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Greatest Showman [2017]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. Dezember 2017
Genre: Musical / Unterhaltung / Biografie

Originaltitel: The Greatest Showman
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Michael Gracey
Musik: John Debney, Benj Pasek, Justin Paul, Joseph Trapanese
Darsteller: Hugh Jackman, Michelle Williams, Zendaya, Zac Efron, Rebecca Ferguson, Keala Settle, Yahya Abdul-Mateen II, Paul Sparks, Gayle Rankin, Jacqueline Honulik, Natasha Liu Bordizzo


Kurzinhalt:

Im New York der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat es P.T. Barnum (Hugh Jackman) nicht leicht. Das Wenige, das er besitzt, reicht nicht für das Leben aus, das er seiner Frau Charity (Michelle Williams) und seinen beiden Töchtern bieten möchte. Doch er hat einen Traum: Mit einem hohen Kredit gründet er einen Zirkus der besonderen Art, in dem das Publikum "Launen der Natur" bestaunen kann. Einen groß gewachsenen Riesen etwa, einen kleinwüchsigen Mann oder jemanden, der wie ein Mensch gewordener Wolf aussieht. Zusammen mit Phillip Carlyle (Zac Efron), der sich in die Trapezartistin Anne (Zendaya) verliebt, auch wenn die Beziehung auf Grund ihrer unterschiedlichen Hautfarbe gesellschaftlich nicht akzeptiert wird, stellt Barnum eine Show auf die Beine, die ein großes Publikum anspricht. Ebenso groß ist auch der Widerstand von Konservativen. Erst als Barnum die Opernsängerin Jenny Lind (Rebecca Ferguson) in die USA holt und mit ihr auf Tournee geht, wird er gesellschaftlich akzeptiert – und verleugnet dabei, wer ihm überhaupt erst zum Erfolg verholfen hat …


Kritik:
Beim Verlassen der Vorführung hörte ich einen Zuseher sagen, man könne ein Musical nicht mit einem regulären Film vergleichen. Eine interessante These, die wiederum die Frage aufwirft, ob dies auch bei einem Filmmusical nicht möglich ist? Greatest Showman ist dabei insofern ein waschechtes Filmmusical, dass es nicht nur eine Handvoll Songs gibt, welche die Erzählung zum Liegen bringen. Stattdessen erzählt Filmemacher Michael Gracey die Story eben durch die Songs und nutzt sie gleichermaßen, um die Motivation und Hintergründe der Figuren aufzuzeigen und dabei die Aussagen seines Films zu transportieren. Was er dabei allerdings aus den Augen verliert ist, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte. Was als Biografie von Hauptfigur Phineas Taylor Barnum beginnt, lässt nicht nur die umstrittenen Seiten dieser Person außen vor, sondern kümmert sich über weite Strecken um andere Figuren, so dass er stellenweise wie eine Randfigur seiner eigenen Show erscheint.

Bereits der erste Song des Films, in dem Barnums Werdegang erzählt wird, erzeugt nicht nur eine mitreißende Stimmung. Aufgewachsen im 19. Jahrhundert, gelingt es ihm, gegen die Widrigkeiten der Zeit mit seiner Angebeteten, Charity, eine Familie in New York zu gründen. Doch das Leben ist nicht so luxuriös, wie er sich ursprünglich erträumt und ihr versprochen hatte. Aus der Not heraus eröffnet er ein Kuriositätenkabinett und glaubt, darin seine Bestimmung gefunden zu haben. Er schart Menschen um sich, die sich – meist auf Grund ihres Erscheinungsbildes – von der breiten Masse unterscheiden. Darunter eine bärtige Frau, ein besonders fülliger Mann, ein Riese und ein Kleinwüchsiger. Während die Kassen zu klingeln beginnen und Barnum den neu gewonnenen Reichtum genießt, wächst auch der Widerstand der konservativen Öffentlichkeit gegen diese "Freaks".

Wohin sich die Story entwickelt, ist in der ersten Filmhälfte durchaus überraschend, was auch daran liegt, dass die Songeinlagen allesamt unterschiedlichen Genres entsprungen sind. Der Song "Come Alive" zur Eröffnung des Zirkus erinnert dabei sowohl hinsichtlich der Musik als auch der Choreografie an Michael Jackson. Das ist kein Kritikpunkt, ganz im Gegenteil. Bei der Einführung von Barnums künftigem Geschäftspartner Phillip Carlyle gewinnt der Filmemacher merklich Spaß an der Showeinlage. Sie ist nicht nur toll inszeniert, sondern so humorvoll erzählt, dass es einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Obwohl (zumindest nach den Angaben auf dem Album) Rebecca Ferguson ihr Solo nicht selbst singt, ihr Auftritt als Jenny Lind sorgt für Gänsehaut und ist so intensiv, dass sie damit Cate Blanchett das Wasser reicht.

Durch die Figuren und ihre Einzelauftritte erzählt Greatest Showman einige Nebenstorys, in denen sich universelle Themen wiederfinden. Dass es bei den Artisten von Barnums Show um Akzeptanz und Toleranz geht, ist nicht verwunderlich. Derselbe Aspekt findet sich auch in der Beziehung zwischen Carlyle und der Trapezkünstlerin Anne Wheeler wieder. Die Botschaft, die dabei vermittelt wird, inspiriert auch dank Songs wie "This Is Me" der 'Attraktionen' im Kabinett, deren selbstbewusste Worte wie ein notwendiger Befreiungsschlag treffen. Die Musik ist schlichtweg großartig, selbst wenn sie nie auch nur in der Instrumentierung nach der Zeit klingt, in der die Story spielt. Nur verliert der Film währenddessen Barnum selbst aus dem Blick, der sich mit der gesellschaftlich akzeptierten Jenny Lind auf eine Tournee begibt und nicht nur seinen Zirkus und die Akteure den Anfeindungen überlässt. Auch seine Familie sieht sich der Ausgrenzung gegenüber, unabhängig vom Erfolg der Show.

Inhaltlich wird die zweite Filmhälfte insofern kaum jemanden im Publikum überraschen können. Der moralische Tiefpunkt ist lange angekündigt, ebenso wie das Finale, welches das Ruder wieder herumreißt und (zu) schnell anschließt. Dennoch laden die Songs zum Mitwippen ein und die positive Aussage am Ende tut, selbst wenn sie arg offensichtlich aufgetragen wird, merklich gut.
Die Hintergründe zu den verschiedenen Tanznummern besitzen ein teils unwirkliches, künstliches Aussehen, was zum Musical aber insofern gut passt, da es das Flair der Bauten eines Bühnenbilds versprüht. Schade ist allerdings, dass die an sich tolle Choreografie der Songs mitunter durch Trick-Effekte aufgehübscht wird. So wirken sie fast wie ein Schwindel, ähnlich wie Barnums Show. Inwieweit Greatest Showman darüber hinaus eine wahrheitsgetreue Biografie um P.T. Barnum darstellt, sei dahingestellt und sollte auch nicht die Motivation sein, den Film anzusehen.


Fazit:
Auch wenn es an Michael Graceys Film einige Kritikpunkte gibt, seine Inszenierung selbst ist makellos. Bisweilen merklich kitschig und offensichtlich, wie wenn dem Publikum am Ende die Aussage nochmals mit auf den Weg gegeben wird, mit der die Geschichte ursprünglich begann, besitzt die Story um Akzeptanz und Toleranz ebenso universelle Gültigkeit wie P.T. Barnums Bestreben, seinen Traum zu verwirklichen. Er selbst gerät im Mittelteil aus dem Fokus der Erzählung, während das Filmmusical in keinem Bereich irgendwelche Risiken eingeht. Hugh Jackman fesselt mit einer Darbietung, in die er viel Herzblut zu stecken scheint. Auch dank ihm strahlt Greatest Showman in allen Momenten und insbesondere den Songs und Tanzszenen eine Wärme aus, dass man das Kino mit einem guten Gefühl und einigen Ohrwürmern verlässt. Das ist mehr, als viele andere Musicals von sich behaupten können und nicht nur für die kalten Wintertage die beste Medizin.
 


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