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Soylent Green - Jahr 2022... die überleben wollen [1973]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Juli 2011
Genre: Science Fiction / Krimi / Drama

Originaltitel: Soylent Green
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1973
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Richard Fleischer
Musik: Fred Myrow
Darsteller: Charlton Heston, Leigh Taylor-Young, Chuck Connors, Joseph Cotten, Brock Peters, Paula Kelly, Edward G. Robinson, Stephen Young, Mike Henry, Lincoln Kilpatrick, Roy Jenson, Leonard Stone, Whit Bissell, Celia Lovsky


Kurzinhalt:
Im Jahr 2022 leben 40 Millionen Menschen in New York. Die Welt ist überbevölkert, die natürlichen Ressourcen erschöpft. Nahrungsmittel werden industriell hergestellt, wobei die halbe Weltbevölkerung durch die Produkte der Firma Soylent ernährt wird. Diese sollen aus Algen und Soja bestehen. Die Nachfrage nach dem neuen Soylent Grün ist sehr hoch, die Verfügbarkeit jedoch gering. Tumulte, die dadurch bei den Essensausgaben entstehen werden niedergeschlagen.
Der Polizist Thorn (Charlton Heston) wird in das Luxusapartment von William Simonson (Joseph Cotten) gerufen. Dieser wurde von einem vermeintlichen Einbrecher ermordet, während sein Leibwächter und das weibliche Inventar Shirl (Leigh Taylor-Young) beim Einkaufen waren. Als Thorns Mitbewohner Sol (Edward G. Robinson) Recherchen anstellt, kommt er dahinter, dass Simonson in den höchsten Kreisen von Soylent vertreten war. Dort ist man auch darum bemüht, Simonsons Tod schnell zu den Akten zu legen. Doch Thorn bohrt weiter und kommt hinter ein schreckliches Geheimnis ...


Kritik:
Soylent Green beginnt mit einer prophetisch erscheinenden Collage über die Entwicklung der Industrialisierung, die daraus folgende Zunahme der Bevölkerungsdichte und die damit einhergehende Belastung der Umwelt bis hin zur systematischen Zerstörung derselben. Sie leitet eine Schreckensvision ein, die Regisseur Richard Fleischer in seinem Science Fiction-Werk weiterführt und damit die wichtigste Frage aufwirft, die man sich angesichts von sieben Milliarden Menschen auf der Welt stellen muss: wie lassen sich so viele Menschen ernähren? Viele Berichterstatter und Filmemacher haben bereits herausgestellt, dass wir genügend Nahrungsmittel produzieren, um die Menschheit jeden Tag zwei Mal versorgen zu können, doch woraus besteht unser Essen?
Im Jahr 2022, für die damaligen Filmemacher ganze 50 Jahre in der Zukunft, gleicht die Erde verdorrtem Land, darauf schließen wir angesichts der Bilder, die wir aus New York zu sehen bekommen. 40 Millionen Menschen zwängen sich in die Stadt, schlafen entweder auf den Straßen, in den zu Armenhäusern umgewandelten Kirchen oder irgendwo in Treppenaufgängen. Sie hungern und haben seit Jahren kein Obst, Gemüse oder Fleisch mehr gesehen. Diese sind so selten zu bekommen, dass sie den reichsten der Reichen vorbehalten sind, und selbst diese müssen hierauf lange warten. Die Oberschicht wohnt in abgeriegelten Hochhäusern, bei denen Alarmsysteme und Sicherheitsfirmen die übrige Bevölkerung draußen halten. Gutaussehende junge Frauen haben eventuell die Möglichkeit, als Inventar dieser Luxuswohnungen angestellt zu werden und bleiben dem jeweiligen Mieter zur Verfügung überlassen. Die letzten, mickrigen Bäume New Yorks werden unter Zelten streng bewacht, als könnten sie sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung auf wundersame Weise vermehren. Die Menschen werden mit massenweise produzierten Nahrungsmitteln der Firma Soylent ruhig gehalten. Soylent Rot und Soylent Gelb bestehen aus Soja, liefern außer Energie jedoch keinen Geschmack, wie man es von den Lebensmitteln von früher her kennt. Unter der Smogglocke der Stadt kämpfen die Menschen um Wasserrationen. Es bilden sich Tumulte, wenn zu wenig Soylent verfügbar ist für die langen Schlangen an verzweifelten Menschen, die das neue Soylent Grün mit nach Hause nehmen wollen. Wer dieses Leben nicht mehr erträgt kann sich in bestimmten Instituten einschläfern lassen.

Man muss die Situation so ausführlich beschreiben, um zu verstehen, wieso der Polizist Detective Thorn zur Hauptfigur in Soylent Green gemacht wird, obwohl er keine Eigenschaften besitzt, die ihn sympathisch erscheinen lassen. Er soll den Mord an dem reichen William Simonson aufklären, der einer der führenden Köpfe bei Soylent gewesen ist. Thorn benutzt Simonsons Inventar Shirl, wofür sie seiner Meinung nach da ist, nimmt Lebensmittel mit, die der Verstorbene nicht mehr braucht und steckt sogar eine Flasche Bourbon ein – sein Vorgesetzter wird einen Teil davon abbekommen, ebenso wie die Kriminologen vor Ort. Detective Thorn ist ein Produkt seiner Zeit, der nur an sich denkt, weil es sonst niemand anders tut, und weil es keine Zukunft gibt, auf die hinzuarbeiten sich lohnen würde. Sol, der mit ihm in einem Apartment wohnt und Recherchen erledigt, ist bedeutend älter und kann sich an eine Zeit in seinem Leben erinnern, zu der die Welt noch grün war. Etwas zu kennen, es aber zu verlieren ist bedeutend schmerzvoller, als es nie gekannt zu haben. Auch wenn die Ermittlungen schleppend verlaufen, kann Thorn erste Erfolge verbuchen, nicht zuletzt, weil ihm jemand nach dem Leben trachtet. Als er sich entgegen der Anweisung seines Vorgesetzten weigert, den Fall zu den Akten zu legen (wohl auf Geheiß von Soylent), kommt Thorn dahinter, dass Simonsons Tod etwas mit dem neuesten Produkt von Soylent zu tun hat.

Man merkt Soylent Green sehr schnell die Zeit an, in der er entstand. Vielleicht auch, weil der Science Fiction-Film den Mut besitzt, entgegen des globalen Aufschwungs in den 1970er Jahren mahnende Worte an die Zuschauer zu richten, wo dies hinführen kann – eine Bereitschaft, die vielen Geschichtenerzählern heute zu fehlen scheint. Manches davon ist bereits eingetreten, auch wenn sich die kahlgerodeten Landschaften, die mit Chemikalien verseuchten Böden meist auf Areale beschränken, die man als gewöhnlicher Mensch nicht sehen soll. Dies vor Augen zu führen ist zusammen mit dem letztendlichen Clou bei Soylent Green etwas, was den Film auch nach 40 Jahren so wichtig macht. Es macht ihn zwar nicht zu einem sehr guten Film, dafür wiederholen sich manche Feststellungen zu oft, während der Kriminalfall auf der Stelle tritt, doch es erklärt, weswegen man ihn nicht im Regal verstauben, sondern sich seine Aussage zu Herzen nehmen sollte.


Fazit:
In der Umsetzung ist der Science Fiction-Krimi trotz seines Alters überraschend zeitlos geblieben. Vielleicht gerade, weil auf zukunftsträchtige Technologien verzichtet wird, sondern stattdessen die alltäglichen Annehmlichkeiten von Heute zu kaum vorstellbaren Luxusgütern erhoben werden. Fließendes Wasser, eine Produktauswahl beim Einkauf, saubere Luft und Kleidung – es sind Dinge, welche die Menschen der Zukunft nicht kennen. Stattdessen ernähren sie sich von farbigen Soylent-Plättchen.
Als Krimi ist Soylent Green nicht sehr spannend, dafür sagen die Bilder sehr viel aus. Bewegend ist beispielsweise die Zusammenstellung bei Sols letztem Auftritt, die uns zusammen mit den Bildern beim Abspann vermitteln sollen, was erhaltenswert ist an unserer Welt. Diese Aussage damals zu treffen war prophetisch und Soylent Green als Antwort auf die Ernährung der Menschen in der Zukunft zu präsentieren eine erschreckend vorstellbare Möglichkeit. Darum bleibt Soylent Green wichtig und sehenswert.


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