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Lethal Weapon 2 - Brennpunkt L.A. [1989]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Juli 2004
Genre: Thriller / Action / Komödie

Originaltitel: Lethal Weapon 2
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1989
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Richard Donner
Musik: Michael Kamen, Eric Clapton, David Sanborn
Darsteller: Mel Gibson, Danny Glover, Joe Pesci, Joss Ackland, Derrick O'Connor, Patsy Kensit, Darlene Love, Traci Wolfe, Steve Kahan, Mark Rolston, Jenette Goldstein, Mary Ellen Trainor


Kurzinhalt:
Bei einer Verfolgungsjagd stoßen Martin Riggs (Mel Gibson) und Roger Murtaugh (Danny Glover) auf dunkle Machenschaften, die ein Ring angeführt von dem südafrikanischen Diplomaten Arjen Rudd (Joss Ackland) in den USA betreibt. Zwar sollen die beiden Polizisten den wichtigen Kronzeugen Leo Getz (Joe Pesci) bewachen, der eben gegen diese Diplomaten aussagen soll, doch ermitteln die Polizisten eigenständig weiter.
Rudd und seine Schergen schrecken aber nicht davor zurück, sich mit der Polizei anzulegen und bedrohen gar Murtaughs Familie. Und während sich Riggs in Rudds Sekretärin Rika van den Haas (Patsy Kensit) verliebt, ahnt er nicht, dass ihn und Rudds Handlanger Pieter Vorstedt (Derrick O'Conner) weit mehr verbindet, als es zunächst scheint.


Kritik:
Mit inzwischen 58 Jahren ist Danny Lebern Glover knapp zehn Jahre älter als sein Filmpartner Mel Gibson. Am 22. Juli 1946 in San Francisco geboren, feierte der Darsteller sein Debüt in Flucht von Alcatraz [1979], nachdem er das San Francisco State College abgeschlossen hatte und den "Black Actors' Workshop" des American Conservatory Theatre besucht hatte. Der 1,91 m große Darsteller wurde durch seine Rolle in Die Farbe Lila [1985] international bekannt, der Durchbruch gelang ihm jedoch an der Seite von Mel Gibson in Lethal Weapon [1987]. Und doch ist Glover weit weniger in großen Hollywood-Filmen zu sehen wie sein Kollege, dafür findet er immer wieder die Zeit, in kleineren Filmen mitzuspielen, für die er unter anderem zahlreiche Emmys und andere Auszeichnungen erhalten hat, darunter für seine Darbietung in Mandela [1987] und jüngst Freiheitsmarsch [2000]. 1998 wurde er zum UN-Botschafter ernannt. Als Schauspieler ist Glover weiterhin viel beschäftigt, doch bleibt sein großer Erfolg außerhalb der Lethal Weapon-Reihe leider aus.

Das Drehbuch von Lethal Weapon 2 ist dabei auf ihn mit einem Thema zugeschnitten, das heute leider so brisant ist, wie vor 20 Jahren, als der Film in den Kinos lief.
Wer der irrigen Annahme unterliegt, dass die Unterdrückung und der Rassenhass in Südafrika auf Grund der schwarzen Bevölkerung geringer sei, als beispielsweise in den USA, der unterliegt einem Irrtum. Apartheid, an sich ein afrikanisches Wort für "Trennung", war dort von 1948 bis 1994 sogar eine von der Nationalen Partei getragene Politik zwischen der weißen und nichtweißen Bevölkerung. Diese Politik sollte die "gesonderte Entwicklung" der verschiedenen ethnischen Bevölkerungsanteile und vor allem die Vorherrschaft der Weißen sichern. Seit 1950 besaßen die Weißen sämtliche sozialen, politischen und kulturellen Privilegien – eine strikte Rassentrennung war an der Tagesordnung. Nelson Mandela, Anführer des African National Congress, verhandelte mit der Regierung über einen Abbau des Apartheidsystems und erreichte 1990 eine Aufhebung der gesetzlichen Trennung von Weißen und Nichtweißen in öffentlichen Einrichtungen. Ein Jahr später wurde die Rassentrennung in Wohngebieten aufgehoben. Im April 1994 wurde die Apartheidgesetzgebung endgültig aufgehoben, nur wo sie heute überall noch praktiziert wird, möchte man sich gar nicht vorstellen.
Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Südafrika zweifelsohne fällt ist "Krügerrand". Als ein 1967 eingeführtes, gesetzliches Zahlungsmittel, bestimmt sich der Wert der Krügerrand-Goldmünzen hauptsächlich durch den aktuellen Goldwert. Durch ihre Feinheit von 22 Karat liegt das Gewicht der Münze mit 33,9 Gramm ein wenig über dem einer Feinunze mit 31,1 Gramm – den rötlich-goldenen Glanz erhält der Krügerrand dabei durch die Beimischung von Kupfer. Benannt nach dem burischen General und späteren Präsidenten Paul Krüger wurde das Gold in der nach ihm benannten Stadt Krugersdorp abgebaut; in der südafrikanischen Provinz Gauteng liegend beheimatet Krugersdorp die meisten Millionäre in Südafrika und ist zugleich die größte Stadt.

Die beiden Elemente, Apartheid und Krügerrand in Lethal Weapon 2 einzubauen war von den Autoren Shane Black, Warren Murphy und Jeffrey Boam (der auch das Skript für Indiana Jones und der letzte Kreuzzug [1989] lieferte) ein intelligenter Schachzug, um die Zuschauer auf die Atmosphäre des Films einzustimmen.
Doch ihnen gelang noch weit mehr: sie hielten sich an alle Regeln, die eine Fortsetzung in jener Zeit befolgen sollte. Noch mehr Action, mehr Humor, eine komplexere Story mit böseren Bösewichtern und mehr Zeit mit dem Duo, das den Zuschauer im Verlauf des ersten Films ans Herz gewachsen war. Zu sehen ist all das bereits in der ersten Szene des Films, bei der das Publikum mitten in eine Actionsequenz geworfen wird, die andere Filme als Finale vorweisen würden.
Nicht nur, dass dem Publikum hier gleich jeder Zweifel am Tempo des Films genommen wird, es wird schon zu Beginn deutlich, dass Roger und Martin seit einiger Zeit Partner sind und zu einem eingespielten Team wurden, wie es das Polizeidepartment noch nicht gesehen hat. Die Chemie zwischen beiden ist seit dem Ende des ersten Films wenn überhaupt dann nur noch dichter geworden. Das wird umso deutlicher, je weiter der Film voran schreitet. Hier zeigt sich, dass Riggs ein Teil der Murtaugh-Familie geworden ist, er kocht, wäscht seine Wäsche bei ihnen und fühlt sich beinahe einsam, wenn er einen Abend nicht bei ihnen verbringen kann. Auch das kurze aber intensive Gespräch zwischen ihm und Trish Murtaugh um Riggs verstorbene Frau macht die Beziehung deutlich. Und während man hier sieht, wie Riggs sich bei der Familie harmonisch eingelebt hat, wird ein noch durchtriebenerer und diabolischerer Bösewicht auf den Plan gerufen und mit ihm das Thema des Rassenhasses, der nicht nur in Südafrika, sondern überall auf der Welt eine nicht zu leugnende Rolle spielt.
Um den Charakteren Raum für eine Weiterentwicklung zu geben, bauten die Autoren eine neue Frau in Riggs Leben ein und führen die Story um seine verstorbene Frau zu einem gekonnten Höhepunkt. Dank der natürlichen Dialoge und der neuen Figuren wirkt Lethal Weapon 2 auch nicht wie ein lahmer Aufguss des ersten Teils. Für Abwechslung sorgt allein schon der neue Charakter von Leo Getz, exzellent verkörpert von Joe Pesci, der neben zahlreichen Lachern aber auch für ernste Momente sorgt. Seine Einführung ist so gelungen wie einfallsreich und macht aus den dreien schon in den ersten Minuten ein Comedy-Team, das man sich anders nicht vorstellen könnte. Dass sich aber auch Riggs und Murtaugh weiterentwickelt haben merkt man besonders an den Szenen, in denen sie sich ohne Worte verständigen, die gleichzeitig die besten Momente des Films darstellen. Besonders zu erwähnen ist hier, wenn Murtaugh seine Marke ablegt, um Riggs zu helfen, oder der stille Moment zwischen den beiden auf der Toilette. Allein diese Szenen lassen keinen Zweifel an der Freundschaft der beiden Männer.
Doch trotz der rasanten Geschichte, die weitaus komplexer geraten ist als man erwarten würde, und der zahlreichen Actionszenen, findet das Drehbuch immer wieder Zeit für erstklassige Dialoge und gelungene One-Liner, die hier auch von den Bösewichtern ausgehen. Neben dem Finale bleibt vor allem die ausnahmslos mitreißende Actionpassage mit dem Abschleppwagen im Gedächtnis. Und auch innerhalb jener Momente gibt es unzählige Einfälle und Ideen, die einen immer wieder überraschen.
Ein besseres Drehbuch hätten die Autoren kaum vorlegen können, um die Filmreihe auf die nächste Etappe zu schicken.

Dies dankt auch die sehr gut aufgelegte Darstellerriege. Danny Glover und Mel Gibson mimen so natürlich, als würden sie sich schon seit Ewigkeiten kennen, ihre Mimik und Gestik wirkt wie die eines alten Ehepaares. Der Wortwitz zwischen beiden, die Verständigung per Blickkontakt und die lockeren Sprüche werden derart ungezwungen vorgetragen, dass man vom ersten Moment an mit ihnen mitfiebert. Zwar hat auch diesmal Gibson mimisch mehr zu tun als Glover, doch was die Zeit vor der Kamera und die Pointen anbelangt, halten sich die Darsteller die Waage und versuchen beinahe, sich gegenseitig zu übertreffen. Die ernsten Szenen zwischen ihnen stehen dabei den actionreichen oder witzigen Abschnitten in nichts nach.
An ihrer Seite ist hier erstmals in der Reihe Joe Pesci zu sehen, der sein komödiantisches Talent vollends entfalten kann. Als dauerquasselnde Nervensäge schafft er es dennoch, dass man ihn als Teil des Teams akzeptiert. Doch auch die übrigen bekannten Schauspieler tragen zur unverwechselbaren Stimmung des Films bei, sei es die Murtaugh-Familie, angefangen von Darlene Love und Traci Wolfe, die bisher nur in den vier Lethal Weapon-Filmen und einigen Fernsehsendungen zu sehen waren. Mit Joss Ackland und Derrick O'Conner fanden die Macher zudem zwei sehr charismatische Darsteller, die hier als Bösewichte einen Gegenpol zu den beiden Helden bilden. Neu im Bunde ist zudem Patsy Kensit, die zwar eine verhältnismäßig kleine Rolle hat, darin aber vollends überzeugen kann.
Auch die Nebencharaktere, darunter bekannte Figuren wie Steven Kahan als Captain Murphy und Mary Ellen Trainor als Polizeipsychologin Dr. Woods tragen zur unverwechselbaren Atmosphäre des Films bei. Dass auch kleinere Nebenrollen wie die übrigen Polizisten des Departments von bekannten Darstellern gespielt werden und auch einige kleinere Dialoge zugeteilt bekommen, spricht einmal mehr für das Drehbuch, das sich viel Zeit für die Figuren nimmt.

Inszenatorisch bewies Regisseur Richard Donner bereits mit dem ersten Film, dass er sowohl ernste Szenen, als auch Actionpassagen ansprechend und mit einem innovativen Auge für interessante Bilder umsetzen kann. Dem Trend bleibt er auch im zweiten Film treu und steigert dabei alle Aspekte, die bereits die Umsetzung des ersten Films einzigartig machten. Neben zahlreichen interessanten Kamerafahrten und imposanten Einstellungen gibt es einmal mehr mitreißende Action und bombastische Settings. Das Haus auf Stelzen ist dabei ohne Zweifel einer der Höhepunkte, aber auch die Verfolgungsjagd mit dem Abschleppwagen, bei der man immer wieder das Gesicht von Mel Gibson zu sehen bekommt, machen einen absolut realistischen Eindruck. Unangefochten ist aber der Aufbau des Shootouts am Strand auf Riggs Wohnwagen. Hier nimmt sich Donner sehr viel Zeit um mit ungewohnten Schnittwechseln eine beunruhigende Atmosphäre zu schaffen, um diese in einem eine Minute dauernden Schusswechsel zum Abschluss zu bringen. Oft kopiert, wurde diese Actionszene nie wieder erreicht.
Auch das Finale an Bord des Schiffes und dem Zweikampf zwischen Vorstedt und Riggs ist nicht besser zu machen. Hierfür arbeitete Donner einmal mehr mit Kameramann Stephen Goldblatt und Cutter Stuart Baird zusammen, die bereits dem ersten Teil sein Aussehen verliehen haben. Dass beide Meister ihres Faches sind, merkt man spätestens, wenn man sich die bei der Heimvideoveröffentlichung beigefügten Featurettes ansieht, in denen deutlich wird, aus wie vielen kleinen Aufnahmen die einzelnen Passagen entstanden sind, und wie übergangslos diese Häppchen zusammengeschnitten wurden.
Das aus der heutigen Zeit bekannte Problem, dass Actionszenen das Gefühl vermitteln, sie wären in unzähligen kleinen Einstellungen gefilmt und dann kontinuitätslos zusammengewürfelt, hat man hier glücklicherweise nie. Inszenatorisch ist der zweite Teil der Reihe vermutlich der beste, auf jeden Fall aber noch etwas besser als der erste.

Auch die Komponisten tragen ihren Teil zum Gesamtbild bei. Während Michael Kamen und Eric Clapton mit ihrer unverwechselbaren Symbiose von instrumentalem Score und Gitarrenspiel eine regelrechte Hymne für die Reihe schufen, holten sie für Lethal Weapon 2 jemanden mit an Bord, der ihre Arbeit auch in den kommenden Teilen begleitet: Den Jazz-Saxophonist David Sanborn. Zusammen mit ihm bereicheren sie den Score um einen melancholischen Aspekt, der die getragene Geschichte und die Tragödien des zweiten Teils gekonnt zum Ausdruck bringt.
Neben den bekannten Themen für Riggs und Murtaugh, die aus dem ersten Teil vertraut sind und hier leicht abgewandelt wurden, finden sich auch die eingängig klingenden Actionmotive wieder, die sich durch viele Kamen-Scores ziehen, in Lethal Weapon aber zu so etwas wie einem Markenzeichen geworden sind.
So eignet sich der Soundtrack nicht nur hervorragend zum Hören ohne den Film, er passt auch ausgezeichnet zum Gezeigten und unterstützt sowohl die Actionpassagen, als auch die ruhigen oder traurigen Momente. Mit ihrem bisweilen fast schon verspielten Score erreichen Sanborn, Clapton und Kamen eine ausnahmslos erstklassige, harmonische und doch einzigartige Musik, die besser nicht hätte sein können und ebenso wie die Buddy-Comedy ein Teil des Franchise geworden ist.
Ebenso gut sind die gesungenen Lieder ausgewählt, die während des Films zu hören sind; sei es der George Harrison-Song "Cheer Down" oder das von Randy Crawford vorgetragene Bob Dylan-Cover "Knockin' On Heaven's Door", das gerade beim Abspann und der Schlusseinstellung des Films die Phantasie des Zuschauers anregte, ob Lethal Weapon 2 gar der letzte Teil der Reihe sein würde.

In der vor einiger Zeit veröffentlichen Director's Cut-Fassung ist der Film auch erstmals ungeschnitten in einer berechtigterweise ab 18 Jahren freigegebenen Version erhältlich. Denn auch wenn es in dem Film viel zu lachen gibt und gerade das komödiantische Zusammenspiel eine große Rolle spielt, so ist die gesamte Lethal Weapon-Reihe ausschließlich für ein erwachsenes Publikum gedacht. Die Brutalität wird dabei noch etwas mehr in der Vordergrund gerückt, als noch im Vorgänger, doch angesichts der Story wirkt das Maß an Gewalt und die Art und Weise wie sie dargestellt wird durchaus gerechtfertigt. Für Kinder oder Jugendliche ist der Film dennoch nicht geeignet.

Als Film gesehen ist Lethal Weapon 2 nicht nur leichter zugänglich als der erste Teil, er ist dank der komplexeren Story, der gesteigerten Action und der noch witzigeren Dialoge einfach etwas besser. Als Fortsetzung machen die Produzenten hier alles richtig, die Neuzugänge bei der Besetzung sind ausnahmslos gut ausgesucht und das Dream-Team Gibson/Glover genießt sichtlich die Zeit vor der Kamera.
Wer immer auf der Suche nach einem harten und doch ausgezeichneten Cop-Thriller ist, der darf sich den zweiten Einstand des Ermittler-Duos nicht entgehen lassen. Es ist der beste der Reihe und bis heute einer der besten seines Genres.


Fazit:
Mit einem Einspielergebnis von weltweit fast 230 Millionen Dollar übertraf Lethal Weapon 2 seinen Vorgänger bei weitem – und das nicht nur dank der gestiegenen Ticketpreise. Regisseur Richard Donner schart einmal mehr das erfolgreiche Team Mel Gibson und Danny Glover um sich, ergänzt es mit Joe Pesci um einen der witzigsten Figuren der gesamten Reihe und wirft sie alle in eine Story, die so brisant wie spannend geraten ist, so viel Witz wie ernste Szenen besitzt.
Die Action ist atemberaubend und doch nicht nur reiner Selbstzweck. Die Story fordert einen auf, mitzudenken und die sympathischen Charaktere machen es einem leicht, sich auf den Film einzulassen.
Der zweite Teil der Lethal Weapon-Reihe übertrifft seinen Vorgänger in allen Punkten und avanciert damit zu einem Meilensteine des modernen Actionthrillerkinos. Und das auch nach 20 Jahren zeitlos, unvergesslich und unverwechselbar.


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