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Good Night, and Good Luck. [2005]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Juli 2007
Genre: Drama

Originaltitel: Good Night, and Good Luck.
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ohne Altersbegrenzung

Regie: George Clooney
Musik: Dianne Reeves, Matt Catingub
Darsteller: David Strathairn, George Clooney, Robert Downey Jr., Patricia Clarkson, Jeff Daniels, Frank Langella, Ray Wise, Glenn Morshower, Don Creech


Kurzinhalt:
Senator McCarthy schürt Anfang der 1950er Jahre in Amerika die Angst vor dem Kommunismus. Auf Grund von Anschuldigungen werden Menschen des Verrats verurteilt, Arbeiter unter Druck gesetzt und auch in der Politik selbst traut sich niemand, gegen den Senator zu sprechen, oder ihn gar zu kritisieren.
Als der Journalist und Moderator der bekannten Sendung "See It Now", Edward R. Murrow (David Strathairn) eine Sendung vorbereitet, die McCarthy direkt angreift, seine Reden zitiert und aufzeigt, auf welch gefährliche Weise er Rechtstaatlichkeit und Freiheit untergräbt, bekommen auch Murrow, sein Produzent Fred Friendly (George Clooney) und seine Kollegen den Druck von oben zu spüren. Die Sendung wird am 9. März 1954 gezeigt und tritt eine wahre Welle los – bis sich McCarthy einen Monat später selbst zu Wort meldet und Murrow einen kommunistischen Hintergrund vorwirft.
Wenig später sehen sich Murrow und sein Team allein gegen das Studio, das sie so lange unterstützt hat ...


Kritik:
Joseph Raymond McCarthy war zwischen 1947 und 1957 als republikanischer Senator von Wisconsin in den USA sehr bekannt – womöglich eine der bekanntesten politischen Figuren seiner Zeit. Geprägt war er von einem kreuzzugartigen Hass gegen den Kommunismus und das Schüren der Urängste der amerikanischen Bevölkerung, von Kommunisten unterwandert zu sein. Seine Methoden waren einfach: Jeden beschuldigen und denunzieren, der sich gegen die vorherrschende politische Agenda auflehnt. Wer seine Hetzjagd verurteilte, wurde umso mehr ins Visier genommen.
Dabei wuchs der Widerstand gegen McCarthy auch in Amerika immer stärker, auch wenn die Angst vor öffentlicher Verfolgung viele Gegner in Schach hielt. Einer, der sich nicht mundtot machen ließ, war der bekannte News-Moderator Edward R. Murrow, dessen Sendung "See It Now" zu einem der bekanntesten und prestigeträchtigsten Formate herangereift war. Immer wieder griff Murrow zusammen mit seinem Stab an Journalisten und seinem Produzenten Fred Friendly unangenehme Themen auf – und stellte sich schließlich auch Senator McCarthy.

Diese Konfrontation, die für alle Beteiligten schließlich weit reichende Folgen mit sich brachte, chronologisieren die Drehbuchautoren Grant Heslov und George Clooney in ihrem dokumentarisch angehauchten Film mit allen wichtigen Eckdaten und liefern damit einen tiefen – und nach wie vor aktuellen – Einblick in die Geschehnisse hinter der Kamera.
Ursprünglich geplant als Live-Aufführung im CBS-Network in den USA, erstrecken sich die Handlungsstränge trotz der wenigen Räumlichkeiten auf einige Monate und werden durch eine Gala zu Ehre Murrows einige Jahre später eingerahmt. Was dabei verwundert ist einerseits die Tatsache, dass die Autoren den alltäglichen Ablauf der Nachrichten-Sendung "See It Now" mit allen möglichen Zwischenstationen zwar vorstellen, andererseits den Zuseher aber unvorbereitet mitten ins Geschehen werfen. So wird bis zum Schluss die Position mancher Figuren innerhalb der Sendung nicht wirklich klar, und auch der Handlungsstrang um das heimliche Ehepaar Wershba erfüllt nicht wirklich einen Sinn und Zweck.
Dafür wirken die Dialoge gerade in Zusammenhang mit den gezeigten Sendungen stimmig und auch die Auswirkungen der Presse, ihrer Manipulationsmöglichkeiten und der Druck, der auf die Beteiligten ausgeübt wurde, werden veranschaulicht. Letztlich lebt Good Night, and Good Luck. allerdings von der lebhaften und doch etwas mysteriösen Darstellung von Edward R. Murrow, über dessen privaten Hintergrund allerdings nichts gesagt wird. Zu sehen, wie sich der Journalist dem Kampf gegen die Windmühlen stellt, sich im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht einschüchtern lässt und den Kampf für die freie Meinungsäußerung als wichtiger erachtet, als seine persönliche Karriere, ist beeindruckend und an sich auch inspirierend.
Und diese Aussage ohne mit dem Zeigefinger auf die heutigen Gegebenheiten zu zeigen, einzufangen, ist Clooney und Heslov ausgesprochen gut gelungen.

Dies aber auch entsprechend zu verkörpern, obliegt den Darstellern, die von einem zurecht oscarnominierten David Strathairn angeführt werden. Er lässt so viele subtile Gesten in sein Spiel mit einfließen, dass es stellenweise schon beängstigend erscheint. Zu Beginn kaum spürbar und doch immer stärker in seinen Gesichtszügen, seiner Körperhaltung zu sehen und auch (im englischen zumindest) in seiner Aussprache zu hören ist die Anspannung, unter der Murrow auf Grund des politischen Drucks auch von Seiten des Studios steht. Eine derart packende, weil eben nicht aufdringliche Darstellung hat man selten gesehen.
Dahingegen nimmt sich George Clooney erstaunlich zurück, gibt sich mit einer kleineren Rolle zufrieden und unterstützt mit einer ebenso gekonnten Darbietung seine Kollegen. Er trägt ebenso wie die exzellent mimenden Robert Downey Jr. und Patricia Clarkson zu einem überzeugenden und realistischen Ambiente bei.
Endlich wieder gefordert ist auch Jeff Daniels, der in der zweiten Hälfte aber leider weniger zu tun bekommt – und auch Frank Langella, der als CBS-Studiochef William Paley ebenso charismatisch wie autoritär erscheint, sich dem Schicksal von "See It Now" zudem nur widerwillig beugen möchte.
Eine tragische Rolle kommt Ray Wise zu, der seit seiner ebenso gebrochenen Figur in Twin Peaks [1990-1991] nicht mehr an jene Leistung anknüpfen konnte. Ihn zu beobachten, die Verzweiflung in seinen Augen zu lesen, die ihn zu seinem Entschluss bringt, ist ebenso ergreifend, wie deprimierend. Dass er hierfür nicht einmal für eine Auszeichnung nominiert wurde, wenngleich er nur eine kleine Rolle spielt, ist bedauerlich.

Eingefangen wird die erstklassige Besetzung durch eine scheinbar zweigeteilte Inszenierung von Robert Elswit, der Good Night, and Good Luck. einerseits erscheinen lässt, als wäre es ein Bühnenstück und auch mit ähnlich prägnanten Perspektiven gespickt, andererseits wie eine richtige Dokumentation, mit hin und her schwingender Kamera bei manchen Szenenwechseln.
Diese Mischung als Kammerspiel und richtigem Hollywood-Film wirkt allerdings nicht gestellt oder künstlich, sondern zieht den Erzählfluss unterschwellig an, ohne dass an sich in der Filmhandlung viel passieren würde. Damit beeinflusst Clooney das Tempo seines Dramas, ohne auf Effekthascherei zu setzen. Gleichzeitig gibt Elswit den Darstellern auch genügend Freiraum, setzt ihre Leistungen aber glänzend in Szene. Man kommt sich als Zuschauer mitunter vor, wie eine weitere Person im Raum, die das Geschehen beobachtet.
Auch der gelungene Filmschnitt trägt seinen Teil zur hervorragenden Atmosphäre des Films bei.

Die ungewöhnlichsten Nachrichten schreibt das Leben bekanntermaßen selbst – so auch im Falle von Murrow und McCarthy. Was den US-Senator angeht, wollte Clooney in seinem oscarnominierten Film zuerst einen Darsteller verpflichten, doch als nach Testvorführungen die Zuseher meinten, die Darbietung des echten Senators aus Archivaufnahmen wirke übertrieben, ließ man die Idee fallen. Realistischer als das Leben selbst hätte ein Schauspieler ohnehin nicht sein können.
Die Hälfte des sieben Millionen Dollar Budgets spielte der nur in wenigen Kinos gezeigte Film bereits am ersten Wochenende wieder ein – für ein großes Publikum ist Good Night, and Good Luck. dabei sicherlich nicht gedacht. Einerseits, weil der Film dafür zu ruhig geraten ist, zu wenig auf die offensichtlichen Reize setzt, andererseits, weil er auch das Nachrichtensystem unserer Zeit kritisiert. Welch Unterfangen es ist, gegen etablierte Systeme anzugehen, haben die wahren Personen jener Ära dabei selbst erfahren müssen. Umso wichtiger ist es, dass ihre Geschichte nur unerzählt bleibt.


Fazit:
Angeführt von einem überragenden David Strathairn, der seine Kollegen mühelos in den Schatten zu stellen scheint, und doch einige der gelungensten Darbietungen an seiner Seite weiß, entfaltet sich die ebenso Mut machende, wie auch deprimierende Geschichte hinter Good Night, and Good Luck. vor den Augen des Publikums.
Wer sich auf das ruhige, beinahe schon dokumentarische Zeitportrait einlässt, wird neben einer handwerklich erstklassigen Umsetzung auch inhaltlich viele Aspekte finden, die nicht nur aufgenommen werden sollen, sondern zum nachdenken anregen. Dass der Triumph, der von Männern wie Edward R. Murrow gegen ein auf Hörensagen und Beschuldigungen beruhendes System teuer erkauft wurde, ist bekannt – dass die Welt, insbesondere in den USA, seit mehreren Jahren erneut auf so mutige Journalisten wartet, an sich ein Trauerspiel.
Autor, Regisseur und Darsteller George Clooney macht sich mit Themen wie diesen nicht beliebt im eigenen Land, untermauert aber, dass er weit mehr ist, als der Schönling, der aus dem Fernsehen kam. Zurecht wurde er mehrfach für den Oscar nominiert. Sehenswert und tatsächlich auch in Deutschland "besonders wertvoll".


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