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Reine Nervensache [1999]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 18. Januar 2003
Genre: Komödie

Originaltitel: Analyze This
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1999
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Harold Ramis
Musik: Howard Shore
Darsteller: Robert De Niro, Billy Crystal, Lisa Kudrow, Chazz Palminteri, Joe Viterelli


Kurzinhalt:
Mafia-Pate Paul Vitti (Robert De Niro) ist einer der gefährlichsten Männer in New York - und er hat ein Problem. Seit einem Anschlag auf sein Leben, welches einen guten Freund selbiges kostete, hat er Atembeschwerden, Potenzprobleme, Panikattacken. Da aber in Kürze ein wichtiges Treffen der Familienoberhäupter ansteht, müssen diese Schwierigkeiten schnellstmöglich ausgemerzt werden und dafür gibt es nur eine, wenn auch in Vittis gesellschaftlichem Kreis eher unbeliebte Lösung: Einen Psychiater!
Die Wahl fällt auf den High Society-Therapeuten Ben Sobel (Billy Crystal), ein ruhiger und freundlicher Mann, der nach einer gescheiterten Ehe kurz vor der zweiten Hochzeit, diesmal mit der TV-Moderatorin Laura MacNamara (Lisa Kudrow), steht, und nebenbei einige Schwierigkeiten in der Beziehung zu seinem Vater hat. Verständlicherweise zeigt Sobel wenig Interesse daran, einen Mafiosi als Patienten zu erhalten, doch wenn Paul Vitti mit jemandem über seine Probleme reden will, kann man ihm nicht sagen, es interessiere einen nicht.


Kritik:
Mafiosi, Mörder, Psychopathen und ähnliche eher unsympathische Figuren waren viele Jahre lang das Markenzeichen von Charakter-Darsteller Robert De Niro.
Doch seit der hintergründigen und amüsanten Politsatire Wag the Dog [1997] und eben Reine Nervensache zeichnet sich eine Trendwende bei dem Ex-Paten, hin zum Komödienfach, ab – und das mit erstaunlichem Erfolg. Zu der enorm erfolgreichen Komödie Meine Braut, ihr Vater und ich [2000] (Original-Titel: Meet the Parents) entsteht derzeit die Fortsetzung Meet the Fokkers [2003], und auch Reine Nervensache geht dieser Tage bereits in die nächste Runde – aus gutem Grund.

Eigentlich spielt De Niro hier den gleichen Typ Mensch, den er in einem Großteil seiner besten Filme gespielt hat; einen harten, unerschütterlichen Kerl mit gefährlichem "Beruf", einen Mafia-Paten eben.
Dabei geht er mit einer Ernsthaftigkeit zur Sache, die Paul Vitti in den schrägen Lebenslagen, in die er im Laufe des Films gerät, nur umso witziger erscheinen lassen. Daneben stellt diese Rolle aber auch eine Art Selbstparodie dar, die einen gewissen Mut erfordert, den viele "ernsthafte Schauspieler" nicht aufbringen, und der De Niro anfangs auch nicht leicht fiel. Lange Zeit war nicht sicher, ob er die Rolle überhaupt übernehmen würde. Erst auf die Überredungskünste von Billy Crystal und Regisseur Harold Ramis hin, übernahm er die Rolle und fand seinen Spaß daran.
Einen Großteil seines komödiantischen Potentials kann er hierbei natürlich im Zusammenspiel mit Crystal entfalten, der als durch Vitti selbst in Angst versetzter Psychiater sicher die beste Performance seit seinem Hit Harry und Sally [1989] abliefert. An seinen Erfolg mit jenem Film, der dank eines in der Öffentlichkeit vorgetäuschten Orgasmus für Kollegin Meg Ryan den Durchbruch bedeutete, knüpfte Crystal in den Folgejahren nur selten an, am ehesten noch mit City Slickers - Die Großstadt-Helden [1991]. Mit Reine Nervensache wendete sich das Blatt für ihn wieder zum Besseren, zumal er den Film auch mitproduzierte.
Neben dem brillanten und pointierten Spiel von De Niro und Crystal verblassen die Co-Stars erwartungsgemäß, dennoch wissen die aus Friends bekannte Lisa Kudrow als Sobels zukünftige Frau, und vor allem Joe Viterelli als Handlanger Jelli durchaus zu gefallen. Chazz Palminteris Part als Konkurrent von Vitti ist allerdings so kurz geraten, dass er trotz einer ordentlichen Leistung ziemlich untergeht.
Die Darsteller erhalten Führung durch jemanden, der sich im Fach der Komödie bereits mehrfach ausgezeichnet hat, nämlich Harold Ramis, der nicht nur Regie führte, sondern zusammen mit Peter Tolan und Kenneth Lonergan auch das Drehbuch schrieb.
Ramis' größter Erfolg als Schauspieler, durch den er den meisten Leuten im Gedächtnis geblieben ist, waren die beiden Ghostbusters-Filme, doch auch heute ist er hin und wieder noch vor der Kamera zu sehen (so zum Beispiel in der Ausnahmekomödie Besser geht's nicht [1997]).
Daneben verlief seine Karriere als Regisseur auf Hochtouren und brachte unter anderem Filme wie den wunderbaren Und täglich grüßt das Murmeltier [1993] oder Teuflisch [2000] hervor.

Die Geschichte vom Mafiosi, der auf die Couch muss, um mit dem Privatleben und seinem Job fertig zu werden, hört sich freilich sehr nach der Ausgangssituation der US-Hitserie Die Sopranos an, die zurecht mit Preisen überhäuft wird, in Deutschland aber leider eher unbekannt ist. Während die Abenteuer um den gestressten Mafiaboss Tony Soprano (James Gandolfini) jedoch neben schwarzem Humor nicht gerade zimperlich sind, darf in Reine Nervensache dank der beiden Hauptdarsteller herzhaft gelacht werden, ohne dass man sich Gedanken über ein eventuell bevorstehendes Blutbad machen muss.
Das originelle und förmlich auf De Niro/Crystal zugeschnittene Skript wimmelt natürlich nur so vor Mafia-Klischees und Anspielungen auf Genre-Meilensteine wie Der Pate [1972], bringt aber auch eine gehörige Portion aus sich selbst kommendem Witz und amüsante Running-Gags mit ein.

Nachdem Vitti anfangs gehörige Zweifel daran hat, dass ein "Seelenklempner" ihm bei seinen Panikattacken (die seiner Meinung nach natürlich nichts mit Angst oder Panik zu tun haben, das versteht sich von selbst!) helfen kann, überzeugt ihn dieser überraschend schon bei der ersten Zwangssitzung dermaßen von seinem Können (und das obwohl Sobel Paul einfach nur loswerden wollte), dass er ihm von da an nicht mehr von der Pelle rückt. Das führt so weit, dass er Ben auf seine Hochzeit nachreist und ihn auch mal eben mitten in der Nacht aus seinem Schlafzimmer holen lässt. Zwar lässt sich Ben Sobel von gigantischen Springbrunnen als "kleine Aufmerksamkeit" nicht bestechen, doch bleibt ihm trotz seines Widerwillens im Grunde keine Wahl, als den Mann weiter zu therapieren.
Schön, wenn auch vorhersehbar, ist dabei zu sehen, dass die beiden ungleichen Männer irgendwann den Punkt erreichen, wo sie genügend Respekt für einander aufbringen, dass Vitti seinen Doc nicht mehr ohne weiteres erschießen kann und dieser für den Mafiosi beim großen Treffen der Oberhäupter einspringt.
Und siehe da, sogar die Therapie führt zu einem Ergebnis, auch wenn es nur die immer wiederkehrende Erkenntnis ist, dass natürlich die Eltern (in diesem Fall ausnahmsweise mal der Vater) an allem schuld sind.
Spätestens wenn De Niros Vitti nach einigen "Sitzungen" feststellt, dass er – seit er von Freud weiß – sich nicht einmal mehr traut, seine Mutter auch nur anzurufen, bleibt aber wohl kein Auge mehr trocken.

Zwar hat der Film im mittleren Drittel ein paar winzige Durchhänger im Tempo und auch die plötzliche und völlig ohne offensichtlichen Auslöser kommende Genesung Vittis am Ende hätte durchaus eine Erklärung gebrauchen können, doch diese Kleinigkeiten können einem den Spaß am Gesamtergebnis nur wenig trüben.
Lediglich diejenigen, die mit Mafia-Thematiken absolut nichts anfangen können, dürften eine ganze Reihe Anspielungen nicht verstehen und dementsprechend weniger Spaß haben.


Fazit:
Ein Film, wie ihn Psychiater sicher auch empfehlen würden, denn schließlich ist Lachen ja bekanntlich gesund!


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