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Madagascar [2005]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. August 2005
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Madagascar
Laufzeit: 86 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Ben Stiller, Chris Rock, David Schwimmer, Jada Pinkett Smith, Sacha Baron Cohen, Cedric the Entertainer, Andy Richter, Tom McGrath, Christopher Knights, Chris Miller, Conrad Vernon, Eric Darnell, David Cowgill


Kurzinhalt:
Ansich fühlen sich die vier Stars des Central Park Zoo in New York, der Löwe Alex (Ben Stiller), das Zebra Marty (Chris Rock), die Nielpferddame Gloria (Jada Pinkett Smith) und die stets panische Giraffe Melman (David Schwimmer), wie im Himmel auf Erden – sei es nun die tägliche Anerkennung, oder aber die Behandlung mit kulinarischen Köstlichkeiten von den Zoo-Betreibern aus. Und doch zieht es Marty heraus aus der Routine, er will in die Wildnis, seine Heimat, um zu sehen, ob das Gras auf der anderen Seite nicht doch grüner ist.
So beschließt er eines Abends, den Zug nach Connecticut zu nehmen, und büchst aus dem Zoo aus; doch wenig später haben seine drei Freunde die Flucht entdeckt, und machen sich auf, Marty zurück zu holen. Am Hauptbahnhof werden die Flüchtlinge gestellt, und sollen nun per Schiff nach Afrika gesandt werden – doch die militanten Pinguine, die ebenfalls verschickt werden, kapern das Schiff, und so landet das ungewöhnliche Quartett auf einer einsamen Insel. Während sich Marty auch unter den einheimischen Lemuren, angeführt vom selbsternannten König Julien (Sacha Baron Cohen) und seiner rechten Hand Maurice (Cedric the Entertainer), wohl fühlt, zieht es Alex zurück in die Zivilisation-
Doch je länger ihr Aufenthalt dauert, umso mehr wird deutlich, dass die Einheimischen die Hilfe der Neuankömmlinge brauchen, da sie selbst von Raubtieren bedroht werden – doch dann setzt auch bei Alex eine seltsame Veränderung ein, und seine natürlichen Instinkte kommen an die Oberfläche ...


Kritik:
Wirft man in den letzten Tagen und Wochen regelmäßig einen Blick in die Wirtschaftsneuigkeiten aus Hollywood, dann wird klar, weswegen Steven Spielberg trotz seines Erfolges mit Krieg der Welten [2005] vermutlich nicht mehr so ruhig schlafen kann; im Jahr 1994 wurde das Studio DreamWorks SKG gegründet, wobei der Zusatz für die Namen der drei Gründer steht: Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen. Mehr oder weniger überraschend entpuppte sich die Animationsschiene des Studios als überaus erfolgreich und brachte Filme wie Shrek - Der tollkühne Held [2001] oder jüngst Madagascar hervor – tatsächlich waren die Animationsfilme so erfolgreich, dass im Jahr 2004, nach dem weltweiten Erfolg von Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück [2004] die Animation-Studios vom Hauptgeschäft DreamWorks' abgespalten wurden; ein Jahr zuvor musste das CD-Label DreamWorks Records nach mäßigen Absatzzahlen an Universal Music verkauft werden.
Ähnlich könnte es nun dem eigentlichen Studio DreamWorks ergehen, denn inzwischen wurde bestätigt, dass Verhandlungen mit Universal Studios aufgenommen wurden, Spielbergs Studio zu übernehmen. Grund hierfür ist der mangelnde Erfolg bei Realfilmen, prominentestes Beispiel ist der erst vor zwei Wochen angelaufene Michael Bay-Science Fiction-Thriller Die Insel [2005] – bei einem Budget von über 120 Millionen Dollar spielte der Film in den ersten 14 Tagen nur 25 Millionen wieder ein, ein katastrophales Ergebnis.
Währenddessen erfreut sich DreamWorks Animation großen Erfolgs, mit Shrek 2 gelang es zum ersten Mal, den Erfolg der Konkurrenz Pixar mit Findet Nemo [2003] um 60 Millionen Dollar weltweit zu übertreffen, und nach dem eher mäßig erfolgreichen Grosse Haie - Kleine Fische [2004] überzeugt Madagascar aller Kritikerschelte zum Trotz mit für das Studio erfreulichen Zahlen.

Woran das genau liegt, ist schwer zu erklären – woran es definitiv nicht liegt, ist das Drehbuch; auch wenn vier Autoren notwendig waren, um ein Skript für einen knapp 80 Minuten langen Animationsfilm zu zaubern, sie scheinen ansich nicht viel mehr zu Papier gebracht zu haben, als eine Aneinanderreihung von teils bekannten, teils witzigen Sketches, die von einer hauchdünnen Story zusammengehalten werden. Was selbiger jedoch wirklich fehlt, ist eine Aussage, abgesehen von dem üblichen "alles ist gut, wenn wir zusammen sind"-Kalenderspruch, der in den meisten Animationsfilmen nicht fehlen darf. Aber während sich die Konkurrenz Pixar in Toy Story 2 [1999] dem ungewöhnlichen Thema der Freundschaft angenommen hat und gleichzeitig darauf aufmerksam machte, wie schnell heutzutage Spielzeug doch vergessen wird, in Findet Nemo trotz der witzigen Erzählweise eine ansich ernste Story um die Suche nach dem eigenen Sohn erzählte, scheinen die Autoren bei Madagascar buchstäblich nur bis zum nächsten Szenenwechsel zu denken, denn sowohl die Verwandlung von Alex zum Raubtier, das er ist, als auch seine "Heilung" sind derart plakativ und klischeebeladen umgesetzt, dass wirklich nur die kleinen Zuschauer nicht mit dem Augen rollen werden. Auch die Nebenhandlung um die zu vertreibenden bösen Fleischfresser auf Madagascar scheint gekünstelt und vor allem nicht ausgearbeitet.
Wer die vielen Trailer zum Film bereits gesehen hat, und davon ausging, dass sich die Macher die eigentliche Handlung auf der Insel Madagascar für den Film aufsparen würden, und im Vorfeld nicht zu viel verraten wollten, der wird leider enttäuscht, nicht nur, dass die meisten witzigen Szenen bereits in der Werbekampagne gezeigt wurden, auch was die Handlung anbelangt, gibt es im Film nichts neues zu entdecken. Dabei besitzen einige Szenen wirklich ihren Reiz und sind auch ansprechend umgesetzt, doch fehlt der Zusammenhalt innerhalb der Story. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hauptfiguren allesamt zu menschlich ausgefallen sind – was zwar ohne Zweifel kindgerecht erscheint, aber genau dadurch lassen sich die Macher viele Möglichkeiten einer interessanteren Umsetzung entgehen. Als Beispiel sei hier erneut Findet Nemo herangezogen, in dem die tierischen Protagonisten zwar ebenfalls vermenschlicht wurden, aber dennoch durch ihr Äußeres und ihre Bewegungsmöglichkeiten als Tier beschränkt waren, in Madagascar können die Tiere meterweit in die Höhe springen, alle auf zwei Beinen gehen und sich auch sonst in Körperstellungen begeben, die ansich gar nicht möglich sind – dass man aber ohne diese comicartige Angelichung dennoch einen guten Film erzählen kann, haben die Macher von Ice Age [2002] bewiesen.
Was vom Skript übrig bleibt ist ein netter Ansatz mit einer Vielzahl interessanter und eigentlich auch ausbaufähiger Szenen, die sich aber entweder an ein erwachsenes Publikum richten (dank vieler Filmzitate und Anspielungen wie zu American Beauty [1999] oder Planet der Affen [1968]), oder aber an die ganz kleinen – für beide gleichermaßen ansprechend sind nur wenige Momente.

Schwer einzuschätzen ist das Voice-Acting der beteiligten Darsteller, wobei auch hier nach dem jüngsten Pixar-Projekt The Incredibles – Die Unglaublichen [2004] verwundert, dass die DreamWorks Produktionen mehr auf bekannte Persönlichkeiten setzen – so auch bei Madagascar.
Angeführt von einem soliden Ben Stiller, der sich merklich Mühe gibt, seiner Figur sowohl in den ruhigen, als auch in den aufbrausenden Momenten den notwendigen Enthusiasmus mitzugeben (seine ruhigen, bedächtigen Szenen vor dem Finale sind ebenfalls gut gelungen), sticht aus der Truppe vor allem David Schwimmer heraus, der mit seiner hysterischen Verkörperung von Hypochonder Melman genau den Kern der Figur trifft und sie so schnell als den sympathischsten von allen etabliert. Ihm zuzuhören ist wirklich eine Freude, und man könnte ihn sich auch ohne weiteres in anderen Produktionen als Sprachtalent vorstellen.
Sehr wenig zu sagen hat leider Jada Pinkett Smith, die jedoch ebenfalls eine solide Arbeit leistet und der man gerne zuhört. Ähnlich sieht es bei Chris Rock, den man jedoch sehr leicht heraushört, und dem besonders die rasanten Szenen gut gelungen sind. Wenn es um ruhigere Momente geht, wirkt seine nach wie vor recht hektische Art leicht unpassend, aber nie störend.
Im Vergleich zu den großen Pixar-Erfolgen hinterlässt das hier gebotene Voice-Acting zwar einen schwächeren Eindruck, doch da hat die Konkurrenz mit Ice Age eine schlechtere Darbietung vorgelegt.
Wovon Madagascar jedoch in vielerlei Hinsicht lebt sind einerseits die Stimmen von Sacha Baron Cohen und Cedric the Entertainer, sowie von Tom McGrath, der den Anführer der Pinguine spricht. Die übrigen Stimmen sind gut ausgewählt und passen stimmig zum übrigen Gesamteindruck des Films.

Handwerklich hat gerade Pixar in den letzten Jahren immer mehr versucht, einen lebhafteren, natürlicheren Stil anzunehmen, mit bewegten Kamerafahrten, einfallsreichen Perspektiven und geschickten Schärfe-Unschärfe-Einstellungen.
Wer so etwas jedoch beim neuen DreamWorks Animation-Streich erwartet, wird enttäuscht; zwar gibt es eine interessant eingesetzte Zeitlupe, die jedoch bereits den Witz der Szene selbst darstellt, abgesehen davon gibt es nur wenige Momente, in denen die Macher wirklich Mut beweisen, und einfallsreiche Einstellungen wählen – erwähnt sei hier das Erwachen der Protagonisten in den Frachtkisten, oder aber Alex' Erlebnisse mit den Betäubungsmitteln – doch abgesehen davon wurde Madagascar überaus konservativ umgesetzt, hier und da eine kleine Kamerafahrt, die als Parodie auf eine bekannte Szene angelegt ist, jedoch ausgenommen. Dass manche Szenen außerdem wie ein etwas bunt geratenes Musikvideo anmuten, liegt in der Natur des Films, denn passend zur Szene wird häufig gesungene Musik eingespielt.
Enttäuschend ist zudem die Technik, die in Madagascar zum Einsatz kommt; zwar sind die Figuren bisweilen ausgesprochen gut animiert, Alex Haar zählt zu den Highlights des Films, ebenso wie sich bewegende Nüstern, oder die sichtbare Atmung der Figuren, allerdings sieht man bei genauem Hinsehen, dass nur die Vordergründe animiert sind, und gerade die ansich sehr fordernden Szenen auf Madagascar selbst meist mit einem Standbild im Hintergrund, so genannten Matte-Paintings, realisiert wurden. Auch die Wassereffekte sind eine zwiespältige Angelegenheit, denn während manche Einstellungen wirklich gelungen sind, und täuschend echt erscheinen, sieht man in anderen Momente (meist nur wenige Sekunden später) und bevorzugt an der Gischt, dass es sich lediglich um eine Computeranimation handelt.
Vor allem gibt es jedoch keine Bilder, bei denen einem erwachsenen Zuschauer sprichwörtlich der Mund offen stehen bleibt, wie es zum Beispiel bei The Incredibles bei den ausschweifenden Actionszenen der Fall war. Hier haben sich die Macher viel Potential entgehen lassen, und man wird auch das Gefühl nicht los, dass ihnen am Ende die Zeit gefehlt hat, um den Film so detailreich fertig zu stellen, wie man es heute eigentlich von einem neuen Animationsfilm erwarten darf. Das macht die handwerkliche Umsetzung zwar nicht schlecht, enttäuscht aber und hinterlässt letztlich nur einen durchschnittlichen Eindruck.

Ähnlich sieht es mit der musikalischen Umsetzung aus, die aus der Feder von Hans Zimmer stammt – er ersetzte bei der Produktion Harry Gregson-Williams, der dafür Zimmers Stelle bei Königreich der Himmel [2005] einnahm.
Doch von Zimmer selbst ist kaum etwas zu hören, dafür allerlei lizensierte Musik von Vangelis, den Bee Gees und das durchaus passende Lied "What a wonderful World" von Louis Armstrong. Wer zudem einen Blick auf die erschienene Soundtrack-CD wirft, wird feststellen, dass auch dort von den ohnehin nur spärlichen Tracks aus Zimmers Feder sehr wenige tatsächlich von ihm stammen – die übrigen wurden vielmehr von Zimmers Talent-Studio Media Venture verfasst und hören sich auch so an, als stammten sie aus dem Katalog der Komponistenschmiede. Wer also wirklich neue Impulse bei der musikalischen Untermalung sucht, muss bis zum Abspann warten, wo immerhin eine wenige Minuten lange Suite zu hören ist. Überlegt man sich aber, zu welchen Klängen Hans Zimmer fähig war, als er ein bisweilen ähnliches Thema zusammen mit Elton John für Der König der Löwen [1994] vertonte, dann ist der Madagascar-Score für sich allein genommen überaus enttäuschend.
Während des Films fällt das zwar nicht so stark ins Gewicht, immerhin wird man hier ständig mit anderen musikalischen Klängen unterhalten, aber Soundtrack-Sammler können sich die Anschaffung dieser CD redlich sparen, die zu hörende Suite wird sehr wahrscheinlich auf irgendeiner Compilation enthalten sein.

Nimmt man alle Kritikpunkte zusammen, hätte Madagascar ansich eine bedeutend schlechtere Bewertung bekommen müssen, es ist jedoch des nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswertes des Films zu verdanken, dass die knapp 80 Minuten wie im Flug vergehen – interessant wäre es dennoch, hätten die Macher ihre ursprünglichen Pläne verfolgt, und das Drehbuch um eine Aktivisten-Gruppe kreisen lassen, die die Tiere aus den Käfigen befreien möchte, wahrscheinlich hätte sich damit eine durchgängigere Story erzählen lassen.
Nicht auszumalen ist jedoch, die der Film geworden wäre, wäre nicht Regisseur Eric Darnell hinzugestoßen, denn er brachte letztlich die Pinguine an Bord, die zunächst gar nicht vorgesehen waren. Doch da sein Projekt, in dem die vier Pinguine als Rock-Quartett eine Hauptrolle gespielt hätte, vom Studio eingestellt wurde, nahm er sein Konzept mit zu Madagascar und bescherte den Zuschauern damit nicht nur die witzigsten Figuren im Film, sondern mit der buchstäblich eiskalten-Feststellung von einem der fracktragenden Tiergenossen, auch den besten Spruch des Films.
Manch ein amerikanisches Kind wird allerdings enttäuscht sein, denn abgesehen von den Pinguinen, sind weder Löwen, noch Zebras, Giraffen oder Nielpferde im Central Park Zoo untergebracht.


Fazit:
Dass Kinder bei Madagascar auf ihre Kosten kommen werden, sei unbestritten, aber während Pixars bisherige Werke sowohl für kleine, als auch für große Zuschauer ihren Reiz boten (wenn auch auf verschiedenen Ebenen), finden Erwachsene Zuschauer nur wenig zu Lachen, bei DreamWorks neuestem Animations-Hit.
Wieder wett gemacht wird dies vor allem durch die Figuren der Pinguine, die aber zu selten zu sehen sind, und auch die Lemuren-Sequenz sorgt für Lacher. Doch sind die 85 Minuten erst einmal vorbei, ist die Ernüchterung groß, denn weder technisch, noch inhaltlich hat der Film neues zu bieten – im Gegenteil, eine richtige Aussage sucht man vergebens, und auch wenn die handwerkliche Umsetzung durchweg gut geraten ist, es gibt kaum eine Szene, die einem dauerhaft im Gedächtnis haften bleibt.
Sein Publikum hat Madagascar sicher gefunden, und so schlecht, wie er beim Kinostart gemacht wurde, ist er nicht, aber enttäuschend angesichts der großen Werbekampagne und den Möglichkeiten der Ausgangslage. Da die Videoveröffentlichung jedoch noch in diesem Jahr stattfinden wird, muss man sich allerdings ernsthaft die Frage stellen, ob ein Kinobesuch unbedingt notwendig ist.


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