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Hereafter - Das Leben danach [2010]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Februar 2011
Genre: Drama

Originaltitel: Hereafter
Laufzeit: 129 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Clint Eastwood
Musik: Clint Eastwood
Darsteller: Matt Damon, Cécile De France, Frankie McLaren, George McLaren, Jay Mohr, Thierry Neuvic, Bryce Dallas Howard, Lyndsey Marshal, Richard Kind, Stéphane Freiss, Steve Schirripa, Marthe Keller, Niamh Cusack, George Costigan, Sean Buckley, Derek Jacobi


Kurzinhalt:
George Lonegan (Matt Damon) kann mit den Verstorbenen Kontakt herstellen. Er ist ein Medium und war eine Zeit lang auch berühmt. Doch wer sich nur mit den Toten beschäftigt, kann selbst nicht wirklich leben und so hat er sich zurückgezogen und einen Job als Lagerarbeiter angenommen. Sehr zum Missfallen seines Bruders Billy (Jay Mohr), der den möglichen Profit im Auge hat. Selbst neue Bekanntschaften scheinen bei Lonegan früher oder später daran zu scheitern, was laut anderen eine Gabe, seiner Erfahrung nach jedoch ein Fluch ist.
Als Überlebende einer Tsunami-Katastrophe kann sich die französische Fernsehmoderatorin Marie LeLay (Cécile De France) nicht von ihrer Nahtoderfahrung lösen und stößt bei ihren Produzenten und Vorgesetzten auf Ratlosigkeit. Nachforschungen führen sie zu einer Klinik in die Schweiz, wo sich Ärzte mit dem Thema eingehend beschäftigen. In London versucht der junge Marcus (Frankie McLaren) über den Tod seines Zwillingsbruders Jason (George McLaren) hinwegzukommen und kann sich von seinem Bruder, der immer auf ihn aufgepasst hat, nicht lösen. Erst als sich die Wege von George, Marie und Marcus kreuzen, finden sie Antworten ...


Kritik:
Mit inzwischen 80 Jahren Lebenserfahrung hat Clint Eastwood sicher viele Themen, über die er sich äußern möchte, oder zu denen er eigene Erlebnisse und Erkenntnisse beisteuern kann. Seit fünf Jahrzehnten ist er im Filmgeschäft tätig, vor Hereafter hat er mehr als 30 Mal bereits Regie geführt. Dass er sich vermutlich ebenfalls mit dem Gedanken beschäftigt, wie die meisten Menschen irgendwann, was nach diesem Leben kommt, ist wahrscheinlich und es interessiert an seinem jüngsten Projekt ungemein, wie er sich denn Das Leben danach vorstellt. Doch wer Hereafter ansieht, sollte keine Antworten erwarten, höchstens Vermutungen, die so vage gehalten sind, dass sie auf die Vorstellungen vieler Glaubensgemeinschaften zutreffen könnten, ohne jedoch eine speziell anzusprechen.

Die Geschichte beginnt, ohne zu nennen, wann sie spielt, mit einer schrecklichen Flutkatastrophe, die Hundertausende Menschen in Indonesien das Leben kostete. Mitten unter den Opfern ist die französische Fernsehmoderatorin Marie LeLay (stark gespielt von Cécile De France), die von den tosenden Wassermassen mitgerissen wird, ertrinkt und von Helfern reanimiert wird. Was Filmemacher Eastwood seinem Publikum in den ersten 15 Minuten zumutet ist ergreifend und bewegend. Ob es dem Ausmaß der Naturkatastrophe von 2004 gerecht wird oder nicht, ist nicht von Belang. Er vermittelt ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit, das die Schicksale all jener Opfer und Überlebenden vereint. Marie überlebt und hat, davon ist sie überzeugt, während ihrer leblosen Minuten Einblick in Etwas bekommen, das größer ist als alles andere. Der alltägliche Ablauf scheint an Bedeutung verloren zu haben, sie wird davon getrieben zu verstehen, was sie erlebt hat.
In London verliert der junge Marcus seinen Zwillingsbruder Jason bei einem Unfall. Er hat fortan das Gefühl, dessen Nähe immer noch zu spüren und möchte ihm noch so viel sagen. Immerhin war Jason immer der aktive und Marcus der ruhige, der seinem 12 Minuten älteren Bruder gefolgt ist. Darum sucht Marcus Hellseher, Wahrsager und Medien auf, um Kontakt mit dem Verstorbenen herzustellen. Doch außer Enttäuschungen halten diese nichts für ihn bereit.
George Lonegan, ruhig und gequält gespielt von Matt Damon, ist ein Medium. Nach einem traumatischen Erlebnis hat er die Möglichkeit, mit den Verstorbenen Kontakt herzustellen und nutzte dies erfolgreich. Doch seit ein paar Jahren lebt er zurückgezogen und arbeitet in einer Fabrik, auch wenn sein Bruder Billy Georges Gabe nutzen möchte, um damit Geld zu verdienen. Spricht George davon, dass seine Befähigung kein Geschenk, sondern ein Fluch ist, scheint das Drehbuch von Peter Morgan zum ersten Mal in ein Klischee zu verfallen, das solchen Erzählungen meist anhaftet. In der Tat ist George die durchschaubarste Figur von allen, von seinem Bruder einmal abgesehen. Seine Gabe ist faszinierend, seine Entscheidung sie nicht zu nutzen, um ein Leben mit den lebenden zu führen, nachvollziehbar, doch gibt es an ihm wenig zu entdecken. Anders an Marcus und Jason, die von Frankie und George McLaren erstklassig verkörpert ein Geschwisterpaar mimen, wie es vollständiger kaum sein könnte. Als wären sie beide je eine Seite derselben Münze. Was Marie antreibt ist zunächst schleierhaft, vielleicht auch, weil sei selbst nicht weiß, was sie mit ihrem Erlebnis anfangen soll. Enttäuschend ist hierbei, dass die spätere Buchautorin Marie LeLay von wissenschaftlichen Beweisen spricht, von Forschungen, die im Verborgenen durchgeführt werden, weil die Menschen sich mit dem Thema des Lebens nach dem Irdischen nicht beschäftigen wollen. Doch Regisseur Eastwood behält diese Erkenntnisse für sich, er teilt nicht einmal mit, wo man sich darüber informieren könnte, wenn es eine solche Forschung denn überhaupt gibt.

Hereafter ist tadellos, authentisch und einfühlsam gespielt. Selbst Nebenfiguren wie die verletzliche Melanie, toll verkörpert von Bryce Dallas Howard, sind fein schattiert und mit Tiefe versehen. Clint Eastwood findet Bilder, die seine Geschichte zum Ausdruck bringen, ohne sie zu überfordern. Die Charaktere werden in den Fokus gerückt, ohne ihr Schicksal auszubeuten. Die Tsunami-Sequenz zu Beginn ist ebenso erschütternd wie aufwühlend. Marcus' Erlebnis in der U-Bahn ebenso unvermittelt. Wie verschiedene Menschen verschiedenen Standes und verschiedenen Alters mit diesem Thema umzugehen versuchen, wie sie darum bemüht sind, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, schildert das Drama durchaus. Nur hält es keine Erkenntnisse bereit. Und darum an sich auch wenig Hoffnung.


Fazit:
Ob die überlebende Marie oder der junge Marcus, beide sind nicht in der Lage, ihre Trauer zu verarbeiten. Erstere, nachdem sie sich mit dem Thema beschäftigt und ihre Erfahrungen teilt, letzterer, wie viele, die zu George Lonegan kommen, um mit den Verstorbenen Kontakt aufzunehmen, nachdem er sich verabschieden konnte. Doch den Prozess der Trauer und Trauerbewältigung darauf zu reduzieren ist zu einfach. Es wird den verschiedenen Formen der Bewältigung nicht gerecht, die sich bei jedem anders äußert.
Hereafter - Das Leben danach ist hervorragend gespielt und ruhig inszeniert. Regisseur Clint Eastwood rückt die Figuren in den Mittelpunkt, von denen einzig Lonegan zu schablonenhaft bleibt. Das Drama ist berührend, aber nicht rührselig. Es porträtiert die Figuren, ohne wirkliche Antworten zu geben. Wer sich auf ein stilles, stimmiges Charakterporträt einstellt, wird genau das bekommen, ohne neue Erkenntnisse zu erhalten. Doch der Umgang mit dem Thema Trauer wird nur gestreift, wie auch das Unverständnis der Überlebenden solcher Katastrophen wie zu Beginn.


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