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El Mariachi [1992]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 23. April 2003
Genre: Action

Originaltitel: El Mariachi
Laufzeit: 79 min.
Produktionsland: Mexiko
Produktionsjahr: 1992
FSK-Freigabe: Nicht unter 18 Jahren

Regie: Robert Rodriguez
Musik: Robert Rodriguez
Darsteller: Carlos Gallardo, Consuelo Gómez, Peter Marquardt, Reinol Martinez


Kurzinhalt:
Sein Gefängnisaufenthalt hält den Killer Azul (Reinol Martinez) dank der korrupten mexikanischen Polizei nicht davon ab, weiterhin seinen illegalen Geschäften nachzugehen. Eines Tages jedoch erhält er Besuch von einigen schwer bewaffneten Männern, die ihn im Auftrag seines ehemaligen Partners Moco (Peter Marquardt) vorzeitig zu seinem Schöpfer schicken sollen. Azul überlebt das Attentat aber unbeschadet, schnappt sich seinen mit Waffen vollgestopften Gitarrenkasten und macht sich auf den Weg zu Moco um mit ihm abzurechnen.
Zur gleichen Zeit kommt ein junger und hoffnungsvoller Mariachi (Carlos Gallardo) auf der Suche nach Arbeit als Musiker in das Provinzkaff nahe der mexikanischen Grenze. Wie er bei seiner Tour durch die Bars der Stadt schnell feststellen muss, ist ein Musiker dort allerdings so gesucht, wie heiße Steppenluft.
Außerdem verwechselt Mocos Privatarmee ihn dank seines Gitarrenkastens mit Azul. Eine für alle Beteiligten folgenreiche Verwechslung…


Kritik:
Der gebürtige Texaner Robert Rodriguez war gerade 23 Jahre alt, als er El Mariachi für spärliche 7.000 Dollar inszenierte. Zuvor hatte er ein paar Dutzend private Videos gedreht und schließlich mit der Anthologie Austin Stories [1990] erstmals ein vorlegbares Ergebnis produziert. Dem mit einem Kritikerpreis und einem Platz an der Filmhochschule prämierten Werk folgte dann sein erster 16mm-Kurzfilm Bedhead [1991] (mit einigen seiner neun Geschwister besetzt) welchem schließlich sein erster "richtiger Film" folgte: eben El Mariachi.

Der Streifen, dessen Story Rodriguez natürlich selbst schrieb, sollte eigentlich direkt auf dem spanisch-sprachigen Videomarkt veröffentlicht werden, in der Hoffnung, dass er irgendwann das investierte Geld wieder einspielen würde. Doch dabei blieb es nicht, denn der No-Budget-Streifen kam nicht nur sehr gut an, er startete auch bei einem Filmfestival in Toronto und wurde dort prämiert.
Aus diesem Überraschungserfolg resultierten dann zwei für Rodriguez sehr entscheidende Entwicklungen. Zum einen freundete er sich mit Quentin Tarantino an, dem der Film sehr gut gefiel und dessen Gangster-Film Reservoir Dogs – Wilde Hunde [1992] auf dem Festival ebenfalls für Aufsehen sorgte, und zum anderen bekam er von "Columbia Pictures" einen Vertrag angeboten.
Während er basierend auf einem Drehbuch von Tarantino später seinen bisher international wohl bekanntesten Film From Dusk Till Dawn inszenieren sollte, landete Rodriguez' Debüt-Film sogar mit einigem Erfolg in den amerikanischen Kinos. Spanisch mit englischen Untertiteln, in den USA ein Novum.

Bei einer solchen Erfolgsstory, die der Traum eines jeden hoffnungsvollen Filmemachers sein dürfte, stellt sich freilich die Frage, ob dies nun purer Zufall, gepaart mit einer guten Portion Glück war, oder ob der Film tatsächlich über die entsprechenden Qualitäten verfügt. In diesem Fall lautet die Antwort eindeutig ja, denn El Mariachi verdient seinen Ruf als Kultfilm in jeder Hinsicht.
Auf den ersten Blick erscheint El Mariachi "nur" als weiterer Verwechslungsfilm mit Action-Einlagen, doch schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier viel mehr dahinter steckt. Auch wenn die Story sicher weder neu, noch eine echte Innovation ist, verfügt das clevere Drehbuch über genug Wendungen in der Geschichte und vor allem vielen originellen Einfällen, dass man das einfache Grundkonzept schnell außer Acht lässt.
Rodriguez' Film ist angefüllt mit einer ganzen Reihe skurriler Gestalten, die für ebensolchen Humor sorgen, denn trotz etlicher kurzer aber blutiger Schusswechsel (die dem Film auch zu Recht seine hohe Altersfreigabe einbrachten) gibt es viel zu lachen. Von Wortwitz über Running Gags bis hin zum verbalen Schlagabtausch ist so ziemlich für jeden etwas dabei, auch wenn der Humor oft sehr schräg ist. Spätestens aber, wenn Azul und Moco sich darüber streiten, wie viele Handlanger Azul nun erschossen hat, wird klar, dass sich die Geschichte selbst nicht allzu ernst nimmt.

Dabei hat Rodriguez mit dem umherziehenden Mariachi, der mit seiner Gitarre Balladen von Liebe und Abenteuer zu den Menschen trägt, während er durch das heiße Land zieht, durchaus eine interessante Figur in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt, eine romantisierte und freie Gestalt, unschuldig und gut. Nur wird der fahrende Sänger hier in eine Reihe für ihn unschöner Entwicklungen gezogen, die ihm diese Unschuld sehr schnell nimmt.
Der in schwarz gekleidete Mann mit einem Gitarrenkoffer voller Waffen ist schließlich auch nicht unbekannt und selbst in Europa vereinzelt als urbane Legende ein Begriff, was der Gestalt zusätzlich noch eine gewisse Coolness verleiht.

Dafür, dass es sich bei den Akteuren ausnahmslos um unbezahlte Laien handelt, kann man sich über die schauspielerischen Leistungen ebenfalls nicht beschweren. Carlos Gallardos jungenhaftes Gesicht passt perfekt zu dem unbeschwerten Wesen, welches der Mariachi anfangs noch an den Tag legt, und auch wenn die Lieder alle eingespielt sind, so überzeugt er trotzdem jederzeit im schwarzen Dress.
Consuelo Gómez hat ihre Sache ebenfalls gut gemacht, wenngleich die langsam keimende romantische Verwicklung zwischen der von ihr gespielten Domino und El Mariachi das Tempo im letzten Drittel des Films ein wenig bremst.
Reinol 'Azul' Martinez spielt solide (und überzeugt vor allem am Ende) und Peter Marquardt gibt einen ordentlichen Schurken in Weiß, selbst wenn er im Finale ein wenig arg überdramatisiert. Doch gerade diese Szenen bleiben in guter Erinnerung.
Marquardt und Rodriguez kannten sich vom Jobben, und da Marquardt kein Spanisch sprach, musste er seine Texte von Karten ablesen. Darüber hinaus besetzte Rodriguez aber auch die meisten anderen Rollen aus Kostengründen einfach mit freiwilligen Verwandten und Bekannten, sowie beispielsweise zwei lokal bekannten Moderatoren (sie spielen den Hotel- und den ersten Barbesitzer). Dennoch erwiesen sich die meisten als Glücksgriff und haben sogenannten Schauspielern in diversen Soap-Operas einiges an Glaubwürdigkeit voraus.

Das praktisch nicht vorhandene Budget gleicht Rodriguez während des gesamten Films mit einem entsprechend großen Maß an Kreativität aus – und das merkt man in jeder Einstellung, denn es wimmelt nur so von verrückten Einfällen, die oft eigentlich nur aus der Not heraus geboren wurden.
Bemerkenswert ist auch Rodriguez' schon sehr ausgeprägter Regiestil, wobei ihm zu Gute kam, dass er gleichzeitig auch Cutter und Produzent des Films war, was ihm eine größtmögliche Freiheit bei der Endgestaltung seines Werkes gab, die dem "normalen Hollywood-Regisseur" heutzutage meist verwehrt ist.
Nicht selten greift er auch auf ungewöhnliche Stilmittel wie beschleunigtes Bildablaufen zurück, verwendet aber zudem viele Zeitlupen und durchsetzt alles mit schnellen Schnitten und Kamerafahrten. Manches davon mag zunächst etwas unpassend erscheinen (so zum Beispiel die schon fast cartoon-artige Demonstration der "Bar-Band"), aber es fügt sich letztendlich hervorragend in das Endergebnis ein.
Das einzige, was sich etwas störend auswirkt, sind die Unterbrechungen durch die verschiedenen Traumsequenzen. Zwar erfüllen zumindest zwei davon noch einen gewissen Zweck, doch wäre es ohne diese Szenen auf dasselbe Resultat hinaus gelaufen und zwar ohne, dass man sich zuvor durch diese eigentümlichen Passagen arbeiten muss.

Aufgrund des großen Erfolges (und da ohnehin zumindest die theoretische Überlegung bestand, den Film bei Interesse zur Trilogie auszuweiten) ließ Rodriguez 1995 eine Fortsetzung zu El Mariachi folgen, in der Antonio Banderas (Assasins – Die Killer [1995]) den Part des Mariachis übernahm. Desperado gelang das seltene Kunststück, unterhaltsam zu sein, das Original noch weit zu übertreffen und sowohl als Fortsetzung als auch in gewissem Sinne als eine Neuinterpretation von El Mariachi zu funktionieren. Hierfür stand Rodriguez dank des Vertrages mit Columbia Pictures auch ein wesentlich größeres – für Hollywood-Verhältnisse allerdings noch immer geradezu winziges – Budget zur Verfügung.
Derzeit befindet sich der dritte Teil in den Startlöchern und trotz einiger Verzögerungen wird Once Upon A Time In Mexico wohl noch 2003 in den amerikanischen Kinos anlaufen. Erneut gibt Banderas dabei den rachsüchtigen Mariachi.

All denjenigen, denen das Original gefiel und die sich für die Entstehung dieser zu Recht hochgelobten No-Budget-Produktion interessieren, sei an dieser Stelle die DVD-Veröffentlichung des Films (als zweiseitige und zweischichtige DVD, eine so genannte DVD-18, da umgerechnet knapp 18 GB Speicherplatz auf ihr zur Verfügung stehen) ans Herz gelegt. Diese in Bild und Ton aufpolierte Version des Films enthält einen sehr informativen und vor allem inspirierenden Audio-Kommentar des Regisseurs, sowie dessen ersten Kurzfilm Bedhead auf der Seite B und auf der Seite A den bekannteren Teil zwei Desperado, der ebenfalls mit einem gleichermaßen guten Audio-Kommentar versehen ist.
Wem das nicht reicht, und wer über entsprechend gute Englisch-Kenntnisse verfügt, der kann hiernach noch zum von Rodriguez geschriebenen Taschenbuch Rebell Without A Crew: Or How A 23-Year-Old Filmmaker With 7.000 $ Became A Hollywood Player greifen, in dem er seine Erfahrungen beim Dreh von El Mariachi minutiös und sehr anschaulich schildert. Besonders Filmfans und hoffnungsvollen Regie-Anwärtern kann man dies eigentlich nur wärmstens empfehlen.

Mehr als die meisten anderen Debütfilme ist El Mariachi ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Film, dessen interessante Entstehungsgeschichte ebenso spannend ist, wie der Film selbst.


Fazit:
Witzig, schräg, brutal und cool.
Ein furioser, origineller, rasant geschnittener und nie langweiliger No-Budget-Film, den man gesehen haben sollte.


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