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The Core - Der innere Kern [2003]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Juni 2006
Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: The Core
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jon Amiel
Musik: Christopher Young
Darsteller: Aaron Eckhart, Hilary Swank, Stanley Tucci, Tchéky Karyo, Delroy Lindo, Bruce Greenwood, DJ Qualls, Richard Jenkins, Alfre Woodard, Glenn Morshower, Anthony Harrison, Ming-Tzong Hong, Matt Winston


Kurzinhalt:
Überall auf der Welt häufen sich seltsame Vorkommnisse: Taubenschwärme in London fliegen ziellos durch die Innenstadt und richten Chaos und Verwüstung an, Dutzende Menschen mit Herzschrittmachern sterben im selben Moment und bei der Landung eines Space Shuttles geschieht ein fataler Fehler von Seiten der Bodenstation, der beinahe das Leben der Astronauten kostet.
Der Professor Josh Keyes (Aaron Eckhart) glaubt den Grund dafür gefunden zu haben und übergibt seine Ergebnisse an Dr. Conrad Zimsky (Stanley Tucci), einer Koryphäe auf dem Forschungsgebiet des Erdmagnetismus. Ihre gemeinsame Erkenntnis: Der innere Erdkern, der für die Entstehung und Aufrechterhaltung des elektromagnetischen Feldes verantwortlich ist, und unter anderem die gefährliche kosmische Strahlung abhält, hat aufgehört, sich zu drehen. Bis in drei Monaten wird alle Elektronik auf dem Planeten nutzlos sein, bis in einem Jahr wird die erdfremde Strahlung die Oberfläche völlig verwüstet haben.
So wird unter Leitung von General Purcell (Richard Jenkins) und zusammen mit der NASA ein Projekt gestartet, um den Erdkern wieder in Rotation zu versetzen. In einem speziellen, von Dr. Brazzleton (Delroy Lindo) gebauten und mit Laser versehenen Schiff sollen Keyes, Zimsky, Dr. Leveque (Tchéky Karyo) und die NASA-Piloten Robert Iverson (Bruce Greenwood) und Rebecca Childs (Hilary Swank) zum Erdkern vordringen und diesen mittels atomaren Explosionen wieder zum Drehen bringen.
Aber nicht nur, dass niemals jemand zuvor ein solch einzigartiges Unterfangen anstrebte, die Mission erfordert größte Opfer, soll sie gelingen – und dies muss sie um das Leben der gesamten Menschheit Willen ...


Kritik:
Es ist immer wieder interessant zu sehen, auf welche Art und Weise Hollywood unseren Planeten dem Untergang weihen möchte. Von Riesenechsen über den Angriff außerirdischer Lebewesen bis hin zu einer gigantischen Eiszeit, Sintfluten oder Kometen, beziehungsweise Asteroiden war eigentlich schon alles vertreten. Interessant sind diese Szenarien aber nicht nur auf Grund der Art und Weise, wie das Ende der Welt herbeigerufen wird, sondern noch mehr, welche Wege sich die Traumfabrik einfallen lässt, um die drohende Apokalypse im letzten Moment noch abzuwenden, denn ohne Happy End lässt sich ein solcher Katastrophenfilm kaum vermarkten.
Und eben hieran kranken die meisten jener Produktionen, und auch das Drehbuch von The Core – Der innere Kern offenbart schon beim ersten Blick Lücken, durch die mehrere Erdkerne mühelos hindurch passen würden.

Denn so schnell auch ein irrsinniges Szenario entworfen ist, umso schwieriger ist es, selbiges auch wieder halbwegs vernünftig aufzulösen. In dem Fall ist den beiden Autoren John Rogers und Cooper Layne in der Tat nichts besseres eingefallen, als auf "Unobtanium" zu setzen, ein fiktiver Stoff, der im Science Fiction-Bereich immer dann heran gezogen wird, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, die Story ins Rollen zu bringen.
Hat man sich bis dahin mit der äußerst fantastischen Grundidee der Produktion abgefunden, häufen sich nicht nur die kleinen Katastrophen rund um den Globus, die eine Metropole nach der anderen in Schutt und Asche legen (wobei sich Blitze seit neuem auf Steinskulpturen, statt auf metallische Gegenstände konzentrieren), sondern man wird als Zuschauer mit allerlei Technologie konfrontiert, die selbst für Star Trek-Verhältnisse äußerst zukunftsträchtig wäre.
Das Kopfschütteln beginnt allerdings erst, wenn sich die Macher auf ihre Figuren konzentrieren und mit ebenso unglaubwürdigen wie geqäulten Dialogen langweilen, beziehungsweise die Charaktere mit einem Hintergrund versehen, der so gering wie möglich gehalten wird, um von der Hauptgeschichte nicht abzulenken. Wenig später reiht sich dann ein Klischee ans andere und es ist auch schnell abzusehen, welche Crewmitglieder den Ausgang der Mission nicht erleben werden, beziehungsweise in welcher Reihenfolge sie das Zeitliche segnen. Scheint es denn dann tatsächlich, als würden die Macher Mut genug besitzen, dem Film seine designierte Auflösung zu verwehren, wird aus heiterem Himmel eine (einmal mehr unglaubwürdige) Lösung präsentiert, um doch noch zum versöhnlichen Schluss zu gelangen.
Obgleich die Handlung stets voran prescht und der Film relativ viel abdeckt, wird man das Gefühl nicht los, als würden immer wieder Teile der Handlung fehlen. Dies sieht man beispielsweise an der Einführung von Hauptfigur Josh Keyes, der seinen Studenten ein Experiment vorzuführen gedenkt, dessen Ausgang man aber nie zu sehen bekommt – überhaupt scheint die Szene keine Relevanz für den weiteren Verlauf des Films zu besitzen. Weswegen die Autoren außerdem die Urheber der Katastrophe im Film nennen, ohne das Experiment, das dazu führte aber zu zeigen, wird ihr Geheimnis bleiben. Vielmehr versuchen sie später, das Ganze zu wiederholen, ohne dass man als Zuseher aber bislang einen Bezug zu jener Forschungseinrichtung hätte aufbauen können.
Von den haarsträubenden Dialogen und der grotesken Story einmal abgesehen hätte ein derart löchriges, unausgegorenes und uneinheitliches Skript niemals durch die Pforten der Produzenten geraten dürfen – und mit einem derart großen Aufwand hätte man es auch nie verfilmen sollen.

Die Darsteller scheinen sich der Qualität ihrer Vorlage durchaus bewusst gewesen zu sein, anders kann man es nicht erklären, dass an sich bekannte Mimen hier durchweg vor der Kamera dilettieren und sich gegenseitig den Rang als unfreiwillig komischster Akteur ablaufen wollen.
Aaron Eckhart gebührt dabei insofern der größte Respekt, als dass er sich die ersten zwei Drittel des Films über zusammen nimmt und erst dann mimische Entgleisungen aufweist. Dann scheint er allerdings das Augenzwinkern, das zu dieser Art B-Film gehört durch ein verstecktes Dauergrinsen einzutauschen und bringt auch bei den vermeintlich ernsten Szenen nicht genügend Disziplin mit, um seine Figur überzeugend wirken zu lassen.
Hilary Swank bricht mit ihrem Charakter in etwa zum selben Moment, macht aber insgesamt einen weit besseren Eindruck als ihre übrigen Kollegen. Ganz im Gegensatz zu Stanley Tucci, bei dem man sich kaum vorstellen kann, dass er in Filmen wie Road to Perdition [2002] eine Bereicherung des Casts darstellt. Hier übertreibt er seine Szenen in einem Maße, dass es beinahe schon erschreckend ist und erinnert damit auf beängstigende Art und Weise an Darf ich bitten? [2004].
Delroy Lindo scheint sich ebenfalls nur zufällig in die Produktion verlaufen zu haben und wirkt gänzlich fehl am Platz. Ebenso Bruce Greenwood, der das Glück besitzt, nicht allzu viele Dialogzeilen vorbringen zu müssen. Ebenso Richard Jenkins, der aber ebenfalls viele bessere Filme in seiner Filmographie vorweisen kann. So auch Alfre Woodard, die aber einen der wenigen Lichtblicke bildet.
So auch DJ Qualls und Tchéky Karyo, die ihre Rollen immerhin mit genügend Routine vortragen, um nicht für unfreiwillige Lacher beim Publikum zu sorgen.
Die Leistungen der Hauptdarsteller gehen sogar soweit, dass sich selbst die deutschen Synchronsprecher das Lachen nicht verkneifen können, wenn Josh Rebecca mit emotionaler Imposanz ein Fehlverhalten vorwirft, durch das ein Crewmitglied den Tod fand. Dass der Dialog inhaltlich so hölzern wie ziellos geraten ist, half den Sprechern nicht unbedingt.
Man muss dan Darstellern zugute halten, dass sie die meiste Zeit eine ordentliche, wenn auch nur notdürftigste Arbeit vorweisen und dabei grundsätzlich von der Drehbuchvorlage auf's vorsätzlichste bei der Arbeit behindert werden. Dass es aber auch besser geht zeigen andrere Katastrophenfilme wie Armageddon - Das jüngste Gericht [1998].

Dass Regisseur Jon Amiel zu deutlich mehr im Stande ist, bewies er unter anderem mit Filmen wie Sommersby [1993] oder Copykill [1995], auch wenn seine letzten Filme Agent Null Null Nix [1997] oder Verlockende Falle [1999] nicht mehr durchweg überzeugen konnten.
An der eigentlichen handwerklichen Umsetzung von The Core gibt es auch nicht viel auszusetzen, auch wenn die Schauspielführung selbst für einen B-Film zu unterdurchschnittlich geraten ist. Kamera und Schnitt machen allerdings einen ordentlichen Eindruck und helfen bei den meisten unglaubwürdigen Szenen über ein Augenrollen seitens des Zuschauers hinweg.
Indiskutabel sind allerdings die Spezialeffekte, die zwar in Massen zu sehen sind, deren Qualität aber derart stark schwankt, dass man nicht so recht weiß, ob man eine TV-Serie aus den 1980ern vor sich hat, oder einen aktuellen Kinofilm. Insbesondere die Modellarbeiten, allen voran die Einstellungen in Rom, machen einen derart billigen Eindruck, dass selbst die mitunter lächerlich anmutende Notlandung des Shuttles oscarverdächtig aussieht. Auch die rein digitalen Effekte im Inneren der Erde können nicht wirklich überzeugen, von den Außenaufnahmen auf der Ölbohrinsel ganz abgesehen.
Doch immer wieder gibt es kurze Einstellungen zu sehen, die einen davon überzeugen, dass der Film ein nicht zu verachtendes Budget besaß, darunter ist unter anderem der Taubenflug in London oder aber das Schicksal der Golden Gate Bridge in San Francisco. Doch gerade die starken Schwankungen der Effektqualität verhindern, dass man sich dem Trash-Charme des Films hingeben könnte – anders als beispielsweise bei Arac Attack - Angriff der Achtbeinigen Monster [2002], der mit seinen durchweg gelungenen Spezialeffekten über die absurde Story hinweghalf.

Dass auch ein durchschnittlicher Film ohne weiteres zu unterhalten vermag, beweisen Filme wie Speed 2: Cruise Control [1997], die dann aber einerseits gut gemacht sind, und andererseits zumindest mit einem packenden, dem Film angemessenen Soundtrack aufwarten. Was das Studio bewogen haben mag, den Score in der vorliegenden Form in den Film zu integrieren, ist schleierhaft, zumal nicht Kompositionen von Komponist Christopher Young stammen. Das hört man insbesondere bei den Actionszenen in der ersten Filmhälfte, ganz besonders beim Landeanflug des Space Shuttle. Ein derart kindisches, konzeptloses Synthesizer-Geklimper kann man sich kaum in einer Hollywood-Produktion vorstellen, die wie The Core immerhin 60 Millionen Dollar verschlang. Vollkommen unpassend und kontraproduktiv wird man als Zuschauer zusätzlich zu den unterdurchschnittlichen Spezialeffekten mit einem nervigen, viel zu lauten und unpassenden Score aus der Geschichte gerissen, dass es einem buchstäblich in den Ohren schmerzt.
Einziger Trost hieran ist die Tatsache, dass in der zweiten Filmhälfte mehr von Youngs Score zu hören ist, der mit einem eingängigen Thema und mitreißenden Rhythmen aufwartet. Schade nur, dass es bis dahin an sich schon zu spät ist.

Lehnt man sich einmal zurück und überlegt, was aus The Core hätte werden können, fällt die Antwort nicht wirklich schwer: Mit einer derart hanebüchenen Geschichte nicht wirklich viel. Allerdings bewiesen andere Katastrophenfilme dieser Art, dass es immerhin möglich ist, unterhaltsame zwei Stunden zu erzählen, auch wenn diese inhaltlich keinen großen Sinn ergeben.
Doch ist das Jon Amiel mit seinem Film leider ebenfalls nicht gelungen, auch wenn man ihm einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Der Spaßfaktor leidet allerdings einerseits unter erschreckend einfältigen Dialogen, einer kaum vorstellbaren Ansammlung von Klischees, einer in der ersten Hälfte wirklich grauenvollen musikalischen Begleitung in den an sich so wichtigen Actionszenen, und Spezialeffekten, die überwiegend den Anschein haben, als wären sie ein erster Entwurf und nicht das fertige Endprodukt.
All das nagt am Zuschauer auch dann noch, wenn der Abspann schließlich zu rollen beginnt und man sich fragen muss, ob man in den zwei Stunden wirklich ordentlich unterhalten wurde; genau das ist leider nicht der Fall.


Fazit:
Auch wenn sie die Auszeichnung nicht unbedingt verdient hätten, Kandidaten für die Goldene Himbeere gibt es bei The Core – Der innere Kern genügend. Allen voran die beiden Drehbuchautoren, die wie so oft gerade so weit dachten, dass sie die Erde in Schutt und Asche legen, und anschließend vor dem großen Problem standen, in weniger als zwei Stunden zum Happy End gelangen zu müssen. Der Weg dorthin ist gepflastert mit abstrusen Ideen und Schwindel erregenden Storywendungen, denen sich die zu Beginn schon wenig überzeugenden Dialoge in einem Atem beraubenden Tempo anschließen.
Die Darsteller scheinen das erkannt zu haben und leisten sich um so mehr mimische Patzer, je näher man dem Erdkern kommt – die schizophren anmutenden Stimmungsschwankungen der Hauptfiguren sind dabei noch eine Kleinigkeit.
Was Jon Amiels Film allerdings einen gewissen Unterhaltungswert verleiht ist einerseits das Erzähltempo, das sich keine Pause gönnt, und die Vielzahl an Spezialeffekten, von denen aber nur wenige wirklich überzeugen, beeindrucken kann kaum ein einziger. Man kann bei The Core insofern durchaus auf seine Kosten kommen – Kritiker von Filmen à la Armageddon werden diese zwei Stunden aber kaum überstehen.


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