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Kill Me Again [1989]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 07. September 2005
Genre: Thriller

Originaltitel: Kill Me Again
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1989
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: John Dahl
Musik: William Olvis
Darsteller: Val Kilmer, Joanne Whalley-Kilmer, Michael Madsen, Jonathan Gries, Michael Greene, Bibi Besch


Kurzinhalt:
Eigentlich hätte der hoch verschuldete Jack Andrews (Val Kilmer) wissen müssen, dass der Besuch der schönen Fay (Joanne Whalley-Kilmer) nur Ärger mit sich bringt. Immerhin steht der abgehalfterte Privatdetektiv seit dem Unfalltod seiner Frau vor einem Jahr nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens.
Der Wunsch, den die geheimnisvolle Fay dann an ihn richtet, ist zudem mehr als ungewöhnlich. Sie möchte, dass er sie tötet. Zumindest dem Schein nach. Angeblich auf der Flucht vor einem gewalttätigen Ex-Freund soll Andrews ihren Tod inszenieren, damit sie ein neues Leben beginnen kann. Da Andrews das stattliche Honorar in Höhe von 10.000 Dollar gut gebrauchen kann, um die Geldeintreiber bei Laune zu halten, willigt er schließlich ein.
Kaum ist der Job erledigt, bricht aber schon der Ärger über ihn herein, denn zunächst einmal ist Fay mit der zweiten Hälfte seiner Bezahlung verschwunden, und außerdem sind jetzt nicht nur die Polizei und die Geldeintreiber, sondern auch Fays Verflossener, Vince (Michael Madsen), hinter ihm her.
Mit Hilfe seines Freundes Alan (Jonathan Gries) gelingt es Jack zwar, eine Spur von Fay aufzunehmen; trotzdem rutscht er immer tiefer in die Probleme, zumal auch die Mafia an Fay interessiert ist – und vor allem dem Koffer voller geklautem Schutzgeld ...


Kritik:
Der 1956 geborene John Dahl lieferte mit Kill Me Again einen (fast) mustergültigen modernen "Film Noir" (auch als "Neo Noir" bezeichnet) ab, der gut in die "Schwarze Serie" Hollywoods der 1940er und 1950er Jahre gepasst hätte. Anders als die meisten Genre-Vorbilder entbehrt er allerdings größtenteils nächtlicher oder zumindest verregneter Szenarien und Showdowns. Im Gegenteil verlagert Dahl seine Geschichte gezielt in die gleißende Sonne Nevadas und selbst ein Ausflug in die Glücksspiel-Glitzer-Metropole Las Vegas findet am Tag statt, was auf der Leinwand schon generell selten genug geschieht.

Bevor Dahl jedoch 1988 mit der Verfilmung von Kill Me Again begann, hatte er bereits erste kleinere Erfahrungen im Filmgeschäft gesammelt. Sein Drehbuch P.I. Private Investigations [1987] war kurz zuvor verfilmt worden, und bei den Filmen Gefährliche Freundin [1986] und Die Mafiosi-Braut [1988] stand er für die jeweiligen Art Departments als Story-Boarder am Zeichenbrett. Während er für den erstgenannten allerdings noch ohne Erwähnung in den Credits blieb, war er für den zweiten zudem noch als visueller Berater tätig. Direkt nach diesen kleineren Jobs folgte dann sein Debüt als Regisseur; dennoch hätte alles ganz anders kommen können: Auf dem College belegte der junge Mann zunächst Kurse für Psychologie und abnormes Verhalten und dachte kurzfristig sogar daran, Psychiater zu werden. Diesen Gedanken ließ er später bekanntermaßen wieder fallen und besuchte die Kunstschule, was ihm schließlich die Qualifikation für die Jobs am Story-Board einbrachte.
Für sein Independent-Projekt Kill Me Again schrieb Dahl das Buch, welches er mit David W. Warfield zum fertigen Drehbuch ausarbeitete. Warfield und seine Partner Sigurjon Sighvatsson und Steve Golin produzierten den Film im Ergebnis, der für die "Propaganda Films Production" mit einem auf vier Millionen Dollar geschätzten Budget hergestellt wurde.
Der aus Montana stammende Dahl drehte zum großen Teil an Original-Schauplätzen in Lake Mead, Las Vegas, und Reno im Bundesstaat Nevada. Witzigerweise sollte er Jahre später im Zuge der Dreharbeiten für seinen Film Joyride [2001] noch einmal an die Tankstelle vom Ende dieses Films zurückkehren. Aber selbst an kleinen geplanten Insider-Gags fehlt es weder dem Skript noch dem endgültigen Film. So setzt sich zum Beispiel die neue Identität von Fay, "Vera Billings", aus dem Namen von Dahls Heimatstadt (Billings) und dem Namen einer Ex-Freundin zusammen. Weniger geplant war hingegen ein Scherz des Art Departments, welches die Adresse des Privatdetektiv-Büros von Jack Andrews (in den "Gelben Seiten") in die "Dahl Avenue" verlegte – zu diesem Zeitpunkt wussten sie gar nicht, dass man eine Großaufnahme dieser Seite auf der Leinwand sehen können würde.

Für die klassischen Hauptrollen des heruntergekommenen Privatschnüfflers und der undurchsichtigen, durchtriebenen Femme Fatale besetzte man das damals frisch verheiratete Schauspieler-Ehepaar Val Kilmer (Batman Forever [1995]) und Joanne Whalley-Kilmer (Scarlett [1994]). Der Film, bei dem sie sich kennen und lieben lernten, war das Fantasy-Werk Willow [1988], und zusammen mit Kill Me Again sollten sie auch die einzigen gemeinsamen Arbeiten bleiben. 1996 erfolgte die Scheidung.
Val Kilmer spielte bereits in seiner zweiten Verpflichtung – die erfolgreiche Komödie Top Secret [1984] – die Hauptrolle und festigte mit Tony Scotts Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel [1984] die Position. Endgültige weltweite Bekanntheit erreichte er dank Regisseur Oliver Stone durch seine intensive Darstellung des Jim Morrison in Stones The Doors [1991]. Obwohl die folgenden Projekte des akribisch recherchierenden Schauspielers sowohl einige gute, als auch bekannte Kino-Filme umfassten (etwa die Kino-Adaption The Saint – Der Mann ohne Namen [1997]) erwarb sich der als kompliziert und launisch geltende Kilmer mit der Zeit einen Ruf als Kassengift. Zuletzt war er unter anderem in Renny Harlins geflopptem Thriller Mindhunters [2004] zu sehen. In seiner Darbietung des Jack Andrews legt er eine zu diesem Charakter-Typ passende Lässigkeit an den Tag, die jedoch hin und wieder dafür sorgt, dass er schlicht etwas apathisch und blass wirkt – insgesamt eine sehr solide, aber nicht weltbewegende Leistung also.
Das gleiche gilt mehr oder weniger auch für Joanne Whalley (Agent Null Null Nix [1997]), die in ihrer Rolle als manipulativ-verhängnisvolle Lady durchaus ihre Momente hat, in denen selbst der Zuschauer ins Grübeln über ihre wahren Motive kommt. Besondere Akzente kann sie zugegebenermaßen ebenfalls nicht setzen.
Mimisch besser sieht es in den Nebenrollen aus. Allen voran scheint Michael Madsens geprellter Vince eine geradezu diebische Freude zu empfinden, zu seinen Mitmenschen richtig fies zu sein. Kill Me Again stellt einen der ersten größeren Auftritte in der noch jungen Karriere des Schauspielers dar, der das Werk noch heute als einen der persönlichen Favoriten seiner Laufbahn bezeichnet. Durch diesen Gangster-Part konnte er außerdem schon ein wenig für seine Paraderolle üben, die er kurz darauf in Quentin Tarantinos großartigem Debüt-Film Reservoir Dogs [1991] ablieferte. Als psychopathischer Mr. Blonde tanzte und folterte er sich dort unvergesslich in das Gedächtnis der Kino-Fans und startete damit eine Karriere, die ihn auf manche Höhen (Species [1995]), aber auch immer wieder in die Tiefen filmischen Video-Sondermülls (Destination Zero [1997]) führte. Nach einem trotz allem Schund arbeitseifrigen Jammertal ist er seit seinem zweiten Einsatz für Tarantino in Kill Bill [2003/2004] wieder oben auf und präsent wie nie. In den USA war er gerade in der Hauptrolle der Pokerserie Tilt [2005], sowie in der Mini-Serie Frankenstein [2004] zu sehen, und gleich drei neue Filme warten derzeit auf ihren Start: Das Heist-Movie The Last Drop, welches vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges angesiedelt ist, der Myster-Thriller Chasing Ghosts und die Vampir-Videospiel-Verfilmung Bloodrayne. Ebenfalls in Vorproduktion ist ein Farmhaus-Horrorfilm namens Hoboken Hollow, und darüber hinaus können einige aktuelle Videospiele und Animationsfilme auf Madsens markante Stimme zählen. Mit Val Kilmer hatte er im Übrigen kurz nach Kill Me Again noch einmal einen gemeinsamen Film gedreht, denn wie Kilmer gehörte er zum Cast von The Doors.
In einer vergleichsweise kleinen Nebenrolle kann man Jon Gries (Schnappt Shorty! [1995]) als Jacks Freund Alan entdecken. Gries wurde einem größeren Serien-Publikum durch seine Rolle als liebenswert-trotteliges Computer-Ass Broots in der Serie Pretender [1996-2000] bekannt.
Noch kleiner bleibt der Part von Bibi Besch, die zumindest den Star Trek-Fans ein Begriff ist, verkörperte sie doch in dem großartigen Star Trek II – Der Zorn des Kahn [1982] die Mutter von Captain Kirks einzigem Sohn. Die sympathische Darstellerin starb leider 1996 im Alter von nur 56 Jahren an Brustkrebs.

Trotz einer – vor allem in der Anlaufphase zu bemerkenden – starken Konventionen-Bindung zum hier Pate stehenden Sub-Genre entwickelt sich Kill Me Again im weiteren Verlauf zunehmend überraschungsreich und damit spannend. Auffällig und besonders lobenswert ist die atmosphärisch überzeugende Umsetzung des Stoffes, bei der die verschiedenen kreativen Abteilungen der Crew offenbar gut miteinander harmonierten.
Obwohl es John Dahls erster Film ist, tauchen bereits Stilmittel auf, die sich wie ein roter Faden durch seine späteren Werke ziehen sollten. Neben dem stets wiederkehrenden Motiv weiter, einsamer Strecken und Gegenden, sowie "Film Noir"-Versatzstücken zeigt er sich auch hier schon sehr begabt im Umgang und Einsatz von Beleuchtung, und so fällt bei genauerer Betrachtung vor allem Dahls Affinität zum Einsatz von rotem Licht auf. In diesem Zusammenhang ist es Kameramann Jacques Steyn entsprechend gelungen, die Ideen des Regisseurs in schöne Bilder umzusetzen, die von Film-Komponist William Olvis mit passenden Klängen unterlegt wurden.
Der fertige Thriller, der in Deutschland verschiedentlich mit dem Untertitel Töten Sie mich geführt wird, war ein voller Erfolg und vielversprechender Einstand von Dahl, der dafür auf dem "Cognac Festivals du Film Policier" 1990 mit dem "Grand Prix" ausgezeichnet wurde.

Weniger berauschend ist allerdings die nicht völlig missratene, aber doch etwas lustlos zusammengestellte deutsche DVD-Veröffentlichung von Kill Me Again von Eurovideo. Das ansich gute Bild ist in nicht-anamorphem Widescreen (1,85:1), der deutsche Ton immerhin in Dolby Digital Surround 5.1, wobei sich hier ein permanentes leichtes Hintergrundrauschen ausmachen lässt. Das war es dann auch schon mit den guten Nachrichten, denn der englische Ton ist nur noch Dolby Digital 2.0 Stereo. Das Rauschen ist hier vergleichsweise kaum hörbar, dafür klingt der Ton stellenweise blechern und die deutschen Untertitel sind nicht ausblendbar. An Extras gibt es nur vier Texttafeln und drei Trailer anderer Filme. Schade, denn ein Interview oder ein Audio-Kommentar mit Dahl wären sicher interessant gewesen. Leider ist es um die amerikanische Import-DVD noch schlechter bestellt, denn dort muss man sogar auf das Original-Kino-Bildformat verzichten, da die Scheibe nur 4:3-Pan&Scan bietet.


Fazit:
Kill Me Again ist ein in manchen Punkten – wie dem den 1990er Jahren angepassten Härtegrad und dem lichtdurchtränkten Setting – zwar modernisierter, nichtsdestotrotz geradezu klassischer "Film Noir" samt Femme Fatale, einem sich immer weiter im Netz aus Lust und Verrat verstrickenden, abgehalfterten Privatdetektiv und einem fiesen Gangster.
Besonders die Ausleuchtung und die schönen Bilder in John Dahls wendungsreichem Thriller wissen zu gefallen. Ein gut gelungener, spannender Einstieg Dahls in die Traumfabrik.


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