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King Kong und die weiße Frau [1933]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Dezember 2005
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: King Kong
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1933
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack
Musik: Max Steiner
Darsteller: Fay Wray, Robert Armstrong, Bruce Cabot, Frank Reicher, Sam Hardy, Noble Johnson, Steve Clemente, James Flavin


Kurzinhalt:
Auch der Filmemacher Carl Denham (Robert Armstrong) wird von der Depression zurückgeworfen und macht sich deswegen im Jahr 1933 auf, einen Abenteuerfilm zu drehen, in dem er zum ersten Mal auch eine Liebesbeziehung im Vordergrund stehen soll. Für die weibliche Hauptrolle hat er die junge, arbeitslose Schauspielerin Ann Darrow (Fay Wray) auserkoren, die sich zusammen mit Denham und der Crew der Venture auf den Weg zu einer mysteriösen Insel macht, deren Lage Denham auf Grund einer mysteriösen Karte kennt.
Dort, auf Skull Island, entdeckt die Crew, der auch der Draufgänger Jack Driscoll (Bruce Cabot) und der Kapitan Englehorn (Frank Reicher) angehören, nicht nur ein ansässiges Volk, sondern auch eine riesige Mauer, die die Eingeborenen vor etwas schützen soll. Wenig später schon wird Ann von den Eingeborenen entführt, um einer legendären Kreatur als Opfer dargebracht zu werden.
Als Driscoll und Denham mitansehen, wie Ann von einem riesigen Gorilla entführt wird, macht sich Jack auf die Suche nach der jungen Frau, während Carl bereits Pläne schmiedet, wie man aus dem Riesenaffen Profit schlagen kann. Doch die Insel wird von allerlei urzeitlichen Wesen bevölkert, und die Expedition endet in doppelter Hinsicht in einem Fiasko ...


Kritik:
Beinahe 100 Jahre ist es her, dass Albert E. Smith mit Humpty Dumpty Circus [1908] einen der (wenn nicht gar den) ersten Stop-Motion-Filme, in diesem Fall ein Kurzfilm, veröffentlichte und damit eine neue Ära des Filmtricks einläutete. Diese Technik wurde seither in vielen Filmen und vor allem Fernsehproduktionen und Serien wie auch dem Sandmännchen verwendet. Doch gerade die USA und Großbritannien nahmen die revolutionäre Technik – bei der ein einzelnes Bild belichtet, anschließend das gewünschte Objekt minimal verschoben und ein weiteres Bild belichtet wurde, um so die Illusion einer Bewegung bei einem ansich statischen Objekt zu erzeugen – nicht so schnell an, wie europäische Filmemacher.
Zu den Pionieren Hollywoods bei der Stop-Motion-Technologie gehören Willis O'Brien und sein Schüler Ray Harryhausen, der mit der animierten Sequenz bei Jason und die Argonauten [1964] Filmgeschichte schrieb. O'Briens Filmografie umfasst unter anderem die legendäre Erstverfilmung von Arthur Conan Doyles Die verlorene Welt [1925] und ebenfalls unumstößlichen Klassiker King Kong und die weiße Frau.
Die Geschichte des Films um den riesigen Affen, der von gierigen Menschen als Attraktion nach New York gebracht wird, ist dabei mindestens ebenso umfangreich und interessant, wie die Filmstory selbst, und selbst wer diesen Meilenstein der Filmgeschichte noch nicht gesehen hat, wird irgendwann irgendwo ein Bild des behaarten Tieres auf dem Empire State Building gesehen haben – eines der Markenzeichen des Films.

Für das Budget von über einer halben Million Dollar setzten die beiden Regisseure Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper vor über 70 Jahren den klassischen Abenteuerstoff nach einer Idee von Cooper und Edgar Wallace für die Leinwand um – Wallace selbst verstarb während der Dreharbeiten und erlebte die Uraufführung am 2. März 1933 in New York nicht mehr. Zwei Monate zuvor wurde King Kong einem Testpublikum in Kalifornien gezeigt, das bei einer sehr grafischen Szene, bei der eine Gruppe Seeleute in einer Grube landen und von riesigen Wesen, darunter auch eine Spinne angegriffen werden, so sehr in Panik geriet, dass Regisseur Cooper aus dem Film herausschnitt; seither gilt die Szene als verschollen, auch wenn Photos und Storyboards davon existieren. King Kong war der größte Filmstart seiner Zeit beschert, und der Abenteuer-Horror war so ein großer Erfolg, dass er zwischen 1933 und 1952 vier Mal in die Kinos kam, wobei die amerikanischen Sittenwächter immer mehr Szenen aus dem Film entfernten, da sie der Meinung waren, einer aufgeklärteren Gesellschaft wären die Bilder nicht zuzumuten. Erst 1971 wurden viele dieser Szenen für eine weitere Kinoveröffentlichung wieder integriert.
In den USA mussten Fans des Klassikers bis zum Winter 2005 auf eine DVD-Veröffentlichung warten, während Besitzer der LaserDisc sich rühmen konnten, die erste Disc weltweit mit einem Audio-Kommentar zu besitzen. Die in den USA veröffentlichte DVD beinhaltet inzwischen aber nicht nur den Kommentar, viele Dokumentationen, sowie eine überarbeitete Bild- und Tonqualität, sondern auch eine vierminütige Overtüre, die früher vor Filmbeginn in den Kinos gezeigt wurde (ähnlich wie bei Ben-Hur [1959] oder Das schwarze Loch [1979]).
Der größte Leckerbissen für Fans ist allerdings ein Fanprojekt des Herr der Ringe [2001-2003]-Regisseurs Peter Jackson, der zusammen mit Laiendarstellern und der Technik von 1933 die verloren gegangene Spinnen-Gruben-Sequenz nachstellt, wie er sie sich – auch anhand der Drehbuchvermerke – vorstellen könnte. Dabei griff er auf seine reichhaltige King Kong-Sammlung zurück und liefert die erweiterte Sequenz als Bonus auf der veröffentlichten DVD. Auch wenn diese Szene gar nicht gedacht ist, als Bestandteil des Films gesehen zu werden, vermittelt sie doch einen guten Eindruck, was die Regisseure Schoedsack und Cooper realisiert und aus dem Film entfernt hatten.

Was einen Klassiker zum Klassiker macht, ist seine Zeitlosigkeit, sowohl in Bezug auf die Geschichte, als auch deren Umsetzung. Während die Ausgangslage von King Kong ebenso reizvoll wie einfach gehalten ist, ist ihr Verlauf überaus überraschend und einfallsreich – die Machart des Films, insbesondere die Stop-Motion-Technik, ist jedoch so universell beeindruckend, wie man sie sich gar nur vorstellen kann, was insbesondere in denjenigen Szenen auffällt, in denen die Macher einen lebensgroßen Kopf des Riesenaffen zeigen, der animatronisch umgesetzt wurde.
Was Willis O'Brien und sein Team hier leisten ist schlicht atemberaubend, und das auch nach 72 Jahren noch. Was dabei vor allem beeindruckt, ist sowohl die vielseitigkeit der Animation, wenn Kong beispielsweise mit diversen Dinosauriern kämpft, als auch der nahtlose Übergang verschiedener Aufnahmetechniken, wenn eine real verkörperte Ann Darrow ohne merkliche Unterbrechung durch eine animierte Puppe ersetzt wird, Kong die weiße Frau aufnimmt und absetzt, seine Bewegungen im Bildhintergrund Auswirkungen auf die Geschehnisse im Vordergrund haben, und vieles mehr. Die Interaktion, die Steven Spielberg bei dem ersten großflächigen Einsatz der Computertechnik mit Realaufnahmen bei Jurassic Park [1993] Kopfzerbrechen bereitete, scheint hier so leicht von der Hand zu gehen und reizt dennoch das technisch machbare der Filmemacher 1933 bis an die Grenzen aus. Die innovative Technik, ohne digitale Unterstützung, ebnete den Weg für Generationen von Filmemachern (wobei Ray Harryhausen in Jason und die Argonauten zugegebenermaßen die Perfektion jener Technologie und der Verquickung mit Real-Aufnahmen zelebrierte).

Doch während King Kong und die weiße Frau in diesen Belangen ohne Zweifel alle Kriterien eines Klassikers erfüllt, ist er in anderer Hinsicht doch ein Kind seiner Zeit, was man schon daran erkennt, dass der Film trotz der recht langen Lauflänge von über 100 Minuten sehr gehetzt erscheint, und auch wenn den Autoren im Gegensatz zu Fritz Langs philosophischem Metropolis [1927] das Kunststück einer bahnbrechend innovativen Technologie im Einklang mit einer unterhaltsamen Geschichte gelang, wird die Story gerade aus heutiger Sicht durch die Beschränkungen jener Zeit in erzähltechnischer Hinsicht begrenzt.
Dabei sind es weniger die Dialoge, die aus heutiger Sicht hölzern erscheinen, ganz im Gegenteil – dahingehend offenbaren die Drehbuchautoren James Ashmore Creelman und Ruth Rose (Ehefrau von Regisseur Schoedsack) ein glückliches Händchen. Auch die sehr eindimensionale Darstellung der Eingeborenen kann man insofern nachsehen, als dass die Filmemacher jener Zeit ein anderes Publikum ansprechen wollten oder mussten. Es sind vielmehr die fehlenden Hintergründe der verschiedenen Figuren, die stören, und vor allem eine gänzlich ausbleibende Charakterisierung der Figur Kong, die schlichtweg als bösartigs Monster dargestellt wird, mit einem unerklärlichen Interesse an der weißen, blonden Frau. Dass man hier eine richtige Beziehung zwischen Beschützer und Beschützter aufbauen hätte können, zeigt die immerhn 40 Jahre später entstandene Neuverfilmung des Stoffes, King Kong [1976], die immerhin diesen Aspekt etwas weiter ausarbeitete.
Ganz ohne Zweifel hätte man sich für Fay Wray mehr gewünscht, als das Drehbuch ihr letztlich zugesteht, und auch die Figur Carl Denham bleibt blasser, als es notwendig wäre, doch betrachtet man den gesamten Ablauf des Films, gönnen die Macher dem Zuseher keine Erholungspause, vielmehr erzeugen sie von Beginn an eine unheimliche Atmosphäre, die durch zweideutige Ankündigungen und unheilvolle Bilder im Dschungel noch verstärkt wird. Ist Kong aber erst einmal zu sehen, geizen die Macher nicht mit ihrem Protagonisten und schicken die Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt, die bis zur letzten Einstellung mit Denhams legendärer Dialogzeile dauert.

Dass sich die Darsteller dem überdimensionalen Akteur unterordnen müssen, steht außer Frage, und in der Tat hat Fay Wray, die mit dieser Rolle nicht nur im Filmgeschäft unsterblich wurde, sondern gerade in der ersten Hälfte einige wirklich gute Momente besitzt, sehr wenig zu tun. Sie gibt sich jedoch merklich Mühe und harmoniert auch mit Bruce Cabot sehr gut, der als Jack Driscoll zwar ebenfalls unterfordert scheint, aber immerhin einige Male in Aktion treten darf.
Robert Armstrong macht seine Sache wirklich gut und verleiht seiner Figur eben das Maß an Enthusiasmus und Überzeugungskraft, das man von ihr erwartet. Auch Frank Reicher und Sam Hardy machen ihre Sache gut, sind aber selten zu sehen.
Die Besetzung scheint stimmig, aber auf Grund des Skripts nicht in dem Maße gefordert, wie man es von manch anderen Klassikern kennt.

An der handwerklichen Umsetzung gibt es indes nichts zu bemängeln, dass bei den Aufnahmen in New York das auf Grund der Depression herrschende Elend nicht eingefangen wurde, lässt sich auf eine absichtliche Entscheidung der Filmemacher zurückführen, die ihren Film ja als Kontrast zum Alltagsprogramm präsentieren wollten.
Kamera und Schnitt wirken durchweg durchdacht und tragen zum gelungenen Szenenaufbau merklich bei. Die Dschungel-Szenen entstanden zudem auf demselben Set wie diejenigen bei Die Insel des Grauens [1932], in dem ebenfalls Fay Wray mitwirkte. Um das nur 45 Zentimeter große Modell von Kong zum Leben erwecken, wurden zahlreiche Miniatur-Sets gebaut, die bei den Dschungelaufnahmen sowohl künstliche, wie auch echte Pflanzen enthielten. An einem Tag blühte jedoch im Hintergrund eine Pflanze auf, während die Stop-Motion-Spezialisten an den Modellen arbeiteten – der Fehler wurde erst nach Entwickeln des Films entdeckt, und so war ein ganzer Tag Animationsarbeit verloren.
Den Kampf zwischen Kong und dem T-Rex choreografierten die beiden Regisseure überdies selbst.

Einen Großteil zur Dramaturgie trägt auch die Musik des in Österreich geborenen Max Steiner bei, der in seiner immerhin über dreißigjährigen Karriere Hunderte von Scores schrieb und dessen Kompositionen auch nach seinem Tod 1971 in vielen Produktionen verwendet wurden.
Steiner, der Auch die Soundtracks zu Vom Winde verweht [1939], Casablanca [1942] und Arsen und Spitzenhäubchen [1944] schrieb, liefert für King Kong einen monumentalen, klassischen und wuchtigen Score, der das Geschehen jedoch nicht unter sich begräbt, und auch seine leisen Momente besitzt.
Die Musik passt sehr gut zu den Bildern, erinnert zwar auch an andere Komponisten aus jener Zeit und wirkt nicht ganz so abwechslungsreich, wie der immerhin 27 Jahre später entstandene Score zu Die Zeitmaschine [1960], untermalt das Geschehen von King Kong und die weiße Frau treffend und unterstützt in diesem Zug auch die Atmosphäre des Abenteuerfilms.

Vierundvierzig Jahre vor dem vierten Kapitel der Star Wars-Saga, nur sechs Jahre nach Langs legendärem Metropolis und dennoch, oder gerade deshalb zählt King Kong zu den einflussreichsten, prägendsten Filmen der Kinogeschichte.
Dass sich hinter der Geschichte ansich nicht viel mehr als ein Abenteuer-B-Film versteckt, hat nie jemand bestritten, es ist jedoch einerseits die überaus einfallsreiche, weil in mehrerer Hinsicht klassische Geschichte, die den Film auszeichnet, als auch die atemberaubende Machart, die heute zwar antiquiert erscheinen mag, aber weder ihren Charme eingebüßt hat, noch ein mitleidiges Lächeln auf den Gesichtern der Zuschauer hervorruft. Vielmehr muss man den Einfallsreichtum und den gekonnten Einsatz der innovativen Technik bewundern, vor Anerkennung jener Leistung vor über 70 Jahren den Hut ziehen und sich fragen, wie Filmemacher aus heutiger Zeit ihre phantastischen Welten erschaffen würden, könnten sie nicht auf die Hilfe der Rechenmaschinen zurückgreifen.
Die Geschichte ist sicherlich nicht ausgereift, und auch die naiven Figuren bieten genügend Anlass zur Kritik. Dass King Kong dennoch zu begeistern mag, ist die herausragende Machart des Films und die zeitlose Dramaturgie, die eine lange aufgebaute Atmosphäre durch ein wahres Feuerwerk an Abenteuer auflöst, das auch nach so langer Zeit begeistern kann.


Fazit:
Kaum ein Film wird so häufig im selben Atemzug wie der Begriff "Klassiker" genannt, wie King Kong und die weiße Frau – und das zurecht. Dank der bahnbrechenden Tricktechnik, der zeitlosen Abenteuergeschichte, die ebenso viele Überraschungen bereithält, wie für Staunen sorgt, gelingt den Regisseuren Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack ein Kunststück, das auch nach über 70 Jahren nichts von seiner Magie verloren hat.
Die Kritikpunkte, dass Kong selbst keine Persönlichkeit besitzt und lediglich als motivationsloses Monster dargestellt wird, und auch dass die Figuren überaus blaß bleiben, muss man in Relation zur Entstehungszeit des Film sehen, und kann man dann kaum als Schwäche der Produktion bezeichnen.
Hauptakteurin Fay Wray wurde durch King Kong zur Legende und prägte den Ausdruck der sogenannten Scream-Queen. Sie überzeugt, wie auch ihre Kollegen, ohne Schwierigkeiten, steht jedoch hinter einem der einprägsamsten und imposantesten Charaktere der Filmgeschichte zurück. Und einer ansich leblosen Figur wie Kong Leben und Charisma einzuhauchen, ist ein Kunststück, das den Machern damals geglückt ist, das sich bis heute hält – und der Grund, weswegen King Kong den Begriff Klassiker mehr als nur verdient hat.


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