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G.I. Joe - Die Abrechnung [2013]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Januar 2015
Genre: Action / Science Fiction / Thriller

Originaltitel: G.I. Joe: Retaliation
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jon M. Chu
Musik: Henry Jackman
Darsteller: Dwayne Johnson, D.J. Cotrona, Adrianne Palicki, Ray Park, Elodie Yung, Channing Tatum, Jonathan Pryce, Bruce Willis, Byung-hun Lee, Ray Stevenson, Luke Bracey, Arnold Vosloo, RZA


Kurzinhalt:
Die Elite-Soldaten der Joes sind die besten der Besten. Nach einem erfolgreichen Einsatz wird das Team unter Duke (Channing Tatum) angegriffen und fast ausgelöscht. Befohlen wurde dies vom US-Präsident (Jonathan Pryce), der durch einen Doppelgänger der bösen Organisation Cobra ausgetauscht worden war.
Die überlebenden Joes Roadblock (Dwayne Johnson), Jaye (Adrianne Palicki) und Flint (D.J. Cotrona) machen sich auf, die Hintermänner des Anschlags zu enttarnen. Währenddessen versucht Joe Snake Eyes (Ray Park) mit der Kämpferin Jinx (Elodie Yung), mehr über Cobras Pläne in Erfahrung zu bringen. Die wollen nicht weniger als die Weltherrschaft an sich reißen ...


Kritik:
Die Fortsetzung zu G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra [2009] beginnt wie viele andere Superhelden-Actionfilme. Selbst dass der Film auf dem langlebigen Spielzeug basiert (und nicht umgekehrt), ist heute keine Seltenheit mehr. Doch innerhalb der nicht ganz zwei Stunden Laufzeit geschieht inhaltlich etwas mit G.I. Joe - Die Abrechnung, das den Film weg von reiner Unterhaltung bringt. Nicht einmal, wenn man das Gehirn noch während des Vorspanns abschält, kann man darüber hinwegsehen.

Nach einigen nichtssagenden Charaktermomenten um Roadblock und Duke wird die Geheimorganisation der Joes nach Pakistan geschickt. Dort wird das Team nach getaner Arbeit angegriffen und die meisten Mitglieder getötet. Während der amerikanische Präsident in einer Pressekonferenz davon spricht, dass die Joes auf eigene Faust gehandelt hätten, beginnt Roadblock mit den übrigen Überlebenden, die Verantwortlichen des Hinterhalts auszumachen.

Das klingt interessanter als es ist, denn wie die totgeglaubten Joes zurück in die USA kommen behalten die Filmemacher ebenso für sich wie die allermeisten sinnvollen Übergänge. Wer den Ausgang des ersten Teils bereits vergessen hat wird nochmals daran erinnert, dass der US-Präsident durch einen Agenten der bösen Organisation Cobra ausgetauscht wurde, dessen Anführer in Die Abrechnung selbstverständlich seine Vergeltung plant und die Weltherrschaft an sich reißen will. Hierfür hat er eine Waffe vorbereitet, die einem James Bond-Film entsprungen sein könnte. Im letzten Filmdrittel verbirgt sich dabei auch die beste Idee des Films: Die Art und Weise wie der amerikanische Präsident die übrigen Atommächte zum Abrüsten bewegen will, ist so absurd wie unterhaltsam. Man könnte auch sagen, sie ist so grotesk, dass man sich fragen muss, weshalb noch niemand zuvor darauf gekommen ist.

Aber schon zuvor zeigen sich die Problemzonen bei G.I. Joe - Die Abrechnung. Darunter fallen (wie schon bei Teil eins) kaum vorhandene Charakterzeichnungen und klischeebeladene Machodialoge, die auch Gaststars wie Bruce Willis nicht besser machen. Viel schwerer wiegt allerdings, mit welcher verharmlosenden Selbstverständlichkeit Regisseur Jon M. Chu die Gewalt im Film darstellt. Verharmlosend wirkt sie deshalb, da die Betroffenen kein Gesicht verliehen bekommen. Die Unmengen an Schergen, die hier niedergemetzelt werden, sind im Gegensatz zu den Helden allesamt in Uniform mit Kopfbedeckung. Säbeln Snake Eyes und Jinx an einem Berghang schwingend in einer der abstrusesten Sequenzen des Films Dutzenden Cobrakämpfern die Seile durch, fallen diese wie die Fliegen in den Tod. Da tröstet es auch nicht, dass der Film ab 16 Jahren freigegeben ist und der obligatorische "Extended Cut" noch mehr Gewalt zeigt.

In einer schockierenden Einstellung werden gar Millionen Menschen ermordet, doch zeigen die Macher kein einziges Schicksal, keine Leiche. Nichts. Keine Minute später gibt es die nächsten coolen Sprüche zu hören. Als wäre die Bedrohung von Menschenleben nicht schon Thrill genug, wird hier auf eine Art und Weise der Untergang einer ganzen Großstadt als Actionhappening zelebriert, ohne dass dem irgendein emotionales Gewicht verliehen würde. Vielleicht ist es ja diese nüchterne Betrachtungsweise, die es uns ermöglicht, dass wir alltäglich die Zeitung aufschlagen, ohne angesichts der berichteten Gräueltaten zu verzweifeln. Doch diese zu einem bloßen Unterhaltungselement zu degradieren ist so schäbig wie untragbar.


Fazit:
Lange Zeit scheint es, als wäre Regisseur Jon M. Chu handwerklich in der Lage, trotz der aufdringlichen Zeitlupen einen optisch überzeugenden Actionfilm zu inszenieren. Ab der Mitte des Films werden die Kampfszenen zunehmend hektischer im Schnitt, so dass keine einzige Bewegung im Schwertkampf ohne Perspektivenwechsel zu Ende gezeigt wird. Und beim Finale kommt das pseudodokumentarische Wackeln der Kamera bei Schüssen, Schlägen oder Explosionen dazu. Damit schwingt G.I. Joe - Die Abrechnung auf der vielbefahrenen Welle belangloser Actionreißer mit.
Inhaltlich ist das von Anfang an hanebüchen absurd, wozu die Charakternamen ebenso beitragen, wie die flachen Dialoge. Die markigen Sprüche werden dem Zielpublikum zusammen mit dem glibberigen Pathos zum Schluss gefallen. Man könnte angesichts der Tatsache, dass der Film nie langweilig ist, sogar darüber hinwegsehen, doch wie belanglos hier Menschen dahingemetzelt werden, ohne einen Tropfen Blut zu zeigen – wodurch die Brutalität dahinter verschleiert wird – ist in der Tat erschreckend. Und traurig.    


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