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Rio 2 - Dschungelfieber [2014]

Wertung:  4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Januar 2015
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Rio 2
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Carlos Saldanha
Musik: John Powell
Stimmen: Jesse Eisenberg (David Kross), Anne Hathaway (Johanna Klum), Andy Garcia (Walter von Hauff), George Lopez (Roberto Blanco), Jemaine Clement (Christian Brückner), Bruno Mars (Leonhard Mahlich), Leslie Mann (Kaya Marie Möller), Rodrigo Santoro (Alexander Doering), Jamie Foxx (Mr. Reedoo), Will.i.am (Itchyban), Kristin Chenoweth (Annett Louisan), Miguel Ferrer (Reiner Schöne)


Kurzinhalt:
Bei ihrem Ausflug in den Amazonas glauben Linda (Leslie Mann / Kaya Marie Möller) und Tulio (Rodrigo Santoro / Alexander Doering), dass sie einer bisher verborgenen Kolonie von blauen Spix-Aras auf der Spur sind. Die letzten beiden lebenden Exemplare sind Jewel (Anne Hathaway / (Johanna Klum) und Blu (Jesse Eisenberg / David Kross), die in einem Reservat in Rio leben. Als die hören, dass sie vielleicht nicht die einzigen sind, brechen sie mit ihren Kindern kurzerhand in den Amazonas auf, um ihre Artverwandten zu suchen.
Dort angekommen trifft Jewel auf ihren Vater Eduardo (Andy Garcia / Walter von Hauff) und ihren Jugendfreund Roberto (Bruno Mars / Leonhard Mahlich), sehr zum Missfallen von Blu. Während die mitgereisten Rafael (George Lopez / Roberto Blanco), Nico (Jamie Foxx / Mr. Reedoo) und Pedro (Will.i.am / Itchyban) ein Casting für den Karneval im Amazonas veranstalten, stoßen Linda und Tulio auf den Geschäftsmann Big Boss (Miguel Ferrer / Reiner Schöne), der illegal die Wälder rodet und Kurs auf die Heimat der Spix-Aras gesetzt hat. Die ahnen gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben, da hat Nigel (Jemaine Clement / Christian Brückner) Blu bereits ins Visier genommen, um sich zu rächen ...


Kritik:
Man könnte tatsächlich meinen, in Rio 2 wäre das Dschungelfieber ausgebrochen. Filmemacher Carlos Saldanha bringt wirklich alle Figuren des ersten Teils wieder zusammen, auch wenn es keinen großen Sinn ergibt, und strickt um sie eine "Dschungel sucht den Superstar"-Story mit ein paar halbherzigen "Rettet die Regenwälder"-Einlagen. Konnte man sich auch als Erwachsener kaum dem Charme und der Energie von Rio [2011] entziehen, ist die Fortsetzung nur etwas für die jungen Zuschauer.

Das ist schon deshalb bedauerlich, da beide Storystränge, sowohl derjenige um einen unberührten Teil des Regenwaldes, der illegal gerodet werden soll, als auch der um den rachsüchtigen Kakadu Nigel, einen Film tragen könnten. Aber an beidem ist Rio 2 nicht merklich interessiert. Stattdessen geht es vielmehr darum, möglichst viele nervige Rap-Einlagen in den etwas mehr als eineinhalb Stunden unterzubringen. Vermutlich, da das Zielpublikum solch eine Art Musik hört. Hinzu kommt eine Prise Casting-Show, weil das Zielpublikum solche Fernsehsendungen gern sieht, und ein Fußballspiel unter den Aras, da das Zielpublikum so etwas vermutlich ganz unterhaltsam findet.

Die Story setzt einige Zeit nach dem ursprünglichen Rio an. Blu und Jewel sind inzwischen Eltern geworden und sehen im Fernsehen, wie ihre menschlichen Schutzengel Linda und Tulio tief im Amazonas eine Kolonie der bis auf Blu und Jewel ausgestorbenen Spix-Aras vermuten. Sowohl im Prolog, wie auch im gesamten Film gibt es Anspielungen darauf, dass Blu und seine Kinder so sehr domestiziert sind, dass sie sich in der Wildnis gar nicht mehr zurecht finden würden. Das gipfelt darin, dass Blu – wenn er sich mit seiner Familie in den Amazonas aufmacht, um die verborgene Kolonie seiner Artgenossen zu finden – in einer Bauchtasche ständig ein Navigationsgerät und ein Taschenmesser mit sich herumträgt.

Gegen diese Aussage lässt sich ebenso wenig sagen wie gegen die Nebenhandlung um den profitgierigen Industriellen, der Linda und Tulio gefangen nimmt, um zu verhindern, dass seine illegale Waldrodung publik wird. Aber auch wenn Rio 2 hier viele Ideen und Momente aus Avatar - Aufbruch nach Pandora [2009] übernimmt (lustigerweise sogar mit der passenden Farbe der Dschungelbewohner), ernsthaft setzt sich der Film damit nicht auseinander. Weder was die Bedrohung der Tiere im Dschungel, noch den Kampf gegen die rodende Industrie angeht. Nicht einmal eine Infotafel am Ende des Films oder ein Aufruf, dem ein Ende zu bereiten, findet sich am Schluss.

Stattdessen lenkt Regisseur Saldanha den Blick auf den inzwischen flugunfähigen Kakadu Nigel, der sich an Blu rächen will und dafür mit dem Ameisenbär Charlie (eine durchaus gelungene Hommage an Charlie Chaplin) und dem unsterblich in Nigel verliebten Pfeilgiftfrosch Gabi ebenfalls in den Amazonas aufbricht. Dabei ist Nigel im Vergleich zu Teil eins kein wirklich ernstzunehmender Bösewicht mehr, selbst wenn seine Momente und die mit Gabi zu den Dialoghighlights des Films gehören. Dass der Wortwitz seines Solos "Ich überleb's" in der deutschen Synchronisation vollkommen verloren geht, werden die Kinder im Publikum kaum bemerken. Schade ist es dennoch.

Die Figuren sehen allesamt nochmals detailreicher als im ersten Film aus und der Dschungel ist hier zum Greifen nah mit den unzähligen Figuren, den farbenfrohen Hintergründen und dem tollen Ambiente. Ein paar Musicalnummern können auch begeistern, die meisten münden aber in immer demselben Sprechgesangstakkato und sind bedeutend weniger einfallsreich als noch vor drei Jahren. Ähnlich sieht es mit dem Charme zwischen Blu und Jewel aus, zumal letztere kaum etwas zu tun bekommt. Dafür muss ihr Vater Eduardo als grummeliger Schwiegervater die üblichen Witze in Bezug auf den Stadtvogel Blu vom Band lassen. Es ist, als hätten die Macher von Rio 2 drei halbgare Storyideen genommen und entschieden, da sie für sich nicht ausreichen, einen eigenständigen Film zu rechtfertigen, sie alle zusammenzuwerfen. Ausgefeilter sind sie deshalb aber immer noch nicht.


Fazit:
Wie wäre es gewesen, hätten Jewel, Blu und ihr Nachwuchs den Amazonas auf eigene Faust entdeckt? Was, wenn ihnen die illegale Rodung aufgefallen wäre und sie Linda und Tulio um Hilfe gerufen hätten? Was, wenn die Tiere sich tatsächlich wie Tiere hätten verhalten dürfen? Zumindest die meiste Zeit?
Rio 2 - Dschungelfieber präsentiert all das, was den ersten Film erfolgreich gemacht hat, inklusive sämtlicher Nebenfiguren, die diesmal alle überflüssig sind. Die Handlung wirkt notdürftigst zusammengeklebt, aber nicht einmal durchgängig erzählt und mit dem Mehr an Albernheiten und dem vielen inhaltlichen Leerlauf werden die jungen Zuseher weniger Schwierigkeiten haben, als die älteren. Dafür sieht der Film immer noch toll aus und ein Teil der Energie des ersten Films schwingt auch noch mit. Mehr sollte man auch nicht erwarten.    


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