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King Arthur: Director's Cut [2004]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Februar 2006
Genre: Unterhaltung / Action

Originaltitel: King Arthur: Director's Cut
Laufzeit: 136 min.
Produktionsland: Irland / Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Antoine Fuqua
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Clive Owen, Ioan Gruffudd, Mads Mikkelsen, Joel Edgerton, Hugh Dancy, Ray Winstone, Ray Stevenson, Keira Knightley, Stephen Dillane, Stellan Skarsgård, Til Schweiger, Sean Gilder, Pat Kinevane, Ivano Marescotti, Ken Stott


Kurzinhalt:
Nach langer Zeit, neigt sich im fünften Jahrhundert die römische Herrschaft über ihrer Provinz Britannia dem Ende zu; Arthur (Clive Owen), der mit seinen sarmatischen Rittern die Ordnung aufrecht erhält und immer wieder Angriffe der Pikten – Einwohner Britanniens, die sich gegen die römische Befehlsmacht auflehnen – abwehrt.
Doch bevor seine Ritter, darunter auch Lancelot (Ioan Gruffudd), und Arthur selbst die Freiheit vom römischen Kommando zugesprochen bekommen, müssen sie noch einen Auftrag ausführen, der sie tief in feindliches Gebiet führt. Auf dieser Mission befreit Arthur nicht nur die Pikte Guinevere (Keira Knightley), sondern erfährt auch von einer Invasion der Sachsen unter dem Kommando von Cerdic (Stellan Skarsgård) und dessen Sohn Cynric (Til Schweiger), der nicht ins Land gefallen ist, um die Briten zu unterwerfen, sondern um sie auszulöschen – und nun, da sich die römische Armee auf dem Rückzug befindet, ist das Land den Sachsen ausgeliefert. Einzig Arthur und seine Ritter stellen sich den Sachsen in den Weg und liefern sich am Hadrianswall die entscheidende Schlacht ...


Kritik:
Dass Filmemacher Michael Bay bei King Arthur nicht einmal als Produzent in Aktion tritt, ist mehr als nur verwunderlich, immerhin hatte er das Projekt über mehrere Jahre entwickelt und wollte die historisch (vermutlich) authentischere Erzählung der Artus-Legende auch selbst inszenieren. Budget-Beschränkungen ließen den Macher aber der Realisierbarkeit zweifeln – ob seien Federführung bei der Regie das größte Manko von Training Day [2001]-Regisseur Antoine Fuquas Big-Budget-Produktion hätte aushebeln können, darf bezweifelt werden.
Wodurch King Arthur selbst im auf DVD veröffentlichten und gut 15 Minuten längeren "Director's Cut" enttäuscht, ist weniger die handwerkliche Umsetzung, als die Vorlage der vermeintlichen Rittersage.

Nach einer stockenden Einführung in die Situation der römischen Kolonie Britannia wenige Jahrhunderte nach Christus, wird dem Zuseher das Schicksal der Sarmaten-Kinder, die traditionell in den Dienst der Römer gestellt werden, aus der Sicht von Lancelot geschildert. Das Kindheitstrauma, das den Charakter der Hauptfigur Arthur ausmacht, wird innerhalb der Geschichte hingegen in einer kurzen Einstellung so klischeebeladen wie effektlos abgehandelt.
Statt aber wenigstens im Anschluss Arthur als charismatischen Anführer einzubringen, reihen sich wenig aussagekräftige Gemetzel an belanglose Dialoge, denen es vollkommen misslingt, Arthur eine Persönlichkeit, Autorität oder gar militärische Finesse zu verleihen. Dafür wird die Geschichte mit reichlicher Betonung auf den Ehrenkodex und dem Kampf um die Freiheit weitererzählt, wobei auch hier die Hauptfigur weniger für die propagierte Freiheit zu kämpfen scheint, als seine Mitstreiter.
Es dauert ausgesprochen lange, bis Arthurs Antagonist, der Sachse Cerdic, eingeführt wird, ohne dass ihm in seiner Handlungsweise allerdings eine Motivation zuteil würde. So leitet das Skript von einer schicksalsschwangeren Szene mit offensichtlich eingestreuter Botschaft bezüglich Brüderlichkeit, Tapferkeit und Freiheit zur nächsten, vergisst darüber allerdings, eine packende Geschichte zu erzählen. Durch die fehlende Bindung der Zuseher an die Figuren interessiert ihr Schicksal ohnehin nicht, und auch die Bedrohung der übrigen Völker scheint nicht spürbar, die Sachsen abgesehen von ihrer Überzahl auch nicht Furcht einflößend.
Die zum Schluss aufgelöste Liebesgeschichte wird innerhalb der zwei Stunden nur angedeutet, und auch Schlachtszenen finden sich in King Arthur eher selten; dass Drehbuchautor David Franzoni auch für den emotional bewegenden und vielschichtigen Amistad - Das Sklavenschiff [1997] die Vorlage lieferte, möchte man hier kaum glauben. Dafür fehlt es dem Skript an prägnanten Momente, ruhigen Einstellungen und einer Bildersprache, die sowohl die Gefühlswelt der Figuren zum Ausdruck bringen sollte, als auch die Rauheit und Authentizität der Epoche einfangen sollte. So fühlt man sich den Figuren aber nie verbunden, sondern lediglich als Zuschauer einer Sage, die in der mystifizierten Variante erstaunlicherweise auch mehr Tiefgang besitzt.

Auf Grund der schwachen Vorlage, gelingt es auch Hauptakteur Clive Owen nicht, seiner Figur interessante oder faszinierende Facetten zu verleihen. Zwar erscheint er wie gewohnt charismatisch, dabei aber ohne eine einnehmende Ausstrahlung, die Arthur ansich anhaften soll. Seine Mimik wirkt dementsprechend eingefroren und unnahbar, wobei selbst Arthurs Bestreben nach Frieden nur in Worten, nie aber in seiner Körpersprache zum Ausdruck kommt.
Dahingegen überzeugt Stellan Skarsgård immerhin mit einer routinierten Darbietung, bei der er zwar ohnehin kaum gefordert ist und nur wenig zu tun hat, doch ermöglicht es ihm in seine Präsenz, wenigstens die Bösartigkeit seiner Figur auszustrahlen.
Ioan Gruffudd, dem mit Fantastic Four [2005] ein größerer, finanzieller Erfolg vergönnt war, macht seine Sache als Lancelot wirklich gut, zeigt all jene Emotionalität, die Arthur fehlt und bleibt trotz seiner stellenweise tragenden, anderenorts eher untergeordneten Rolle stärker in Erinnerung. Die übrigen Ritter der Tafelrunde, Mads Mikkelsen, Joel Edgerton, Hugh Dancy, Ray Winstone und Ray Stevenson kommen zwar kaum zur Geltung, bieten aber eine solide Darbietung, die jedoch ohne nennenswerte Höhepunkte auskommt.
Keira Knightley wirkt die Figur Guinevere zwar nicht auf den Leib geschrieben, sie scheint sich darin allerdings wohl zu fühlen und überzeugt mit einem soliden Schauspiel. In dem Maße durchgängig ist selbiges bei Til Schweiger allerdings nicht geraten, der gerade zu Beginn unfreiwillig für Schmunzler sorgt, dafür im späteren Verlauf aber etwas an Charakter gewinnt. Als ausgewachsener Bösewicht vermag er zwar nicht zu beeindrucken, zumal nie deutlich ist, ob er letztlich Lancelots oder Guineveres Gegner darstellen soll, alles in allem leistet er aber gute Arbeit.

Dass die Drehorte in Irland genügend malerische Landschaften für bezaubernde Einstellungen bieten, ist unbestritten, doch hätte sich Regisseur Fuqua mit seinem Kameramann Slawomir Idziak (Black Hawk Down [2001]) eher auf eine bedachte, statt eine schnelle Optik konzentrieren sollen. In den Schlachtszenen fehlt einer seits jede Übersicht, andererseits fühlt man sich dennoch nicht als Teil des Geschehens. Die schnellen Schnitte sollen mit endlos langen Zeitlupen wieder aufgefangen werden, die allerdings nur den Eindruck einer Effekthascherei besitzen, wobei gleichzeitig die Massenszenen trotz angeblich mehrerer Hundert Komparsen völlig fehlen. Diese sieht man entweder nur großer Entfernung, doch Kamerafahrten über das gesamte Schlachtgeschehen sucht man vergebens.
Dahingehend muss sich ein Film jenes Themas mit zwei Referenzen messen – dem thematisch ähnlich gelagerten Braveheart [1995] und der Herr der Ringe-Trilogie [2001-2003], die in Sachen Schlachtszenen neue Maßstäbe setzte – und zu behaupten, King Arthur wäre jenen Filmen an überwältigender Optik unterlegen, ist noch eine Untertreibung. Auch die demonstrierte Brutalität wirkt in Fuquas Film unausgeglichen und gleichermaßen erzwungen, kommt die Umsetzung lange Zeit ohne explizite Gewaltdarstellung aus, häufen sich solche Einstellungen in wenigen Minuten, ohne dass man als Zuseher davon aber in einer Weise berührt würde, wie es bei Mel Gibsons Braveheart der Fall war. Die Gewalt wirkt nicht abschreckend, sondern durch die verwackelten, in Zeitlupen gezeigten Bilder auf eine unpassende Art und Weise künstlerisch hervorgehoben. Dass manche Ritter in ihren Kämpfen einen regelrechten Kampfstil mit ausschweifenden Bewegungen einfließend lassen, stört den Realismusgehalt ebenso sehr, wie die mangelnde Vermittlung des eigentlichen Gewichts der Waffen, die hier so gehandhabt werden, als würden sie aus leichtem Plastik bestehen und nicht aus kilogrammschwerem Stahl.
Überzeugte Antoine Fuquas unterschätztes Kriegsdrama Tränen der Sonne [2003] durch erstklassige Bilder und einen ruhigen Aufbau, temporeichen aber nicht hektische Actionszenen, scheint er hier bisweilen der "Krankheit" des Kollegen Michael Bay zu verfallen, der rasende Schnitte und Zeitlupen als Substitut für Dramaturgie und Szenenaufbau sieht.

Auch die musikalische Untermalung unter der Fahne von Hans Zimmer und seinem aus einem halben Dutzend Komponisten bestehenden Ghostwriter-Team der Talent-Schmiede Media Ventures vermag nicht wirklich zu überzeugen. Das liegt zum einen daran, dass dem Score wie schon bei Gladiator [2000] durch die Synthesizer-Herkunft das notwendige Volumen fehlt, aber auch in Bezug auf die Themen gibt es bei King Arthur nichts wirklich neuartiges zu hören. Vielmehr scheint Zimmer darum bemüht, eine Überleitung seines Gladiator-Soundtracks zu Howard Shores kongenialen Der Herr der Ringe-Melodien zu bewerkstelligen, um auf halber Strecke aber zwei wichtige Grundregeln zu vergessen: einerseits wird eine Melodie nicht besser, wenn man sie immer und immer wieder einbringt, andererseits sollten die (vermeintlich) imponierendsten Schlachtszenen auch gänzlich ohne musikalische Begleitung auskommen können.
Doch gerade hier zeigt sich der Score omnipräsent, versucht dem Geschehen das an Struktur zu verleihen, was aus den Kämpfen leider nicht entsteht, und stört bei einigen Einstellungen durch den allzeit präsenten Nachdruck, mit dem Zimmer die Musik einspielt. Dabei ist der Soundtrack alles andere als schlecht, nur zu wenig auf den Film zugeschnitten und zu oft zu hören, als dass man die Melodien schätzen lernen könnte.

Bei einem Budget von 120 Millionen Dollar hatten sich die Macher von Antoine Fuquas Historienfilm viel versprochen – dass er in den USA aber nicht einmal die Hälfte wieder einspielte, war enttäuschend, gleichwohl weltweit die Kosten wieder eingenommen wurden. Unter Fans gilt die "Director's Cut"-Fassung des Films, bei der auch einige Szenen der Kinofassung fehlen, als die bessere Filmversion – dabei leidet auch sie an der Vorlage, der es an Charaktermomenten, Tiefgang und einer packenden Erzählung mangelt.
Der Aufwand war ohne Zweifel vorhanden und talentierte Akteure wurden ebenfalls verpflichtet, doch hätte man sich handwerklich eine passendere, weniger hektische Umsetzung gewünscht, der es auch gelingt, den Schlachten eine Dynamik und eine Struktur zu verleihen. Stattdessen wartet King Arthur mit mittelmäßigen Bildern auf, die mit zahlreichen Farbfiltern zu kaschieren versuchen, dass letztlich nicht Tausende, sondern nur Hunderte Statisten am Werk waren. Kamera und Schnitt lassen Übersicht und Tempo vermissen, wohingegen die nur wenige der routinierten Darsteller im Gedächtnis bleiben. Inhaltlich enttäuscht der Film aber am meisten, gelingt es ihm doch nicht, die Figuren herauszuarbeiten oder aber dem Zuschauer nahe zu bringen.


Fazit:
Motiviert Mel Gibson seine Truppen in Braveheart zur entscheidenden Schlacht, wird die Spannung des Moments für den Zuseher spür-, die Entschlossenheit der Kämpfer sicht- und die Bedrohung durch die Feinde erfahrbar; hadert Arthur alias Clive Owen schon selbst mit seiner Motivation, ist sie bei den einfallenden Sachsen, die bis auf wenige Ausnahmen gesichts- und namenlos bleiben, überhaupt nicht vorgebracht. Selbst die Ritter der Tafelrunde bleiben bis auf wenige Ausnahmen blass und unnahbar, von der mangelnden Autorität der Hauptfigur ganz zu schweigen.
Handwerklich enttäuscht Antoine Fuquas Umsetzung mit einer in Kampfszenen allzeit hektischen, aber wenig zielgerichteten Kameraführung, der es dennoch an Spannung fehlt, zahlreiche Zeitlupen und Schnitte verstärken jenen Eindruck noch, auch wenn insbesondere die Schlacht auf dem zugefrorenen See gefallen kann. Doch wurde man als Zuschauer in den letzten Jahren mit Herr der Ringe richtiggehend verwöhnt, und dagegen kommt King Arthur ebenso wenig an, wie gegen Gibsons Regiemeisterwerk.
Emotional unterkühlt und mit mangelnden Charakterisierungen mag man sich bei dieser historisch korrekteren Erzählung der Artus-Legende zwar durchweg unterhalten, authentisch wirkt das aber selten – und wenn die mystifizierte, magische Erzählung mehr Tiefgang besitzt und mehr mitzureißen vermag, weshalb sollte man dann zu dieser kargen Filmadaption greifen?


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