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Public Enemies [2009]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Juni 2010
Genre: Drama

Originaltitel: Public Enemies
Laufzeit: 140 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Michael Mann
Musik: Elliot Goldenthal
Darsteller: Johnny Depp, , Christian Bale, Marion Cotillard, Channing Tatum, Rory Cochrane, Billy Crudup, Branka Katic, Emilie de Ravin, Stephen Dorff, Giovanni Ribisi, Bill Camp, Stephen Lang, Don Frye, Matt Craven, Lili Taylor, Leelee Sobieski, James Russo


Kurzinhalt:
Nach einem spektakulären Gefängnisausbruch, bei dem derjenige Verbrecher, den der Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) eigentlich befreien wollte, erschossen wurde, zieht es Dillinger nach Chicago. Durch seine meist gewaltlosen, aber schwer bewaffneten Banküberfälle ist er zwar einer der meistgesuchten Männer des Landes, im desillusionierten Amerika 1933 in einer seit Jahren andauernden Rezession aber beim Volk nicht unbeliebt. Immerhin stiehlt er nur das Geld der Bank, nicht das Privatvermögen der Menschen.
J. Edgar Hoover (Billy Crudup) ist darum bemüht, für seine angestrebte Bundesbehörde FBI Gelder und Fördermittel zu erhalten. Doch hierfür muss er Erfolge im korrupten Rechtstaat vorweisen. Er überträgt dem Agenten Melvin Purvis (Christian Bale) die Aufgabe, Dillinger zu fassen, um sich selbst zu profilieren. Es wird ein Krieg gegen das Verbrechen ausgerufen. Doch während es Purvis und seinen Männern im Kampf gegen solch organisierte Räuber an Erfahrung mangelt und sie selbst zu Mitteln greifen, die im besten Fall moralisch bedenklich sind, scheint auch Dillinger vom Organisierten Verbrechen überholt zu werden. Seine Beziehung mit Billie Frechette (Marion Cotillard) stürzt nur mehr Menschen ins Verderben ...


Kritik:
John Dillinger war kein guter Mensch. Zumindest nicht nach der landläufigen Definition. Im Jahr 1933, als eine Wirtschaftskrise nicht nur die Finanzen der Menschen gebrochen hatte, sondern auch ihr Lebensmut verloren schien, raubte Dillinger Banken aus. Daraus machte er keinen Hehl. Johnny Depp verkörpert ihn als einen selbstbewussten Verbrecher, der seine Prinzipien den Situationen anpassen konnte. Ihn unterkühlt, aber von einem Ehrgefühl angetrieben zu schildern gelingt Depp dabei sehr gut. Nur ob Dillinger wirklich so eindimensional war, sei dahingestellt. Was Regisseur Michael Mann in seinem ambitionierten Public Enemies auf sich nimmt ist schwer zu schildern. Er chronologisiert die letzten Monate Dillingers bis hin zu jenem Abend, an dem er von den Gesetzeshütern eingeholt wurde. Gleichzeitig zeigt er in Ansätzen die Entstehung des FBI unter J. Edgar Hoover und auch, wozu der Leistungsdruck die Ermittler zwang: um skrupellose Verbrecher zu fassen glaubten sie, selbst ihre Werte und Moral über Bord werfen zu müssen. Ähnliches scheint jedes Mal zu geschehen, wenn irgendein Land jemandem oder Etwas den Krieg erklärt. An Melvin Purvis ist zu sehen, wie er und eine Gruppe junger Agenten von der Situation überfordert und auf der Suche nach einer Lösung ihren Weg finden müssen. Gerade weil Purvis in diesem Lernprozess Grenzen überschreitet, vor die niemand gestellt werden möchte, und weil seine Motivation abgesehen von einer Karriere im Ermittlungsbüro, nicht geklärt wird, bleibt er trotz der treffenden Darbietung Christian Bales durchweg unsympathisch. So wie beinahe alle Ermittler, von den erfahrenen Agenten, die ins Team geholt werden, um Dillinger zu fassen, einmal abgesehen. Sie werden aber bis zum Finale kaum beachtet. John Dillinger verliebt sich zwischen seinen Raubzügen in Billie Frechette, für sie ist er der Ausblick auf jene Abenteuer, von denen sie als Mädchen geträumt hat und die sich nie erfüllt haben. Wer wäre jedoch bereit, seine Träume zu leben, wenn dafür andere Menschen leiden oder gar sterben müssen? Wie kann man sich auf ein Leben mit einem Verbrecher einstellen, der keine Art der Reue empfindet oder in seinen Taten etwas Unrechtes sieht? Vielleicht ist es sein Versprechen, sie nie im Stich zu lassen, was er auch nie tut. Damit ein solches Versprechen Billies Aufopferung rechtfertigt, müsste man mehr über sie erfahren, die von Marion Cotillard gerade im letzten Filmdrittel packend verkörpert wird. Nur scheint sich Regisseur Mann auch darauf nicht zu konzentrieren. Seine Figuren mögen kantig sein, die emotionale Kälte jener Rezession widerspiegeln, die auch lange Zeit später noch nachwirkte. Nur fehlt dem Zuschauer damit eine Identifikationsfigur, jemand, mit dem man mitfiebern möchte.

Die minutiöse Authentizität, mit der Public Enemies umgesetzt ist, verblüfft und fasziniert. Von den ersten Momenten angefangen, bis hin zu Stadtaufnahmen, die tatsächlich 80 Jahre alt sein könnten, ist der Film erstklassig ausgestattet. Die digitale Kamera, mit der Michael Mann sein Drama einfängt, bringt bei den Tagaufnahmen so scharfe Bilder zur Geltung, dass sie beinahe surreal wirken. Nachtszenen sind stellenweise mit einer Schärfe zu bewundern, die einen sprachlos macht. Leider gibt es ebenso viele Szenen, die künstlich heller gemacht wurden und so unwirkliche Farben wiedergeben. Insgesamt schwankt die verwendete Farbpalette so stark, dass ein Szenenwechsel den Film sprungartig in ein ganz anderes Licht taucht und den Zuseher damit aus dem Geschehen reißt. Das gilt auch für die inhaltlichen Sprünge, die nach kurzer Zeit ermüden. So wirken viele Einstellungen, als würde die Kamera zu lange auf einem Gesicht oder einem Bild verweilen, während andere Momenten zu rasch abgehandelt werden. Ein natürliches Tempo will sich nicht einstellen. Die am besten aufgebaute Sequenz ist das Finale, das mit den abwechselnden Schauplätzen und den gezeigten Bildern tatsächlich komponiert wirkt. Die Szenen davor sind beliebig austauschbar. Kein Bankraub ist von der Planung bis zur Flucht vollständig gezeigt, immer wieder werden Momente aus den Verbrechen eingestreut, ohne dass man einen Bezug dazu finden würde. Hierzu trägt auch die atmosphärische Musik von Elliot Goldenthal bei, die zwar einige interessante Themen beinhaltet, aber selten wirklich zu den Bildern passt.
Die Geschichte plätschert bei Public Enemies mehr als zwei Stunden vor sich hin, ohne dabei irgendeine Aussage treffen zu wollen. War John Dillinger ein Produkt seiner Zeit? Oder war er auf dem "Höhepunkt" seiner Verbrecherkarriere bereits ein Relikt, das durch das organisierte Verbrechen abgelöst wurde? Die Andeutungen sind hier zu wenig, um mitzureißen. Als Drama mag der Film eher funktionieren, denn als Thriller. Nur sollten für das Drama die Figuren auch interessieren. John Dillinger war kein guter Mensch; interessant – oder neu – ist diese Feststellung nicht. Und für ein Publikum ab 12 Jahren ohne Frage ungeeignet.


Fazit:
Die grobe Klarheit der digitalen Kamera scheint mit dem verklärten Bild der USA der 1930er Jahre nicht zusammen zu passen. Dieser Umstand wirkt aber nicht so lange nach wie viele andere Punkte bei Public Enemies. Die Darsteller erwecken auf eine unterkühlte aber sichtbar fordernde Art und Weise ihre Figuren zum Leben. Die Besetzung allein ist dabei schon beneidenswert. Doch gelingt es ihnen nicht, ihre Charaktere auch für das Publikum greifbar zu machen.
Handwerklich enttäuscht Regisseur Michael Mann mit Einstellungen, die meist zu lange dauern und einem Erzähltempo, das selbst die Thrilleransätze im Keim erstickt. Die Shootouts warten zwar mit einer Reizüberflutung auf, wirken aber so unstrukturiert wie die dramatischen Eckpunkte des Films. Hier war so Vieles möglich, nur so wenig wurde erreicht.


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