken, sondern der hinter einer unfreiwillig komischen (wenn auch sicher nicht un-aufwändigen) Maske seine Dialogzeilen ohne Elan vorträgt, beinahe so, als wüsste er, wie sich der Film im Endeffekt herausstellen würde.

Die Resonanz auf Simon Wells Film (der erst dieses Jahr mit Milo und Mars [2011] eine weitere Regiearbeit vorlegte) war entsprechend verhalten. Nicht nur, dass Fans des Romans und der ersten Verfilmung wegsahen, auch die Presse war nicht sonderlich begeistert. In den USA allein spielte der Film in etwa zwei Drittel seiner Kosten von 80 Millionen Dollar wieder ein. Auch weltweit gesehen blieb er weit hinter den Erwartungen zurück.
Dabei kann dies nicht an der handwerklichen Umsetzung liegen. Die Szenen im 19. Jahrhundert überzeugen durch detaillierte Bauten und Kostüme, das Design der überarbeiteten Zeitmaschine ist in der Tat mehr als nur gelungen, und auch die Effekte bei den Zeitreisen vermögen zu überzeugen. Weswegen den Machern allerdings bei der Zukunftsvision der Eloi das Geld für die digitalen Spezialeffekte ausgegangen ist, verstehe wer will. Hier sind die künstlichen Elemente sehr offensichtlich und angesichts von zeitgleich erschienenen Filmen wie zwei Teilen der Der Herr der Ringe [2001-2003]-Trilogie, schlichtweg indiskutabel. Ebenso die Maskenarbeiten der Morlocks, die gelinde gesagt ein Graus für das Auge des Zuschauers sind und angesichts der starren Mimik und der ewig gleichen Gesichtszüge nicht nur zum Lachen animieren, sondern vor allem an Fernsehserien der 70er und 80er Jahre erinnern. Von aktuellen Produktionen ist dies aber weit entfernt – und nicht einmal halb so beängstigend wie die Morlocks des alten Films.
Kamera und Schnitt sind insofern schwer einzuschätzen, als dass die Rahmenhandlung gut gefilmt ist, wohingegen gerade die Kampfszenen der Eloi sich ständig wiederholen und auch nicht mitzureißen vermögen. Abgesehen davon wirkt es in der Tat, als wäre der Film rigoros zusammengeschnitten worden. Immer wieder springt die Geschichte von einem Element zum nächsten, ohne dass eine vernünftige Überleitung besteht. Auf Grund des mangelnden Erfolgs lässt auch eine erweiterte Fassung oder zumindest eine Sammlung der geschnittenen Szenen auf sich warten.

Grundsätzlich sehr gut gelungen ist die stimmungsvolle, rhythmische und mitunter auch melancholische Musik durch Klaus Badelt. Insbesondere sein Zeitmaschinen-Thema bleibt in Erinnerung, ist es doch ebenso kraftvoll wie orchestral und hebt sich von manch künstlichen Elementen seiner Actioncues merklich ab.
Mitunter erinnern die Stücke des Scores an den leider verstorbenen Jerry Goldsmith, kombinieren sie sowohl klassische, als auch moderne Musik. Auch die verspielten Themen, sowie die atmosphärischen Klänge der Eloi eigenen sich zum Hören ohne den Film sehr gut. Auch wenn Vieles an The Time Machine enttäuscht, der Soundtrack zählt zu Badelts einfallsreichsten, harmonischsten und gelungensten Filmwerken. Selbst einige Elemente des 1960er Originalscores von Russell Garcia sind für aufmerksame Zuhörer zu erkennen.

Leider lässt sich selbiges nicht über den Film sagen. Fragt man sich anfangs noch, weswegen die meisten Zuschauer kein gutes Haar an Simon Wells Film lassen, kann man denjenigen leider nur beipflichten, sobald die Morlocks zu sehen sind. Wer der Meinung ist, dass die unsere Sprache sprechenden Eloi 800.000 Jahre in der Zukunft schon eine kaum zu glaubende Storyidee seien, muss erkennen, dass die Macher sich das Schlimmste in der Tat für den Schluss aufgehoben haben.
Tritt der Über-Morlock erst einmal in Aktion, schließt man am besten freiwillig die Augen, um sich die Erinnerung an das wirklich erstklassige Design der Zeitmaschine zu bewahren. Auch wenn niemand ein Remake von Die Zeitmaschine brauchte – wenn schon, sollte es mehr sein, als eine billig wirkende Videoproduktion eines Filmfans.


Fazit:
Mit einer Änderung am Design der Zeitmaschine selbst hätten die Fans ohne weiteres leben können. Immerhin sieht die überarbeitete Fassung von Professor Hartdegen mehr als nur beeindruckend aus. Auch die Rahmengeschichte im 19. Jahrhundert, die wie eine große Hommage an den alten Film anmutet, vermag zu überzeugen.
Doch ist der Zeitreisende erst einmal in der Zukunft angekommen, lässt er nicht nur das Skript, sondern auch jegliche guten Einfälle zurück. Neben einer schluderigen Geschichte um Eloi und Morlocks, platten Figuren, einem geradezu lächerlichen Oberbösewicht und ebenso uninspirierten Actionmomenten, wie unfreiwillig komischen Masken der überhaupt nicht bedrohlichen Morlocks, ist es auch die Aussage des Films selbst, die nicht zu überzeugen vermag. Wenn Hartdegen nicht in der Lage ist, den Lauf der Geschichte zu ändern und seine große Liebe zu retten, weswegen sollte er dann die Eloi in der Zukunft vor ihrem Schicksal retten können? Doch mit solchen Fragen sollte man sich bei The Time Machine lieber nicht befassen. Dialoge, die bis auf wenige Ausnahmen sofort vergessen sind, langweilige Spannungsmomente, grausige Ideen und uninspirierte Darsteller retten auch den stellenweise hohen Produktionsstandard nicht.
Statt einen Schritt in die Zukunft geht Regisseur Simon Wells einen Schritt zurück. Weg vom Klassiker – hin zum Trash. Einziger Trost: der Ausflug dauert nicht lange.


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