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Ghost in the Shell [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Mai 2018
Genre: Science Fiction / Action / Krimi

Originaltitel: Ghost in the Shell
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: Großbritannien / China / Indien / Hongkong / USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Rupert Sanders
Musik: Lorne Balfe, Clint Mansell
Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara, Tawanda Manyimo, Peter Ferdinando, Anamaria Marinca


Kurzinhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft lassen sich Menschen mit kybernetischen Bauteilen verbessern. Major Mira Killian (Scarlett Johansson) ist der nächste Schritt in dieser Entwicklung – bei einem Terroranschlag wurde ihr Körper so stark beschädigt, dass außer ihrem Gehirn, ihrem Geist, nichts Menschliches in eine vollständig künstliche Hülle übernommen wurde. So ist sie schneller, stärker und leistungsfähiger als alle übrigen; Menschen wie Verbesserten. Es macht sie gleichzeitig zu einer perfekten Waffe, weshalb der Leiter von Hanka Robotics, Cutter (Peter Ferdinando), sie einer Spezialeinheit des Verteidigungsministeriums übergibt. Nach einem Jahr bei Sektion 9 mit ihrem Partner Batou (Pilou Asbæk) wird der Major bei einem Einsatz auf den Hacker Kuze (Michael Pitt) aufmerksam, der hochrangige Hanka-Mitarbeiter tötet. Ihre Ermittlungen führen Mira in ihre eigene Vergangenheit, an die sie sich kaum erinnert. Während Dr. Ouélet (Juliette Binoche) behauptet, Visionen, die den Major immer wieder heimsuchen, wären bloße Fehlfunktionen und hätten nichts zu bedeuten, beginnt diese zunehmend, an ihrer Identität zu zweifeln …


Kritik:
Die Welt, die Regisseur Rupert Sanders in der düsteren Zukunftsvision Ghost in the Shell, basierend auf dem japanischen Manga, erschafft, macht einen so detaillierten Eindruck, das Universum wirkt so weitläufig, komplex und facettenreich, dass die Geschichte, die er darin erzählt, geradezu winzig erscheint. Es ist ein Umstand, der zu Beginn noch gar nicht so stark ins Gewicht fällt, da man von den knalligen Farben, den Formen und den einfallsreichen Figuren regelrecht überrollt wird. Aber am Ende hinterlässt es einen viel hohleren und leereren Eindruck, als es eigentlich sollte. Als wäre der Geist zu klein für die schimmernde Hülle.

In naher Zukunft verschmelzen Mensch und Maschine miteinander. Es ist alltäglich, sich mittels kybernetischer Teile aufzuwerten. Major Mira Killian stellt den nächsten Schritt in dieser Evolution dar: Ihr Körper selbst ist vollständig synthetisch. Einzig ihr Gehirn ist das eines Menschen, das in diesen Körper nach einem Schiffsunglück, wie Dr. Ouélet erzählt, transplantiert wurde. Verantwortlich dafür ist die führende Firma in Sachen Kybernetik, Hanka Robotics, dessen CEO Cutter entscheidet, den Major in der Cyber-Terrorismus-Einheit Sektion 9 des Verteidigungsministeriums einsetzen zu lassen, wo sie unter Chief Aramaki arbeitet. Ein Jahr später wird Killian bei einem Einsatz mit ihrem Partner Batou auf den Hacker Kuze aufmerksam, der hochrangige Hanka-Mitarbeiter im Visier hat.

Dass der Major, die sich nur schemenhaft an ihre Zeit vor dem neuen Körper erinnern kann und immer stärker von „Fehlfunktionen“ geplagt wird, die sich in Visionen und Geräuschen widerspiegeln, im Laufe der Ermittlung in ihre persönliche Vergangenheit eintaucht, ist wenig überraschend. Immerhin sollte Ghost in the Shell sich auch mit ihr als Figur beschäftigen. Enttäuschend ist vielmehr, dass die Geschichte insgesamt nicht mehr ist. Man würde erwarten, dass es am Ende um eine große Verschwörung geht, die die gesamte Gesellschaft betrifft und die Aussagen dazu trifft, welche Auswirkungen die Verschmelzung von Mensch und Maschine haben kann. Aber auch wenn sich das Skript phasenweise mit den ethischen Fragen beschäftigt, sie sind am Ende nur eine Randnotiz.

Wie erwähnt, fällt dies Anfangs kaum ins Gewicht, da das Design dieser Welt und ihrer Figuren, die auf unterschiedlichste Weise die Grenze zwischen Mensch und Technologie verschwimmen lassen, so durchgehend und einfallsreich zugleich ist. Die knalligen Neon-Farben, die trotz der grellen Schimmer eine emotionale Kälte verkörpern, eine Metropole, in der sich alles bewegt und zu einer sensorischen Überlastung führt, der Look von Ghost in the Shell ist so umwerfend wie die Perspektiven. Regisseur Rupert Sanders, der bereits bei Snow White and the Huntsman [2012] ein Faible für eine gelungene Optik bewies, greift viele Blickwinkel auf, die unmittelbar den Mangas entnommen sein könnten. Die stilisierten Zeitlupen verstärken den Eindruck sogar noch und es würde durchaus lohnen, hier einzelne Bilder auf sich wirken zu lassen und die Details im Hintergrund zu erkunden.
Im Grunde ist es erstaunlich, wie lange der Filmemacher dies durchhält und immer wieder durch seine Bildgestaltung überrascht, die auch dank der hervorragenden, weil weitgehend unsichtbaren Trickeffekte überzeugt. Aber es verstärkt nur die Enttäuschung, wenn das Finale inhaltlich wie optisch auf das Niveau beliebiger Hollywoodproduktionen zurückfällt. Gerade dann, wenn man am meisten mit Mira mitfiebern sollte, scheint sie nur ein kleiner Teil einer unwirklichen Welt.

Für die Besetzung von Scarlett Johansson musste die Produktion bereits im Vorfeld viel Kritik einstecken. Das ist insofern interessant, da das Aussehen von Figuren in Mangas nicht selten merklich westlich geprägt ist. Wie dem auch sei, überzeugt insbesondere Johansson in der Rolle der Soldatin auf der Suche nach sich selbst. Dass die übrigen Figuren wenig zu tun bekommen und die Charaktere nur spärlich ausgearbeitet sind, ist nicht nur in Hinblick auf den blassen Bösewicht des Films bedauerlich. Immerhin wird angedeutet, dass Sektion 9 um den Major als Team arbeitet – wirklich gezeigt wird das aber nie. Es ist lediglich ein Aspekt, der den Eindruck verstärkt, Ghost in the Shell wäre weniger das erste Kapitel als lediglich der Prolog einer Geschichte. Dass diese angesichts des eher enttäuschenden Einspielergebnisses wohl nie erzählt wird, ist bedauerlich.


Fazit:
In der düsteren Vision einer Zukunft, in der die Menschlichkeit in der mechanischen Hülle von künstlich aufgewerteten Individuen begraben zu werden droht, gäbe es viele interessante – und auch aktuelle – moralische Dilemmas auszuloten. Filmemacher Rupert Sanders streift manche von ihnen im Vorbeigehen, doch die eigentliche Story um Major Killian geht allzu bekannte Wege und gewinnt nie den Tiefgang oder gar die Tragweite, die sie im Grunde verdient. Darüber hinaus sind die vermeintlichen Twists hinsichtlich des Ursprungs ihrer Visionen oder der wahren Natur von Kuze so vorhersehbar, dass man den Figuren nach den ersten 15 Minuten die Auflösung bereits zurufen möchte. Das Design ist dagegen geradezu berauschend und offenbart auch im Verlauf immer neue Facetten. Doch das allein genügt nicht, damit Ghost in the Shell den Platz unter großartigen Vertretern des Cyberpunk-Genres einnehmen kann. Anstatt darin einzutauchen, legt der Film hinsichtlich der Charaktere und des Universums selbst nur die Grundlagen und bleibt selbst für eine Ursprungsgeschichte zu oberflächlich. Zu entdecken gäbe es so viel mehr.
 


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