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High-Rise [2015]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. Mai 2016
Genre: Drama / Science Fiction

Originaltitel: High-Rise
Laufzeit: 119 min.
Produktionsland: Großbritannien / Irland / Belgien
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Ben Wheatley
Musik: Clint Mansell
Darsteller: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory, Reece Shearsmith, Enzo Cilenti, Augustus Prew


Kurzinhalt:

Nach dem Tod seiner Schwester zieht Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) in ein Apartment im 25. Stock eines neu errichteten Hochhauses. Der Luxuskomplex wurde von Anthony Royal (Jeremy Irons) entworfen und gebaut, der im obersten Stock wohnt. Familien sind in den unteren Etagen untergebracht. Das Gebäude selbst bietet alles, was die Bewohner benötigen, inklusive Einkaufs- und Erholungsmöglichkeiten. Doch Probleme, die unter anderem die Stromversorgung betreffen, sorgen für Spannungen zwischen den unterschiedlichen Klassen. Zusammen mit Royals Assistentin Charlotte (Sienna Miller) und dem Dokumentarfilmer Wilder (Sienna Miller), erlebt Laing mit, wie das Gebäude immer mehr gewalttätigen Chaos versinkt ...


Kritik:
30 Jahre lang versuchte Produzent Jeremy Thomas, das als unverfilmbar geltende Buch High Rise [1975] (auch bekannt unter den Titeln Der Block und Hochhaus) von J. G. Ballard auf die Leinwand zu bringen. Wenn Regisseur Ben Wheatley eines gelungen ist, dann der Vorlage die Aura des Unverfilmbaren zu erhalten. Seiner um eine Arthouse-Ästhetik bemühten Interpretation fehlt es an beinahe allem, was das Geschichtenerzählen ausmacht. Dafür prägt er High-Rise mit einem hervorragenden Look.

Selbst wenn der Film selbst nie verrät, wann er spielen soll, das Flair der 1970er-Jahre haftet ihm ab dem ersten Moment an. Die Mode, die Frisuren, die Architektur – High-Rise könnte eine Auszeichnung für das porträtierte Zeitkolorit erhalten. Das spiegelt sich auch in den Verhaltensweisen der Figuren wieder, die in allen Lebenslagen rauchen, Drogen konsumieren und leben, als gäbe es kein Morgen.
Nach dem inzwischen vor allem bei Independent-Produktionen obligatorischen und abgedroschenen Teaser, bei dem der Film mit einer vermeintlich schockierenden Szene inmitten des Geschehens beginnt, springt die Erzählung drei Monate zurück. Der Arzt Laing zieht in ein modernes Hochhaus, gebaut vom Architekten Royal. Es ist eines von fünf geplanten Gebäuden, vierzig Stockwerke hoch, das den Bewohnern beinahe alles bietet: Supermarkt, Swimming-Pool, Fitness-Bereich. Je höher der gesellschaftliche Stand, umso weiter oben darf man wohnen. Familien sind zumeist in den unteren Stockwerken untergebracht.

Dass das Hochhaus ein Spiegelbild der Gesellschaft sein soll, sollte den meisten Zusehern damit bereits aufgegangen sein, wenn nicht, dann sollte man um High-Rise einen großen Bogen machen. Wieso geschieht, was geschieht, wird bei Ben Wheatleys Umsetzung nämlich nicht wirklich deutlich. Man muss sich sämtliche Motivationen der Figuren, die Bedeutung vieler Sinnbilder selbst erschließen – oder besser gesagt, in das Geschehen hineinlesen.
Laing macht die Bekanntschaft von Charlotte, die für Royal arbeitet. Auch lernt er den Dokumentarfilmer Wilder kennen, dessen hochschwangere Frau Helen ebenso vor sich hinzuvegetieren scheint, wie die allermeisten Bewohner.

Zu Beginn gehen diese morgens noch zur Arbeit und kehren abends zurück. Doch wiederholte Stromausfälle, insbesondere in den unteren Stockwerken, die darauf geschoben werden, dass nicht unendlich Elektrizität zur Verfügung steht, die "niederen Bewohner" jedoch zu viel verbrauchen, und andere kleine Streitigkeiten sorgen dafür, dass die Situation eskaliert. So versuchen die verschiedenen Gesellschaftsschichten zuerst, sich mit exzessiven Partys gegenseitig zu übertreffen, ehe die Stimmung in hemmungslose Gewalt umschlägt.
Was man sich bei High-Rise dabei durchgehend fragt ist: Warum? Warum bleiben die Bewohner lieber in einem ständig zunehmend verwahrlosenden Gebäude? Warum behalten Eltern ihre Kinder in einer Umgebung, in der vergewaltigt und ermordet wird? Warum verlässt niemand das Gebäude? Warum fällt das niemandem in der Außenwelt auf?

Es gäbe viele – auch einfache Möglichkeiten – hierauf Antworten zu liefern. Doch Ben Wheatley scheint daran nicht interessiert. Seine Romanadaption ist stattdessen darauf aus, in stylischen Bildern das sich ausbreitende, gewalttätige Chaos einzufangen, ohne die Hintergründe zu beleuchten, oder was es mit den Charakteren anstellt. Bei Laing oder auch Wilder ist es vielmehr so, als hätten sie diese Tendenzen bereits von Beginn an in sich getragen, sie bislang aber nur unterdrückt.
Von einem visuellen Standpunkt aus ist das durchaus interessant und auch das Cover des ABBA Hits "SOS" durch Portishead ist eine wirkliche Überraschung (jedoch nirgendwo erhältlich). Wer aber hofft, die Gesellschaftskritik in einer verständlichen Sprache dargebracht zu sehen oder mit Figuren mitfiebern zu können, der wird hier bitter enttäuscht.


Fazit:
Luke Evans spielt geradezu beängstigend intensiv. Tom Hiddleston, durch dessen Augen man das Leben im Hochhaus kennenlernen sollte, verblasst dagegen beinahe. Das liegt auch daran, dass sein Abstieg in das Chaos in keiner Sekunde greifbar wird. High-Rise mutet an wie eine zwei Stunden dauernde Halluzination. Was man sieht, scheint unsere Gesellschaftsform und die damit einhergehenden Gefahren und Ungerechtigkeiten zu reflektieren, aber es tut es, ohne wirklichen Sinn zu ergeben.
Regisseur Ben Wheatley beweist ein Gespür für eindringliche Bilder, die keiner wirklichen Erzählform unterworfen werden und somit wie ein Stakkato aneinandergereiht sind. Das Ergebnis ist visuell verstörend, oft nur bewusst provokativ, aber selbst die Sinnbilder – wie der Rückfall in die Höhlenmenschenmentalität in der Szene mit Wilder und Charlotte – letztlich ohne Kontext. Die Sozialkritik ist hier zwar mit dem Holzhammer präsentiert, aber gleichzeitig so abgehoben, dass ein Realitätsbezug vollkommen fehlt. Vor allem ist es gerade deshalb gähnend langweilig.    


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