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The Grudge [2020]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 7. Januar 2020
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: The Grudge
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: Kanada / USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Nicolas Pesce
Musik: The Newton Brothers
Besetzung: Andrea Riseborough, Demián Bichir, John Cho, Betty Gilpin, Lin Shaye, Jacki Weaver, Frankie Faison, William Sadler, Tara Westwood, John J. Hansen, David Lawrence Brown, Zoe Fish


Kurzinhalt:

Im Jahr 2006 führt Polizistin Muldoon (Andrea Riseborough) und ihren neuen Partner Goodman (Demián Bichir) die Leiche in einem verunfallten Fahrzeug zu einer Adresse, die Goodman bereits bekannt ist – und die er nie wieder aufsuchen will. Entgegen seinem Rat ermittelt Muldoon weiter und stößt auf die geistig verwirrte Faith Matheson (Lin Shaye). Als sie tiefer gräbt, stellt sie fest, dass auch die Familie Landers, die vor den Mathesons in dem Haus gewohnt hat, brutal ermordet wurde. Es scheint ein Zusammenhang zu bestehen zu einer Tragödie mit dem Makler-Ehepaar Peter (John Cho) und Nina Spencer (Betty Gilpin) und sogar zu dem, was Goodmans früherem Partner Wilson (William Sadler) widerfahren ist. Es ist beinahe, als läge ein Fluch auf diesem Haus und allen, die es, so wie Muldoon, betreten haben …


Kritik:
Nicolas Pesces The Grudge war, wie eine Eintragung beim Abspann verrät, als Reboot des 2004 erschienenen, gleichnamigen US-Remakes der Fortsetzung des japanischen Horrorfilms Ju-on [2000] gedacht. Stattdessen entschied sich der Filmemacher, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, eine Geschichte zu erzählen, die während und nach dem ersten Film spielt. Dem Remake, wohlgemerkt. Was man trotz der vertrackten Konstellationen vergebens sucht, sind neue Ideen – und den Mut zur Veränderung.

Dabei ist The Grudge nicht chronologisch richtig erzählt. So spielt der Film nach einem kurzen Prolog im Jahr 2004 bei der Familie Landers, an sich im Jahr 2006 und folgt der Polizistin Muldoon, die nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn einen Neuanfang samt Umzug in eine Kleinstadt in Pennsylvania versucht. Mit ihrem neuen Partner Goodman wird sie zu einem abgelegen gefundenen Autowrack gerufen, in dem sich eine stark verweste Leiche befindet. Die Spur führt zu einem Haus in 44 Reyburn Drive, das Goodman von einem vorigen Fall kennt. Als Muldoon allein ermittelt, stößt sie dort nicht nur auf den Schauplatz eines grausamen Verbrechens, sondern auf einen Fluch, der bereits zahlreiche Opfer gefordert hat.

Das klingt alles sehr vertraut und nun ja, das ist es auch. Mit einer Einblendung zu Beginn stellt der Filmemacher nochmals die Regeln des Franchise vor, wonach der Fluch an einen Ort gebunden ist und sobald jemand von diesem Fluch entdeckt wird, man ihn nie wieder loswird. Das beraubt The Grudge allerdings auch der Möglichkeit, neues Terrain zu betreten. Denn was für einen Sinn hat eine solche Geschichte, wenn es keine Möglichkeit gibt, den Fluch zu lösen? Sicherlich kann man es nicht als unterhaltsam empfinden, Menschen zu beobachten, die ohnehin allesamt Tragödien hinter sich haben und die nun noch zusätzlich durch die Hölle geschickt werden, oder?
Kurzzeitig hat es sogar den Anschein, als würde Autor und Regisseur Nicolas Pesce einen Ausweg finden, eine Möglichkeit, dem auf stetige, unentwegte Fortsetzungen ausgelegten Genre einen neuen Impuls verleihen zu können. Doch letztendlich darf man diesen Mut oder den Ideenreichtum hier leider nicht erwarten.

Die Art der Erzählung versucht zwar, Vieles zu kaschieren, wirklich gelingen will dies jedoch nicht. Eingangs aus Sicht der Polizistin Muldoon erzählt, deren neuer Partner ihr aus unerfindlichen Gründen nicht alles erzählt, was er weiß und der keinen Fuß mehr in das Haus im Reyburn Drive setzen möchte, wechselt die Perspektive urplötzlich zu einem weiteren Erzählstrang im Jahr 2004. Dort erfährt man, was dem Makler Peter Spencer und seiner schwangeren Frau Nina widerfahren ist, die das Haus damals an die Familie Landers verkauft hatten. Am Ende sind es vier einzelne Stories, von denen drei abwechselnd erzählt und deren Enden im letzten Drittel zusammengeführt werden. Würde man The Grudge in chronologisch richtiger Reihenfolge erzählen, würde auffallen, wie episodenhaft die Geschichten für sich genommen sich, wie gleichartig in ihrem Ablauf und wie wenig packend, was irgendwelche Abwandlungen der sich wiederholenden Erzählformel anbelangt. Dabei wäre es durchaus möglich, die Rückblicke in einer Art und Weise einzubauen, dass sie Muldoon entweder durch ihren Partner geschildert werden, oder sie sie in der Aufarbeitung der alten Fallakten „erlebt“, doch diese Mühe macht sich Drehbuchautor Pesce nicht. Vielmehr webt er, wenn Muldoon beginnt, die Zusammenhänge und den Werdegang der Dinge zu verstehen, zwei Szenen des Prologs mit ein, als wäre sein Publikum ohne visuelle Unterstützung nicht im Stande zu verstehen, dass der Fluch den Opfern aus Tokyo gefolgt war. Wer bis hierhin durchgehalten hat, hat dies aber bereits längst verstanden. Wie ungelenk die Aneinanderreihung der Geschichten ist, sieht man auch daran, dass es scheint, die vermeintlichen Rückblicke würden mitten im Film an die aktuelle Erzählung aufschließen. Dabei ist das letztlich doch gar nicht der Fall.

So ernüchternd dies klingt, es gibt durchaus Positives bei The Grudge zu entdecken. So nimmt der Film sich, das Drama und die Figuren, aber auch das Grauen hinter den einzelnen Tragödien, durchweg ernst. Umso zermürbender ist jedoch wie bereits erwähnt, dass es kein Entkommen geben soll. Der Filmemacher baut durchaus unheimliche Momente und auch eine bedrohliche Atmosphäre auf, aber statt lediglich auf das Grauen und die Bedrohung zu setzen, sollen auch Schockmomente für Gänsehaut beim Publikum sorgen. Dieser Horror setzt hier jedoch ausschließlich auf laute Geräusche und Musik, die beide für diesen Augenblick so ohrenbetäubend eingespielt sind, dass der Schreck zwar funktioniert, die Stimmung dabei jedoch vaporisiert wird. Mehr noch, hält man sich bei einer dieser Passagen die Ohren zu, stellt man fest, dass einen das Gezeigte zu keinem Moment überrascht. Zu absehbar, zu klischeehaft ist der Aufbau der jeweiligen Szenen. Diese Erkenntnis bleibt länger in Erinnerung, als irgendein anderer Eindruck des Films.


Fazit:
Mit Andrea Riseborough, Demián Bichir, John Cho, Betty Gilpin, Lin Shaye, Jacki Weaver und William Sadler ist der Horror-Thriller nicht nur toll besetzt, alle Beteiligten bekommen durchaus etwas zu tun. Man könnte auch sagen, für sich genommen würden die vier einzelnen Erzählungen der hier vertretenen Sammlung durchaus gruselige Unterhaltung bieten, doch sie auf so ungelenke Weise miteinander zu vermischen, offenbart nur, dass sie alle nach demselben Muster ablaufen. Das ist für sich genommen bereits altbekannt, die Figuren hier wie die Lämmer zur Schlachtbank geführt zu sehen, ist aber ausgesprochen deprimierend. Filmemacher Nicolas Pesce fängt das Geschehen in düsteren, aber nicht zu dunklen Bildern ein, erzeugt oftmals eine bedrückende Atmosphäre, bei der jedoch bereits die Musik verrät, dass gleich etwas Unheimliches passieren wird. So gruselig das ist und selbst, wenn Splatterfans mit der ein oder anderen brutalen Einstellung rechnen können, es gibt bei The Grudge nichts, was in Erinnerung bleibt. Dafür hat man dasselbe schlicht zu oft gesehen und ohne einen möglichen Ausweg, gibt es nichts, wofür es sich mit den Figuren mitzufiebern lohnen würde.
 


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