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The Box - Du bist das Experiment [2009]

Wertung:  4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Juni 2010
Genre: Thriller / Science Fiction

Originaltitel: The Box
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Richard Kelly
Musik: Win Butler, Régine Chassagne, Owen Pallett
Darsteller: Cameron Diaz, James Marsden, Frank Langella, James Rebhorn, Holmes Osborne, Sam Oz Stone, Gillian Jacobs, Celia Weston, Deborah Rush, Lisa K. Wyatt, Mark S. Cartier, Kevin Robertson, Michele Durrett


Kurzinhalt:
Das Angebot, das der durch eine schreckliche Narbe im Gesicht entstellte Arlington Steward (Frank Langella) Norma Lewis (Cameron Diaz) unterbreitet, würde all die finanziellen Probleme ihrer Familie lösen: Wenn Norma oder ihr Mann Arthur (James Marsden) den Knopf bei einer am frühen Morgen angelieferten, mysteriösen Holzbox innerhalb von 24 Stunden drücken, erhalten sie eine Million Dollar in bar. Dafür wird jedoch irgendwo irgendjemand, den sie nicht kennen, sterben. In einer verzweifelten Minute drückt Norma den Knopf, kurz darauf erhalten sie das Geld, das Mr. Steward auch nicht zurück nimmt, obwohl Norma und Arthur es nicht behalten wollen.
Der Deal lässt sich nicht ungeschehen machen. Als Arthur beginnt, die Herkunft Stewards zu recherchieren, beziehungsweise versucht, an die Hintermänner des Experiments zu kommen, geschehen weitere, seltsame Dinge. Es beginnt eine Zeit voller Prüfungen für die Familie Lewis, deren Ausgang unausweichlich scheint ...


Kritik:
Eine Geschichte gibt demjenigen, dem sie erzählt wird, die Möglichkeit, sich in ihr zu verlieren. Dafür muss man die Geschichte meist verstehen. Um das Erzählte zu verarbeiten, benötigt die Geschichte einen Abschluss, da man sonst vom Zuhörer selbst zum Erzähler werden müsste, um ein Ende zu finden. Dass man sich auch in einer Geschichte verlieren kann, die man nicht versteht, und die auch keinen Abschluss bietet, beweist Richard Kellys The Box sehr eindrucksvoll.

In den 70er Jahren hat das Ehepaar Norma und Arthur Lewis wie viele andere mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das umso mehr, da Norma auf Grund eines verheerenden Ärztefehlers eine dringende Operation benötigt. Der seltsame, im Gesicht entstellte Arlington Steward – sowohl melancholisch wie auch neugierig mysteriös verkörpert von einem charismatischen Frank Langella – scheint mit seinem unglaublichen Angebot ein Geschenk des Himmels. Er offeriert dem Paar eine Holzbox mit einem Knopf darin. Wird der Knopf gedrückt, geschehen mehrere Dinge: 1. jemand, den sie nicht kennen, wird sterben und 2. werden sie einen Koffer mit einer Million Dollar darin erhalten.

Zu Arthurs und Normas Verteidigung sei gesagt, dass ihnen die Entscheidung nicht leicht fällt. Wäre nicht auch in jenen Tagen bekannt geworden, dass höhere Schulgebühren für ihren Sohn Walter erhoben werden und der Traum des Nasa-Mitarbeiters Arthur von einer Marsmission geplatzt ist, dann hätten sie vielleicht nicht in Erwägung gezogen, den Tod eines anderen Menschen auf ihr Gewissen zu laden. Auch würden sie den Deal gern ungeschehen machen – doch so einfach funktioniert es nicht. Dass sie eine schreckliche Lawine auslösten, als sie den Knopf drückten, bemerkt man auch als Zuseher sofort. Die Frage, die man sich in diesem Moment stellt lautet, lässt sich die Lawine noch aufhalten? Und wer steckt hinter dieser Teufelsbox, und mit welcher Absicht?

The Box liefert hierzu nur wenige Antworten und viele weitere Fragen. Regisseur Richard Kelly nimmt die Ausgangslage, um die Lewis' in einer Welt zu zeigen, in der ihnen nicht die Kontrolle aus den Händen gleitet, sondern in der sie letztlich nie irgendeine Kontrolle besaßen. Denkt man darüber nach, wurde auch ihre Entscheidung, den Knopf zu drücken, von äußeren Einflüssen begünstigt, die letztlich auch von den Leitern des perfiden Experiments in jene Bahnen gelenkt wurden. Zweifelsohne ist die Entscheidung am Schluss eine freie gewesen, aber wie frei sind wir denn in unseren Entscheidungen wirklich? Es erinnert ein wenig an die biblische Figur Hiob, dem fortwährend die schlimmsten Bürden aufgelastet werden, und der seinen Glauben nicht verliert. Diesem Druck halten Norma und Arthur nicht stand. Wer könnte es überhaupt?

Dass auch hinter Arlington Steward Mächte stehen, die bedeutend größer sind, als man es zunächst vermuten würde, ist schnell klar. Nur wie die Zusammenhänge sich ergeben, überrascht selbst dann, wenn man letztlich doch im Unklaren gelassen wird. Das erste Drittel von The Box mutet dabei noch skurril und ruhig an, ehe im zweiten Akt eine bedrohliche Atmosphäre entsteht, die letztlich im gänzlichen Kontrollverlust begründet ist. Das letzte Drittel hingegen gibt sich dramatisch und fordert wieder Entscheidungen von Norma und Arthur, vor die niemand gestellt werden möchte. Der Kern des mysteriösen Science Fiction-Thrillers ist somit ein philosophischer. Diese Mischung ist nicht nur äußerst ungewöhnlich, sondern erfordert vom Zuschauer auch die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Nur Antworten liefert die Geschichte kaum: Wer genau dahinter steckt, wie weit die Infiltrierung reicht, bleibt im Verborgenen. Vielleicht wirkt der Film aber gerade deshalb nach.
Stilistisch orientiert sich Regisseur Kelly an Filmen aus den 1970er Jahren, arbeitet betont mit einem Weichzeichner und den Farben jener Zeit. Die Ausstattung und Mode ist verblüffend authentisch getroffen und auch die motivierten und natürlich agierenden Darsteller Cameron Diaz und James Marsden passen in jene Zeit. Ebenso wie die Dialoge, die mit treffenden, damals zeitgenössischen Formulierungen glänzen.
Nichtsdestotrotz würde man sich mehr Hintergrundinformationen über das Experiment selbst wünschen. Und sei es nur, um einen besseren Abschluss zu finden.


Fazit:
Selbst wenn es jemanden treffen würde, den man selbst nicht kennt, wer könnte es mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn jemand anderes sterben müsste, nur damit man selbst einen Koffer voller Geld bekommt? Das Ehepaar Lewis wird durch äußere Umstände dazu getrieben, möchte den Deal sogar rückgängig machen, doch es ist zu spät. Was Regisseur Richard Kelly aus der Ausgangslage entwickelt ist ein Exkurs in das Verhalten der Menschen in zunehmend größer werdender Verzweiflung. Wie weit würde man gehen?
Der Science Fiction-Aspekt mag künstlich wirken, ist jedoch die einzige Möglichkeit, die konstruierte Geschichte halbwegs glaubhaft zu machen. Ob glaubwürdig oder nicht, sei dabei dahingestellt, exzellent fotografiert und gut gespielt ist The Box von Beginn bis Schluss ein interessanter, teils wirr erscheinender und verwirrender, ruhiger und beunruhigender Thriller. Der fehlende Abschluss sorgt dafür, dass man sich auch im Nachhinein mit der Geschichte beschäftigt.


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