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Halloween H20 [1998]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Oktober 2015
Genre: Horror / Thriller

Originaltitel: Halloween H20: 20 Years Later
Laufzeit: 86 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Steve Miner
Musik: John Ottman, Jeremy Sweet, Marco Beltrami
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Adam Arkin, Michelle Williams, Adam Hann-Byrd, Jodi Lyn O'Keefe, Janet Leigh, Josh Hartnett, LL Cool J, Joseph Gordon-Levitt, Branden Williams


Kurzinhalt:

Seit Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) dem maskierten Killer in einer Halloween-Nacht nur knapp entkommen ist, sind inzwischen 20 Jahre vergangen. Noch immer plagen sie Alpträume von diesem Erlebnis. Seitdem hat sie ihren Namen geändert und lebt mit ihrem Sohn John (Josh Hartnett) in Kalifornien. Als es wieder Halloween ist, ahnt sie, dass Michael Myers kommen wird, um endgültig zu Ende zu bringen, was er begonnen hat. Dabei glaubt Laurie, dass ihr Sohn auf einer Klassenfahrt ist, während er in Wirklichkeit mit Freunden Halloween im Internat feiern will. Sie wissen dabei nicht, in welcher Gefahr sie alle schweben ...


Kritik:
20 Jahre nach Halloween – Die Nacht des Grauens [1978] war das Genre schon lange an dem Punkt angekommen, dass man die Zuschauer weder mit Monstern, die kranken Phantasien entsprungen sind, noch mit immer blutigeren Horrorideen locken konnte. Statt aus dem zu Halloween mordenden Michael Myers eine bittere Satire zu machen, präsentiert Regisseur Steve Miner Halloween H20 als geradlinigen Slasher-Film, bei dem die größte Überraschung die Hauptfigur ist.

Dabei blendet die Geschichte die Ereignisse der Filme drei bis sechs der Reihe aus und setzt 20 Jahre nach den Ereignissen aus Halloween und Halloween II – Das Grauen kehrt zurück [1981] an. Man muss dabei bedenken, dass John Carpenters erster Film und auch der zweite Teil lange Zeit vor den starken Frauenfiguren entstanden ist, die in den 1980er-Jahren die Leinwand eroberten. In Die Farbe Lila [1985] lehnte sich Whoopi Goldberg gegen einen gewalttätigen Ehemann auf, in Terminator [1984] wehrte sich Linda Hamilton gegen Maschinen aus der Zukunft und spätestens in Aliens - Die Rückkehr [1986] avancierte Sigourney Weaver zur weiblichen Actionikone, die den blanken Horror bekämpfte.
Laurie Strode war vor dieser Zeit und auch wenn sie am Ende des ersten Halloween-Films den Spieß kurzzeitig buchstäblich umdrehte, sie war immer passiv und auch im zweiten Film das Opfer.

Trifft man zu Beginn von Halloween H20 auf sie, ist sie immer noch gezeichnet von den Erlebnissen jener Zeit. Geplagt von Alpträumen, die sie auch bei Tag verfolgen, versucht sie, ihre Erinnerungen im Alkohol zu ertränken. Als Direktorin einer Privatschule hat sie ständig mit jungen Menschen zu tun, in deren Alter sie etwas Grauenvolles erlebt hat. Sie ist daran nicht gewachsen, es hat sie nicht stärker gemacht – Laurie ist eine gebrochene Figur, deren 17jähriger Sohn John mehr für sie da ist als umgekehrt.

Es ist eine unerwartete und persönliche Ausgangslage, aus der Regisseur Miner seine Heldin neu erschafft. Ihr wichtigster Moment ist, wenn sie erkennt, dass sie nicht vor Michael davonlaufen kann, sondern umdreht, um den Kampf mit ihm aufzunehmen. Nur dann geht der Film gerade einmal noch eine Viertelstunde.
Bis es soweit ist, ist Halloween H20 ohne Haken oder Wendungen ein schnörkelloser Horrorfilm, der einige sehr gut aufgebaute Spannungsszenen besitzt und auch wenn mit der gezeigten Gewalt nicht gegeizt wird, sie doch nicht derart in den Mittelpunkt stellt. Was der Film jedoch vermissen lässt, sind neue Ideen oder ein ungewohnter Ansatz. Er wirkt schon zwei Jahre nach dem erfrischend anderen Scream [1996] in gewisser Weise fade.

Man könnte meinen, es wäre das größte Bestreben von Steve Miner und seinen Drehbuchautoren gewesen, der Reihe einen würdigen Abschluss zu verleihen. Nicht ohne Grund verstecken sich im Film so viele Anspielungen, dass die gelungenen Szenen mit Janet Leigh (man achte auf Musik und ihr Auto sowie ihren "mütterlichen" Ratschlag an Jamie Lee Curtis), geradezu offensichtlich erscheinen. Von der Eröffnung an, die auf Dr. Sam Loomis verweist, bis hin zu den Filmen, die im Hintergrund im Fernseher zu sehen sind, ist spürbar, wie viel Liebe zum Detail die Filmemacher haben einfließen lassen. Der Dank ist ein Flair, das den Film besser in Erinnerung bleiben lässt, als er ohne es wäre.

Dazu trägt auch die tolle, stimmungsvolle Musik von John Ottman bei, der die bekannten Themen stilvoll modernisiert und immer zur rechten Zeit anklingen lässt. Der Abschluss ist den Beteiligten durchaus gelungen und gerade im letzten Drittel nimmt der Film so viel Fahrt auf, dass man kaum wegsehen kann. Nur bis es soweit ist, dauert es lange und der Weg dorthin besucht viele bekannte Stationen, bei denen es nichts Neues zu sehen gibt.


Fazit:
Die unendliche und tödliche Ruhe, die Michael Myers' gemächlicher Gang verbreitet, steht ganz im Gegensatz zu der Vehemenz, mit der er seine Opfer verfolgt. Auch wenn Regisseur Steve Miner in der Zwischenzeit einiges zu erzählen hat, bis zum Aufeinandertreffen zwischen ihm und Laurie dauert es lange. Begleitet er dabei Michael, erinnern die Szenen an bereits bekannte Situationen, während bei Laurie die Änderung erst spät einsetzt.
Halloween H20 ist tadellos inszeniert und nimmt das Finale Gestalt an, lässt der Film durchblitzen, was er viel früher schon hätte sein können. Der Schluss ist endgültig und eine tolle Idee, ebenso wie die vielen Verweise an die Vorgänger und Genreklassiker. Dass sich hier Fans angeschickt haben, eine Horrorfilm-Ikone würdig zu verabschieden, merkt man. Man wünscht sich aber auch, sie hätten sich mehr Zeit dafür genommen.    


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