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Nie sollst du vergessen [2004]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. April 2005
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: A Traitor of Memory
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Brian Stirner
Musik: Robert Lockhart
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, David Calder, Patrick Kennedy, John McGlynn, Michael Culkin, David Burke, Anthony Higgins, Lesley Vickerage, Mandy More


Kurzinhalt:
In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Martin (Mandy More) mit einem Auto überfahren und getötet – währenddessen versagt bei ihrem Sohn, dem Geigenvirtuosen Gideon Martin (Patrick Kennedy), den sie seit Jahren nicht gesehen hat, das Talent und er schließt sich in seine Kabine ein. Wie paralysiert ist er nicht mehr in der Lage, auch nur eine Note zu spielen, sehr zum Missfallen seines Vaters und Mentors Richard Martin (David Calder), der bemüht ist, den Schaden bei der Presse in Grenzen zu halten.
Inspector Lynley (Nathaniel Parker) wird zusammen mit Barbara Havers (Sharon Small) von seinem Vorgesetzten Superintendent Webberley (David Burke) persönlich auf den Fall angesetzt. Doch wie das Ermittlerduo herausfindet, war Webberley zusammen mit Detective Sergeant Leach (John McGlynn), der als erster den Tatort betrat, vor 20 Jahren bei einem anderen Fall mit den Martins zuständig.
Wie es scheint sind Havers und Lynley in eine weitaus größere Ermittlung verstrickt, als sie zuerst ahnten, und während jeder ihre Schritte genaustens beobachtet wird, bahnt sich eine viel größere Katastrophe an ...


Kritik:
Hat man als Kenner und Fan der Ermittler-Reihe um Inspector Lynley und Barbara Havers nach dem doch recht schwachen Staffelauftakt in Undank ist der Väter Lohn [2004] auf einen packenden Fall gehofft, ist die Ernüchterung nach Nie sollst Du vergessen erst einmal recht groß. Zwar werden die beiden Hauptfiguren endlich ein wenig weiter gebracht, und auch in Lynleys Ehe scheint es voran zu gehen, allerdings ist der Fall erneut bedeutend simpler gestrickt, als es den Anschein hat, und während interessante Nebenhandlungen gänzlich vernachlässigt werden, hat man als Krimifan die Auflösung schon nach der Hälfte erraten.

Drehbuchautor Kevin Clarke adaptierte hier erneut einen Roman der Serienerfinderin Elizabeth George – dies ist übrigens der vorerst letzte Film der Reihe, der auf einer Vorlage basiert, die kommenden Fälle sind speziell für die Reihe geschrieben worden, wobei das Skript jedoch die Endkontrolle von George überstehen musste.
Was an diesem Drehbuch auffällt ist erneut die Tatsache, dass die verschiedenen Handlungsebenen mehr oder weniger holprig eingeführt werden; sei es nun der Geigenvirtuose, dessen Kräfte versagen, oder der anfängliche Mord, jedes mal wird man als Zuseher in die Szene hinein geworfen und kann sich darin doch nicht richtig zurecht finden.
Was aber regelrecht ermüdet ist die Tatsache, dass die Story auch im Verlauf nicht mitreißender wird. Es werden Morde an hochrangigen Polizisten begangen und dekorierte Ermittler verhalten sich in einem Maße nicht nachvollziehbar, dass man an deren Geisteszustand bisweilen durchaus zweifeln darf. So scheint die letztliche Auflösung nicht nur arg konstruiert und erzwungen, sondern auch das Motiv ergibt keinen rechten Sinn – dabei nicht nur beim ersten Mord, sondern vor allem bei den darauffolgenden.
Doch als wäre das nicht genug, ermüden auch die Streitereien zwischen Lynley und Havers, wobei sich erster diesmal seiner Kollegin gegenüber nicht nur unfreundlich verhält, sondern seine Entscheidungen auch ihre Kompetenz anzweifeln – statt also ihr Selbstvertrauen zu stärken, wird sie durch seine Bevormundungen nur noch mehr deprimiert, wie der Zuschauer übrigens auch.
So können sich Fans der Reihe weder an den Figuren recht erfreuen, die hier einmal mehr gänzlich anders reagieren und handeln, als man das von den letzten Fällen her gewohnt ist, noch am eigentlichen Krimi, der als solcher zu wenig Substanz besitzt.

Auch die Darsteller scheinen bei den Dreharbeiten nicht gut gelaunt gewesen zu sein, einzig Sharon Small kann als Constable Havers überzeugen, wohingegen Nathaniel Parker mit seiner verkrampften Mimik so gar nicht ins Bild passen will. Dass er sich als leitender Ermittler sowohl von seinem langjährigen Kollegen, als auch von Zeugen und Betroffenen auf der Nase herum tanzen lässt, sieht ihm zudem gar nicht ähnlich.
David Calder macht ebenfalls eine gute Arbeit, auch wenn seine Dialoge wenig Zeit dafür lassen; dass er einen eher lautlosen Abgang zu feiern hat, hinterlässt zudem einen bitteren Nachgeschmack. Sein Filmsohn Patrick Kennedy hingegen kann mit seinem eingleisigen Gesichtsausdruck und dem nicht vorhandenen Charisma gar nicht überzeugen. Dass seine Darbietung im Laufe der 90 Minuten immer weniger überzeugend wirkt, macht das Ganze nicht besser.
Michael Culkin spielt zwar nicht schlecht, doch lässt seine Rolle leider nicht mehr Raum für einen tiefgehenderen Charakter.
Enttäuschend sind dabei sowohl John McGlynn, als auch David Burke, die beide nicht überzeugen können. Lesley Vickerage macht ihre Sache zwar ganz solide, doch enden ihre Szenen grundsätzlich dann, wenn sie von den Dialogen her wirklich gefordert wäre.
So kann diesmal auch die Besetzung nicht wirklich überzeugen, und wären da nicht die beiden Hauptdarsteller, gäbe es auch keinen Grund für die Fans, einzuschalten.

Inszenatorisch hinterlässt Brian Stirner zwar einen soliden Eindruck, wartet dabei aber nicht mit interessanten Perspektiven oder wirklich gut choreographierten Schnittwechseln auf.
Was zudem erneut auffällt sind die Defizite bei den Nachtaufnahmen, was sich insbesondere in den Schwarzwerten der Bilder widerspiegelt. Dies ist zum einen zu Beginn sehr deutlich zu sehen, als auch Lynleys nächtlichem Ausflug. Ob dies nun an der Aufnahmetechnik liegt, sei dahin gestellt, Tatsache ist, dass das Bild dadurch einen grieseligen Eindruck macht und nicht mit den übrigen Szenen harmoniert – vielmehr hat man gerade hier das Gefühl, eine Videoproduktion zu sehen.
Dafür erlaubt sich Stirner bei Kamera und Schnitt aber keine Schnitzer und fängt das Geschehen routiniert ein.
Über die faktisch nicht vorhandene Musik von Robert Lockhart braucht man nicht viele Worte zu verlieren, statt das ohnehin nicht sehr spannende Geschehen wenigstens mit einer guten Musikbegleitung zu untermalen, sucht man hier als Zuseher lange – einzig ein paar routinierte (und vor allem bekannte) Themen werden eingestreut, einfallsreiche Momente gibt es jedoch nicht zu entdecken.

Selbiges trifft im Rückblick leider auf den gesamten Krimi zu, der mit keinerlei innovativen Elementen aufwarten kann und sowohl bei der Story um den Mord, als auch bei der Charakterentwicklung des Ermittlerduos enttäuscht. Auch wenn die Leser der Romanvorlage schon nicht wirklich begeistert waren, wartete dieser zumindest mit einer interessanten Erzählstruktur auf und gab sich auch deutlich komplexer – was davon bei Nie sollst du vergessen übrig geblieben ist, gleicht einem 08/15-Krimi, den man schnell wieder vergessen hat.


Fazit:
Es scheint wirklich so, als hätten die Macher ihre Mühe, die Romanvorlagen in das handliche 90-Minutenformat zu pressen – dass dabei bei einer Vorlage mit 700 Seiten Länge einige Handlungsstränge fallen gelassen werden müssen, versteht sich von selbst, wieso aber die zahlreichen Logikfehler des Romans, die beinahe alle Leser beanstandet haben, immer noch enthalten sein müssen, verstehe wer will.
Gleichzeitig ist es unverständlich, wie bei einer derart radikal-notwendigen Kürzung das Endprodukt so wenig mitreißen kann. Regisseur Brian Stirner gibt sich zwar routiniert, auch wenn er seltsamerweise die Umgebung in London nicht in seinen Film mit einbezieht, aber wenn der Krimi selbst nur leidlich spannend geraten ist, die Auflösung vorhersehbar und doch zu unglaubwürdig, und das Geplänkel zwischen Havers und Lynley in Nie sollst du vergessen nur noch wie der Schatten ihrer einstmals so erfrischenden Beziehung wirkt, kann man als Kenner nur daran zurückdenken, dass die Lynley-Mysteries wirklich gute Episoden hatten – diese ist aber keine davon.


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