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Operation: Kingdom [2007]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. November 2007
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: The Kingdom
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Peter Berg
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhom, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Kyle Chandler, Frances Fisher


Kurzinhalt:
Im westlichen Wohnkomplex der Stadt Riyadh in Saudi Arabien findet ein schrecklicher Bombenanschlag durch Terroristen statt. Über 100 Menschen sterben, darunter auch ein FBI-Agent, der vor Ort eingesetzt war. Verständlicherweise sind seine Kollegen, darunter Ronald Fleury (Jamie Foxx), Grant Sykes (Chris Cooper), Janet Mayes (Jennifer Garner) und Adam Leavitt (Jason Bateman) darum bemüht, die Hintermänner ausfindig zu machen. Doch die dortige Regierung wünscht keine Hilfe durch das Sonderteam des FBI.
Erst durch einen Coup gelingt es Fleury, sein Team für fünf Tage nach Riyadh zu bringen. Doch die Sitten und die politische Situation vor Ort machen es den Beamten nicht leicht, auch wenn ihnen durch Colonel Faris Al Ghazi (Ashraf Barhom) und dessen Stellvertreter Sergeant Haytham (Ali Suliman) eine ganze Schutztruppe zugeteilt wird.
Als das Team endlich Fortschritte macht, scheint es, als hätte die Terror-Gruppe bereits einen weiteren Anschlag geplant – und als seien die US-Ermittler das Ziel ...


Kritik:
Es sind inzwischen sechs Jahre vergangen, seit der "Krieg gegen den Terror" begann – und nach wie vor reißt die Welle der Gewalt im Nahen und Mittleren Osten nicht ab. Kein Tag vergeht, an dem nicht von Selbstmordattentätern zu lesen ist, die sich und viele andere Menschen mit in den Tod reißen; und in regelmäßigen Abständen werden auch Touristenzentren ins Visier der Terroristen genommen. Das Thema an sich ist und bleibt ein Pulverfass, dabei in den östlichen Ländern, da der Hass auf den Westen bei den militanten Organisationen ungebrochen ist, und im Westen ebenso, weil nach einer so langen Zeit kein Ende der Kämpfe absehbar ist. Im Gegenteil.
Nun hat sich auch Hollywood der Thematik angenommen, die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurden nicht zuletzt in Paul Greengrass' Flug 93 [2006] aufgearbeitet und der tatsächliche Stand der Operationen im Nahen und Mittleren Osten werden heuer vorgestellt. Dabei kommen zwei Filme mit ähnlichem Flair beinahe Zeitgleich in die Kinos. Mit Operation: Kingdom startet zuerst die actionbetonte Variante, während Robert Redfords Von Löwen und Lämmern die ethischen und philosophischen Fragen aufwirft. Verfasst wurden beide von Drehbuchautor Matthew Michael Carnahan, dem es zumindest bei The Kingdom gelingt, zu überraschen – und das gleich mehrfach.

So macht der Film augenscheinlich einen sehr US-freundlichen Eindruck und stimmt mit der "Wir schlagen zurück"-Mentalität sicherlich genau jenen Ton an, den die Regierung in den Vereinigten Staaten gerne hören möchte. Doch wer weiter hinsieht, bekommt etwas ganz anderes gezeigt. Nicht nur, dass man ein Saudi Arabien gezeigt bekommt, das in sich durch verschiedenste Glaubensrichtungen und Koran-Auslegungen völlig zerrüttet ist, insbesondere die letzte Szene des Films verleiht dem Gezeigten einen ganz anderen Unterton.
Zu Beginn entwickelt sich die Geschichte nach einem ersten Schockmoment noch recht schleppend und auch die Ermittlungen des FBI-Teams in Riyadh beginnen eher langsam, vermitteln aber dank der gezeigten Traditionen, Lebensweisen und Handlungen der Bevölkerung ein sehr authentisches Bild. Immer weiter setzt sich das Bild einer terroristischen Organisation zusammen, deren Absichten weniger erklärt werden, als ihre Ursprünge. Im letzten Drittel allerdings tauscht das Skript jene bedrückende Stimmung durch ein atemberaubendes Actionambiente aus, das der Story nicht ganz gerecht zu werden scheint.
Es ist erstaunlich, dass sich Carnahan viel Zeit nimmt, auch die arabischen Ermittler vorzustellen, ihre Loyalitäten, Familien und Gebräuche zu zeigen – wertfrei und mit einem unübersehbaren Brückenschlag zu den US-Pendants. Die Unterschiede zwischen beiden sind wohl (wie später im Verlauf des Films auch klar wird) weit weniger groß, als zunächst angenommen.
Dank der geschliffenen, pointierten Dialoge, der gut geschilderten und spannend erzählten Ermittlungen und der durchgehend authentischen Stimmung hebt sich The Kingdom angenehm von anderen Terror-Thrillern ab, die lediglich auf die Angst des Zuschauers spekulieren.

Die Darsteller scheinen diese komplexere Darstellung der Situation zu genießen und geben sich alle in bester Spiellaune. Insbesondere der charismatische Oscarpreisträger Jamie Foxx, der hier zwar weit von den Leistungen aus Ray und Collateral [beide 2004] entfernt ist, seine Figur aber mit so viel Energie und Selbstironie ausstattet, dass man ihm gespannt in das waghalsige Unterfangen folgt.
Ebenso Chris Cooper, der insbesondere seit seinem exzellenten Auftritt in American Beauty [1999] eine erstklassige Darstellung nach der anderen gibt. Ursprünglich hätte seine Rolle ein anderes Ende gefunden – ob das den Film veredelt hätte? Cooper selbst jedenfalls ist für den Cast ein Gewinn.
Von Jennifer Garner war seit dem Ende der Serie Alias – Die Agentin [2001-2006] nicht mehr allzu viel zu sehen gewesen und wenn, dann waren ihre Auftritte (beispielsweise Elektra [2005]) alles andere als Kassenfüller. Hier ist sie zwar nicht über die Maßen gefordert, macht ihre Sache aber gewohnt gut und darf immerhin in einer Szene ihre während der Drehzeit von Alias erworbenen Nahkampftechniken demonstrieren. Jason Bateman fungiert als der unterhaltsame Nebendarsteller, der mit allerlei witzigen Sprüchen unterhalten darf; dass er auch anders kann, ist im letzten Drittel zu sehen.
Zwei wirkliche Überraschungen erwarten die Zuschauer allerdings mit den großen arabischen Rollen, einerseits gespielt von Ashraf Barhom, der einige der forderndsten Szenen des Films zugeschrieben bekommt und mit Bravour sowohl die ruhigeren Dialogszenen, als auch die Actionsequenzen meistert. Andererseits kommt Ali Suliman nach einer sehr ungewöhnlichen Einführung zwar etwas kurz, zeigt aber insbesondere durch seine Mimik im Hintergrund, wie wichtig seine Figur für den Film ist. Umso besser, dass die ursprüngliche Drehbuchfassung, in der er einer der Terroristen war, verworfen wurde.
Die exzellente Besetzung setzt sich auch in den Nebenrollen fort, angefangen von Richard Jenkins als Leiter des FBI, bis hin zu Jeremy Piven als schmieriger US-Botschafter. Auch Kyle Chandler macht seine Sache gut; leider ist sein Kurzauftritt aber an sich nicht einmal als Cameo zu werten. Im Gegensatz zu Regisseur Peter Berg, der bei der FBI-Einsatzbesprechung zu Beginn kurz zu sehen ist.
Mit hochkarätigen Darstellern bis in die Nebenrollen besetzt gelingt der Produktion ein sehr authentisches Szenario – beängstigenderweise.

Dass Regisseur Berg ein Faible für Handkameraeinstellungen hat, konnte man bereits bei Welcome to the Jungle [2003] sehen – daran hat sich leider nichts geändert. Durch die beinahe schon chaotische Inszenierung zu Beginn sorgt er allerdings auch für einen entsprechenden Realismus, der aber stellenweise nicht hätte sein müssen.
Glücklicherweise ändert sich das Bild nach dem ersten Drittel, so dass man die exzellente Optik des Films zusammen mit ebenso fremdartigen wie vertrauten Perspektiven der arabischen Stadtteile und die hervorragende Schnittarbeit genießen kann. Was die Macher allerdings beim Finale aus dem Hut zaubern, stellt abgesehen von Das Bourne Ultimatum [2007], alle Actionfilme der jüngsten Zeit in den Schatten. Der Shootout in einem Hinterhof Riyadhs zählt zu den bestchoreografierten seiner Art und ist ebenso schweißtreibend wie erdrückend geraten.
Auch hier wird deutlich, was bei der gesamten Produktion zu loben ist. Seien es nun Innenaufnahmen in den Büros, einer Turnhalle, dem Unglücksort in der Wohnsiedlung, den Überflügen über die Straßen und Stadtteile Saudi Arabiens oder irgendeine Bildaufnahme, die in Riyadh stattgefunden haben soll; es scheint, als hätten die Macher tatsächlich dort gedreht. Tatsächlich wurden nur einige Aufnahmen vor Ort gemacht und der Rest entstand in Arizona, doch ein so authentisches Bild bekam man selten vermittelt.
Nicht zuletzt dadurch wird die sehr dokumentarische Optik des Thrillers veredelt.

Die musikalische Untermalung durch Danny Elfman ist schwer einzuschätzen, auch wenn die Klänge die Atmosphäre des Films gekonnt unterstützen. Stellenweise erinnern die Kompositionen an Men in Black [1997], meistens allerdings scheint es, als würde der Komponist alle möglichen Stilrichtungen zusammenwerfen und darauf hoffen, dass etwas dabei herauskommt. Dabei ist die Musik nicht wirklich unpassend, scheint sich aber nur in zwei Bereiche zu gliedern; entweder der Zuschauer wird mit den ruhigeren Gitarrenklängen verwöhnt, oder aber mit einem Wust aus Elektronik, Geräuschen und Orchester überladen, der zwar entfernt an John Powells Bourne-Trilogie erinnert, aber weit weniger Facetten bietet.
Der Score passt im Film zwar ganz gut, für sich allein genommen bietet er aber schlicht zu wenig Substanz – auch wenn er erfreulich anders ist, als die kinderfreundlichen Themen, die Elfman zuletzt schrieb. Dass einige Male etwas vom sehr guten Planet der Affen [2001]-Soundtrack durchklingt bringt aber leider nicht den notwendigen Kick.

Blickt man nach den knapp zwei Stunden auf den Film zurück, so scheint es im ersten Moment, als hätte The Kingdom länger gedauert, als er tatsächlich hat. Und das, obwohl die Story selbst nicht so komplex geraten ist. Dies liegt aber nicht daran, dass der Film selbst langatmig geraten wäre, sondern vielmehr an dem Umstand, dass man mit so vielen Details und Einzelheiten konfrontiert wird, die in sich aufzunehmen einfach eine Weile dauert.
Durch den Schnitt im Erzählrhythmus vor dem Finale erhält der Thriller noch eine deutlich actionlastigere Note. Es sind aber letztlich die Darsteller und die tadellose Umsetzung, die Peter Bergs Regiearbeit auf das hohe Niveau heben, auf dem er liegt. Dass die Story sich die Zeit nimmt, die arabischen Hintergründe zu beleuchten, ist dem Skript hoch anzurechnen.


Fazit:
Gerade in der heutigen Zeit ist die Gefahr bei Filmen groß, die den Terrorismus zum Inhalt haben, dass sie den Zuschauern nur Angst machen wollen, anstatt die möglichen Hintergründe hinter den Taten aufzuklären. Und da man jeden Tag in den Zeitungen von neuen Anschlägen durch islamistische Fundamentalisten lesen kann, liegt es auch Nahe, beides zu kombinieren.
Umso besser, dass Operation: Kingdom diesen Fehler nicht begeht. Zwar stehen die Ermittlungen um die Hintermänner hinter dem feigen Bombenanschlag im Mittelpunkt, doch bekommt man als Zuseher auch die Gebräuche, Lebensweisen und Ansichten all jener Araber vermittelt, die sich an ihre Glaubenslehren halten, anstatt sie zu pervertieren und der Gewalt zu frönen.
Diese Einblicke sind nicht nur willkommen, sondern rücken den Film auch in ein anderes Licht, als man zunächst annehmen mag. Dank der tadellosen Umsetzung, der durchweg guten Darsteller und der spannenden Dramaturgie zählt The Kingdom bislang zu den eindeutigen Empfehlungen des Kinojahres. Wenn man sich denn mit der Thematik auseinandersetzen möchte.


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