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Steve Jobs [2015]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Juli 2016
Genre: Biografie / Drama

Originaltitel: Steve Jobs
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Danny Boyle
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Jeff Daniels, Michael Stuhlbarg, Katherine Waterston, Perla Haney-Jardine, Ripley Sobo, Makenzie Moss, Sarah Snook, John Ortiz, Adam Shapiro, John Steen


Kurzinhalt:

Im Jahr 1984 steht Apple-Firmengründer Steve Jobs (Michael Fassbender) davor, nach der Ankündigung in einem legendären TV-Spot, den Macintosh zu präsentieren. Er sieht darin die Zukunft der Computerfirma, selbst wenn Mitbegründer Steve Wozniak (Seth Rogen) ein offenes System bevorzugt. Während die Vorbereitungen auf der Bühne auf Hochdruck laufen, damit die kommende Präsentation Jobs' Anspruch auf Perfektion genügt, muss er sich im Hintergrund mit Hilfe seiner Assistentin Joanna Hoffman (Kate Winslet) darum kümmern, dass Chrisann Brennan (Katherine Waterston) ihm vorhält, er würde nicht einmal finanziell für sie und die gemeinsame Tochter Lisa (Makenzie Moss) sorgen ...


Kritik:
Angesiedelt im Backstage-Bereich vor drei großen Produkteinführungen in den Jahren 1984, 1988 und 1998, ist Steve Jobs ein Film, der von zwei Motoren angetrieben wird. Der eine sind die Dialoge, die teils den Rhythmus einer Dampflokomotive anzunehmen scheinen, wenn sie in einem Rausch dahinbrettern. Der andere ist die Faszination, die von seiner Titel gebenden Hauptfigur ausgeht. Doch wie die autorisierte Biografie, auf welcher Danny Boyles Dialogdrama basiert, gelingt es ihm nur, die Person zu beschreiben, nicht aber, sie zu ergründen.

Ganz abgesehen von den iPhones, iPads und iPods, die derzeit überall auf der Welt im Einsatz sind, kommt beinahe jeder, der sich heute mit tragbarer Elektronik oder Computern im Allgemeinen beschäftigt, mit Dingen in Berührung, die Steve Jobs geprägt hat. Er hat sie nicht notwendigerweise erfunden. Kritiker werfen ihm vor, überhaupt nichts erfunden zu haben – sein langjähriger Arbeitspartner, der mit ihm zusammen die Computerfirma Apple gegründet hat, Steve Wozniak, klagt ihn im Film gar an, dass er an sich gar nichts zustande bringt, immerhin sei er kein Ingenieur und kein Designer. Und doch hat er überall seine Spuren hinterlassen, seit mehr als 30 Jahren.

Wie es so weit gekommen ist, lässt Steve Jobs vollkommen offen, dem Film geht es nicht darum, die kurvenreiche Erfolgsgeschichte von Apple nachzuerzählen. Leider geht es Boyle auch nicht darum, eine wirkliche Biografie von Steve Jobs wiederzugeben. Alles, was man über Jobs' bewegtes Leben erfährt, setzt sich aus Nebensätzen zusammen, aus Fragmenten, die denjenigen, die sich mit ihm beschäftigt haben, bekannt vorkommen, aber für sich genommen kein vollständiges Bild zeigen. Stattdessen versucht Drehbuchautor Aaron Sorkin, die Figur Steve Jobs so darzustellen, wie er von seiner Umwelt wahrgenommen wurde. Als verschlossener, aber zielstrebiger Stratege, als jemand, dem das Ergebnis wichtiger war, als der Weg dorthin oder die Kosten, die er verursacht. So sehr er bemüht war, den Menschen ein rundum perfektes Nutzungserlebnis zu bieten, so wenig war er daran interessiert, im zwischenmenschlichen Kontakt Taktgefühl und Umsicht zu zeigen.

Es wundert durchaus, dass Jobs bereits in den ersten Minuten als durchweg unsympathischer, kontrollbesessener Egomane dargestellt wird, der trotz erfolgreichem Vaterschaftstest leugnet, Vater der fünfjährigen Lisa zu sein, deren Mutter das Geld zum Leben nicht reicht, während Jobs mehrere Hundert Millionen Dollar wert ist.
Wer befürchtet, Steve Jobs würden den Firmenchef, der wie kaum jemand anderer die Medien zu lenken verstand, als schillernden Helden darstellen, der irrt. Es fällt schwer, etwas Positives an dem von Michael Fassbender fantastisch dargebotenen Steve Jobs zu finden. Umso spannender ist es zu beobachten, wie seine Überzeugungen mit seinem gestiegenen Lebensalter zu bröckeln beginnen, er anfängt, sich und sein Verhalten zu hinterfragen.

Wie eingangs bereits erwähnt, sind es die Dialoge, die Boyles Film trotz der zwei Stunden Laufzeit so kurzweilig erscheinen lassen. Das geschliffene Drehbuch versteht es, aus den verbalen Konfrontationen eine ansteckende Spannung zu entwickeln, die mit perfekt eingesetzten Perspektivwechseln und einer bestechenden Kameraführung überzeugt. Dass der Regisseur die drei Segmente jeweils mit unterschiedlichen Kameras einfängt und man gerade beim ersten sogar kleine Filmfehler erkennen kann, ist das Tüpfelchen auf dem i, das den meisten Zusehern jedoch kaum auffallen wird.

Doch so überzeugend all das ist, Steve Jobs ist – ebenso wie Boyles Slumdog Millionär [2008] – in gewisser Hinsicht eine Mogelpackung. Auch wenn manche Auseinandersetzungen sich tatsächlich abgespielt haben, sie taten es nicht unmittelbar vor einer Präsentation durch Steve Jobs. Dies ist der Dramatisierung der Ereignisse geschuldet. Manch andere, darunter diejenigen, die am meisten mitreißen, haben gar nie stattgefunden. Das heißt nicht, dass die Aussagen, die getroffen werden, oder die Charakteristika, die Steve Jobs hierbei an den Tag legt, nicht authentisch wirken, nur sind die Umstände erfunden.


Fazit:
Auch wenn man immer wieder davon gehört oder gelesen hat, dass Steve Jobs ein äußerst schwieriger und fordernder Mensch gewesen sei, zu sehen, wie Michael Fassbender den weitblickenden Firmenleiter gibt, ist faszinierend. In perfekt aufeinander abgestimmten Dialogen wird hier ein Mann zum Leben erweckt, dessen Besessenheit gleichzeitig seine größte Stärke und sein größter Fluch war. Regisseur Danny Boyle kleidet sein Dialogdrama in tolle, ausdrucksstarke Bilder, die hervorragend choreografiert sind.
Aber obwohl es Steve Jobs treffend gelingt, darzustellen, wie Jobs wohl auf seine Umwelt gewirkt hat, was wirklich in ihm vorging, bleibt ein Rätsel. Den Blick auf den Business-Aspekt konzentriert, bleibt der Private Steve Jobs, der nicht nur Lisas Vater war, sondern später eine Familie gründete, vollkommen außen vor. Auch sein Kampf gegen eine Krankheit, den er nicht gewinnen konnte, wird nicht thematisiert. Als Blick auf den öffentlich sichtbaren Bereich der Figur ist der Film gelungen und toll umgesetzt. Aber gleichzeitig mit einer zu eng begrenzten Perspektive und ohne Weitblick.    


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