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The Dark Tapes [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. April 2017
Genre: Horror / Science Fiction / Thriller

Originaltitel: The Dark Tapes
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Michael McQuown, Vincent J. Guastini
Darsteller: David Banks, Sara Castro, Cortney Palm, David Rountree, Matt Magnusson, Ryan Allan Young, Shawn Lockie, Stephen Zimpel, Jo Galloway, Clint Keepin, Jonathan Biver, Brittany Fisheli, Emilia Ares Zoryan, Shane Hartline, Anna Rose Moore, Aral Gribble, Brittany Underwood, Jake O'Connor, Katherine Shaw, David Hull, Trey Everett


Kurzinhalt:

In vier miteinander verwobenen Geschichten trifft die wissenschaftliche Neugier auf die Welt des Übernatürlichen. Während Martin (David Rountree) und Nicole (Cortney Palm) das Phänomen der Schattenwesen erkunden, wird das Haus von Karen (Shawn Lockie) und David (Stephen Zimpel) vermeintlich von übernatürlichen Wesen heimgesucht. Caitlin (Emilia Ares Zoryan) und Sindy (Anna Rose Moore) scheinen im Bann einer bösen Macht und verleiten andere, Böses zu tun, während Amanda (Brittany Underwood) nach einem Angriff auf einer Party davon überzeugt ist, dass Experimente an ihr durchgeführt werden. Zusammen mit Ryan (Jake O'Connor) will sie die Existenz der Fremden beweisen, während sie zusehends übernatürlichere Kräfte erhält ...


Kritik:
Der Independent-Found-Footage-Film The Dark Tapes von Regisseur Michael McQuown unterstreicht, dass es kein großes Budget braucht, um eine unheimliche Stimmung zu erzeugen. Aber er verdeutlicht gleichzeitig, dass jede gute Geschichte ein gutes Skript benötigt und "billige" Schreckmomente immer "billig" bleiben. Der in vier Episoden erzählte Horrorstreifen weiß aus dem Potential viel zu machen und verleiht bekannten Stories ungewohnte Wendungen. Auch deshalb sollten Genrefans auf ihn aufmerksam werden.

Den Rahmen bilden die Segmente "Wrap Around" und "To Catch a Demon", die der Einfachheit halber als eine Episode gezählt werden. Darin will ein Wissenschaftsteam den so genannten Schattenwesen auf Schliche kommen, die man in dem Augenblick sieht, wenn man aus der REM-Schlafphase plötzlich aufwacht. Dass die Episode in mehrere kleine Teile aufgeteilt ist, die jeweils vor den übrigen Geschichten eingestreut werden, verleiht dem Ganzen einen gelungenen Zusammenhalt, zumal die Story am Ende einen Bogen zum Beginn schlägt, den man so mitunter nicht kommen sieht.

Filmemacher McQuown kann auf durchaus beeindruckende praktische Effekte zurückgreifen, die die paranormalen Phänomene ebenso zum Leben erwecken, wie die beängstigende Kreatur, die mitunter kurz zu sehen ist. Doch statt seinen gelungenen Szenenaufbau für sich sprechen zu lassen, untermalt er die unheimlichen Momente mit lauten Toneffekten und verleiht mit einer verfremdeten Stimme der Mythologie Nachdruck, die so mehr an Überzeugung verliert, als gewinnt.

An sich eignet sich die Methode des gefundenen Filmmaterials (Found Footage) deshalb so gut für Horrorgeschichten, weil durch die permanent aufnehmende Kamera aus einem Blickwinkel wenige Schnitte möglich sind. Je länger der Moment dauert, umso größer wird die Anspannung beim Publikum. Dies wird in The Dark Tapes beim Segment "The Hunters & The Hunted" sehr deutlich. Auch wenn die Geschichte um eine Familie, die in einem Haus von Etwas terrorisiert wird, von der Idee sehr stark an Paranormal Activity [2007] erinnert, handwerklich macht der Regisseur hier alles richtig und versieht die Auflösung mit einer unvorhergesehenen Wendung. Nur wie die Geschichte zur Mythologie der übrigen passen soll, wird nicht deutlich.

Die Segmente "Cam Girls" und "Amanda's Revenge" setzen eher auf modernere Technik, während die Rahmenhandlung im Jahr 2007 spielt. Sieht man sich die Storys allerdings genauer an, fällt es schwer, eine einheitliche Linie der übernatürlichen Phänomene zu finden. Es ist, als hätte Regisseur Michael McQuown jeweils eine Idee zu Papier gebracht und sich im Nachhinein überlegt, wie er diese verknüpfen könnte. Vielleicht wäre eine bloße Anthologie im Stile von Unglaubliche Geschichten [1959-1964] sogar besser geeignet gewesen. So versucht das Skript, wissenschaftliche Erklärungen für Dinge zu finden, die sich auf Grund ihrer Übernatürlichkeit gar nicht erklären lassen sollen.

Ist The Dark Tapes zum großen Teil eher gruselig als brutal, ändert sich das im Segment "Cam Girls", dessen unheimlichster Moment ein Schatten ist, den man im Schlafzimmer des Protagonisten sieht, als dieser eine virtuelle Tour durch sein Apartment gibt. "Amanda's Revenge" überrascht erneut mit einem unerwarteten Element, mit dem die Titel gebende junge Frau, die der Überzeugung ist, allnachts entführt zu werden, die Wesen auf Bild und in Ton festhalten will.
Wie für Found Footage-Filme nicht ungewöhnlich, kommt auch dieser stilgerecht ohne eine musikalische Untermalung aus. Doch wie viele andere Genre-Vertreter, scheint die Qualität der Toneffekte den Mikrophonen der aufnehmenden Kameras nicht angemessen. Das wird in den späteren Episoden umso deutlicher, ist aber auch bei der Rahmenhandlung zu beobachten.

Man kann sicher argumentieren, dass die Kritikpunkte, die an The Dark Tapes bestehen, auch vielen anderen Filmen dieser Art gemein sind und das wäre zweifelsohne richtig. Die Frage, die sich Fans des Horrorgenres vielmehr stellen sollte ist, ob die unheimliche Stimmung, um die sich Michael McQuown bemüht, funktioniert. Nun, als kurz nach Ende des Abspanns ein Luftstoß ein Fenster hier zugeschlagen hat, ist mir vor Schreck beinahe etwas aus der Hand gefallen. Insofern: Auch wenn der Episodenfilm mehr Potential erkennen lässt, als er nutzt, er macht auch mehr richtig, als dass ihm misslingt.


Fazit:
Obwohl der vollständig unabhängig produzierte Anthologie-Film nur ein kleines Budget zur Verfügung hatte, die Motivation der beteiligten Darsteller schmälert das offensichtlich nicht. Sie alle bringen die Überzeugung ihrer Figuren gut zum Ausdruck und wirken natürlich genug, dass man mit ihnen mitfiebert. Michael McQuown ist bei seinem Regieerstling merklich bemüht, die unheimlichen Phänomene zu erklären. So sehr, dass weniger Erklärungen auch weniger verwirrend gewesen wären und eine zusammenhängendere Mythologie erzeugt hätten. Dank der gelungenen praktischen Trickeffekte und einiger überraschenden Wendungen erzeugt The Dark Tapes eine durchweg düstere und bedrohliche Stimmung, die nachwirkt. Weniger laute Toneffekte wären hier jedoch effektiver gewesen. Für Fans des Genres ist dies ein solider Gruselfilm mit effektiven Schockmomenten. Man darf gespannt bleiben, was die Macher als nächstes präsentieren.
 


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