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Poltergeist [2015]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Juni 2017
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: Poltergeist
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Gil Kenan
Musik: Marc Streitenfeld
Darsteller: Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Kennedi Clements, Jared Harris, Jane Adams, Susan Heyward, Nicholas Braun, Soma Bhatia, Kathryn Greenwood, Molly Kidder


Kurzinhalt:

In der Hoffnung auf einen Neuanfang zieht die Familie Bowen in ein Haus eines beschaulichen Vorortes. Während Eric (Sam Rockwell) darauf setzt, in Kürze wieder Arbeit zu finden, soll seine Frau Amy (Rosemarie DeWitt), während sie sich um die drei Kinder kümmert, Zeit finden, an ihrem nächsten Buch zu schreiben. Doch schon kurz, nachdem sie eingezogen sind, bemerken sie seltsame Geschehnisse, die zuerst dem Sohn Griffin (Kyle Catlett) und der jüngsten Tochter Madison (Kennedi Clements) auffallen. Letztere unterhält sich mit Personen, die gar nicht da sind. Als die jugendliche Kendra (Saxon Sharbino) eines Abends auf ihre Geschwister aufpassen soll, gerät die Situation außer Kontrolle. Nach dem übernatürlichen Angriff ist Madison verschwunden und wie die paranormale Wissenschaftlerin Dr. Powell (Jane Adams) der Familie Bowen mitteilt, haben die finsteren Mächte, die Madison ihre Gewalt gebracht haben, nicht vor, das Kind gehen zu lassen. Mit Hilfe des Geisterjägers Carrigan Burke (Jared Harris) wollen sie Madison zurückholen, doch dafür muss die gesamte Familie zusammenhalten ...


Kritik:
Wie verbessert man einen perfekten Film? Das war eine Fangfrage, die sich Regisseur Gil Kenan sicherlich oft anhören musste, als bekannt wurde, dass er das gleichnamige Remake des Kult-Klassikers von Tobe Hoopers Poltergeist [1982] inszenieren würde. Dabei gelingt ihm in den ersten 40 Minuten eine unerwartet stimmungsvolle Herangehensweise an die bekannte Geschichte um eine Familie, die in ein neues Haus eingezogen ist und deren junge Tochter dort entführt wird. Doch es ist beinahe, als wäre es dem Filmemacher dann zu anstrengend geworden.

Weshalb sich Drehbuchautor David Lindsay-Abaire, dessen Hollywood-Beiträge bislang meist harmlose Fantasy-Werke umfassten, dazu entscheidet, trotz der vielen Parallelen zwischen dem Original und dem Remake, sämtliche Figuren umzubenennen, verstehe dabei wer will. Die Prämisse bleibt dieselbe: Familie Bowen zieht in ein neues Haus und erlebt dort in kürzester Zeit alle möglichen sonderbaren Vorkommnisse. Als ihre Tochter offensichtlich entführt wird, holen sie sich Hilfe und müssen feststellen, dass sie von Geistern in eine andere Welt geholt wurde.
Wie das Original setzt auch Poltergeist mehr auf Grusel denn offensichtlichen Horror und zeigt, wie sich eine ganz normale Familie mit alltäglichen Schwierigkeiten – Vater Eric ist seit längerem arbeitslos, so dass die Eltern von existenziellen Geldsorgen geplagt sind – einer außergewöhnlichen Bedrohung stellen muss.

Statt die einzelnen Stationen und Eskalationsstufen der Bedrohung aus dem über 30 Jahre alten Film zu kopieren, ersinnt der Film hier neue Situationen, die dank der überlegten Inszenierung von Regisseur Kenan durchaus für Gänsehautstimmung sorgen. Mit langen und langsamen Kameraeinstellungen, die das Publikum in die Perspektive unmittelbar neben den Figuren zwängen, erzeugt er eine Spannung, die selbst dann wirkt, wenn man weiß, dass in Kürze ein Schreckmoment kommen wird. Diesbezüglich ist es Poltergeist auch hoch anzurechnen, dass der Film nicht mit unnatürlich lauten Geräuschen oder Musikeinlagen arbeitet, um das Publikum zu erschrecken, sondern stattdessen darauf hinwirkt, dass die Bowens in keinem Winkel des Hauses alleine sind.

Dass sich die Produzenten entschieden haben, die Kinofassung um eben solche Szenen zu beschneiden, die ausschließlich in der erweiterten Filmfassung vorhanden sind, ist unverständlich. Ebenso, weshalb Filmemacher Gil Kenan diese handwerkliche Finesse in der zweiten Filmhälfte über Bord zu werfen scheint. Nicht nur, das sich die Figuren zunehmend abstrus verhalten – welcher Elternteil würde die zwei bislang nicht entführten Kinder in dem Haus belassen, in dem die jüngste Tochter gerade eben verschwunden ist – die Szenen sind nicht einmal ansatzweise so gelungen aufgebaut wie zu Beginn.

So holen sich die Bowens Hilfe bei einer Gruppe Wissenschaftler, die angeblich paranormale Phänomene untersuchen, ohne jemals die Frage zu stellen, welche Erfahrungen diese auf dem Gebiet überhaupt vorweisen können. Wird der medienwirksame Geistervertreiber Carrigan Burke an Bord geholt, hat dieser so schnell einen Plan parat, ohne jemals im Haus gewesen zu sein, dass man sich fragt, weshalb er seine Begabung sonst öffentlich zur Schau stellend vergeudet. Das schauspielerische Talent des preisgekrönten Jared Harris sei dabei nicht in Zweifel gezogen, doch für die großartige Zelda Rubinstein im Original ist er nur ein schwacher Ersatz. Die übrige Besetzung wirkt sehr stimmig, angeführt von Rosemarie DeWitt. Auch Sam Rockwell macht eingangs eine gute Figur, scheint sich zum Ende hin zu jeder Tat aber regelrecht aufraffen zu müssen. Er spiegelt damit wider, was Poltergeist auf unvorteilhafte Weise prägt: Statt die frische Herangehensweise mit neuen Ideen und einem Augenmerk auf praktischem Horror alltäglicher Momente vom Anfang bis zum Schluss aufrechtzuerhalten, setzt Filmemacher Kenan ab der Hälfte auf einen verwässerten Mix aus Ideen des Originals mit moderner Tricktechnik. Das ist im Ergebnis ebenso einfallslos, wie es sich anhört.


Fazit:
Ob ein Remake notwendig oder unnötig ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Dass ein jeder die Hürden bei einem Klassiker oder Lieblingsfilm höher ansetzt, sei unbestritten. Umso wichtiger sollte es für diejenigen, die sich dem Projekt verschreiben sein, dem Bekannten etwas Neues hinzuzufügen oder zumindest eine neue Interpretation des bekannten Stoffes vorzunehmen. Dass ein Remake auf dieser Ebene möglich ist, beweist Gil Kenan überaus gelungen und würden Fans des Originals nach den ersten 40 Minuten, noch bevor Griffin nach dem großen Angriff Kontakt mit seiner verschwundenen Schwester Madison aufnimmt, abschalten, müssten sie festhalten, dass Poltergeist erstaunlich stimmig ist. Weshalb der Filmemacher dieses Gespür für Perspektiven und Szenenaufbau nicht beibehält und zunehmend in absehbar klischeehafte Abläufe samt unglaubwürdiger Entscheidungen der Figuren verfällt, ist ein Rätsel. Ebenso, weshalb die musikalische Untermalung von Marc Streitenfeld nicht einmal ansatzweise versucht, die von Jerry Goldsmith genial komponierte Mischung aus unheimlichen, leichten und bedrohlichen Themen zu erreichen. Die Musik hier scheint kaum vorhanden zu sein. Doch das ist nur ein Punkt, weshalb das Remake nicht nur im Vergleich mit dem Klassiker so enttäuscht.
 


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