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The Ides of March - Tage des Verrats [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Dezember 2011
Genre: Drama

Originaltitel: The Ides of March
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Ryan Gosling, George Clooney, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Evan Rachel Wood, Marisa Tomei, Jeffrey Wright, Max Minghella, Jennifer Ehle, Gregory Itzin, Michael Mantell, Yuriy Sardarov, Bella Ivory, Hayley Meyers, Maya Sayre


Kurzinhalt:
Es scheint wie ein Kopf an Kopf Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der demokratischen Partei zwischen Gouverneur Mike Morris (George Clooney) und Senator Pullman (Michael Mantell). Beide Politiker sind in der Öffentlichkeit präsent und werden von ihren Wahlkampfteams auf die verschiedenen Auftritte vorbereitet. Für Morris engagiert sich unter anderem der junge Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Ryan Gosling), der für Paul Zara (Philip Seymour Hoffman), einen langjährigen Vertrauten von Morris, arbeitet. Er tut dies nicht des Geldes wegen, sondern weil er von Morris überzeugt ist. Dies sagt er auch Pullmans Wahlkampfleiter Tom Duffy (Paul Giamatti), als dieser ihn abwerben will.
Doch wenig später wird Meyers, der sich mit der Praktikantin Molly Stearns (Evan Rachel Wood) eingelassen hat, von der Journalistin Ida Horowicz (Marisa Tomei) unter Druck gesetzt, die von seinem Treffen mit Duffy erfahren hat. Als Morris zudem eine wichtige Vorwahl zu verlieren scheint, da ihm die Unterstützung von Senator Thompson (Jeffrey Wright) fehlt, überschlagen sich die Ereignisse und Meyers muss feststellen, dass er letztlich auf niemanden zählen kann. Auch auf seine Ideale nicht – höchstens noch auf sich selbst ...


Kritik:
Kann ein Politiker jemals so integer sein, wie wir ihn uns in unseren Idealen vorstellen? Wie groß wäre unser Fall, wenn wir enttäuscht würden? George Clooney erzählt in seinem wortstarken Politdrama The Ides of March - Tage des Verrats von einem Kongressabgeordneten der demokratischen Partei, der auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl zuerst gegen Konkurrenten aus seinem eigenen Lager antritt. Die Ausgangslage erinnert an viele Geschichten jener Art, in denen ein schillernder Kandidat durch Intrigen und Fehltritte entmystifiziert wird, um am Schluss noch schlechter dazustehen, als die Konkurrenten, die er aus dem Feld gedrängt hat. Doch nimmt der von Clooney selbst gespielte Gouverneur Mike Morris nur eine untergeordnete Rolle ein. Erzählt wird der Film aus der Sicht seines Wahlkampfmanagers Stephen Meyers. Dieser könnte in seinen jungen Jahren vieles sein und hat schon mehr Wahlkämpfe begleitet, als viele andere Kollegen, die deutlich älter sind. Er sieht in Mike Morris keine Schablone und keine Marionette der verschiedenen Lobbys, sondern den Mann, der tatsächlich etwas verändern kann. Er opfert sich ganz dem erbitterten Wahlkampf gegen Morris' Gegner, Senator Pullman, auf, und gerät so ins Visier von Pullmans Wahlkampfleiter, Tom Duffy. Der macht Meyers ein Angebot, ihn abzuwerben, was Meyers ins Grübeln bringt. Als er seinem Arbeitgeber, Morris' Vertrautem Paul Zara, von dem Treffen erzählt, tritt er eine Lawine los, die sich nicht aufhalten lässt. Nicht nur das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass ein jeder Mensch in der Öffentlichkeit irgendwo etwas zu verbergen hat. Wie soll Stephen Meyers also reagieren, als er von Morris' Geheimnis erfährt?

The Ides of March widmet sich weniger Mike Morris und seinem Sündenfall. Im Gegenteil, wir erleben ihn sogar als idealistischen Politiker, der sich auf schmutzige Deals und Absprachen im Hintergrund nie einlassen wollte. Wir glauben ihm, was er sagt, weil er es selbst glaubt. Er versucht auch nie zu entschuldigen, was er getan hat. Vielleicht, weil er der Meinung ist, dass das nur die Beteiligten etwas angeht, oder weil noch er mehr zu verbergen hat. Stattdessen wirft das Drehbuch sein Augenmerk auf Stephen Meyers, und wie er mit der Situation umgeht. Er ist wie ein Gläubiger, dem seine Religion geraubt wird, nur um festzustellen, dass es an ihm liegt, bestimmte Dinge wahr werden zu lassen. Wir beobachten ihn dabei, wie er sich mit der Praktikantin Molly Stearns einlässt, die ihn in mehr verwickelt, als er sich vorgestellt hatte. Und wie er in kürzester Zeit lernt, Menschen wie die Journalistin Ida Horowicz und Senator Thompson für sich zu nutzen, anstatt nur von ihnen benutzt zu werden. Es ist eine Charakterisierung, die Clooney beinahe schon dokumentarisch vornimmt. Sind wir in der Mitte des zweiten Aktes noch schockiert angesichts der berechnenden Vorgehensweise einiger Figuren, wandelt sich unsere Anteilnahme wenig später in eine Teilnahmslosigkeit, die noch mehr verblüfft.

Getragen wird das Drama von einer Besetzung, die namhafter kaum sein könnte. Von George Clooney angefangen, über Ryan Gosling, der hier vor unseren Augen eine Wandlung absolviert, die in manchen Momenten beinahe übersehen werden kann, uns in anderen jedoch unvorbereitet trifft. Als Wahlkampfleiter Paul Zara brilliert Philip Seymour Hoffman, als dessen Gegenpol man Paul Giamatti vermuten könnte. Die wenigen Momente von Jeffrey Wright bleiben nicht zuletzt durch ein Treffen seiner Figur mit Meyers in Erinnerung, bei dem Gosling kein Wort spricht. Marisa Tomei und Evan Rachel Wood präsentieren die wichtigsten weiblichen Rollen souverän und zeigen zugleich, wie maskulin die Ausrichtung der Politik immer noch ist. Und wie wenig die Frauen deren berechnenden Überlegungen nachstehen.
Ruhig und mit Bedacht auf die Figuren in Szene gesetzt, kleidet Clooney The Ides of March - Tage des Verrats in angemessene Bilder, bei denen ein Blick der Charaktere mitunter mehr sagt, als ein Monolog. Sehen wir Paul Zara nach einer Unterredung mit Mike Morris aus dessen Wagen steigen, verrät uns seine Körperhaltung alles, was wir wissen müssen. Erstklassig gefilmt richtet sich der Dialogfilm an ein anspruchsvolles Publikum, das zwar keine Überraschungen geboten bekommt, wenn es um die Korrumpiertheit der Politiker geht, aber dahingehend, wie schnell dies selbst auf die idealistischsten Menschen um sie herum übergehen kann.


Fazit:
Welcher Politiker hat schon keine sprichwörtliche Leiche im Keller? Schafft man es überhaupt bis ganz nach oben, ohne sich irgendetwas zu Schulden kommen zu lassen? The Ides of March - Tage des Verrats ergründet diese Frage nur nebenbei; immerhin wurde sie auch schon oft genug gestellt und beantwortet. Regisseur George Clooney, der auch an der Drehbuchadaptierung des Theaterstücks mitschrieb, richtet seinen Blick stattdessen auf den Wahlkampfhelfer des möglichen Präsidentschaftskandidaten.
Ryan Gosling mimt die Hauptfigur nicht naiv, sondern überzeugt und begeistert. Was vor ihm liegt, wird sein Leben grundlegend erschüttern. Wer dem beiwohnt, der sollte sich für die Hintergründe interessieren, und für die Figuren. Hier findet sich kein Thriller, sondern ein Charakterdrama, das packend die Frage beantwortet, was Menschen bereit sind aus Idealismus zu opfern. Und was aus Enttäuschung. Fast schon beiläufig zeigt der Film, wie in den oberen Rängen der Politwelt alles gegen denjenigen verwendet wird, der sich ein Zeichen der Schwäche erlaubt.


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