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Lost: Staffel 1 [2004 / 2005]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. März 2020
Genre: Drama / Fantasy

Originaltitel: Lost: Season 1
Laufzeit: 1071 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004 / 2005
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: J. J. Abrams, Jack Bender, Kevin Hooks, Michael Zinberg, Tucker Gates, Greg Yaitanes, Marita Grabiak, Stephen Williams, Rod Holcomb, Daniel Attias, Robert Mandel, David Grossman
Musik: Michael Giacchino
Besetzung: Matthew Fox, Evangeline Lilly, Naveen Andrews, Terry O’Quinn, Josh Holloway, Jorge Garcia, Yunjin Kim, Daniel Dae Kim, Emilie de Ravin, Dominic Monaghan, Harold Perrineau, Maggie Grace, Ian Somerhalder, Malcolm David Kelley


Kurzinhalt:

Als Jack Shephard (Matthew Fox) erwacht, sieht er sich einer wahr gewordenen Katastrophe gegenüber. Als Überlebender eines Flugzeugabsturzes, versucht er nicht nur, den anderen zu helfen, sie alle müssen sich, nachdem der erste Schock überstanden ist, mit ihrer neuen Situation auseinandersetzen. Abgestürzt auf einer scheinbar verlassenen Insel, kommt keine Rettung. Als sie einen alten Funkspruch auffangen wird klar, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint. Aber nicht nur, dass ihre Umgebung sie vor ungeahnte Herausforderungen stellt, sie alle finden sich mit Fremden an diesem Ort wieder, die aus unterschiedlichsten Gründen in jenem schicksalshaften Flugzeug gesessen haben. Angefangen von Kate (Evangeline Lilly), dem Iraker Sayid (Naveen Andrews), dem egoistischen Sawyer (Josh Holloway), dem koreanischen Paar Sun (Yunjin Kim) und Jin (Daniel Dae Kim), die bereits durch die Sprachbarriere von den übrigen isoliert werden, der hochschwangeren Claire (Emilie de Ravin), dem Musiker Charlie (Dominic Monaghan), dem unerwarteten Vater Michael (Harold Perrineau) und seinem Sohn Walt (Malcolm David Kelley), den Geschwistern Boone (Ian Somerhalder) und Shannon (Maggie Grace), dem gutmütigen Hurley (Jorge Garcia), bis hin zu John Locke (Terry O’Quinn), für den auf der Insel ein Wunder wahr wurde. Um das Geheimnis dieses Ortes zu lösen, müssen sie zusammenarbeiten – dabei sind sie nicht so allein, wie sie vermuten …


Kritik:
Die erste Staffel der Mystery-Serie Lost gehört zu den besten Stunden Unterhaltung, die Hollywood je hervorgebracht hat. Nie zuvor war eine derart ineinander verwobene Geschichte auf einem technisch und handwerklich so hohen Niveau präsentiert worden. Und obwohl in 25 Episoden mehr als ein Dutzend Figuren vertieft werden, schwebt über allem die Ungewissheit, wessen sich die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer scheinbar verlassenen Insel gegenübersehen. Zu behaupten, dies wäre sehenswert, ist eine Untertreibung.

Wie außergewöhnlich die Serie insgesamt ist, wird bereits im Pilotfilm deutlich, der in Spielfilmlänge produziert ist. Auch das dreiteilige Staffelfinale behält den sichtbaren Produktionsaufwand bei, während die Folgen dazwischen eine Besetzung vorstellen, die gelungener nicht zusammengestellt sein könnte. Alles beginnt damit, wie Hauptfigur Jack die Augen öffnet, auf dem Boden liegend, und sich an einem Strand wiederfindet, wo er offenbar kurz zuvor einen Flugzeugabsturz überlebte. So erschreckend glaubhaft das Wrack, durch das vier Dutzend Überlebende stolpern, auf der Suche nach ihren Liebsten, ihren Habseligkeiten oder irgendeinem Sinn in alledem, das Tempo, das Lost hier vorgibt, besitzt eine ansteckende und geradezu unwirkliche Dynamik. Inmitten einer paradiesischen Landschaft erblicken diese Figuren einen Alptraum, der kaum zu begreifen ist.
Die erste Staffel umspannt einen Zeitraum von etwas mehr als vierzig Tagen, in denen sich die Überlebenden in kleinen Gruppen zusammenfinden, Spannungen entstehen und über allem die Frage steht, weshalb keine Rettung kommt, weshalb das Flugzeug tausende Meilen vom Kurs abkam – und was es mit der Insel auf sich hat, auf der es offenbar Monster gibt und die Überlebenden regelmäßig um ihre Sicherheit fürchten müssen.

Von einer mysteriösen Botschaft, die seit 16 Jahren gespielt wird, bis schließlich eine Figur auftaucht, die gar nicht im Flugzeug gewesen war, geschieht innerhalb der Gemeinschaft an sich nicht allzu viel, dafür beschäftigen sich die Macher mit den einzelnen Charakteren. Lost erzählt dabei nicht viele Handlungsstränge parallel, sondern konzentriert sich in einzelnen Episoden für gewöhnlich auf eine einzelne Figur. Beginnend bei Arzt Jack, der geheimnisvollen Kate, dem Iraker Sayid, dem Outlaw Sawyer, dem koreanischen Paar Sun und Jin, der hochschwangeren Claire, dem unerwarteten Alleinerziehenden Michael mit seinem Sohn Walt, den privilegiert aufgewachsenen Geschwistern Boone und Shannon sowie dem gutherzigen Hugo, der der Meinung ist, er würde den Menschen um ihn herum Pech bringen, bis hin zu dem mysteriösen John Locke, der mehr über die Insel zu ahnen scheint, als er preisgibt, gibt es viele Figuren – und ihrer aller Hintergründe werden in separaten Episoden in Rückblicken vorgestellt. Lost ähnelt in diesem Bezug was die Erzählung anbelangt einer Zwiebel, bei der Stück für Stück weitere Schichten abgetragen werden, um sich dem Kern der Figuren zu nähern, während die Rückblicke immer weiter in die Vergangenheit reichen.

Dass ihre Schicksale alle miteinander verwoben sind, auf die ein oder andere offensichtliche Weise, wird früh deutlich, ist aber nie übertrieben. Anders könnte es mit dem Mystery-Element der Insel selbst aussehen. Die „Monster“, die die Überlebenden bedrohen, werden verständlicherweise anfangs nicht aufgelöst und je mehr man über sie erfährt, je mehr dieser seltsame Ort selbst vorgestellt wird, umso schwieriger scheint es, alledem eine logische Erklärung verleihen zu können. Dass Lost somit am Ende mehr Fantasy sein könnte, sollte nicht überraschen, schmälert jedoch nicht den Drama-Aspekt, der von allen Beteiligten mit preiswürdigen Darbietungen vorgetragen wird. Die Besetzung könnte unterschiedlicher kaum sein und passt doch derart hervorragend zusammen, als wären sie füreinander bestimmt. Der große Vorteil, die Figuren auf diese Weise zu entwickeln, wird im Laufe der ersten Staffel an einem Projekt deutlich, dessen sich Michael verschreibt und das mit Rückschlägen tatsächlich fertiggestellt wird. Sieht man die Überlebenden am Strand stehen und jubeln, sieht man ihre Wege sich trennen, dann wird das Publikum hier ebenso von ergriffen, wie wenn jemand eine oder einen von ihnen bedroht. Ohne zu wissen, wie all dies geschehen ist, oder wozu, schweißt nicht nur die Figuren in dieser ungewöhnlichen Situation zusammen, sondern das Publikum mit ihnen gleichermaßen.

Handwerklich gibt es bei der ersten Staffel von Lost – mit Ausnahme einiger Trickeffekte abseits des Pilotfilms, die offenbar dem damaligen Stand der Technik geschuldet sind – nichts zu bemängeln. Die Inselszenerie ist fantastisch eingefangen, die Episoden mit einer Dramaturgie für sich und die Storyerzählung über die gesamte Staffel hinweg ebenso versehen. Dass die meisten Episoden mit einem Cliffhanger enden, steigert den Wunsch, die nächste Folge im Anschluss anzusehen, nur umso mehr. Die Besetzung ist durchweg gefordert und ihre Darbietung so greifbar, dass man sich als Teil dieser Gruppe fühlt. Selbst wenn einige Episoden stellenweise mit einer wackligen Kameraführung versehen sind, wird dies nicht zuletzt durch die fantastische, mysteriös zurückhaltende und gleichzeitig getragene Musik von Michael Giacchino wieder wettgemacht. Staffel eins von Lost ist als Gesamtpaket derart gelungen und die Geschichte so faszinierend aufgebaut, dass es die Macher zugegebenermaßen schwerhaben werden, hieran anzuknüpfen.


Fazit:
Ausgehend von einer schrecklichen Tragödie erzählen die Macher von Lost eine Geschichte, deren Zusammenhänge mit zunehmendem Verlauf immer noch mysteriöser werden, als dass sie Klarheit bringen. Kann man den Aufbau dieser zusammengewürfelten Gemeinschaft beobachten, ist das nicht nur faszinierend, sondern man selbst wird gewissermaßen ein Teil davon. Handwerklich hervorragend und durchweg auf Kino-Niveau präsentiert, empfiehlt sich die erste Staffel für Fans von storygetriebenen Mystery-Erzählungen. Die Entwicklungen der ersten 25 Episoden sind ebenso unvorhersehbar wie packend dargebracht, die auf die einzelnen Charaktere zugeschnittene Erzählweise ebenso ungewöhnlich wie effektiv. Dies ist eine der Sternstunden qualitativ erstklassiger Unterhaltung, außergewöhnlich gespielt, einfallsreich und mitreißend aufgebaut. Auch nach mehr als 15 Jahren noch.
 


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