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Stepfather – Kill, Daddy, Kill [1987]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. September 2002
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: The Stepfather
Laufzeit: 89 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1987
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Joseph Ruben
Musik: Patrick Moraz
Darsteller: Terry O'Quinn, Jill Schoelen, Shelley Hack, Charles Lanyer


Kurzinhalt:
Eine ideale Familie ist alles, was er möchte – doch als er enttäuscht wird, dreht der Vater von mehreren Kindern urplötzlich durch und metzelt seine Frau und seine Kinder nieder. Anschließend verschwindet er, die Polizei hat keine Ahnung, wohin.
Ein Jahr später wohnt der Mann unter dem Namen Jerry Blake (Terry O'Quinn) nicht weit entfernt von dem einstigen Tatort, aber er lebt mit einer neuen Frau und ihrer Tochter zusammen. Stephanie (Jill Shoelen) findet den Lebensgefährten ihrer Mutter (Shelley Hack) irgendwie unsympathisch und verdächtig – das erzählt sich auch ihrem Therapeuten Dr. Bondurant (Charles Lanyer), den sie seit dem Tod ihres leiblichen Vaters aufsucht.
Jim Ogilvie (Stephen Shellen) hat seine Schwester bei dem Massaker vor einem Jahr verloren und sinnt darauf, den psychopathischen Mörder zur Strecke zu bringen. Mit viel Glück und detektivischem Gespür kommt er Jerry auf die Schliche – doch es könnte schon zu spät sein, da dieser (wieder einmal) von seiner perfekten Familie sehr enttäuscht wurde...


Kritik:
Wie jede neue Horror-Film-Idee, wurde auch das Stepfather-Konzept bis zum Erbrechen ausgeschlachtet – in zwei Fortsetzungen und unzählbaren Plagiaten und Fernsehfilmen, dabei ist schon Stepfather nicht wirklich völlig neu. Dafür ist er aber wenigstens gut umgesetzt und garantiert 90 Minuten spannende Unterhaltung.

Sicher sollte heute an ein solches Thema mit Bedacht herangegangen werden – psychopathische Väter, die ihre Kinder meucheln, sind ansich nichts, das man in einem Unterhaltungsfilm zu sehen bekommt. Sogar bei "gewöhnlichen" Actionfilmen sind die Macher heute darauf bedacht, jeglichen Realitätsbezug herauszunehmen, um nicht an die Wahnsinnstaten von Terroristen oder Mördern zu erinnern; oder ihnen Ideen zu liefern.
1987 war das glücklicherweise noch anders und die Macher konnten ihren Phantasien freien Lauf lassen. Hierfür ersonnen sie eine Story, die zwar konstruiert wirkt, aber nicht negativ auffällt. Sicherlich wäre aus der Idee bedeutend mehr herauszuholen gewesen und der Film hätte auf mich einen besseren Eindruck hinterlassen, hätte er nicht unter der miserablen Musik gelitten, aber alles in allem ist den Machern doch ein unterhaltsamer Horror-Thriller gelungen, den man sich immer wieder ansehen kann.

Das Drehbuch kommt ohne große Überraschungen aus und auch die Entwicklung der Geschichte wird geradlinig, ohne irgendwelche Schnörkel oder Nebenhandlungen erzählt. Allerdings wäre hier, beispielsweie bei dem Freund der jungen Stephanie oder auch bei Jim Ogilvie viel mehr möglich gewesen, als die Autoren auszuschöpfen vermochten. Schade, zumal das Finale dadurch vielschichtiger und spannender hätte sein können.
Insgesamt gesehen ist das Drehbuch trotzdem gelungen, aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben – auch die Dialoge sind alles andere als überragend, obgleich ein paar nette Anspielungen und makabre Andeutungen enthalten sind.

Ein solcher Film, egal wie gut oder schlecht das Drehbuch ist, steht und fällt mit seinem Hauptdarsteller. Wenn der Psychopat nicht angemessen verkörpert wird, findet der Zuschauer keinen Zugang zur Thematik. Glücklicherweise verpflichteten die Produzenten für diese Rolle Terry O'Quinn, der trotz seiner zahlreichen Auftritte in B- und C-Filmen zeigen kann, dass er zu viel mehr fähig ist, als man ihm zutrauen würde. In der Mystery-Serie Millennium überzeugte er als zwielichtiger Bekannter des Hauptcharakters und erhielt dafür Kritiker- und Zuschauerlob. In Stepfather ist es eben seine unscheinbare Gestalt, seine Zurückhaltung, die dem Charakter den letzten Schliff verpasst. Er verkörpert sowohl den fürsorglichen Familienvater, als auch den geisteskranken Psychopat glaubhaft und erschreckend nahe an der Realität.
Eindeutig ist er der Star des Films; obwohl die anderen Schauspieler nicht schlecht sind, stehen sie doch deutlich hinter O'Quinn zurück.

Die Musik von Patrick Moraz ist leider, wie schon angesprochen, eine einzige Katastrophe: Synthesizer-Geklimper auf niedrigstem Niveau, das nicht einmal in einer Discothek in den 80ern von den Gästen geduldet worden wäre. Das durchgängige Thema ist weder einprägsam noch wirklich innovativ und die Musik während des Finales bereitete mir mehr Gänsehaut (im negativen Sinne) als die dargebotenen Szenen – und das ist kein Kompliment. Verständlich, dass der schweizerische Komponist nicht viele Filme vertonen durfte.
Mit einem alternativen Musik-Score wäre Stephfather meiner Meinung nach bedeutend spannender und unterhaltsamer gewesen.

Kamera und Schnitt sind nur durchschnittlich, von interessanten Kameraeinstellungen oder Schnittfolgen ist nichts zu sehen.
Das alles verstärkt den Eindruck, als sei der Film am Reißbrett entstanden, um auf der (zur damaligen Zeit schon abgeebbten) Horror-Film-Welle mitzuschwimmen. Wäre da nicht die Schauspielleistung von Terry O'Quinn, würde sich heute niemand die Mühe machen, über den Film eine Kritik zu verfassen.

Doch dank ihm ist Stepfather wirklich lohnenswert, und ein paar nette Schockeffekte gibt es auch. Zwar meilenweit von Horror-Klassikern wie Halloween [1978] entfernt, aber zweifelsohne für einen spannenden Filmabend geeignet – das nötige Alter der Zuschauer vorausgesetzt, denn obwohl er meines Erachtens bereits ab 16 Jahren freigegeben werden könnte, sollte man als Zuseher trotzdem etwas stärkere Nerven mitbringen.


Fazit:
Kein Meisterwerk, aber deutlich besser als Vieles, das in den 80ern und 90ern als "Horror" verkauft wurde. Dank Terry O'Quinn setzt sich Stepfather erfreulicherweise von der Masse ab – und schildert leider eindrucksvoll, dass nicht alle guten Schauspieler mit einer guten Rolle ihre Karriere am Sternenhimmel in Hollywood fortsetzen konnten.


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