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Nightmare – Mörderische Träume [1984]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. November 2015
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: A Nightmare on Elm Street
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1984
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Wes Craven
Musik: Charles Bernstein
Darsteller: Heather Langenkamp, Amanda Wyss, Robert Englund, Johnny Depp, Ronee Blakley, Jsu Garcia, John Saxon, Charles Fleischer, Joseph Whipp, Lin Shaye, Joe Unger


Kurzinhalt:

Als die befreundeten Jugendlichen Tina (Amanda Wyss), Nancy (Heather Langenkamp) und Glen (Johnny Depp) entdecken, dass sie derzeit in ihren Alpträumen von demselben entstellten Mann (Robert Englund) verfolgt werden, ahnen sie zwar, dass irgendetwas Schlimmes geschieht, doch sie können sich nicht dagegen wehren. Wenig später gibt es eine schlimm zugerichtete Leiche. Nancys Vater Donald (John Saxon), selbst Polizist, leitet die Ermittlungen. Er schlägt die Warnung seiner Tochter in den Wind und ahnt gar nicht, in welcher Gefahr sie sich tatsächlich befindet ...


Kritik:
Wes Cravens Nightmare – Mörderische Träume begründete nicht nur eine langlebige Horror-Filmreihe, sondern etabliert auch eines der beunruhigendsten Filmmonster. Doch so wegweisend manche Ideen hier auch waren, in seinen mehr als dreißig Jahren seit seiner Veröffentlichung hat der Film merklich gelitten. Weniger das Konzept, als vielmehr die Umsetzung. Auch wenn er heutigen Filmemachern ein Lehrstück sein sollte, kaum ein Horrorklassiker bietet sich so für eine Neuinterpretation an, wie dieser.

Das liegt weniger an den typischen Frisuren und Modeerscheinungen der 1980er-Jahre, die hier allesamt prominent in Szene gesetzt sind, als am Aufbau der einzelnen Szenen. Der Film beginnt mit einem Alptraum von Tina Gray, der buchstäblich lebendig wird. Sie träumt, dass sie von einem entstellten Mann durch einen Heizungskeller gejagt wird. An einer Hand hat er vier Krallen, die wie Rasiermesser aussehen. Als sie aufwacht, ist ihr Nachthemd zerschnitten, genau dort, wo der Angreifer sie getroffen hat.

Dass Fred Krueger seine Opfer in ihren Träumen verfolgt, macht ihn umso Furcht einflößender, denn nicht nur, dass es kaum möglich ist, auf Kommando einzuschlafen, wenn man nicht müde ist, es ist ebenso schwer möglich wach zu bleiben, wenn man todmüde ist. Als die vier befreundeten Jugendlichen Tina, Nancy, Rod und Glen bemerken, dass sie Alpträume von und mit derselben Figur haben, ist es an sich schon zu spät und kurz darauf gibt es die ersten Leichen zu beklagen. Wes Cravens größtes Story-Manko ist hier, dass er in Nightmare keine eindeutige Mythologie etabliert.

Hat es zu Beginn noch den Anschein, als würde Krueger die Welt der Träume kontrollieren und könne seine Opfer nur jener Welt dahinmeucheln, erhängt er wenig später ein Opfer in der wirklichen Welt. Statt zudem den Hintergrund der Figur Stück für Stück zu entblättern, wird dem Zuschauer die Erklärung in einer Szene kurz vor dem dritten Akt auf dem Silbertablett präsentiert. Hier wäre Potential für ein Mystery-Element gewesen. Dafür gestaltet Craven seine Heldin aktiver als in den Horrorfilmen des vergangenen Jahrzehnts. Nancy wehrt sich gegen Krueger und geht sogar zum Angriff über. Damit löst sie sich glücklicherweise aus der Opferrolle, in der viele Slasherfilme ihre Protagonisten sehen. Ob die Art und Weise wie sie es tut, auch Sinn macht, sei dahingestellt.

Die Traumsequenzen sind von der Idee her gut gedacht und insbesondere in Kruegers Keller beunruhigend verwinkelt zum Leben erweckt. Dafür stören viele der praktischen Trickeffekte, die selbst 1984 nicht überragend ausgesehen haben. Dadurch, dass sich Nightmare stärker als andere Filme auf einen Fantasy-Aspekt verlässt, muss der Film übersinnliche Elemente darstellen. Das war in den zwei Jahre zuvor erschienenen Poltergeist [1982] oder Das Ding aus einer anderen Welt [1982] zeitlos beeindruckend gut gelungen – hier nicht so sehr. Schneidet sich Krueger buchstäblich ins eigene Fleisch, um seinen Opfern einen Vorgeschmack dessen zu geben, was sie erwartet, erkennt man den Make-up-Effekt und blenden wirkliche und Traumwelt ineinander, ist es viel zu offensichtlich. Hierzu trägt auch die typische 80er-Jahre Musik von Charles Bernstein bei, die das Filmthema viel zu laut und zu oft einspielt und in den temporeichen Momenten arg poppig klingt.

Sieht man sich diese Punkte an, dann könnte man meinen, Nightmare – Mörderische Träume wäre ein enttäuschender Film, doch man darf nicht vergessen, zu welcher Zeit und mit welchem Budget er entstand. Die Ideen, angefangen von den lebendig gewordenen Alpträumen bis hin zu einem Bösewicht, der sie kontrollieren und für sich nutzen kann, sind sehenswert und haben das Genre geprägt. Auch setzt Wes Craven mehr auf die Ausgestaltung der Spannung, als auf die Gewalt. Jahrzehntelang haben Filmemacher darauf aufgebaut. Das will was heißen.


Fazit:
Ja, die Darsteller sind nicht in dem Maße gefordert und auch die Dialoge bestehen den Test der Zeit nicht so gut wie bei anderen Horror-Klassikern. Dafür würzt Filmemacher Wes Craven seinen Streifen mit erfreulich viel Humor. Viele Elemente in Nightmare – Mörderische Träume sind nicht gut gealtert, doch das schmälert weder die Ideen hinter der Story, noch den beunruhigenden, einem buchstäblichen Alptraum entsprungen scheinenden Fred Krueger. Die Arten, wie dieser seine Opfer holt, werden von Mal zu Mal grausamer und doch gibt es eine Erklärung für das, was er tut. Dass Craven seiner Mythologie nicht treu bleibt, ist schade und auch viele andere Dinge sind typisch für Filme aus den 80er-Jahren. Immerhin steigert das den Nostalgiewert.    


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