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Geostorm [2017]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Oktober 2017
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Geostorm
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Dean Devlin
Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Gerard Butler, Jim Sturgess, Abbie Cornish, Ed Harris, Andy Garcia, Daniel Wu, Alexandra Maria Lara, Richard Schiff, Eugenio Derbez, Zazie Beetz, Jeremy Ray Taylor, Adepero Oduye, Amr Waked, Robert Sheehan


Kurzinhalt:

Es war ein riesiges internationales Projekt, genannt "Dutchboy", mit dem die von Naturkatastrophen geplagte Welt zurückschlug. Unter der Leitung von Jake Lawson (Gerard Butler) wurde ein Satellitennetzwerk rund um den Globus installiert, mit dem sich Wetterphänomene auflösen lassen, ehe sie Zerstörung anrichten. Aus dem abgeschlossenen Projekt geschasst, das nun von seinem Bruder Max (Jim Sturgess) geleitet wird, hat sich Jake zurückgezogen. Bis extreme Wetterphänomene verheerende Schäden anrichten. Wie es scheint, besitzt "Dutchboy" eine Fehlfunktion. Auf Geheiß von US-Präsident Palma (Andy Garcia) und Außenminister Dekkom (Ed Harris) verpflichtet Max Jake, um an Bord der Internationalen Raumstation zu untersuchen, wie die Katastrophen entstanden. Sowohl auf der Station, als auch auf der Erde verdichten ich die Hinweise, dass das System absichtlich manipuliert wurde mit dem Ziel, einen "Geostorm" zu provozieren – eine Reihe von Wetterphänomenen, von denen sich die Erde nicht erholen wird. Und die Zeit läuft …


Kritik:
Wer nach der ersten Hälfte von Geostorm aufhören würde, könnte die negative Aura, die Dean Devlins Spielfilmregiedebüt umgibt, kaum verstehen. Nicht nur die wenig überzeugenden Bilder der Filmvorschau sorgten für die negative Grundstimmung, sondern auch Berichte um Nachdrehs oder die Tatsache, dass der Film seit beinahe zwei Jahren so gut wie fertiggestellt ist. Doch dann beginnt die zweite Hälfte und plötzlich sieht man alle Befürchtungen bestätigt.

Eingeläutet wird Geostorm von einer Erzählerin aus dem Off, die von Naturkatastrophen berichtet, die die Erde heimgesucht haben. Zusammen mit den tatsächlichen Aufnahmen von verheerenden Unwettern und Desastern klingt das nicht nur hochaktuell, sondern in gewissem Sinne beinahe mahnend. Dass es den Menschen gelingt, in einer gemeinsamen Anstrengung ein globales Satellitennetzwerk zu installieren, genannt "Dutchboy", mit dessen Hilfe sich das Wetter kontrollieren lässt, könnte ein Happy End darstellen – bis das Lebenswerk von Jake Lawson offensichtlich verheerende Unwetter auf der Erde hervorruft, anstatt sie zu verhindern. So wird Jake, der von seinem Bruder Max aus dem Projekt geworfen worden war, wieder hinzugezogen, um den Fehler zu finden und weitere Zwischenfälle zu verhindern. Dabei kommt er einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die obersten politischen Sphären reicht.

Die Beschreibung klingt, als wollte Devlin einen Thriller erzählen. Macht sich Jake zusammen mit der Leiterin der Raumstation, von der aus "Dutchboy" kontrolliert wird, daran, herauszufinden, wie die Unwetter, die unter anderem ein Dorf in Afghanistan oder einen Teil Hongkongs vollkommen vernichtet haben, hervorgerufen werden, dann ist es beinahe so. Doch statt sich auf eines zu kontrollieren, versucht Geostorm einen Spagat zwischen mehreren Genres und auf mehreren Erzählebenen. Es wundert somit kaum, wie gründlich dies misslingt. Wird ein Bekannter von Max, der die Zusammenhänge zwischen den hervorgerufenen Katastrophen aufdeckt, auf eine erschreckend bildliche Art und Weise getötet, oder sieht man die Auswirkungen der Wetterphänomene, dann lässt der Film vor allem den leichtfüßigen Spaßfaktor anderer zerstörerischer Katastropheninfernos wie Independence Day [1996] vermissen.

Wie wenig Vertrauen die Produzenten offensichtlich in ihren Film besitzen, merkt man auch an der Musik. Lorne Balfes Kompositionen tragen zwar grundsätzlich zur Stimmung der Geschichte bei, nur klingt der Score, als stamme er aus einem Michael Bay-Film. Vor allem wird beinahe jede Szene mit Musik unterlegt, bis hin zu den eigentlichen Actionhöhepunkten. Sieht man sich den Zwischenfall in Hongkong an, der nicht nur erschreckend gelungen aussieht, sondern auch spannend umgesetzt ist, dann ist der Soundtrack in dieser Situation schlicht unnötig und lenkt mehr vom Geschehen ab, als es noch zu unterstreichen. Es ist, als soll dem Publikum hier nie die Möglichkeit gegeben werden, zur Ruhe zu kommen, aus Angst, man könnte über den Inhalt nachdenken.

Zeichnet sich ab, dass die neue Unwetter nicht auf Grund einer Fehlfunktion, sondern bewusst hervorgerufen werden, ist auch sofort absehbar, wer hinter der Verschwörung steckt. Wer hier nicht sofort weiß, wer der eigentliche Bösewicht ist, hat noch nie irgendeinen Hollywood-Film gesehen.
An sich ist es erstaunlich genug, dass die erste Filmhälfte trotz der arg weit hergeholten Grundidee funktioniert. Doch in der zweiten Hälfte bricht der Erzählfluss förmlich zusammen. Regisseur Dean Devlin versucht sich an einem Finale auf mehreren Ebenen, auf der Station und in verschiedenen Ländern der Erde, in denen Naturkatastrophen wüten. Doch er wechselt zwischen diesen Erzählsträngen stets im falschen Moment und führt auf der Erde bei keiner der Schauplätze Figuren ein, deren Überlebenskampf fesseln würde. Zu kurz sind die Einblicke und zu gehäuft die Klischees. Hinzu kommt ein erzwungener Humor an den unpassendsten Stellen, obwohl Geostorm zuvor einen anderen Grundton aufweist.

Auf eine unangenehme Art und Weise überraschend ist die Qualität der Trickeffekte, die zum Finale hin in einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit qualitativ abbaut. So gelungen die Momente an Bord der Raumstation sind, so offensichtlich sind die Tricks bei den Wetterphänomenen am Ende, die umso mehr herausstehen, wenn man sie mit den realen Aufnahmen des Prologs vergleicht. Es ist beinahe, als würde man stellenweise eine TV-Produktion von vor 10 Jahren sehen. Ebenso verhält es sich mit dem Epilog, der erneut von Jakes Tochter Hannah gesprochen wird; so passend ihre Einleitung für den Film, so aufgesetzt moralschwanger sind die letzten Sätze, mit denen das Publikum entlassen wird.


Fazit:
Die Gegensätze in Dean Devlins Film könnten größer kaum sein. Seine erste Spielfilmregiearbeit orientiert sich offensichtlich an den Katastrophenfilmen, die er zusammen mit Roland Emmerich produzierte, nur ohne deren Leichtfüßigkeit je zu erreichen. Der Abschiedsmoment zwischen Jake und seiner Tochter ist nicht nur toll gespielt, sondern auch gelungen umgesetzt – doch dem stehen kitschige und schlicht grausige Dialoge entgegen, bei denen man am liebsten weghören möchte. Die Trickeffekte im Weltraum sind durchweg hervorragend, die Wetterphänomene beim Finale dagegen geradezu unterirdisch. Eine Dokumentation darüber wie der Film so wurde wie er ist, wäre vermutlich spannender als er selbst. Für ein "guilty pleasure" ist das nicht trashig genug, für ein "pleasure" allein aber in der zweiten Hälfte schlicht zu enttäuschend auf so vielen Ebenen. Unbestritten ist, dass sich Geostorm als Konzept zweifellos besser angehört hat als das, was am Ende daraus geworden ist. Aber das ist allenfalls ein kleiner Trost.
 


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