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Garfield 2 [2006]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Juli 2006
Genre: Komödie / Animation

Originaltitel: Garfield: A Tail of Two Kitties
Laufzeit: 78 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Tim Hill
Musik: Christophe Beck
Darsteller: Bill Murray / Oliver Kalkofe, Breckin Meyer, Jennifer Love Hewitt, Billy Connolly, Ian Abercrombie, Roger Rees, Lucy Davis, Lena Cardwell, Veronica Alicino


Kurzinhalt:
An sich kann sich Garfield (Bill Murray / Oliver Kalkofe) nicht über sein Leben beschweren; nicht nur, dass sein Besitzer Jon Arbuckle (Breckin Meyer) ihm jeden Wunsch erfüllt, mit Lasagne, dem Hund Odie – Garfields williges Opfer – und dem Fernseher hat der Kater alles, was er sich nur träumen kann.
Doch dann entscheidet Jon, seiner Freundin, der Tierärztin Liz (Jennifer Love Hewitt) einen Heiratsantrag zu machen und fliegt ihr dafür sogar bis nach London hinterher. So büchsen Garfield und Odie aus dem Tierheim aus und machen sich als blinde Passagiere mit auf den Weg nach London. Doch dort angekommen wird Garfield mit dem Millionenerben Prinz (Tim Curry), ebenfalls ein gefräßiger Kater, verwechselt und wird ins Schloss gebracht, während Prinz bei Jon und Liz landet.
Aber während Garfield auch im Schloss jeden Wunsch von den Augen abgelesen bekommt, muss er doch erkennen, dass das adelige Leben gefährlicher ist, als es aussieht – denn Prinz ist nicht einfach so abhanden gekommen, vielmehr wollte der menschliche Erbe Dargis (Billy Connolly) über Prinz' Verschwinden an den Besitz herankommen. Und Dargis schreckt auch nicht davor zurück, Garfield an den Pelz zu gehen, um sein Ziel zu erreichen. Aber die übrigen Tiere im Schloss sind gewillt, ihre Existenz im Zweifel mit Gewalt zu verteidigen, und es liegt an Garfield, sie im Kampf gegen Dargis zu vereinen ...


Kritik:
In etwa eineinhalb von zehn renommierten Kritikern konnte Garfield – Der Film [2004] seinerzeit empfehlen. Es reichte offensichtlich aus, immerhin spielte die ersten Real-Animations-Umsetzung des bekannten Comic-Strips weltweit 200 Millionen Dollar ein, die lukrative Heimvideoauswertung gar nicht mitgerechnet.
So machte man sich alsbald daran, eine Fortsetzung auf den Weg zu schicken, die mit einem Mehr an Garfield und anderen Tieren alle Zutaten besaß, um das Publikum des ersten Films erneut in die Kinos zu locken. Doch gerade dieser Effekt blieb überraschenderweise aus und bislang nahm Garfield 2, der hierzulande sowohl mit dem Untertitel Eine Kater-Strophe kommt selten allein, als auch mit Faulheit verpflichtet beworben wird, gerade einmal ein Fünftel seines Vorgängers ein – das lukrative Geschäft in den USA ging an der Comic-Adaption vollkommen vorbei. Sieht man sich den Film schließlich an, erkennt man auch schnell, weshalb.

Wie bei Fortsetzungen üblich versprachen die Macher auch hier, dass viel Zeit auf eine ausgereifte Story verwandt wurde, die den Figuren die Möglichkeit bieten würde, sich zu entfalten und sie weiter zu entwickeln. In der Tat bietet Garfield 2 eine an sich solide Grundgeschichte, die von einem nicht zu leugnenden Fantasy-Charakter einmal abgesehen durchaus in das Universum der Lasagne-liebenden Riesenkatze passen würde. Wenn es allerdings um die Charakterentwicklung geht, weiß man nicht so recht, wen die Produzenten damit eigentlich gemeint haben.
Die menschlichen Figuren Jon und die Liebe seines Lebens Liz sind ohnehin nur zu Nebendarstellern degradiert (wohingegen Dargis als Bösewicht eine außerordentlich große Rolle zugeschrieben bekommt), und von den tierischen Mimen ist Garfield zwar am meisten gefordert, seine Erkenntnisse kommen aber erstens spät und außerdem sehr überraschend. In einem Kinderfilm ist dagegen ja prinzipiell nichts auszusetzen, zumal die Autoren der Story immerhin eine einfache, aber nicht abzustreitende Moral mitgegeben haben; was die Vorlage allerdings Sympathien kostet ist die Tatsache, dass kaum eine Idee wirklich neu ist, sondern vielmehr bekannte Versatzstücke zusammen gewürfelt und um das "Garfield"-Element erweitert werden. Die sprechenden Tiere hat man in Ein Schweinchen namens Babe [1995] nicht nur passender, sondern ungemein knuddeliger und liebenswerter gesehen; das Thema des Doppelten Lottchens wurde unter anderem in Ein Zwilling kommt selten allein [1998] charmanter erzählt und auch die Aussage von Garfield 2 ist alles andere als neu.
Die kindlichen Zuschauer stört das freilich wenig, kann man sich doch an den tierischen Elementen erfreuen, das erwachsene Publikum allerdings sollte von den wenigen subtilen Witzen wie einem abgewandelten Das Schweigen der Lämmer [1991]-Zitat lange zehren – so etwas kommt in den 80 Minuten nur ein paar Mal vor. Der Rest reduziert sich auf absehbaren und altbekannten Slapstick-Humor und andere Einlagen, die aber junge Zuseher ansprechen. Wäre die Story nicht so einfallslos, dass man den Ausgang jeder einzelnen Szene absehen könnte, dann könnte man darüber sogar noch hinweg sehen.

Ob die Darsteller für ihre Kurzauftritte überhaupt eine Gage erhalten haben darf zur offenen Diskussion gestellt werden; sowohl Breckin Meyer, als auch Jennifer Love Hewitt stapfen wie Statisten durch die Kulissen und üben sich darin, sich gegenseitig an Uninspiriertheit zu übertreffen. Das Endergebnis ist in Bezug auf die Motivation der Akteure geradezu erschreckend und sollte schnell wieder vergessen werden.
Dagegen leistet Ian Abercrombie immerhin solide Arbeit, während Billy Connolly die beste menschliche Darbietung zeigt; er geht in der Schurkenrolle merklich auf und entfaltet im Deutschen dank der Synchronstimme von Thomas Danneberg (der unter anderem auch John Cleese spricht) ein komödiantisches Talent, wie man es ihm nach ernsten Rollen wie in Last Samurai [2003] kaum zu getraut hätte.
Wurde Garfield selbst im ersten Teil noch von Thomas Gottschalk gesprochen, tritt nun Oliver Kalkofe an seine Stelle; es ist durchaus überraschend, wie gut es Kalkofe gelingt, dem computergenerierten Kater Leben einzuhauchen. Sein großer Vorteil ist einerseits, dass man bei seiner Stimme nicht zwangsläufig das Gesicht des Sprechers vor Augen hat, andererseits, dass ihm die Gratwanderung zwischen normalen Dialogen und zynischen Bissigkeiten leicht von den Lippen kommt. Er leistet gute Arbeit und geht in seiner Sprechrolle voll auf.

An der handwerklichen Umsetzung gibt es grundsätzlich nichts zu bemängeln, Regisseur Tim Hill kleidet seine Komödie schnörkellos in routinierte Bilder, die er mitunter (und auf Grund der kleinen Stars) in einfallsreichen Blickwinkeln einfängt. Nichtsdestotrotz fehlt Kamera und Schnitt das Quäntchen Innovation, um sich von anderen Filmen dieser Art abzuheben ebenso, wie eine straffere Dramaturgie – einen Film bei nur 78 Minuten Laufzeit mit Längen zu versehen ist an sich schon eine Leistung.
Die musikalische Untermalung von Komponist Christophe Beck ist gut gelungen, auch wenn man etwas ein durchgängiges Thema für den pelzigen Hauptcharakter vermisst; die eingebrachten, königlich anmutenden Klänge passen allerdings ebenso, wie der übrige Score, und auch die gesungenen Lieder fügen sich mehr oder weniger reibungslos ins Geschehen ein.

Was bei Garfield 2 im positiven Sinne überrascht ist die Qualität und die Menge der Spezialeffekte; bei den tierischen Darbietungen kann man das insofern noch verstehen, als dass sich die "Korrekturen" der Effektekünstler meist auf die Mundpartien beschränkten, die ordentlich animiert sind. Auch die Szenen, in denen mehrere Tiere in ein Bild hinein kopiert wurden, sehen wirklich gut aus und sind nur für erfahrene Zuschauer zu entlarven. Mitunter aber sehr eindrucksvoll sind die Aufnahmen des computergenerierten Garfields, beziehungsweise von Prinz.
Nicht nur, dass man die unter dem Fell liegenden Muskel- und Fettschichten wahrhaftig erkennen kann, die Bewegungen der digitalen Katze sehen stellenweise verblüffend echt aus und auch die Interaktion Garfields mit seiner realen Umgebung ist gelungen. Dass der CGI-Kater nicht immer übergangslos in die reale Welt hinein kopiert wurde, übersieht man darum gern. Katzenliebhaber werden sich insbesondere an denjenigen Momenten erfreuen, in denen Garfield oder Prinz typische Katzeneigenarten an den Tag legen, wie das Strecken oder die angewinkelten Ohren, die im Bewegungsablauf täuschend echt erscheinen.

Was sich die Macher allerdings bei der Gestaltung des Abspanns gedacht haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dort erwarten den Zuschauer neben Standbildern aus dem Film alternative Aufnahmen (Outtakes), als auch eine weiter gesponnene Story mit Dargis und den Tieren, die aber weder einen wirklichen Anfang besitzt, noch einen Schluss und auch dazwischen keinen Sinn ergibt.
Aber gerade durch diese Zwiespältigkeit – einen hohen Produktionsstandard bei einem unterentwickelten Skript, oder wirklich gute Animationen bei überwiegend fürchterlicher Schauspielerleistungen – hinterlässt Garfield 2 einen so schwer einzuschätzenden Eindruck. Für erwachsene Fans des Comic-Katers ist das Abenteuer an sich nur bedingt zu empfehlen, hierfür sorgen die albernen Witze und die fehlende Tiefe im Humor; das Kinderpublikum hingegen wird sich trotz der Längen im Mittelteil amüsieren, und das ist eigentlich auch die Hauptsache.


Fazit:
Auch nach beinahe 30 Jahren erfreut sich der täglich erscheinende "Garfield"-Comic großer Beliebtheit und mehrere Hundert Millionen Menschen amüsieren sich über seine Geschichten (die erst vor kurzem eine große Veränderung für sein Herrchen Jon beinhalteten). Aber auch wenn die philosophischen Anlagen und die mitunter vermittelten Lebensweisheiten bei weitem nicht an diejenigen der weltbekannten "Peanuts" heranreichen, richtet sich "Garfield" doch eher an eine erwachsene Leserschaft.
Anders hingegen das Filmabenteuer Garfield 2, das ganz offensichtlich für ein kindliches Publikum konzipiert wurde. Dieses wird an den bunten Bildern und der oft eingespielten Musik, den einfachen Witzen und den sprechenden Tieren auch seinen Spaß haben. Erwachsene hingegen werden über das einfallslose, von erfolgreichen Filmen wie Ein Schweinchen namens Babe kopierte Konzept nicht hinwegsehen können, und auch die absehbaren Szenen, die unterentwickelte Geschichte und die 08/15-Slapstick-Einlagen lassen Tim Hills Film weit länger erscheinen, als er eigentlich ist.
Dabei ist er nicht unerträglich, sondern einfach zu unoriginell, als dass man es unbedingt gesehen haben müsste – trotz der gelungenen Animationen. Als Kinderfilm bietet Garfield 2 hingegen harmlose, wenn auch mitunter etwas langatmige Unterhaltung, mit einer Prise Moral. Mehr können sich Eltern kaum erhoffen.


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