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Interstellar [2014]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. November 2014
Genre: Science Fiction / Drama / Thriller

Originaltitel: Interstellar
Laufzeit: 169 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Christopher Nolan
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Wes Bentley, David Gyasi, Michael Caine, Jessica Chastain, Casey Affleck, John Lithgow, Topher Grace, David Oyelowo, Ellen Burstyn, Mackenzie Foy, Timothée Chalamet, Bill Irwin, Josh Stewart


Kurzinhalt:
Früher war Cooper (Matthew McConaughey) Test-Pilot bei der NASA, heute ist der verwitwete Familienvater einer von vielen Farmern. Pilze vernichten seit Jahren die Ernten, die Bevölkerung schwindet ständig – was seinen Kindern Tom (Timothée Chalamet) und Murph (Mackenzie Foy) blühen wird, wagt Cooper nicht sich vorzustellen. Eines Tages entdeckt seine Tochter, in deren Zimmer immer wieder Bücher aus dem Regal fallen und Staub sich in einem Muster abzulegen scheint, dass sich dahinter Morsezeichen verbergen. Die darin versteckten Koordinaten führen Cooper und Murph zu einem geheimen Testgelände der NASA.
Dort eröffnet ihm Professor Brand (Michael Caine), dass die NASA in einem letzten Kraftakt versucht, die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren – auf einem anderen Planeten. Ein Team aus Wissenschaftlern, bestehend aus Brands Tochter (Anne Hathaway), Doyle (Wes Bentley) und Romilly (David Gyasi) soll durch ein Wurmloch in eine andere Galaxie reisen, um möglicherweise bewohnbare Planeten zu untersuchen. Mit Cooper hätten sie einen Piloten, der das Raumschiff fliegen könnte, doch die Mission ist riskant und ebenso wahrscheinlich eine Reise ohne Wiederkehr. Vor allem muss sich Cooper entscheiden, ob er seine Familie zurücklässt ...


Kritik:
Wenn ein Filmemacher wie Christopher Nolan, dessen Dark Knight-Trilogie nicht nur im Genre Maßstäbe gesetzt hat und der mit Inception [2010] und bereits Memento [2000] mehr Originalität bewies, als viele Geschichtenerzähler in ihrem Schaffen zustande bringen, sich dem Science Fiction-Genre zuwendet, werden nicht nur diejenigen hellhörig, die sich ohnehin für die Materie interessieren. Interstellar ist visuell so überwältigend wie inhaltlich durchwachsen und würde mehr überzeugen, hätte sich Nolan am Schluss auf den wissenschaftlichen Aspekt statt auf die Fiktion verlassen.

Seine düstere Zukunftsvision zeigt eine Welt, in der die Banker und Anwälte ebenso überflüssig geworden sind, wie Ingenieure. Die Menschheit ist dem Untergang geweiht, die Welt, auf der sie leben, lässt kaum mehr Nahrung gedeihen. Nolan zeigt diese Zukunft aus der Perspektive von Cooper und seiner Familie. Früher NASA-Pilot, ist er inzwischen Farmer. Mehltau vernichtet eine Ernte nach der anderen. Sandstürme plagen das Land, Tiere sind auf dieser Welt gar nicht zu sehen. Vermutlich mussten sich die Menschen eines Tages entscheiden, ob sie Unmengen Futter für die Tiere anpflanzen, oder sich selbst damit versorgen würden. Cooper bewirtschaftet eine Mais-Farm zusammen mit seinem Schwiegervater Donald, seinem Sohn Tom und seiner Tochter Murph.

Wie die Situation auf der Welt so geworden ist, in welcher Zeit der Film überhaupt spielt, darüber schweigt sich Interstellar aus. Was einerseits dazu ermuntert, sich eigene Gedanken zu machen, lässt andererseits viele Fragen offen. Erzählt NASA-Professor Brand Cooper davon, dass es eine Möglichkeit geben könnte, die Menschheit auf einem anderen Planeten anzusiedeln, wäre es durchaus von Vorteil zu erfahren, wie viele überhaupt noch übrig sind. Bis sich Cooper entscheidet, als Pilot bei dem vermutlich letzten Weltraumflug an Bord zu gehen, wohl wissend, dass er seine Familie vermutlich nicht wieder sehen wird, verbringt das Drehbuch viel Zeit bei Coopers Familie. Viele Momente sind hier durchaus gut gelungen, doch ein Blick auf die globalen Ausmaße der Katastrophe, die das sichere Ende der Menschheit bedeuten wird, lässt die Vorlage vermissen.

So erschreckend und greifbar der Auftakt, so überwältigend sind die Ideen und Bilder, die der Film nach dem Raketenstart zeigt. Durch ein Wurmloch in unserem Sonnensystem sind möglicherweise bewohnbare Planeten in erreichbarer Entfernung. Zusammen mit den Wissenschaftlern Doyle, Romilly und Brands Tochter macht sich Cooper auf, diese Planeten zu untersuchen. Dabei bringt Filmemacher Nolan seinen Zusehern die Konzepte von Raum, Zeit und Gravitation näher. Er zeigt die vermutlich zutreffendsten und beeindruckendsten Bilder eines Schwarzen Lochs und stellt fremde Planeten vor, wie die Natur sie vermutlich sogar erschaffen könnte. Zusammen mit der vorgestellten Technologie bei den Raumschiffen oder den Robotern TARS und CASE weckt Interstellar mehr als nur die Neugier an der Raumfahrt, die nicht zuletzt mit dem Ende des offiziellen Space Shuttle-Programms gewissermaßen zum Erliegen gekommen ist – welch ein Gefährt verkörperte den Pioniergeist der Menschen so sehr wie dieses?

Doch von diesem Ansatz, der langsam erzählt und auf die Figuren zugeschnitten ist, verabschiedet sich der Film, sobald das (wohl notwendige) Hollywoodklischee eines Bösewichts vorgestellt wird. Was folgt ist eine zugegebenermaßen beeindruckende Actionsequenz um ein schweißtreibendes Andockmanöver, das in ein plötzliches und erzwungen scheinendes Finale überleitet. Damit nicht genug, verlagert Nolan im letzten Drittel ähnlich Stanley Kubricks Science Fiction-Epos 2001: Odyssee im Weltraum [1968] den Schwerpunkt auf eine eher philosophische Interpretation seiner aufgeworfenen Fragen, anstatt bei den Fakten zu bleiben. Das ist zum einen beinahe verkrampft emotional erzählt und will von den zugrunde liegenden Aussagen auch nicht wirklich zum Rest passen. Vor allem jedoch ergibt es, je länger man darüber nachdenkt, umso weniger Sinn.

Dass Regisseur Christopher Nolan ein großer Verfechter des Materials Film (im Gegensatz zu digitaler Aufzeichnung) ist, wird er nicht müde zu betonen. In Bezug auf Körnigkeit, Detailtreue und –wiedergabe mag er dabei sogar Recht behalten. Um dies zu unterstreichen, ist Interstellar nicht nur in herkömmlichen Kinos als inzwischen weit verbreitete digitale Projektion, sondern auch in sehr wenigen als "analoge" 35mm- und 70mm-Vorführung zu sehen. Zumindest in den USA bekamen diese Kinos den Film sogar früher.
Da der Regisseur Teile seines Films mit speziellen Kameras filmte, werden diese Vorführungen zweifellos optisch noch mehr beeindrucken, als die "gewöhnlichen" Aufführungen. Nur sollte Nolan derart um seine Bilder bemüht sein, hätte er sie hier, wie zuvor bei The Dark Knight [2008] geschehen, auch entsprechend komponieren können – und vor allem darauf achten, dass bei den vielen Großaufnahmen auch die Gesichter der Figuren und nicht Details an deren Kleidung scharf gestellt sind.


Fazit:
Gute Science Fiction-Geschichten bringen dem Publikum die Materie auf verständliche Art und Weise näher. Großartige Science Fiction-Geschichten jedoch inspirieren die Menschen, sich auf neue Ideen einzulassen oder über das bisher erreichte hinauszuwachsen. Ersteres gelingt Christopher Nolan, auch wenn er sich gut 20 Minuten zu viel dafür Zeit nimmt. Sein Epos um den ersten interstellaren Raumflug der Menschen bietet umwerfende Bilder und durchweg tolle Darsteller. Auch gefallen das Design und die Ideen die er vorstellt.
Doch die Dialoge sind mitunter so schwülstig wie die allzeit präsente, sich wiederholende Musik, die klingt, als habe sich Hans Zimmer auf einer gotischen Kirchenorgel ausleben wollen. Das ist manchmal passend, ebenso oft aber nicht. Das Meiste, was Interstellar erzählt, ist gut gelungen und bietet vielleicht den realistischsten Blick jenseits unseres Sonnensystems, den das Science Fiction-Kino in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat. Doch zum Ende hin driftet der Film ins Fantastische und dabei in ebenso viele Klischees ab, dass man sich wünschen würde, er hätte einfach früher aufgehört. Angesichts der Erwartungen ist das irgendwie enttäuschend.    


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