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Spider-Man 2 [2004]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Juli 2004
Genre: Action / Fantasy

Originaltitel: Spider-Man 2
Laufzeit: 127 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Sam Raimi
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Alfred Molina, Rosemary Harris, J.K. Simmons, Donna Murphy, Dylan Baker, Bill Nunn, Cliff Robertson, Ted Raimi


Kurzinhalt:
Seit eine mutierte Spinne Peter Parker (Tobey Maguire) gebissen hatte, und er infolgedessen zum Spider-Man wurde, der den grünen Goblin besiegte, ist einige Zeit vergangen – dennoch sind Peters Probleme dieselben geblieben: Neben seiner Tätigkeit als Superheld und Retter der Unterdrückten vernachlässigt er sein Studium und verliert einen Aushilfsjob nach dem anderen. Auch von seiner Jugendliebe Mary Jane (Kirsten Dunst) hat er sich immer mehr entfremdet.
Er verspürt deshalb den Wunsch, das Spinnenkostüm an den Nagel zu hängen und sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken, denn auch seine Tante May (Rosemary Harris) wird immer schwerer von Geldsorgen geplagt.
Nachdem Wissenschaftler Dr. Otto Octavius (Alfred Molina) bei einem Experiment mit vier mechanischen und fast unzerstörbaren Metall-Tentakeln verschmolzen wird und fortan verrückt geworden scheint, versinkt New York allerdings wieder in Gewalt und Verbrechen. Zudem hat es "Doc Ock" auf Spider-Man persönlich abgesehen und er versucht, über Mary Jane an den Helden heranzukommen.
Peter steht eine schwere Entscheidung bevor: Soll er der Gefahr aus dem Weg gehen und ein normales Leben führen, oder soll er sich der ungeheuren Verantwortung stellen, und wieder als Superheld für das Gute kämpfen?


Kritik:
Bereits der Vorspann verrät es den Zuschauern: Hier hat man es nicht mit einem der üblichen überraschungsarmen Sommerfilme zu tun. Zur Spider-Man-Hymne von Danny Elfman bekommt der Zuschauer die Story des ersten Teils kurz und prägnant in Comic-Bildern – gezeichnet von Alex Ross – präsentiert, und wird so in den ersten Minuten auf das Kommende eingestimmt und erneut in das aus dem vorherigen Film bekannte Universum versetzt. Schon dies zeugt von dem bemerkenswerten Einfallsreichtum der Macher, was auch die unzähligen Anspielungen und Storyideen bestätigen, die sich durch die gesamte, vielleicht teuerste Produktion des Jahres ziehen.
Allein in den USA spielte der erste Teil der Superhelden-Saga vor zwei Jahren über 400 Millionen Dollar ein, weltweit noch einmal so viel. Kein Wunder, dass die einzige Bedingung, die Regisseur Sam Raimi von der Produktionsfirma Sony auferlegt bekam, lautete, "der Zweite muss besser sein". Budget-Beschränkungen gab es angeblich nicht, und obwohl keine genauen Zahlen genannt werden, gehen Branchenkenner von rund 200 Millionen Dollar aus, die Spider-Man 2 kostete; allein die Spezial-Effekte sollen über 50 Millionen davon verschlungen haben. Und obwohl der Film letztendlich unter Zeitdruck fertiggestellt wurde, macht der zweite Teil einen inhaltlich durchdachteren und handwerklich ausgereifteren Eindruck als der Vorgänger, der in seinem Genre ohnehin schon Maßstäbe setzte.
Mit der Fortsetzung nehmen die Macher den Faden da auf, wo er zuletzt abgelegt wurde. Die Charaktere entwickeln sich konsequent weiter, der Bösewicht ist noch furchteinflößender und die Entscheidungen, die die Hauptfiguren zu treffen haben, noch tiefgreifender. Wenn es jemals so etwas wie eine bewährte Formel für erfolgreiche Fortsetzungen gab, haben Raimi und sein Team sie offensichtlich bis zur Perfektion befolgt.

Zu verdanken ist das vor allem dem Drehbuch, das zwar bei Drehbeginn noch gar nicht fertig gestellt war, dem man dies aber nie anmerkt, obwohl überdies mehrere Autoren daran gewerkelt haben. Während für die Story neben Pulitzerpreisträger Michael Chabon (Autor von Die Wonder Boys [2000]) die beiden Smallville [seit 2001]-Erfinder Alfred Gough und Miles Millar verantwortlich zeichnen, wurde das eigentliche Film-Skript von Alvin Sargent verfasst, der zuletzt die Vorlage für das Richard-Gere-Drama Untreu [2002] lieferte.
Den Dreien gelang es, die überzeugenden und interessanten Charaktere des ersten Teils weiter auszubauen und gleichzeitig neue Ideen einzubringen. Ging es in Spider-Man noch darum, wie Peter Parker zum Spinnenmann wird, so steht hier sein Leben als Superheld mit allen Höhen und Tiefen im Zentrum der Betrachtung. Da Parker aber im Gegensatz zu seinen Kollegen Superman oder Batman weder aus dem Weltall kommt, noch Millionen auf dem Bankkonto hat, konnten die Autoren ganz weltliche Probleme schildern – in unserer materialistisch orientierten Gesellschaft am verständlichsten dabei: Parkers chronischer Geldmangel. Zu sehen, dass sich auch Helden mit solch außergewönlichen Fähigkeiten mit ganz Alltäglichem herumplagen müssen, baut zum Zuschauer natürlich eine ganz besondere Beziehung auf, zumal die Sorgen von Tobey Maguire gelungen dargebracht werden. Bei weitem nicht so unnahbar wie Bruce Wayne alias Batman oder so unbesiegbar wie Clark Kents Superman, ist Spider-Man wie auch im ersten Teil ein sympathischer, verständlicher und überaus "normaler" Held geblieben, dem die Autoren mit Mary Jane und Harry Osborn aber stimmige Gegenpole verschaffen.
Entwickelt Sargent hier aber nur weiter, was im ersten Film bereits in Grundzügen festgelegt wurde, brachte er außerdem das Kunststück fertig, das sich viele Fans gewünscht hatten: Mit "Doc Ock" schuf er einen enigmatischen wie beeindruckenden Bösewicht, der es mit der Charakterisierung von Spider-Man durchaus aufnehmen kann. Dass man ihn in der ersten halben Stunde des Films als einen etwas exzentrischen, wenn auch rechtschaffenen Wissenschaftler kennenlernt, der letztlich durch Überheblichkeit sein eigenes Lebenswerk zerstört, macht ihn dabei ebenso tragisch, wie bemitleidenswert. Zwar hat Otto Octavius nicht so viel zu tun wie sein Gegenspieler, vergleicht man ihn aber mit dem Grünen Goblin des ersten Films, ist hier ein großer Schritt in die richtige Richtung nicht zu leugnen. Alfred Molinas "Doc Ock" kann sich ohne Übertreibung neben Superheld-Bösewichten wie dem Joker, Magneto oder Catwoman einreihen.
Dabei ist der Grundtenor des Drehbuchs einfach und lebensnah: Jeder muss sich früher oder später einer wichtigen Entscheidung stellen. Peter muss zwischen dem Superhelden-Dasein und einem normalen Leben wählen; Mary Jane muss sich ihrer Gefühle gegenüber Peter und ihrem Verlobten im Klaren werden; Tante May wird mit einem folgenschweren Geständnis konfrontiert; und während Dr. Octavius sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden hat, sieht sich Harry Osborn einer schrecklichen Wahrheit gegenüber – deren Auflösung die Fans wohl erst im dritten Film erhalten werden.
Gleichwohl es sehr viele ruhige Momente und zahlreiche Dialoge gibt, in denen die Darsteller ihr Können unter Beweis stellen dürfen, geizt die Geschichte auch nicht mit brillanten und aufwendig gestalteten Actionszenen. Ist der Banküberfall von "Doc Ock" schon atemberaubend, übertrifft die ausgefeilteste Sequenz des Films – der Kampf der Titanen auf der Straßenbahn – im wahrsten Sinne des Wortes jedes Actionszenario, das es in den letzten Jahren zu sehen gab. Dem steht das Finale im Hafenbecken aber kaum nach.
Neben den schon epischen Szenenkompositionen hat Sam Raimis Handschrift hier noch mehr als im Vorgänger ihre Spuren hinterlassen, denn neben dem deutlich düstereren Setting sind nun auch mehr witzige Anspielungen und zahlreiche Cameo-Auftritte im Film versteckt. Einen der lustigsten Momente bildet eine kleine Szene im Fahrstuhl, bei der man sich als Zuschauer vor Lachen kaum mehr im Sessel halten kann.
Wie schon beim ersten Film, dessen langen Epilog man nicht unbedingt erwartet hätte, nehmen sich die Macher bei Spider-Man 2 ebenfalls viel Zeit, um mögliche Storyfäden für einen dritten Teil aufzubauen. Dass sich hier der überraschendste Gastauftritt des Films versteckt, ist ebenso bezeichnend, wie das unheilvolle Ende, das seine Auswirkungen im Nachfolger beinahe schon ankündigt.
Die Autoren nahmen alle gelungenen Elemente des Vorgängers und steigerten sie noch, überarbeiteten gleichzeitig aber alles, was dem Publikum vor zwei Jahren nicht ganz so gut gefallen hat – kein Wunder also, dass trotz des Zeitdrucks ein erstklassiges Drehbuch herauskam, das man sich besser kaum hätte wünschen können.

Die Darsteller belohnen diese Mühen mit einem engagierten, bisweilen sogar überaus witzigen Spiel, das dem des Vorgängers in nichts nachsteht. Selbst die Nebenfiguren, von denen es eine Menge gibt, kosten ihre Szenen bis zur letzten Sekunde aus.
Dass Cliff Robertson als Ben Parker einen weiteren Auftritt hat, hätte wohl kaum jemand erwartet, und Bruce Campbells Cameo ist wirklich urkomisch. Für die meisten Lacher sorgen aber weiterhin Bill Nunn, Ted Raimi und J.K. Simmons als das Drei-Gespann der Tageszeitung, für die Peter Parker seine Spider-Man-Fotos schießt. Gleichwohl der überraschendste Gaststar hier nicht erwähnt werden soll, können sich Fans auf zahlreiche weitere bekannte Figuren aus dem ersten Film freuen.
An die vier Hauptdarsteller kommt jedoch kaum jemand heran.
Alfred Molina, der die Rolle des "Doc Ock" mit sichtlichem Vergnügen übernahm (nachdem unter anderem Sam Neill, Ed Harris, Chris Cooper und Robert De Niro dafür in Betracht gezogen worden waren) und der Figur auch die gelasseneren ersten Momente des Films gekonnt abgewinnt, harmoniert vor der Kamera besonders gut mit dem verbitterten James Franco, dessen Portrait des jungen Karrieristen Harry Osborn überzeugender ist als noch im ersten Film. Kein Wunder also, dass die Macher Franco für den dritten Teil vielleicht noch mehr in die Pflicht nehmen wollen. Harrys Zerrissenheit und angestaute Wut über den vermeintlichen Helden Spider-Man, der seinen Vater tötete, kommen dabei ebenso zum Ausdruck wie seine Einsamkeit in dem großen Apartmenthaus.
Kirsten Dunst, die von vielen Fans im ersten Film noch als Fehlbesetzung moniert wurde, wirkt hier dem Mädchen-Image deutlich entwachsen und überzeugt gleichermaßen in den actiongeladenen Sequenzen, wie als ernstzunehmende Schauspielerin am Theater. Sie darf die ihre Rolle weiter vertiefen, was ihr offenbar gut gefallen hat. Dank ihrer Natürlichkeit steht sie nicht mehr im Schatten von Tobey Maguire, sondern hat sich ihren Platz als gleichberechtigte Darstellerin durchaus verdient.
Maguire, der auf Grund eines Rückenleidens erst sehr spät zusagte und schon durch Jake Gyllenhaal ersetzt werden sollte (hierzu findet sich eine Anspielung im Film wieder, wenn Spider-Man vom Himmel fällt und danach humpelnd "Mein Rücken" stöhnt), kostet die ernsten Momente seiner Rolle beinahe noch mehr aus, wie die Actionpassagen. Mit seiner ungezwungenen Mimik und seiner jungenhaften Vorstellung des Peter Parker – der sich zwar seinem Alter entsprechend verhalten möchte, aber durch seine Identität als Spider-Man eine Verantwortung aufgebürdet bekommt, der er kaum gewachsen ist – zieht er die Zuschauer in seinen Bann. Tobey Maguire schafft etwas Ungewöhnliches, nämlich, dass in einem Comic-Film der Held erstmals interessanter ist, als seine Gegenspieler – sowohl Batman [1989], als auch X-Men [2000] lebten insbesondere von einem schillernden Joker oder beeindruckenden Magneto. In Spider-Man dagegen steht wirklich Peter Parker im Mittelpunkt. Wenn ihm bei einem Geständnis der Kloß im Hals sitzt, muss auch der Zuschauer schlucken. Eine bessere Besetzung für die Rolle hätte man sich nicht wünschen können. Wie schon im ersten Teil trägt Maguire seine Figur in allen Momenten des Films – ohne ihn ist eine Fortsetzung völlig undenkbar.
Der Cast ist einmal mehr exzellent zusammengestellt und das Zusammenspiel hervorragend. Dass alle Darsteller besser zum Zug kommen, als noch im Vorgänger, scheint ihnen offenbar gefallen zu haben, ihre Begeisterung ist deutlich zu erkennen.

Sam Raimis Führung findet sich nicht nur im Drehbuch und manchen Gastauftritten wieder, auch die Inszenierung lässt keine Zweifel aufkommen, dass er als Regisseur hinter der Kamera stand. Neben zahlreichen, fast schon schwindelerregend-mitreißenden Flugszenen durch die Skyline von New York erwartet den Zuschauer eine überaus einfallsreiche Inszenierung des übrigen Films.
Die Actionszenen sind wie schon im ersten Teil sehr temporeich inszeniert – ohne aber Kompromisse bei der Übersicht einzugehen – und mit wohl überlegten Zeitlupen gespickt, die nie fehlplatziert wirken. Viele interessante Schnittfolgen und Kamerafahrten, sowie ungewöhnliche Perspektiven verwöhnen das Auge des Betrachters und halten den Kinobesucher stets bei Laune.
Dass auch die effektlastigeren Szenen demselben Schema folgen und nicht mit konventionellen Einstellungen langweilen, ist der Effekte-Crew zu verdanken, die den Stil von Regisseur Raimi gekonnt übernommen hat.
Einmal mehr setzt Raimi in vielen Momenten auf eine beinahe schon klassische Kameraführung, um dann doch noch mit einer innovativen Montage oder einem Schwenk seine Vision zu verdeutlichen. Wenn Dr. Octavius seine vier Tentakel zum ersten Mal an sich selbst testet, stockt einem allein aufgrund der Bildkomposition beinahe der Atem. Das Finale steht dem in nichts nach und auch die Sequenz im Krankenhaus, die in einem Massaker endet, trägt eindeutig die Signatur von Sam Raimi.
Durchdachter als noch im ersten Film verleiht er Spider-Man 2 epische Dimensionen voller Ideenreichtum ohne Pompösität. Kamera und Schnitt harmonieren schlicht erstklassig miteinander.
Allerdings vermisst man storybedingt gerade in den Actionpassagen ein wenig die Nähe, die Teil eins beispielsweise beim Finale vermittelte. Durch die Dimensionen von "Doc Ock" präsentieren sich die meisten Auseinandersetzungen meist mittels Weitwinkelaufnahme, ohne dass man die Charaktere in Nahaufnahme zu sehen bekäme. Dies ist wie gesagt durch die Figuren bedingt, nimmt den Szenen aber bisweilen etwas von ihrer Eindringlichkeit, wozu zweifelsohne auch Spider-Mans scheinbare Unverwundbarkeit beiträgt, sowie seine im Vergleich zum Vorgänger deutlich höher entwickelten Superfähigkeiten. Er macht beinahe schon einen unbesiegbaren und übermenschlichen Eindruck – etwas das man am ehesten von Superman gewohnt ist.
Trotzdem gelang Raimi inszenatorisch eine kleine Meisterleistung, denn während er seinen aus dem ersten Film bekannten Stil beibehielt, hörte er doch auf die Fans seiner früheren Filme, die mehr von seiner Verspieltheit und seinem schwarzen Humor sehen wollten.

In einem Jahr, in dem zur Abwechslung kein übermächtiger Herr der Ringe-Teil im Kino läuft, können sich die Filmproduzenten sogar wieder Hoffnungen auf Oscarchancen in Bezug auf die Spezialeffekte machen – und hier liegt Spider-Man 2 bislang weit vorne. Auch wenn manche Flugeinstellungen bei Tag nach wie vor nicht vollends überzeugen, und bisweilen unverständlicherweise auch einen Tick schlechter aussehen als im ersten Film, ist der Standard der visuellen Effekte dennoch ausgesprochen hoch. Die Tricktechnik ist durchgehend sehr gut gelungen und in vielen Szenen sogar ausgezeichnet und kaum besser zu machen.
Den unangefochtenen Höhepunkt bilden dabei die vier Tentakel von "Doc Ock", die atemberaubend und vollkommen echt rüberkommen. Die Effekte-Spezialisten griffen hierbei zum Glück nicht auf rein digital-erzeugte Fangarme zurück, sondern verwendeten außerdem lebensgroße mechanische Modelle, die von mehreren Leuten bedient wurden. Sieht man das Ergebnis, beobachtet ihre Bewegungen, ihre Unschärfen oder tatsächlich, dass jeder von ihnen eine eigene kleine Persönlichkeit hat, bleibt einem bereits in den ersten Einstellungen schlicht der Mund offen stehen. Die künstliche Mini-Sonne, die auf Grund ihrer Masse zudem einen entsprechenden Magnetismus verursacht, scheint dabei nur noch wie das Pünktchen auf dem "i". Nicht weniger beeindruckend sind die Kämpfe auf der Metro, zwischen den Hochhäusern und das gesamte Finale im Lagerhaus.
Der Aufwand, der hier betrieben wurde, ist jederzeit sichtbar und hat sich glücklicherweise gelohnt. Die Metro-Sequenz war überdies eine Idee von Raimi persönlich und wurde mit als erstes gedreht. Trotz der sehr guten Spezialeffekte von The Day After Tomorrow [2004] hat Spider-Man 2 diesbezüglich die Nase vorn.

Einen nicht ganz so ausgezeichneten, aber immer noch sehr guten Eindruck hinterlässt die Musik von Danny Elfman, der zwar alle bekannten Themen aus dem ersten Teil übernimmt, diese allerdings zu häufig wiederholt, ohne neue Motive zu bieten. Seine Abwandlung des Titelthemas gefällt, der eigentliche Score dagegen wirkt eher wie eine aufwändige Kopie des ersten. Gerade von einem Altmeister wie Elfman hätte man durchaus mehr erwarten können.
Das soll jetzt nicht heißen, dass der Soundtrack schlecht wäre – ganz im Gegenteil – er passt sich dem Geschehen auf der Leinwand hervorragend an und fällt nie unangenehm auf, aber er bietet einfach ein Déjà-Vu-Erlebnis zu viel. Der Auftritt von Violistin Elyse Dinh, die zwei Mal das alte Spider-Man-TV-Thema anspielt, ist zweifellos gelungen.

Dass Regisseur Sam Raimi, der für den zweiten Teil noch einen Monat vor Kinostart des ersten Films unterschrieb, alle möglichen Anspielungen und Gastauftritte einbaute, verwundert nicht weiter, immerhin absolvierte sein Freund und langjähriger Arbeitskollege Bruce Campbell schon im ersten Film einen Auftritt.
Weitaus subtilere Anspielungen sind unter anderem, wenn Peter Mary Jane fragt, ob sie immer noch in der Nachbarschaft (Originaltext: "in the village") sei – denn Dunst verzichtete für ihre Rolle in Spider-Man 2 auf eine Beteiligung in dem ebenfalls diesen Sommer startenden neuen Mystery-Thriller The Village [2004] von M. Night Shyamalan. Auf derselben Wellenlänge bewegt sich der Insiderwitz, dass Mary Jane in Oscar Wildes Theaterstück "Ernst sein ist alles" spielt; nicht nur, dass es in der Komödie um Männer mit zwei Identitäten geht (wie bei Peter Parker und Spider-Man), sondern der von ihr im Stück dargestellte Charakter ist sich dieser Täuschung bis zum Ende des zweiten Akts nicht bewusst.
Ein offensichtlicherer Gag ist dagegen, wenn Peter Parker auf die Kamera zuläuft und sein Shirt aufreißt, unter dem sich sein Kostüm verbirgt – Comicfans kennen diese Geste zweifelsohne von Superman. Auch innerhalb des Spider-Man-Universums verbergen sich Hinweise; so denkt der Zeitungsverleger J. Jonah Jameson, dass "Doctor Strange" ein guter Name für "Doc Ock" wäre, meint aber dann, dass der Name schon vergeben sei; tatsächlich heißt ein Verbündeter von Spider-Man im Comic so. Zudem ist die Adresse, an die Peter eine Pizza liefern soll, gemäß der Vorlage eine Anschrift von jenem Doctor Strange.
Und selbst das kurze Gastspiel von Dylan Baker als Peters Mentor Dr. Connors, der in den Comics regelmäßig zum "Lizard" mutiert, kann doch kein Zufall sein, oder?
Tobey Maguire, der bekanntermaßen Vegetarier ist, konnte sich für eine Szene, in der er in einen Hotdog beißen musste, nicht von seinem Verzicht auf Fleisch abbringen lassen – es handelte sich dabei um einen Tofu-Hotdog. Maguires beiden Halbbrüder Weston und Jopaul Epp sind darüber hinaus als die beiden Jungen zu sehen, die Peter in einer Szene die Spider-Man-Maske reichen.

Um Filmpiraten und Raubkopierern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurden die Filmrollen in den USA unter einem anderen Namen an die Kinos gesandt: Mit dem Titel "Spray Paint" waren die Rollen gekennzeichnet. Ob dies zum Erfolg des Films beigetragen hat? Immerhin spielte Spider-Man 2 in den ersten zwei Wochen fast 260 Millionen Dollar allein in den USA ein, weltweit nochmals 113, wobei er in vielen Ländern noch gar nicht gestartet ist.
Verdient ist der Erfolg auf jeden Fall, gelang allen Beteiligten doch ein ebenso unterhaltsamer wie einfallsreicher Sommerfilm, der mit seinen epischen Ausmaßen und seiner cleveren Story auch diejenigen begeistern sollte, die vom ersten Film nicht uneingeschränkt überzeugt waren.
Das Team aus Schauspielern und Regisseur hat für den dritten Teil, der in zwei Jahren in den Kinos starten soll, schon zugesagt, und bislang spricht nichts dagegen, weswegen Spider-Man 3 nicht so gut sein sollte, wie die beiden vorhergehenden Filme – wenn denn das Drehbuch passt.
Bis dahin können sich die Fans aber die Zeit mit dem zweiten Einstand des Spinnenhelden vertreiben, der gerade angesichts dieses durchwachsenen Kinosommers mehr als willkommen ist. Welcher Sommer-Actionfilm Spider-Man 2 auch immer übertreffen will, muss sich sowohl künstlerisch, als auch filmtechnisch ungeheuer anstrengen.


Fazit:
Regisseur Sam Raimi gelingt das Kunststück, das jeder erhoffte und kaum jemand erwartete: Eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger in allen Punkten übertrifft. Noch mehr und bessere Charaktermomente, eine epischere Story und noch phänomenalere Action, die energiegeladener und mitreissender kaum sein könnte.
Dank der sehr gut aufgelegten Darsteller und des ausnahmslos gelungenen Drehbuchs präsentiert sich Spider-Man 2 als der bisher beste Unterhaltungsfilm des Jahres und wird auch dementsprechend schwer zu übertreffen sein. Wem der erste Film gefallen hat, der kann hier nichts auszusetzen haben, und auch Skeptiker könnten hier durchaus auf den Geschmack kommen.
In seinem Genre ist Spider-Man 2 ein Meisterwerk, wie man es seit Batmans Rückkehr [1992] nicht mehr gesehen hat.


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