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Falsches Spiel mit Roger Rabbit [1988]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Juli 2015
Genre: Fantasy / Animation / Komödie / Krimi

Originaltitel: Who Framed Roger Rabbit
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1988
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Zemeckis
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Bob Hoskins, Charles Fleischer (Wolfgang Ziffer), Joanna Cassidy, Christopher Lloyd, Kathleen Turner (Joseline Gassen), Stubby Kaye, Alan Tilvern, Lou Hirsch (Tobias Meister), Richard LeParmentier, Joel Silver, Paul Springer, Richard Ridings


Kurzinhalt:

Von dem Studioboss R.K. Maroon (Alan Tilvern) angeheuert soll Privatdetektiv Eddie Valiant (Bob Hoskins) Beweise liefern, ob die Frau von Trickfilmheld Roger Rabbit (Charles Fleischer / Wolfgang Ziffer), Jessica (Kathleen Turner / Joseline Gassen), ihren Mann betrügt oder nicht. Seit Gerüchte die Runde machen, ist Roger nicht bei der Sache und treibt durch seine Unkonzentriertheit die Budgets seiner Filme in die Höhe. Widerwillig nimmt Eddie den Auftrag an, vor allem, da er das Geld dringend brauchen kann. Auch liefert er die gewünschten Fotos, doch als wenig später Roger wegen Mordes am Liebhaber seiner Frau gesucht wird, findet er Roger aufgelöst in seinem Büro wieder. Der beteuert seine Unschuld und meint, er sei reingelegt worden. Zwar möchte Eddie damit nichts zu tun haben, doch erste Ungereimtheiten lassen ihn an Rogers Schuld zweifeln und der ermittelnde Richter Doom (Christopher Lloyd) ist ihm wie seine Wiesel suspekt. Vor allem läuft Eddie die Zeit davon, zumal er selbst in die Schusslinie geraten ist …


Kritik:
Noch als Falsches Spiel mit Roger Rabbit im Kino lief, war das einzigartige Abenteuer bereits ein Klassiker. Blickt man mehr als 25 Jahre später auf den Film zurück, fällt auf, was für ein Erfolg Regisseur Robert Zemeckis tatsächlich geglückt ist. Sein Mix aus Real- und Animationsspielfilm verpackt als Film-Noir-Krimikomödie setzt nicht nur den Cartoons und ihren Ikonen, die sich hier wiederfinden ein Denkmal, er markiert auch den Höhepunkt handgezeichneter Trickfilme.

Eigentlich ist es traurig, dass sich ein junges Publikum davon heute nicht mehr begeistern lässt. Dank überall verfügbarer Computertricktechnik ist nichts unmöglich. Was sich die Filmemacher ausdenken, kann auf die Leinwand gebracht werden. Dass Falsches Spiel mit Roger Rabbit vollständig ohne Computeranimation auskommt und gerade die gezeichneten Figuren so viel lebendigen Charme entwickeln, dass es einen hochkarätigen Darsteller wie Bob Hoskins braucht, um dagegen anzukommen, ist die eigentliche Überraschung.
Es ist das Jahr 1947. In Hollywood werden Real- und Trickfilme gedreht – letztere werden dabei nicht gezeichnet, sondern mit den lebendigen Cartoon-Figuren, den Toons, gedreht. Sie leben in einem Stadtteil von Los Angeles, genannt Toonstadt, die dem Studiogründer Marvin Acme gehört.

Das konkurrierende Studio unter R.K. Maroon hat derzeit mit seinem gezeichneten, tierischen Hauptdarsteller zu kämpfen: Der Publikumsliebling Roger hat Liebeskummer und befürchtet, dass seine Frau Jessica ihn betrügt. Darum soll der abgehalfterte Privatdetektiv Eddie Valiant pikante Fotos für Maroon schießen, damit Roger endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt.
Was sich anhört wie die typischen Zutaten eines Noir-Krimis entwickelt dank der gezeichneten Figuren und des authentischen Flairs von 1947 einen unbändigen Charme. Als alkoholkranker Eddie gibt Bob Hoskins eine ruppige und gleichzeitig warmherzige Darbietung, die in den Szenen, in denen auf die Tragödie in seiner Familie hingewiesen wird, nur umso näher geht. Kurz nachdem Eddie die Fotos bei Maroon abgegeben hat, wird Roger des Mordes an dem vermeintlichen Liebhaber seiner Frau beschuldigt und ist auf der Flucht. Dass er sich bei Eddie versteckt, versteht sich von selbst, ebenso dass hinter alledem ein Komplott steckt, bei dem mehr auf dem Spiel steht als nur Rogers Freiheit.

Die Geschichte, die Falsches Spiel mit Roger Rabbit erzählt, ist dichter verwoben, als man es sich bei einer solchen Art Film denken würde. Tatsächlich ist keine einzige Szene zu viel, alle sind wichtig, um die Puzzlestücke zu platzieren, die es im letzten Drittel zusammenzusetzen gilt. Bis es soweit ist, präsentiert Zemeckis ein Gagfeuerwerk, das von der Energie und dem Humor an die Trickkurzfilme aus den 1960er bis 80er Jahren mit Bugs Bunny und Daffy Duck, oder Droopy und Woody Woodpecker erinnert. Wie viele verschiedene Figuren dabei im Film vertreten sind, ist kaum vorstellbar und allein die Tatsache, dass neben Bugs Bunny auch Micky Maus, Donald Duck oder Goofy vertreten sind, ist ein kleines Wunder. Immerhin stammen die Figuren von unterschiedlichen Studios, die niemals zuvor zusammen zu sehen waren. Hier finden sie alle ihre Momente, sei es das Klavierduell zwischen Daffy und Donald oder der Fallschirmsprung mit Bugs und Micky.

Mit der Geschichte beweist Falsches Spiel mit Roger Rabbit trotz des ständigen Humors ein Feingefühl, das immer noch erstaunt und die Ideen, die zukünftige Entwicklung der Stadt Los Angeles vorzubereiten, ist schlichtweg brillant. Wovon der Film jedoch am meisten lebt ist der nahtlose Übergang zwischen Real- und Trickfilm, der vollkommen unsichtbar ist, wenn sich die Toons in der wirklichen Welt bewegen, und ebenso erstaunt, wenn das Geschehen nach Toonstadt verlagert wird.
Was den Zeichentrickkünstlern hier gelungen ist, ist beispiellos und atemberaubend. Vor allem hält es auch nach beinahe 30 Jahren immer noch so mühelos Stand. Das zeitlose Flair, die fantasievolle und so detailliert erzählte Geschichte tragen zu einem Filmklassiker bei, der nicht nur unerreicht ist, sondern es (durch die technischen Veränderungen) zum Glück auch bleiben wird.


Fazit:
Nicht nur Jessica Rabbits Solo bleibt den meisten Zuschauer im Gedächtnis – Falsches Spiel mit Roger Rabbit besitzt so viele erinnernswerte Momente, dass es schwer fällt sich zu entscheiden, welcher der Beste ist. Robert Zemeckis zaubert eine Welt auf Film, in der Cartoonfiguren und Menschen zusammenleben können. Wer hat sich das nicht selbst gewünscht, als man samstagmorgens die Cartoonserien im Fernsehen geschaut hat? Es ist eine wundervolle Idee mit einer Welt voll unbegrenzter Möglichkeiten.
Der Film erzählt darin eine Krimikomödie im Stile der großen Filmklassiker, zeitlos und mit einem unverwechselbaren Flair eingefangen. Das ist insbesondere dank des fantastischen Bob Hoskins mitunter berührend, spannend und stets so lustig umgesetzt, dass die Energie auf das Publikum überspringt. Vor allem ist es so perfekt gemacht, dass man sich bis heute fragen muss, wie um alles in der Welt sie das angestellt haben. Vermutlich haben sie die Toons einfach vor die Kamera geholt.
Ein Meisterwerk.    


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