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Hautnah - Die Methode Hill: "Die Finsternis des Lichts" [2004]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. November 2004
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Wire in the Blood: "The Darkness of Light"
Laufzeit: 83 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Nick Laughland
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Tom Chadbon, Alan Stocks, Mark Letheren, Caroline O'Neill, Sally Edwards, Michael Gould, Paul Ridley, Mark Penfold


Kurzinhalt:
In der Nähe des Norton Hotels werden mehrere Leichen ausgegraben – dabei handelt es sich zum einen um 500 Jahre alte Knochen und ermordete Menschen, die vor wenigen Jahren vergraben wurden, aber nach demselben Muster umkamen. Detective Inspector Carol Jordan (Hermione Norris) wendet sich an Tony Hill (Robson Green), der aber ebenso verzweifelt nach einem Motiv sucht. Als dann auch noch auf mysteriöse Weise ein Feuer im Norton Hotel ausbricht und eine Tatverdächtige, die Journalistin Joanna Draper (Caroline O'Neill) vermisst wird, versanden die Ermittlungen unverhofft schnell.
Je weiter Hill gräbt, umso mehr stößt er auf Hinweise, dass die Taten rituell motiviert sein könnten, und auch Joanna Draper scheint sich mit Pater Peter (Paul Ridley) getroffen zu haben, ehe sie verschwand. Es macht vielmehr den Anschein, dass eine übernatürliche Kraft hinter den Verbrechen stecken könnte; Jordan und Hill läuft die Zeit davon, und der Täter scheint entschlossen, sein Werk zu "vollenden".


Kritik:
"Was hier geschehen ist, kann nicht passiert sein" – solche Zitate sind es, bei denen Fans des einsiedlerischen Professors Hill unwillkürlich ein Lächeln übers Gesicht huscht, und sie sind es auch, die diese Episode der Krimireihe auszeichnen. Wer beim Durchlesen der Inhaltsangabe schon die Stirn in Falten legt, hat aber nicht ganz unrecht. So interessant die Geschichte auch klingt, das mystische Element hätte man in einer realistischen Krimireihe wie Hautnah nicht erwartet – aber auch wenn sich das Ganze im Endeffekt überaus irdisch auflöst und die Stimmung von Die Finsternis des Lichts sehr beunruhigend ist, insgesamt macht der Krimi einen routinierten, aber keinen tiefgründigen Eindruck. Dass man dabei als Zuschauer dennoch mitfiebert und spannende eineinhalb Stunden erlebt, liegt vor allem an Regisseur Nick Laughland, der die Geschichte in stimmungsvolle Bilder verpackt, und an den Hauptdarstellern, die gerade hier wieder Funken sprühen lassen, ohne dass ein Feuer entbrennen würde.

Inhaltlich setzt der TV-Film in einem privateren Bereich der Hauptfigur Hill ein, als man das erwarten würde. Mehr über sein Privatleben zu erfahren, wird die Fans sicher zufriedenstellen, wer den Krimi jedoch für sich betrachtet wird feststellen, dass die eigentlichen Ermittlungen erst sehr spät in Fahrt kommen. Immerhin sind sie dann aber wirklich ausgenutzt und erläutern dem Zuschauer viele Hintergründe. Wie Hills Erkenntnisse dabei eingebaut sind, ist zwar nicht neu, aber überaus effektvoll in Szene gesetzt und lässt gerade die Kombinationsgabe in den Vordergrund treten, die manche bei der letzten Episode der Reihe vermisst haben.
Die Charakterisierungen der Nebenfiguren bleiben dabei aber leider großteils auf der Strecke. Abgesehen von den "üblichen Verdächtigen" und eindimensionaler Widersacher erwarten den Zuschauer hingegen vielschichtige Charaktere, die man zwar bereits kennengelernt hat, die aber (besonders Hill in dem Fall) auf eine neue Stufe in ihrer Entwicklung gestellt werden. Ob das dem Gelegenheitszuschauer zusagt, sei dahingestellt, angesichts der vielen Hintergrundinformationen, die man zum Fall selbst, zu Riten und Bestattungstraditionen vermittelt bekommt, dürfte das aber niemand stören.
So ist Alan Whitings Skript überaus gut gelungen, auch wenn der Teil inhaltlich nicht ganz das hält, was der Staffelauftakt Bittere Tränen [2004] versprochen hat.

Die Darsteller, allen voran Robson Green, kosten ihre Szenen sichtlich aus, Green hat dabei ein paar wirkliche Perlen zugeschrieben bekommen, sei es Hills akribische Suche in der Bibliothek, seine Entdeckungen im Wald, oder sein wirklich sehr gut gespieltes Zusammensetzen des Puzzles – dabei bringt er die verschlossene Art seines Charakters immer sehr gut zum Vorschein, wird einem anhand seiner menschlichen Seiten sympathisch und harmoniert in den Dialogen mit Hermione Norris nicht nur als aktiver Gesprächspartner, sondern auch als Empfänger.
Sie hat zwar in Die Finsternis des Lichts nicht so viel zu tun, wie im letzten Teil, aber auch Norris nutzt ihre Momente gekonnt. Insbesondere die intimeren Szenen, in denen sie über ihre Verpflichtungen, ihren Glauben und ihre Familie spricht, sind bewegend und doch nicht klischeehaft oder kitschig. Als Team passen die beiden Akteure sehr gut zusammen und ergänzen sich in den wichtigen Bereichen, ohne sich gegenseitig die Schau stehlen zu wollen.
Von den Nebendarstellern fällt allenfalls Kate Lloyd als eine Bekannte von Tony Hill ins Gewicht, die in den kommenden Episoden Gastauftritte absolviert. Hier hat sie zwar nur wenige Minuten vor der Kamera, meistert diese aber routiniert. Mark Letheren, Alan Stocks und Tom Chadbon mimen wie gewohnt überzeugend, haben diesmal aber keine großen Rollen zugeschrieben bekommen. Ebenfalls nur kurz zu sehen ist Michael Gould als Familienvater der verschwundenen Reporterin.

Inszenatorisch schlägt Regisseur Nick Laughland, der unter anderem bei der TV-Serie Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan [seit 1996] auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, andere Töne an, als man das bislang von Hautnah – Die Methode Hill gewohnt war. Mit kinoartigen Kamerawinkeln, sehr gut fotografierten Spezialeffekten, kühlen und beunruhigenden Bildkompositionen im Herbstwald und einer rasanten Spannung, zieht er alle Register, die man sich als Zuschauer wünschen kann. Dabei bleibt jedoch stets die Übersicht erhalten und die wenigen Zeitlupen passen ebenfalls gut in die Episode. Einzig der fliegende Wechsel zwischen Realität und Fiktion wirkt etwas holprig, zumal sich das Schema gerade in der letzten halben Stunde häufig wiederholt.
Handwerklich steht der 80 Minuten lange Film einer größeren Produktion in nichts nach, und das ist ein Verdienst, den sich Laughland durchaus anrechnen lassen darf.

Ebenso beunruhigend wie die Bilder ist allerdings auch die Musik von The Insects, die hier auf das bekannte Hill-Thema zurückgreifen und dem Zuschauer damit einen Wiedererkennungswert bieten, den man bei einer fortlaufenden Serie gern beobachtet. Mit atmosphärischen Klängen, spannenden, bisweilen disharmonischen Themen, und einer vibrierenden Musikuntermalung verstärken sie die subtile Stimmung des Thrillerdramas, das zum Schluss hin ungewohnt härter wird, als man bis dahin gedacht hätte.

Was am Ende bleibt ist zwar ein guter Thriller, der aber trotz der soliden Darsteller und der wirklich sehr guten Inszenierung entweder früher in Fahrt hätte kommen sollen, oder aber eine komplexere Auflösung gebraucht hätte. Nicht nur, dass es die Spannung trübt, wenn man als Zuschauer den Mörder bereits kennt, dass dessen Motivation auch noch lapidar abgespeist wird, enttäuscht im Nachhinein.
An der handwerklichen Umsetzung liegt es in dem Fall nicht, im Gegenteil, sie überspielt viele Kritikpunkte meisterhaft, und doch kann man sich als aufmerksamer Zuschauer des Eindrucks nicht erwehren, dass neben den Charakteren auch die Story mehr hätte beachtet gehört.


Fazit:
Regisseur Nick Laughland versteht sein Handwerk, mit interessanten und durchdachten Bildern, beunruhigenden Szenenwechseln und einer unterschwelligen Musik verunsichert er den Zuschauer, schickt ihn auf eine Gratwanderung zwischen Glauben und Rationalität. Doch während Die Finsternis des Lichts wirklich sehr gut in Szene gesetzt und sehr spannend geraten ist, man kann nicht umhin, die Lücken in der Story bei den übersinnlichen Szenen zu sehen, oder die Geschichte selbst zwar nicht zu durchschauen, aber zu erahnen, dass sie bei weitem nicht so verschachtelt und komplex ist, wie der Autor einem das weismachen möchte.
Dafür wird man als Zuschauer mit zahlreichen herausragenden Charaktermomenten belohnt, die die Fans zwar dankend genießen, mit denen normale Zuschauer aber nicht so viel anfangen können. Trotzdem, dank der soliden Umsetzung und des vielschichtigen Hintergrundgehalts verbirgt sich hinter dem Thrillerdrama wirklich gute Unterhaltung.


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