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The Social Network [2010]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. November 2010
Genre: Drama / Unterhaltung

Originaltitel: The Social Network
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Fincher
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross
Darsteller: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Joseph Mazzello, Armie Hammer, Josh Pence, Max Minghella, Justin Timberlake, Rooney Mara, Bryan Barter, Patrick Mapel, Calvin Dean, Aria Noelle Curzon, Barry Livingston, Marybeth Massett, Denise Grayson, John Getz, Rashida Jones, Brenda Song, Malese Jow


Kurzinhalt:
Wenn sein ehemals bester Freund Eduardo Saverin (Andrew Garfield) ihn auf 600 Millionen Dollar verklagt, er des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigt oder öffentlich an den Pranger gestellt wird, bringt dies Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) nicht aus der Ruhe. Der gegnerische Anwalt hat, wie er selbst sagt, nur das Mindestmaß seiner Aufmerksamkeit verdient. Zuckerberg scheint in einem Teil der Welt zu leben, in dem andere Maßstäbe gelten. Als wäre es nur, um dazu zu gehören, übernimmt er Programmierarbeiten an einer geplanten Harvard-exklusiven Netzwerkseite für die Winklevoss-Zwillinge (Armie Hammer) und Divya Narendra (Max Minghella). Dann scheint Zuckerberg das Interesse zu verlieren und startet sein eigenes Projekt Facebook im Jahr 2003.
Seine vorigen Geschäftspartner überlegen sich rechtliche Schritte und auch Saverin, der Zuckerberg mit seinen finanziellen Mitteln den Start Facebooks überhaupt erst ermöglichte, weiß nicht, worauf der Wunderjunge hinarbeitet. Napster-Erfinder Sean Parker (Justin Timberlake) lenkt Zuckerbergs Tatendrang in eine neue Richtung – und bringt die Machtverhältnisse zum Einsturz ...


Kritik:
Egal, was sich junge Menschen für ihre Zukunft vorstellen, eines wissen sie meistens: sie wollen wohlhabend sein. Je früher, umso besser, immerhin möchte man das Leben auch genießen. Wie sie das anstellen sollen, ist den meisten schleierhaft. Zumindest ist dieser Wunsch eine Triebfeder für ihr Schaffen, ob er sich aber erfüllen wird, ist fraglich. Mark Zuckerberg ist der jüngste Milliardär der Welt. Doch was ihn antreibt, bleibt ein Rätsel. Der Reichtum ist es nicht, auch im Mittelpunkt zu stehen scheint ihm eher Unbehagen zu bereiten. Dass er als Menschenfreund mit der sozial vernetzten Internetplattform Facebook die Welt zum Besseren verändern wollte, darf bezweifelt werden. Ebenso, ob ein Beziehungsende ihn zum Erschaffen der Webseite motiviert hat, wie in The Social Network gezeigt. Während der wahre Zuckerberg die Authentizität des Dialogfilms verneint, bestätigen Drehbuchautor Aaron Sorkin und Regisseur David Fincher, dass ihr Werk sehr realitätsnah gehalten sein und nur in manchen Momenten dramatisiert wurde. Letztendlich geht es bei The Social Network auch nicht darum, den Werdegang der Internetplattform zu schildern, dies geschieht beinahe nebenbei. Im Mittelpunkt steht die Charakterisierung Zuckerbergs, nicht seine Herkunft. Es geht darum zu zeigen, was Menschen wie ihn motiviert, beziehungsweise festzustellen, dass sich selbiges nicht sagen lässt. So viele Menschen er mit seinem sozialen Netzwerk auch berührte, all das scheint ihm keine Befriedigung zu verschaffen. Was er auf dem Weg der Suche seines wahren Ziels verliert, sind alle Menschen, die ihm dorthin verholfen haben und die sich von seiner Undurchschaubarkeit ebenso vor den Kopf gestoßen fühlen.

Jesse Eisenberg mimt den verschlossenen Einzelgänger als intelligenten, aber sozial inkompatiblen Wunderling und erinnert damit ein wenig an Dustin Hoffmans Darbietung in Rain Man [1988]. Ob Zuckerberg und Menschen wie er autistische Eigenschaften aufweisen, sei dahingestellt, Regisseur Fincher regt den Gedankengang durchaus an. Die rasanten Dialoge legen den Schluss nahe, Zuckerberg würde sich danach sehnen, etwas Exklusivem anzugehören, einer Gemeinschaft, die aber nicht dadurch heraussteht, dass sie aus Akademikern besteht (die ihm in Bezug auf den Intellekt ohnehin nicht das Wasser reichen können), sondern dadurch, dass er ihr angehört.
Eduardo Saverin, der zur rechten Zeit zur Stelle war und Zuckerberg mit finanziellen Mitteln zur Seite stand, als Facebook in den Startlöchern lauerte, muss irgendwann feststellen, dass die Vision Mark Zuckerbergs zu schnell heranwächst, als dass er sie kontrollieren oder gar noch überblicken könnte. Dagegen ist Napster-Erfinder Sean Parker eine Person, die solche Erfolgspotentiale erkennen kann und keine Hemmungen besitzt, diese für seine Zwecke zu nutzen. Was Zuckerberg eigentlich benötigen würde ist jemand, der ihn durch beide Extreme hindurch führt, ihn bremst wann es notwendig ist und ihn fördert, wo es angebracht ist. Es scheint jedoch, als würden sich Menschen wie er mit einem gemäßigten Weg nicht abfinden können.

Regisseur David Fincher gestaltet seine Charakterstudie stilsicher und kleidet sie kaum merklich im Gewand des beginnenden Jahrtausends. Dabei ist das authentische Ambiente sehr subtil eingebracht und man muss als Zuschauer sehr aufmerksam bleiben, möchte man die für den visuell einfallsreichen Filmemacher vertrauten Kamerafahrten und Schnittfolgen erkennen. Diese sind zwar immer noch vorhanden, treten aber angesichts der wortstarken Dialoge in den Hintergrund.
Die sind es auch, die das Drama sehenswert machen und wer den sprunghaften, aber inhaltlich sehr fordernden Eröffnungsdialog mit Zuckerberg und seiner zukünftigen Ex-Freundin überstanden hat, der darf sich auf weitere ebenso geschliffene und nicht minder komplexe Gespräche einstellen. Dass zwischen den einzelnen Abschnitten Sequenzen aus zwei verschiedenen Gerichtsverhandlungen eingebracht werden, die zeitlich auch unterschiedlich angesiedelt sind, erfährt man erst nach dem ersten Drittel des Films. Dann fällt es auch leichter, die gezeigten Ausschnitte aus der Entstehungsgeschichte Facebooks richtig einzuordnen.
Bis in die Nebenrollen ist The Social Network exzellent besetzt und fordert auch Darsteller, die nur wenig vor der Kamera zu sehen sind.
Worauf die Geschichte dabei hinarbeitet, bleibt lange im Dunkeln und man könnte beinahe festhalten, sie habe kein eigentliches Ziel. Es geht um den Vergleich, den Zuckerberg mit Saverin abschloss. Währenddessen chronologisieren beide die Ereignisse, die nicht nur ihr Leben veränderten, sondern in ihrer Konsequenz auch das von mehreren Hundert Millionen Menschen weltweit. Dank des pointenreichen und anspruchsvollen Skripts ist das packend, wenn auch nicht spannend. Als intelligentes Kopfkino eignet sich das für ein interessiertes Publikum. Schade ist dabei nur, dass die Einschränkungen beim Datenschutz, die Aufgabe der eigenen Privatsphäre durch solche Netzwerkseiten und auch die Auswirkungen, die eine Abhängigkeit davon entwickeln kann, nur gestreift oder gar nicht angesprochen werden. Auch hält das Drama fest, dass Facebook inzwischen 24 Milliarden Dollar wert ist – nur wodurch? Was macht den Wert eines solchen Internetunternehmens aus, das nichts produziert?
Solche Fragen mögen nicht im Kern der Geschichte gelegen haben, die Regisseur Fincher erzählen wollte, sie sind auf Grund der Dringlichkeit der heutigen Zeit aber so wichtig, dass sie gestellt werden müssen. Und wenn nicht in diesem Zusammenhang, in welchem dann?


Fazit:
Auch die Gewissheit, die Welt des Internets verändert zu haben, scheint für Mark Zuckerberg nicht genug. Reichtum treibt ihn nicht an, der Erfolg auch nicht. Was seine Motivation ausmacht, ist das Kernthema in The Social Network, nicht er als Person. Auch zeigt Regisseur David Fincher, welche Menschen jemand wie Zuckerberg um sich schart, ob er will oder nicht. So kann es auch sein, dass er bei einer bedeutenden Feier seiner Firma selbst gar nicht anwesend ist, weil ihn die Gesellschaft nicht reizt.
Dass er dennoch ein Verlangen danach verspürt, unterstreichen die letzten Minuten des dialoggewaltigen Dramas. Hervorragend gespielt und tadellos gefilmt gelingt es durch den Schnitt des Films, das Geschehen trotz dem Ausbleiben eines richtigen Spannungsbogens interessant und packend zu machen. Das ist für Freunde des intelligenten und anspruchsvollen Kinos eine Bereicherung. Und ein Einblick in einen womöglich genialen, aber vermutlich auch nicht beneidenswerten Geist.


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