skip to content

Fallen - Dämon [1998]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Juni 2003
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: Fallen
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Gregory Hoblit
Musik: Dun Tan
Darsteller: Denzel Washington, John Goodman, Donald Sutherland, Embeth Davidtz, James Gandolfini, Elias Koteas


Kurzinhalt:
Nach langer Jagd konnte Polizist John Hobbes (Denzel Washington) den Schwerverbrecher und mehrfachen Mörder Edgar Reese (Elias Koteas) festnehmen und nun ist der Tag gekommen, an dem er durch eine giftige Gasmischung zum Tode gebracht werden soll.
Die Exekution verläuft ohne Probleme, doch immer wieder begegnen Hobbes Tage später Menschen, die dieselben Lieder summen wie Reese, und die ihn zu kennen scheinen. Dann geschehen Morde nach demselben Schema wie sie Reese verübte und Hobbes erhält seltsame Anrufe. Er und seine Partner Jonesy (John Goodman) und Lou (James Gandolfini) stehen vor einem Rätsel.
Schließlich kommen Bezüge zu einem früheren Fall auf, in dem ein Polizist für die Nachahmungsmorde verantwortlich gemacht wurde, bis er sich scheinbar das Leben nahm. Dessen Tochter Gretta Milano (Embeth Davidtz) offenbart Hobbes allerdings, dass es zwischen Himmel und Hölle mehr gibt, als man zu glauben wagt – und ein Dämon, der sich über Berührungen in verschiedene Körper transportieren kann, es auf ihn abgesehen hat.


Kritik:
Als Dämon, so der damalige deutsche Titel des Horrorthrillers, vor Jahren in den Kinos lief, wurde er von den Kritikern relativ unsanft zerpflückt. Und den Vorwurf, eine Mischung zwischen Sieben [1995] und Der Exorzist [1973] zu sein, muss sich der Film auch gefallen lassen – heute scheint das aber kaum jemanden mehr zu interessieren, immerhin wird er oft beworben und mit "Tipps" ausgezeichnet.
Doch zum Leidwesen des Zuschauers hat sich die Qualität des Films in der Zwischenzeit leider nicht geändert. Auch die Tatsache, dass man für die Fernsehausstrahlung nun den englischen Titel nutzt und mit einem deutschen Untertitel versieht, hilft da nicht viel.
1998 war der Streifen trotz eines bekannten und respektierten Casts mit Namen wie Denzel Washington, John Goodman, Donald Sutherland und anderen ein Flop gewesen der weit hinter den Erwartungen blieb – wer ihn gesehen hat, versteht höchst wahrscheinlich, wieso. Denn trotz der guten Darsteller und der grundsätzlich interessanten Story verbirgt sich hinter Fallen nicht viel mehr als eine gut polierte Videoproduktion mit einem unverkennbaren Hang zum Klischee, beziehungsweise einer unpassenden Videoclipinszenierung in manchen Sequenzen.

Nicholas Kazans Ansatz der Story ist alles andere als schlecht, denn besser "gut geklaut", als schlecht "selbstgemacht". Es ist schade, dass der Drehbuchautor nicht den Mut fand, sich zwischen dem mystischen Aspekt oder aber der Thriller-Story besser zu entscheiden, so versucht er den goldenen Mittelweg und scheitert letztendlich daran. Während sich die "Paten" des Films, Sieben und Exorzist jeweils auf verschiedene Eigenarten spezialisiert hatten, Sieben auf die psychologischen Aspekte und den subtilen Horror (das, was man nicht sah), so überzeugt Der Exorzist durch das offensichtliche Grauen und die Ohnmacht der Beteiligten, dem ein Ende zu setzen (durch das, was man zu sehen bekam). Bei Dämon ist es etwas von beidem, aber keines richtig.
Die Tatorte werden in wenigen Sekunden abgehandelt und die Gespräche dauern hauptsächlich durch lange Pausen einige Minuten, beides kommt zu kurz und wirkt von der Inszenierung her doch zu langatmig. Am ärgerlichsten ist allerdings, dass die Story viel zu lange braucht, um den Darstellern klar zu machen, worum es eigentlich geht, denn auch wer den Film nicht schon einmal vorher gesehen hat, wird sehr schnell wissen, wie der Hase läuft. Wenn Washington & Co. aber dafür noch ganze 30 Minuten mehr brauchen, ist das für den Zuschauer ermüdend und auch zermürbend.
So macht Fallen den Eindruck, als wäre der Film ein etwas übersinnlich angehauchtes Gruselabenteuer, das zweifelsohne eine Freigabe "ab 12 Jahren" hätte erhalten können, wenn da nicht ein recht brutales Finale wäre.
Man kann dabei nicht sagen, dass manche Szenen nicht "Spaß" machen würden, im Gegenteil einige Sequenzen sind sehr spannend geraten und lassen einen mitfiebern. Auch wenn Hobbes erkennen muss, mit wem er sich eingelassen hat, stutzt man als Zuschauer sehr schnell und wundert sich, wie er da wieder herauskommen möchte. Doch auch die Auflösung und die Entscheidungen der Charaktere sind absehbar und somit nicht wirklich gelungen.
Am Schluss des Films wollten die Macher das wohl wieder ausgleichen und haben gleich zwei Überraschungen hinein gepackt, eine davon ist wirklich gut, die andere ein uraltes Klischee.
Aus der Ausgangsidee hätte man mit einem groben Feinschliff bedeutend mehr herausholen können, vielleicht wäre dazu auch nur nötig gewesen, einige Nebencharaktere zu streichen, denn auch wenn die gut besetzt sind, wirken sie doch nur wie Staffage.

Wer sich von den Beteiligten wirklich ins Zeug legt ist zweifelsohne Denzel Washington, der zwar wie gewohnt routiniert agiert, sich aber auch nicht zu schade ist, in einigen Szenen seine Darstellermuskeln spielen zu lassen. Er macht seinen Charakter greifbar und verleiht ihm Tiefe – schade nur, dass dem die Dialoge nicht Rechnung tragen, denn was nutzt eine sehr gute Mimik, wenn aus dem Mund nur klischeehafte Sprüche kommen?
John Goodman ist ebenso wie James Gandolfini hoffnungslos unterfordert (und auf Grund der völlig unpassenden Synchronstimme auch kaum zu ertragen), Goodman darf allerdings wenigstens beim Finale im Rampenlicht stehen, wenngleich er gerade dann fehlplatziert wirkt. Das mag womöglich daran liegen, dass er im Film keinerlei Hintergrund besitzt und noch nicht einmal einen Nachnamen. Gerade anders herum ergeht es Donald Sutherland, der als Lt. Stanton den Vorgesetzten von Hobbes spielen darf. Auch er kommt nicht über seine genreübliche Rolle als zwielichtiger Chef hinaus und hat ohnehin nicht viel Zeit, um vor der Kamera matt glänzen zu können.
Die einzige, die neben Washington etwas von ihrem Können zeigen darf ist Embeth Davidtz, die schüchtern und verschreckt überzeugen kann – nur wird man das Gefühl nicht los, dass ihre Rolle im Film zu Gunsten anderer Beteiligten gekürzt wurde. Ihre Storyline wird zum Schluss hin gar nicht mehr weiterverfolgt.

Wie viele Filme vorher schon bewiesen haben, kann man über inhaltliche Schwächen gerne hinweg sehen, wenn zumindest die Inszenierung stimmt, leider ist das bei Dämon auch nicht der Fall.
Zwar wirkt die Kamera- und Schnittarbeit, als wäre sie für die Kinoveröffentlichung extra poliert worden, doch dem machen seltsame Zeitlupen und die manchmal unfreiwillig komische Kamera aus der Perspektive der vom Dämon besessenen Person einen Strich durch die Rechnung. Dann bekommt man das Bild in Falschfarben und verzerrt zu sehen, besser macht es das aber nicht.
Insgesamt vermisst man bei den Szenen selbst die Originalität, auch wenn optische offensichtlich versucht wird, an Sieben anzuschließen. Tatsächlich liegen dazwischen aber Welten, wobei David Finchers Film mit deutlich mehr Budgetkürzungen und -streitereien zu kämpfen hatte.
Die übrige Inszenierung gibt sich solide und wartet bisweilen mit beinahe malerischen Landschaftsaufnahmen auf, doch anstatt demgegenüber die kalte und graue Großstadt zu stellen, wird die Stadtlandschaft gar nicht eingefangen. Außergewöhnlich ist an der Art und Weise, wie der Film in Szene gesetzt wurde, allenfalls die innovationslose und vor allem profillose Alltäglichkeit der meisten Bilder.
Dass Regisseur Gregory Hoblit sein Handwerk versteht und auch Schauspieler zu führen weiß, bewies er zwei Jahre zuvor mit dem grandios gespielten Zwielicht [1996].

Die musikalische Untermalung von Dun Tan beschreibt man womöglich am besten so: wenn man sich als Zuschauer einige Tage nach dem Ansehen des Films fragt, ob er überhaupt eine Musik hatte, dann ist das in aller Regel kein gutes Zeichen – und doch auch kein schlechtes.
Sein Score ist atmosphärisch, in den Actionszenen aber zu wenig dynamisch, letztendlich ist aber nichts im Gedächtnis haften geblieben, außer dem Rolling Stones-Lied Time is On My Side. Und das trifft für den Film nicht zu. Doch mit einer solchen Musik ist eher vorlieb zu nehmen, als mit einer, bei der man sich die Ohren zuhalten möchte.

Was am Ende bleibt ist ein unwichtiger und verschenkter Film, der mit einem besseren Drehbuch auch deutlich besser hätte sein können. Regie und Darsteller sind zu mehr fähig und haben auch schon Besseres gezeigt, aus der Vorlage war vielleicht nicht mehr zu holen, aber als Entschuldigung kann man das nicht gelten lassen.
Dämon ist dabei kein schlechter Film, es gibt auch auf diesem Gebiet Schlimmeres, doch wird man nach dem Ansehen das Gefühl nicht los, man hätte die Zeit deutlich sinnvoller verbringen können.


Fazit:
In fünf Jahren kann man zwar zum Filmstar werden und auch selbigen Status wieder verlieren, aber ein Film wird in der Zeit nicht wirklich besser – ob das in irgendeiner Zeitspanne der Fall ist, sei dahingestellt, man kann sich dem Kritikerurteil von 1998 jedenfalls nur anschließen: Gruseln kann sich bei Fallen nur der, der die "Paten"-Filme dieses Films nicht kennt.
Unentschlossen schippert Hoblits Regiearbeit zwischen Horror und Thriller, dabei ist für den Zuschauer offensichtlich, worauf alles hinauslaufen wird und doch kann man das Klischee nicht daran hindern, einzutreten.
Wer sich traut, mitzudenken ist den Filmcharakteren immer einen Schritt voraus – und das ist kein Kompliment; lediglich Denzel Washington ist einen Blick wert, doch auch er hat in schon in durchschnittlicheren Filmen besser gespielt, von seinen guten Filmen ganz zu schweigen.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.