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Sherlock: "Die Hunde von Baskerville" [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Juli 2013
Genre: Krimi

Originaltitel: Sherlock: "The Hounds of Baskerville"
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Paul McGuigan
Musik: David Arnold, Michael Price
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Russell Tovey, Rupert Graves, Clive Mantle, Amelia Bullmore, Simon Paisley Day, Sasha Behar, Will Sharpe, Una Stubbs, Mark Gatiss


Kurzinhalt:
Nichts ist schlimmer für den Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch), als seine Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Doch so sehr er mit seinem Assistenten Watson (Martin Freeman) nach einem neuen Fall sucht, es scheint nicht das Richtige dabei zu sein. Nicht einmal die Suche nach einem in der Nacht leuchtenden Kaninchen kann ihn begeistern. Bis der fahrige Henry Knight (Russell Tovey) in der Baker Street 221b erscheint. Er hat nach seiner Aussage vor 20 Jahren mitangesehen, wie sein Vater von einem monströsen Hund in Dartmoor getötet wurde. In der Nähe der Baskerville-Forschungseinrichtung, in der angeblich chemische und biologische Experimente des Militärs durchgeführt werden. Als Knight zur Bewältigung seines Traumas, von seiner Therapeutin Dr. Mortimer (Sasha Behar) angeraten, den Ort erneut aufsuchte, hat er wieder diese Bestie gesehen und bittet nun Holmes um Hilfe, da die Leiche seines Vaters nie gefunden wurde.
Die Ermittler reisen nach Dartmoor und verschaffen sich sogar Zugang zu Baskerville. Aber weder die Forscherin Dr. Stapleton (Amelia Bullmore), noch Dr. Frankland (Clive Mantle), der sowohl Holmes' Internetseite, wie auch Watsons Blog über ihre Fälle verfolgt, können ihnen weiterhelfen. Als sie Knight nachts an den Tatort begleiten, traut Holmes seinen Augen kaum, als er sich Auge in Auge mit dem Höllenhund sieht ...


Kritik:
Wie modernisiert man einen über ein Hundert Jahre alten Klassiker? Der Hund von Baskerville [1902] von Sir Arthur Conan Doyle gehört zu den bekanntesten Werken des Autors um Hauptfigur Sherlock Holmes. Dass sich eine jede Verfilmung um den Meisterdetektiv früher oder später diesem Werk widmen muss, ist verständlich, aber in welchem Kontext erzählt man heute von einem monströsen Hund, der als Familienfluch Menschen reißt? Die Herangehensweise von Drehbuchautor Mark Gatiss ist dabei nicht nur einleuchtend, sondern vielleicht die einzig elegante Lösung in unserer hochmodernen Zeit. Dass der TV-Film nicht zu den besten der Reihe zählt, liegt letztlich nur daran, dass die handwerkliche Umsetzung eher auf Schaueffekte ausgelegt ist, anstatt Atmosphäre zu erzeugen.

Dabei ist es durchaus eine Herausforderung für Regisseur Paul McGuigan, ein Monster vorzustellen – in dem Fall die Hunde von Baskerville – ohne sie wirklich zu zeigen. Nicht nur Regisseur Steven Spielberg hat mit Der weiße Hai [1975] bewiesen, dass ein Ungeheuer dann am Furcht einflößendsten ist, wenn man es gar nicht sieht. Umso enttäuschender ist es allerdings, wenn Die Hunde von Baskerville irgendwann ihre Bestie(n) in Szene setzen. So atmosphärisch der Krimi bis zu diesem Punkt sein mag, spätestens dann ist die Illusion dahin.
Die Geschichte selbst beginnt durchaus gruselig mit Bildern einer Kindheitserinnerung von Henry Knight, der mit ansehen musste, wie sein Vater von einem Monstrum getötet wurde. Auch nach 20 Jahren kann er sich noch an die rot leuchtenden Augen erinnern und die schiere Größe des Tieres. Auf den Rat seiner Therapeutin hin, sucht er den Ort seines Traumas in Dartmoor auf und kontaktiert daraufhin Sherlock Holmes, ihm zu helfen. Selbst Anwohner wollen den Höllenhund seither gesehen haben und auch der Tourismus ist darauf eingestellt. Nur Knight ist zunehmend verzweifelt und glaubt, wie sein Vater verrückt geworden zu sein.

Sehr früh bringt die Vorlage die in der Umgebung gelegene Baskerville-Einrichtung ein, eine militärische Forschungsstation, in der angeblich geheime Experimente durchgeführt werden. Dies könnte eine Erklärung für die Baskerville-Hunde sein, immerhin kann man heute beinahe alles klonen und erschaffen, was man sich vorstellen kann. Eine solche Auflösung würde nicht nur die ursprüngliche Roman-Idee ehren, sondern gleichzeitig einen neuen Ansatz bieten. Aber wie sollte man dem Militär diese Experimente nachweisen? Und wäre die Geschichte damit nicht zu einfach?
Die Hunde von Baskerville verlässt sich zum einen auf die routinierten und charmanten Darsteller, um die Story am Ende zumindest mit einer kleinen Überraschung aufzulösen, und gibt ihnen auf dem Weg dorthin eine Menge amüsanter Dialoge, die den Krimi sehr unterhaltsam gestalten. Allerdings scheint das Ende ab der Mitte immer in greifbarer Nähe und wird dennoch weiter hinausgeschoben.

Was dadurch umso mehr auffällt ist die Inszenierung, die mit betont hervorstehenden Szenenwechseln, sich ständig wiederholenden Einstellungen von Dartmoor bei verschiedenen Tageszeiten, verkrampft modern wirken möchte, aber vergisst, dass sich mit hektischen Schnittfolgen keine Spannung erzeugen lässt. Zusätzlich wird versucht, die unheimliche Stimmung durch einen als Geräusch verzerrten Frauenschrei zu verschärfen, der bei jedem Schnitt ertönt, bei dem eine Taschenlampe oder sonstige Lichtquelle das Bild kurz erhellt. Nicht nur, dass sich mit solchen Tricks keine Preise gewinnen lassen, spätestens nach dem dritten Mal wirken sie billig und machen die Atmosphäre eher kaputt.


Fazit:
Wer die Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle kennt und sich überlegt, dass die Neuinterpretation des Ermittlers Sherlock Holmes in der heutigen Zeit spielt, der wird seine Zweifel haben, wie sich jenes Thema in das 21. Jahrhundert übertragen lässt. Die Idee, Baskerville zu einem Geheimlabor mit chemischen und biologischen Programmen zu machen, ist brillant und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, eine moderne Version der Geschichte zu erzählen. Die stimmungsvolle Umgebung tut ihr Übriges dazu, dass Die Hunde von Baskerville über weite Strecken gut funktioniert.
Doch wird man einerseits so lange vertröstet, was die Bestien angeht, dass ihr Aussehen einen schließlich kaum mehr interessiert. Andererseits versuchen die grellen Szenenwechsel mit System die Atmosphäre des Krimis wieder zu zerstören. Die Charaktere sind gut getroffen, die Dialoge spritzig und mit einem tollen Timing dargebracht. Selbst der Look von Dartmoor und der Baskerville-Einrichtung sind sehr gut getroffen. Doch die schnellen Schnitte passen zu einem schaurigen Moor ebenso wenig wie computergenerierte Monster zu einem im wahren Leben angesiedelten Krimi.


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