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Harry und Sally [1989]

Wertung:  5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Dezember 2016
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: When Harry Met Sally...
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1989
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Rob Reiner
Musik: Harry Connick Jr.
Darsteller: Billy Crystal, Meg Ryan, Carrie Fisher, Bruno Kirby, Steven Ford, Lisa Jane Persky, Michelle Nicastro, Harley Jane Kozak


Kurzinhalt:

Es ist das Jahr 1977, als die beiden Universitätsabsolventen Harry Burns (Billy Crystal) und Sally Albright (Meg Ryan) eine Fahrgemeinschaft von Chicago nach New York gründen. Wenn eines während ihrer Gespräche bei der Fahrt deutlich wird, dann dass Sally und Harry einander nicht leiden können. Fünf Jahre später treffen sie sich zufällig wieder und weitere fünf Jahre darauf haben sich ihre Leben nicht so entwickelt, wie sie es sich vorgestellt hatten. Zwischen beiden entwickelt sich wider Erwarten eine Freundschaft, die rein platonisch bleiben soll. Ihre besten Freunde Marie (Carrie Fisher) und Jess (Bruno Kirby) sehen dies zwar anders, doch Harry und Sally wissen, dass es so am besten ist. Oder nicht?


Kritik:
Rob Reiners Harry und Sally ist eine Komödie, die, wenn man sie sich alle 10 Jahre ansieht, stets hinzugewinnt. In gerade einmal eineinhalb Stunden entblättert der Filmemacher die Wesensart des modernen Großstadtmenschen, der so sehr auf der Suche nach der Liebe ist, dass er sie nicht erkennt, wenn sie vor ihm steht. In einer Welt, in der der Blick stets auf die Weite gerichtet ist und nie auf das, was in Sichtweite liegt, ist das so treffend, dass man sich fragt, ob sich in den letzten 25 Jahren irgendetwas verändert hat.

Wenn wir Harry und Sally zum ersten Mal sehen, ist es das Jahr 1977. Beide haben gerade die Universität beendet und sind in einer langen Autofahrt auf dem Weg von Chicago nach New York. Beide Persönlichkeiten klingen, als kenne man jemanden, der genau so ist wie sie – oder waren wir es vielleicht einmal selbst? Während Sally eine fröhliche junge Frau ist, gibt sich Harry als besserwisserischer und selbst ernannt lebenserfahrener Unsympath, der davon überzeugt ist, dass Männer und Frauen keine Freunde sein können, weil ihnen irgendwann der Sex in die Quere kommt. Entsprechend kühl ist ihre Verabschiedung in einer Stadt, in der beide neu sind.

Bereits im Auftakt lässt Drehbuchautorin Nora Ephron viel Gespür für die Figuren erklingen und entwickelt einen Rhythmus in den Dialogen, dass die Erzählung davon förmlich mitgerissen wird. Springt die Geschichte fünf Jahre nach vorn, bis sich die beiden erneut über den Weg laufen, dann wirken sie reservierter, gefestigter in ihren Ansichten. Harry und Sally begleitet die Titelfiguren dabei, wie sie zu den Personen heranreifen, die sie am Ende sind. Geplagt nicht von existenziellen Ängsten, sondern vielmehr davon, dass sie zunehmend der Überzeugung sind, das Leben jeweils allein fristen zu müssen, spiegeln sie Phasen wieder, die beinahe ein jeder bzw. eine jede im Publikum bereits erlebt hat.

Dem als Zuschauer beizuwohnen hat den Vorteil, aus den teils aberwitzigen Momenten der sich zwischen Harry und Sally entwickelnden Freundschaft – man denke an die berühmte Orgasmus-Szene im Diner – den Humor ebenso mit-, wie ihre eingeschränkte Sicht wahrzunehmen. Sitzt Harry sich selbst bemitleidend in seinem Apartment, entgeht ihm, dass er im Hintergrund eine Aussicht genießen könnte, die einem an sich den Atem raubt. Inmitten einer Stadt von beinahe 10 Millionen Menschen sind beide einsam und übersehen dabei, dass sie einander besser verstehen, als sie sich jeweils selbst.

Meg Ryan und Billy Crystal bringen dabei die leicht neurotischen Aspekte ihrer Figuren so treffend zum Ausdruck, sie überspielen die zwischen Harry und Sally entstehende Chemie so zielsicher, dass es eine Freude ist, ihnen zuzusehen. Der Humor ist gerade deshalb so ansteckend, weil er nicht auf eine Pointe ausgelegt ist, sondern der Zuseher die Pointe im Verhalten der Charaktere entdeckt. Die Auftritte von Carrie Fisher und Bruno Kirby als jeweils beste Freunde der Titelfiguren sind schlicht umwerfend, da sie nicht darum bemüht sind, im Zentrum der jeweiligen Momente zu stehen. Gerade dadurch zeigen sie neue Aspekte dessen auf, was Harry und Sally daran hindert, glücklich zu werden.

Auch wenn der Filmemacher die Frage nie aktiv aufwirft, sieht man sich die eingespielten Interviews mit älteren Pärchen an, die Harry und Sally wie ein roter Faden durchziehen, dann fragt man sich doch, ob es in der damaligen bzw. heutigen Zeit schwieriger ist, sich zu verlieben, als früher? Angeheizt durch Idealvorstellungen einer Partnerin oder eines Partners, die in sämtlichen Medien vorgestellt werden und mit zahllosen Kommunikationsplattformen zur Verfügung, scheinen die Menschen mehr Schwierigkeiten damit zu haben, als einst.
Wäre es nicht schön, wenn wir aus Harrys und Sallys Fehlern lernen könnten?


Fazit:
Sally Albright und Harry Burns dabei zu beobachten, wie sie zuerst ahnungslos nebeneinander her leben und sich dann so lange ihrem Glück widersetzten, ist ansteckend unterhaltsam und mit pointierten Dialogen so greifbar zum Leben erweckt, dass man mit ihnen ebenso mitleidet, wie sich für sie freut. Harry und Sally erzählt eine Geschichte so alt wie die Zeit, aber so gelungen und charmant, dass sie frischer klingt. Rob Reiner richtet sich an ein Publikum, das nicht notwendigerweise an Altersklassen gebunden ist. Auch wenn allen eine Szene ebenso in Erinnerung bleiben wird, wie der oft zitierte Spruch danach – "Ich will genau das, was sie hatte." –, je älter die Zuseher sind, umso größer die Chance, dass sie über die Situation der Figuren hinaussehen können. Man kann nur hoffen, dass man an ihrer Stelle diese Weitsicht beibehalten könnte.
 


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